Archiv für 01. September 2010

…noch mehr Musik

// 01. 09. 2010 // 1 Kommentar » // Musik, Plattenteller

8 Monate sind nun im Jahr 2010 so gut wie gelaufen. Zeit für mich, auch mal auf einige Alben hinzuweisen, die dieses Jahr bereits erschienen sind. Außerdem seh ich es als meine Pflicht an, der Indie-Inflation auch mal ein wenig Härte entgegen zu halten.

The Acacia Strain – Wormwood

The Acacia Strain - WormwoodAnfangen möchte ich mit dem 5. Studioalbum der 4 Mannen aus Masssachusetts. “Wormwood” ist vermutlich das agressivste Album des Jahres. Sänger Vincent Bennett zeigt eindrucksvoll wie angepisst er eigentlich von allem und jedem ist. Das Werk als brutal zu bezeichnen ist vermutlich untertrieben, allerdings gehen einem irgendwann die Adjektive in dieser Richtung aus. Festzuhalten bleibt: “Wormwood” ist eine Herausforderung für den Hörer, vor allem wenn es darum geht, das Ganze in einem Rutsch durchzuhören. Musikalisch geht die Post ab, dennoch hätte ich mir ein etwas durchdachteres Songwriting gewünscht. Trotzdem: Wer also mal so richtig Frust ablassen will, sollte sich “Wormwood” als Soundtrack besorgen (aber dennoch aufpassen, dass sonst niemand zu schaden kommt).

The Browning – The Browning

The Browning - The BrowningDas Debutalbum von The Browning ist sicherlich eine der bemerkenswertesten Neuerscheinungen dieses Jahr. Um heutzutage als Newcomer aus der Masse von Bands herauszustechen braucht es Originalität und den Mut Dinge miteinander zu kombinieren, die eben nicht unter das Label “schon 1000mal gehört” fallen. Das gelingt der um den ehemaligen As Blood Runs Black Shouter Jonny McBee geformten Kombo allerdings außerordentlich gut. Metal mit Elektro zu kreuzen ist zwar keine absolut neue Idee, es jedoch entsprechend umzusetzen ein ganz anderes Kapitel. Und hier trifft The Browning auf Anhieb ins Schwarze. Die wummernden Elektro-Beats verschmelzen hervorragend mit den harten Gitarrenriffs, die Intensität lässt zu keinem Zeitpunkt nach. Wer genug hat von Nintendocore und Konsorten, aber wissen möchte wie man zwei so unterschiedliche Genres zusammenbringt, der sollte hier unbedingt zuschlagen.

Called To Arms – Peril and The Patient

Called To Arms - Peril and The PatientUnd gleich noch ein Überraschungs-Hit. Das neue Album von Called To Arms verdient sich diese Bezeichnung durchaus zurecht. Auch die 5 Jungs aus New Jersey beweisen, dass sie das gewisse Extra besitzen, das in Musikerkreisen so heiß begehrt ist: Originalität. Dieses Album in irgendeine Schublade zu pressen funktioniert genausowenig, wie Moshen bei Indiekonzerten. Called To Arms gelingt es den Hörer immer wieder zu überraschen. Glaubt man einmal das Songschema erkannt zu haben, folgt prompt einer der zahlreichen gelungenen Rhythmuswechsel oder eines der herausragenden Gitarrensolos, die sich immer mal wieder zwischen die knallharten Riffs mischen, so stellt man sich gelungenes Songwriting vor. Energiegeladen, musikalisch exzellent, kurz: auf jeden Fall hörenswert.

Corpus Christi – A Feast For Crows

Corpus Christi - A Feast For CrowsCincinnati, Ohio wird nicht nur “Königin des Westens” genannt, die Stadt ist auch Heimat der Metalcore-Recken von Corpus Christi. Und diese zeigen mit ihrem zweiten Album “A Feast For Crows”  wie gutes Songwriting auszusehen hat. Der Großteil der Tracks überzeugt durch den gelungenen Mix von harten Riffs und äußerst eingängigen Melodielinien. Auch der für das Genre typische Wechsel von Shouts und klarem Gesang kommt nicht zu kurz, wobei die gesungenen Vocals von Gitarrist Jarrod Christman durchaus gewöhnungsbedürftig sind und etwas an Kraft vermissen lassen. Die Texte sind entgegen der Erwartung keine christlichen Predigten, sondern überzeugen durch gesellschaftskritische sowie persönliche Thematiken. Ein starkes Album, das mit seinen energiegeladenen Songs absolut empfehlenswert ist.

Impending Doom – There Will Be Violence

Impending Doom - There Will Be ViolenceBands, die sich dem Deathcore zurechnen, wandern auf einem schmalen Grad. Entweder man schafft den Balanceakt und driftet weder zu sehr Richtung Death Metal noch zum Metalcore oder man stürzt in den Abgrund an dessen Ende ein großer Haufen gescheiterter Gruppen warten. Glücklicherweise gelingt Impending Doom mit ihrem dritten Album die Überquerung dieses Schlunds. “There Will Be Violence” zeichnet sich durch die nötige Brutalität aus, ohne dabei zu stark Richtung The Acacia Strain abzudriften (siehe oben). Die Zusammenarbeit mit Lambesis Studios kommt der Band dabei sehr entgegen. Besonders die Vocals von Sänger Brook Reeves erinnern an den Frontmann von As I Lay Dying, was aber in jeglicher Hinsicht positiv zu bewerten ist. Fans der härteren Gangart sollten der Scheibe unbedingt eine Chance geben.

My Epic – Yet

My Epic -YetHin und wieder gibt es ein Album, das irgendwie aus dem Raster fällt. My Epic beweisen mit “Yet”, dass Härte allein eben nicht immer ausreicht. Das Trio aus Charlotte schafft ein unglaublich atmosphärisches Hörerlebnis, das in den überwiegend ruhigen Passagen seine Stärke hat. Getragen von der sanften Stimme des Leadsängers Aaron erscheinen die ungemein starken Texte als wären sie direkt mit der Musik verwoben – sicherlich ein Punkt, den jede Band versucht umzusetzen, aber My Epic gelingt dies in ganz besonderem Maße. Die 10 Songs auf dem Album versetzen den Hörer in eine Art musikalischen Schwebezustand, den man besten in voller Länge genießt. Mit nur einem Track unter 4 Minuten sollte dieser auch eine gewisse Zeit dauern. My Epic überzeugen auf “Yet” durch wohl überlegtes Songwriting; jeder, der ruhigeren Klängen nicht abgeneigt ist, sollte dem Album den ein oder anderen Durchlauf gönnen.

Parkway Drive – Deep Blue

Parkway Drive - Deep BlueGut, dass Geschmäcker bekanntlich verschieden sind. Denn sonst würde es keine Alben geben, die ein dermaßen großes Polarisierungspotential haben wie Parkway Drives aktuelles Werk mit den Namen “Deep Blue”. Die australischen Metalcore-Recken legen  ihr mittlerweile drittes Album vor, das den Sound der Vorgänger konsequent weiterführt, möglicherweise nicht zu jedermanns Zufriedenheit. Da ich zu denjenigen gehöre, die Weiterentwicklungen gegenüber nicht abgeneigt sind, kann ich nicht viel Schlechtes über “Deep Blue” sagen. Die Songs sind kraftvoll, energiegeladen und grooven teilweise extrem. Dazu kommt Sänger Winston McCalls prägnante Stimme, die Parkway Drive ein großes Stück Einzigartigkeit verleiht. Ewige “früher war alles besser”-Nörgler sollten hier die Finger weg lassen, alle anderen: zuschlagen!

Whitechapel – A New Era of Corruption

Whitechapel - A New Era of CorruptionSo, eins hätte ich dann noch aus der Deathcore-Ecke. Und, um es vorweg zu nehmen: Bei Whitechapels “A New Era of Corruption” handelt es sich nicht nur um das beste Album der Band, sondern auch um das eindrucksvollste Werk aus diesem Genre, das ich seit langem gehört habe. Dem Sechser aus Knoxville, Tennessee gelingt Song um Song die (neue?) Definition von Deathcore: brutal, laut, rau mit einschüchternden Vocals und eben ohne Songparts, die nicht ins Bild zu passen scheinen (eine Schwäche, mit der viele andere Bands des Genres zu kämpfen haben). Auch dass die Band dieses Mal mehr Death Metal als “Core” einfließen lässt, tut der Platte hörbar gut. Ein Album, das von Anfang bis Ende nicht nachlässt und zeigt, was gutes Songwriting ausmacht. Wo andere Künstler versuchen durch Härte mindergutes Songwriting zu kaschieren, verschmelzen auf “A New Era of Corruption” diese beiden Bestandteile zu einem einzigartigen Hörerlebnis.

Within The Ruins – Invade

Within The Ruins - Invade“Holy Shit!” So ungefähr hörte sich meine Reaktion (in abgekürzter Form) an, als ich das erste Mal Within The Ruins neuestes Werk mit dem Titel “Invade” hörte. Es ist durchaus angebracht an dieser Stelle mal wieder das alte Bild des rostigen Güterzugs anzuführen, der einen gerade mit Höchstgeschwindigkeit das Gesicht poliert hat. Die Brutalität der Songs und die gleichzeitige technische Finesse mit der die 5 Herren aus Massachusetts da zu Werke gehen ist schon beinahe unerhört gut. Jeder Song lässt aufs Neue erkennen, welche Power in dieser explosiven Mischung steckt, die inem da ständig die Gehörgänge durchpustet. Atempausen? Fehlanzeige! “Invade” ist von Anfang bis Ende ein unglaubliches Erlebnis, vor allem für Freunde des technischen betonten Metals. Und obwohl man am Ende komplett geplättet neben den Gleisen liegt, hofft man insgeheim schon auf den nächsten Zug.

Wer sich jetzt eventuell wundert, wo denn As I Lay Dying und Heaven Shall Burn in dieser Auflistung abgeblieben sind – diese Alben habe ich bereits ausführlich besprochen:

As I Lay Dying – The Powerless Rise

Heaven Shall Burn – Invictus (Iconoclast III)

In diesem Sinne