Auf dem Weg zum Sprachruin
“Sehr geehrte/r Blogleser/in…”
Wäre es nicht schön, wenn ich jeden Blogeintrag so beginnen würde? Alle fühlen sich gleichermaßen angesprochen, aber man hat eigentlich schon nach dem ersten Slash aufgehört, den Satz zu lesen, denn das ist seit Abschaffung des generischen Maskulinums sowieso nicht mehr möglich. Und warum das alles? Führen wir uns die Argumente der Befürworter/innen und Gegner/innen vor Augen:
Wir beginnen mit der emazipatorischen Bewegung, der wir diesen Buchstabensalat zu verdanken haben. Allem voran steht hier natürlich ber Wunsch nach Gleichberechtigung von Mann und Frau, der dieser Bewegung überhaupt erst zugrunde liegt. So fühle man sich als Frau ungleichwertig behandelt und oftmals nicht mit genannt.
Auch könne so eine Sammelnennung in bestimmten Fällen zu Unverständlichkeiten führen, da nicht klar gesagt wird, ob nur Männer oder Männer und Frauen gemeint sind.
Ein weiterer Mangel des generischen Maskulinums liegt laut Studien darin begründet, dass es von Lesern oftmals nicht erkannt wird und somit impliziert, nur Männer seien gemeint. Das bestätigen auch andere Studien, die ergaben, dass Kinder erst sehr spät in der Lage sind, das generische Maskulinum als solches zu erkennen und verstehen, da ein gewisses Maß an Abstraktion nötig ist. Im Zuge der Gleichberechtigung müsse somit nich nur auf die Gleichstellung zwischen Frau und Mann, sondern auch im Speziellen von geistig Behinderten und nicht Beeinträchtigten geachtet werden.
Soviel zum Standpunkt der Gegner. Warum sollte es sich aber lohnen, das generische Maskulinum zu verwenden. Den ersten Vorteil hat das Eingangsbeispiel bereits demonstriert. Die Lesbarkeit eines Textes wird nicht beeinträchtigt, was mit der Meinung im Einklang steht, das geschriebenes Wort immer noch ohne Probleme in Sprache überführbar sein sollte.
In diesem Fall hilft es einmal mehr, sich seiner Sprache bewusst zu werden. Denn per definitionem gibt es eine klare Trennung zwischen dem Geschlecht in der Linguistik, dort Genus genannt, und dem biologischen Geschlecht (Sexus). So gibt es in der Linguistik drei Genera: das Maskulinum, das Femininum und das Neutrum, wohingegen es in der Biologie vorrangig nur erstere gibt. Somit kann man hier nicht kurzerhand die Geschlechter gleichsetzen. Am besten zeigt sich das bei der Zuordnung von Genera zu ungeschlechtlichen Objekten (der Besen, die Lampe, das Etui). Neben der geschlechtlichen oder ungeschlechtlichen Verwendung des Genus gibt es aber auch noch die Ebene der übergeschlechtlichen Verwendung. Hierunter fallen Wörter wie der Mensch, die Person, das Kind und andere, die allesamt wowohl männlich als auch weiblich zu gebrauchen sind. Die Kenntnis dieser Tatsache führt die Argumentation einiger Frauen ad absurdum, nur mitgenannt zu werden, gilt gleiches doch schließlich auch für uns Männer. Und wo wir schon einmal in der Linguistik sind, lässt sich weiterhin die angebliche Benachteiligung der Frauen in der Sprache entkräften. Stattdessen kann man eher von einer vorteiligen Stellung der Frau ausgehen. Will man bei übergeschlechtlichen Formulierungen wie “der Bewohner” erkenntlich machen, dass es sich um einen männlichen Vertreter handelt, ist dies explizit zu erwähnen. Für eine klare Kennzeichung eines weiblichen Individuums reicht jedoch der Wechsel des Artikel von der zu die, sowie die Endung -in aus.
Genug der linguistischen Exkursen, weiter mit den Definitionen. Wir sind in Rechtssprechung angekommen. Auch diese verwendet in Gesetzestexten wie dem Grundgesetz übergeschlechtliche Formulierungen und macht deswegen Änderungen wie “der Bundeskanzler” in “der Bundeskanzler/die Bundeskanzlerin”, nur weil Frau Merkel seit 2005 im Amt ist, hinfällig. Im Zweifelsfall sind mit der Verabschiedung des Grundgesetzes und des darin enthaltenen Artikel 3, Absatz 2 in jedem Fall die Frauen mit zu verstehen.
Wir sehen also: Hätten sich die Gegner des generischen Maskulinums vor etwaigen Beschwerden vielleicht erst einmal mit den Grundlagen auseinander gesetzt, wäre diese Debatte bereits hinfällig, da viele der angeführten Argumente auf falschen Tatsachen basieren. Ich möchte aber in diesem Kontext noch einmal klarstellen, dass ich keinesfalls Gegner der Gleichberechtigung bin, im Gegenteil, aber es gibt Grenzen wie dieses Thema.
Ich bitte also alle Leser in Zukunft, die deutsche Sprache mit Bedacht zu verwenden.
MfG Ern











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