Telefonieren im ÖPNV
Franz | 23. 07. 2010 | Allgemein, Gesellschaft
Fährt man mit U- und S-Bahn, wahlweise auch mit den verlässlich unpünktlichen Verkehrsmitteln Bus und Straßenbahn, so kann man nicht nur allerlei merkwürdige Gestalten, dumpfe Fressen und stinkende Motzverkäufer beobachten. Da verbeißt sich der kastrierte Kampfhund im Kinderwagen während der Halter mit der tätowierten SS-Rune im Nacken ein Grunzen von sich gibt, das nach „der tut doch nix“ klingt. Plötzlich dringt durch all das Gepöbel, Geschrei und die falschen Töne der unerwünschten Musikanten ein neuer akustischer Reiz. Nanu, was mag das denn sein, fragt sich das Väterchen, das sich selbst im Sitzen an der Haltestange neben seinem Platz festklammert, um a) nicht gänzlich umzufallen und b) somit wenigstens den Anschein eines lebenden Individuums zu wahren.
Da dröhnt auf einmal Lady Gaga in voller Lautstärke und minderer Qualität aus einem kleinen technischen Ding, das die fett aufgedunsene 19-jährige auf dem Nebensitz aus einer für den Fleischklops doch erstaunlich kleinen Handtasche hervorkramt. Presst sich die Fettwachtel dann das Ding, das natürlich eines dieser elendig quäkenden Mobiltelefone ist, gegen den Schädel, kann man eins der folgenden Szenarios bestaunen.
Nr. 1: Die fette Wuchtbrumme verfällt urplötzlich in eine liebliche Säuselstimme, dass es einem vorkommt, als hätte sie drei Honigeimer zum Frühstück weggelutscht. Ist ja auch gar nicht mal so unrealistisch, möchte man meinen. Am anderen Ende der Leitung muss dann entweder die frisch getrennte Freundin oder die sterbende Oma die Heuchelei ertragen. Da fragt man sich, wer auf so eine Scharade eigentlich hereinfallen soll.
Nr. 2: Die Alte blökt und quakt ins Telefon, dass Väterchen nebenan das Gebiss aus der halboffenen Schnute rutscht. Lautstärke und Tonfall entwickeln sich in einer schier endlosen Spirale zu einem regelrechten Orkan an Geblubber. Zwar bringt das ekelerregende Geschöpf, das da ins Handy hineinschwadroniert größtenteils nur unverständliche Tierlaute zu Gehör, hat allerdings dennoch einen bemerkenswerten Wortschatz an Beschimpfungen parat, den sie dann aber auch einmal komplett ausschöpft. Vermutlich ist das Opfer der Hasstiraden der Freund des Monstrums, den sie nur deshalb hat, weil dessen verbliebene Gehirnzellen nur noch Fressen und Ficken signalisieren können. Alles andere ist egal, Hauptsache Fleisch: zum Rammeln und zum Kauen. Na Prost Mahlzeit, kann ich da nur sagen.
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robzi








