Konzert: Wild Beasts
// 20. 04. 2010 // 2 Kommentare » // Konzertbericht
Es gibt Momente, in denen ich mich wieder mal besonders darüber ärgere, zum Studium nach Potsdam gezogen zu sein. Der heutige Abend zählt sicher dazu. Denn eh ich überhaupt erst einmal im Lido eintreffen konnte, musste ich (wie üblich) rund eine Stunde durch die Weltgeschichte tuckern. Aber was tut man nicht alles für eine gute Band? In diesem Fall die Wild Beasts aus dem schönen Großbritannien.
Ich erinnere mich zufälligerweise noch sehr gut, wie ich auf dieses Quartett aufmerksam geworden bin. Pünktlich zum Ende des letzten Jahres schickten sich wieder einmal alle geläufigen Musikmagazine und -seiten im Internet an, ihre “Best of 2009″ zusammenzustellen. Als Gelegenheitsleser von Pitchfork stolperte ich dann über ihr Zweitwerk “Two Dancers”, welches letztes Jahr veröffentlichte wurde. Interessiert hörte ich mir einige Previews/-listens an und war begeistert, weil es wie nichts klang, was sich bis dato in meiner Musikbibliothek angefunden hatte. Dementsprechend war mir klar: “Zu diesem Konzert musst du, egal, ob du schon an deiner Bachelorarbeit sitzt und nur 4 Stunden Schlaf bekommst.” So kam ich etwa kurz vor 9 am Lido an und fragte mich ganz spontan, wann ich eigentlich das letzte Mal zu einem Konzert dort war. Wenn mir jetzt wer sagen kann, wann die Gods of Blitz mit Warren Suicide als Vorband aufgetreten sind? Egal, auf dem Floor herrschte noch gähnende Leere und das sollte sich auch bis zum Auftritt der Vor(einmann)band Peter von Poehl nicht ändern. Der junge Schwede war ein lustiger Zeitgenosse und konnte mit multiinstrumentaler Untermalung seiner eher ruhigeren Titel überzeugen, auch wenn das Publikum das nur am Ende jedes Liedes mit Applaus würdigte. Eine gewisse Mary unterstützte ihn dabei musikalisch auf der Bühne und übernahm die eigentliche Bürde, da sie sowohl Gitarre als auch Schellenring und Keyboard übernehmen musste. Stets amüsant waren seine eingestreuten deutschen Beiträge, wie z.B.
“Thanks a million… Wie sagt man das auf Deutsch? Danke eine Million?” (Tausend Dank aus dem Publikum) “Ah, ist zwar weniger, aber es zeigt immer noch was ich sagen will”
Den letzten Song unterbrach er sogar kurz vor Schluss, um uns unbedingt folgendes mitzuteilen:
“Letztens war ich für ein Konzert in London in dem Club The Enterprise. Ich habe mir ein Taxi bestellt und dem Fahrer gesagt ‘Take me to The Enterprise’ und er sagte ‘What, take you to the Antichrist? Do you know what the Antichrist looks like. Like a combustion engine”… Bei dem ganzen Flugzeug-Chaos, war er vielleicht gar nicht so falsch… okay, das wollte ich nur sagen”
Lustiger Typ also. Danach gings mal wieder an den Umbau, der erfahrungsgemäß ewig dauert. Inzwischen hatte der Saal sich schon gut gefüllt und die Leute strömten auch endlich in freudiger Erwartung gen Bühne. Ganz dem Gruppentrieb erlegen, schloss ich mich an und sicherte mir ein Platz für meine “First-Row-Experience”, blöderweise genau neben der Box, aber heute war ich ja mit akustisch isolierendem Hochglanz-Taschentuch ausgerüstet, um meine Trommelfelle zu schonen. Die erste Reihe hat diverse Vorteile, so konnte ich mir auch gleich die Setlist übernehmen, die da wiefolgt aussah:
- Fun Powder Plot
- This Is Our Lot
- All The King’s Men
- Brave Bulging
- Please, Sir
- Two Dancers I
- Two Dancers II
- Still Got The Taste Dancing On Our Tongue
- Devil’s Crayon
- Hooting & Howling
- Empty Nest
- Vigil For A Fuddy Duddy
Als sie dann endlich die Bühne betraten und loslegten, war ich erstaunt, wie gut Haydens Falsettstimme live wirkt, denn gerade die ist es ja meiner Meinung nach das, was die Wild Beasts auf der einen Seite ausmacht. Auf der anderen Seite ist da natürlich der schaurig schön tiefe Bass von Tom bei Titels wie “All The King’s Men”. Sowohl Hayden als auch Tom scheinen sehr emotionale oder vielleicht auch perfektionistische Sänger zu sein. So habe ich zumindest ihre Mimik und Gestik interpretiert. Auf jeden Fall hatten sie jede Menge Spaß auf der Bühne. Man bemerke übrigens die stolze Anzahl von mindestens 6 Gitarren, die während des Konzerts auch alle zum Einsatz kamen und mitunter auch gerne mal unter Hayden und Tom getauscht wurden. Ob nun Lead-Gitarre oder Bass schien den beiden relativ egal zu sein und bei den Keyboards waren auch beide gleichermaßen in der Lage es zu bedienen. Nach Devil’s Crayon verabschiedeten sich die 4 kurz von der Bühne, um dann selbstverständlich unter tosendem Beifall wieder einzumarschieren und die letzten beiden Titel zu performen. Alles in allem also ein cooles Konzert, welches mal wieder meine Erfahrung bezüglich der Publikumsgröße bestätigt: “Je kleiner, desto feiner”. Ich werde nie verstehen können, wie man zu Konzerten in Stadien gehen kann, wenn man in solch kleinen Clubs noch nicht einmal eine Leinwand braucht, um sein Idol zu bewundern. Aber jedem das seine.
Update: Wie sich zeigte, war es keine kluge Entscheidung von mir nach der ersten offiziellen Zugabe bereits zu gehen, ihr wisst ja, wegen S-Bahn etc. Denn die Jungs haben mit Vigil For A Fuddy Duddy noch ein Schmuckstück aus ihrem Erstling zum Besten gegeben. Auf diesem Wege Neid allen denen, die es noch hören konnten und ich versinke derweil vor Scham im Boden.
MfG Ern













