Archiv für November, 2010

Gotcha something new

// 28. 11. 2010 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Zeit für einen weiteren Rundumschlag mit neuer Musik. Nun, da meine Musikbibliothek die 80 GB überschritten hat, fällt es mir sichtlich schwerer als damals noch, bei all der neuen Musik noch den Überblick zu behalten. Aber auch dieses Mal habe ich mich extra für euch ins Chaos gestürzt und Hörenswertes ausgewählt. Let’s do it!

Matt And Kim | Sidewalks

Wer von dieser New Yorker Formation noch nichts gehört hatte, sollte das vielleicht einmal ändern. Denn “Sidewalks” ist mittlerweile das dritte Album von Matt Johnson und Kim Schifino nach ihrem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahre 2006 und “Grand” vor einem Jahr. Entsprechend der spärlichen Besetzung fallen auch die Melodien ihrer Songs schlicht aus. Aber gerade die Kombination aus Matts (Sprech)gesang, einem eingängigen Beat/Drumset und ein paar Electro-Samples macht den Wiedererkennungswert der beiden aus. Ich verweise da nur auf “Daylight” aus ihrem zweiten Album als Beispiel.

Anspieltipps: “Cameras”, “Silver Tiles”

Body Language | Social Studies EP

Die nächsten vier vorgestellten Tonträger haben eins gemeinsam: Super Musik für lau. Ja, richtig gehört. Die jeweiligen EPs bieten die Künstler auf Portalen wie bandcamp oder ihren eigenen Homepages frei zum Download an. Und allesamt beweisen sie, dass Qualität nicht linear vom Preis abhängt. Nun aber mal zur ersten Band, ihres Zeichens Body Language aus Brooklyn, ergo wieder New York. Das Quartett weiß mit gut arrangierten Electropop-Songs zu überzeugen. Wer ein bisschen mehr als nur die 4 Tracks auf der EP “Social Studies” hören möchte, dem sei auch die Vorgänger-EP “Speaks” ans Herz gelegt, für die allerdings ein kleiner Obulus zu entrichten ist.

Anspieltipp: “Falling Out”

Galapaghost  | Runnin’ EP

Widmen wir uns der nächsten frei verfügbaren EP, dieses Mal “Runnin” von Galapaghost aka Casey Chandler aus dem Austin, Texas. “Runnin’” ist seine mittlerweile dritte EP, die wie die beiden Vorgänger in kompletter Eigenregie eingespielt und produziert wurde. Die Musik ist dabei hauptsächlich im Folk angesiedelt und zeichnet sich durch die häufige Ukulelen-Begleitung der Tracks aus. Besonders innovativ, auch wenn es ähnliches sicher schon einmal gab, finde ich den Titel “Disintegration”, dessen Lyrics lediglich aus lose aneinander gereihten Wörtern, die im Laufe des Songs buchstabiert werden, bestehen. Klingt jetz erstma langweilig, aber überzeugt euch selbst von dem guten Arrangement. Ebenfalls nenneswert ist “Rise & Fall”, der mich ein wenig an “Anyone Else But You” von den Moldy Peaches erinnert hat.

Anspieltipp: “Disintegration”

Guards | Guards EP

Wie bereits erwähnt, noch ein Bandcamp-Fund, diesmal geht der Dank jedoch an Janos für den guten Tipp. Dabei kann ich euch nicht einmal sagen, wer hinter Guards steckt, aber das ist ja zweitrangig. Es bleibt nur festzustellen, dass die Damen und Herren ihr Handwerk beherrschen und einprägsame Retro Popsongs auf ihrer EP zusammengepackt haben. Und das ganz kostenlos, was will man mehr. Man darf gespannt sein, ob zukünftige Veröffentlichungen dieses Niveau halten können. In dem Fall wären sie nicht zu unterschätzen.

Anspieltipps: “Resolution Of One”, “Crystal Truth”

Palms On Fire | EP#1, EP#2

Ebenfalls durch Janos bin ich auf Palms On Fire aufmerksam gemacht worden. Und soweit ich den Überblick habe, wäre das die erste russische Band in meiner Musiksammlung. Wusste gar nicht, dass man auch in Russland Beach Pop fabriziert. Noch knuffiger wird das alles durch den leichten russischen Akzent, der in den Liedern rüberkommt. Wenn ihr den ehemaligen Ostblock also auch mal wieder unterstützen wollt, ladet euch die erste bzw zweite EP der Formation herunter.

Anspieltipp: “Sand Castle”

Mon Petit Chou Chou | Headlights EP

Nach all dem frei verfügbaren mal wieder etwas gegen Geld Erhältliches. Umsonst ist schließlich nur der Tod. Mon Petit Chou Chou, was direkt übersetzt “Mein kleiner Kohlkopf” und eigentlich “Mein Schätzchen” heißt, ist eine Band aus den eigenen Landen, genauer aus Gießen und Nürnberg. Für eine Debüt-EP bekommt man hier für 6 € guten Dream Pop geboten. Die Stimmen von Louisa, Lorenz und Arlo ergänzen sich dabei einfach perfekt und lassen besagte 6 € als eine gute Investitionen erscheinen.

Anspieltipp: “Headlights”

Bloodgroup | Dry Land

Nachdem ich euch also nun die Vorzüge von Musikportalen wie bandcamp näher gebracht habe, möchte ich auf eine weitere gute Quelle für bis dato weniger bekannte Künstler hinweisen. In diesem Falle ist das die Radiostation KEXP aus Seattle. Nun werdet ihr euch fragen, ob ich die ganze Zeit mit nem Langwellenempfänger in meinem Kabuff hocke? Das sicher nicht. Dem Internet sei dank hat KEXP auch einen Youtube-Channel eingerichtet. Dort sind dann die Live-Auftritte diverser Bands in den KEXP-eigenen Studios zu sehen. Und diese sind in einigen Fallen sogar nochmal um einiges besser als die Albenversionen der jeweiligen Künstler (siehe Florence + The Machine). Nachdem ich also neulich mal wieder reingeschaut habe, was es neues gibt, hat mich die Fülle an guten Bands vom diesjährigen Icelandic Airwaves Festival überrascht. Ein Song im Speziellen war “My Arms” von Bloodgroup, der mich im Endeffekt dazu bewogen hat, mir das dazugehörige Album “Dry Land” aus dem Jahre ’09 zu besorgen.

Anspieltipp: “My Arms”

Halves | It Goes, It Goes (Forever & Ever)

Bei all dem Dream und Beach Pop auch mal ein bisschen Abwechslung. Die bringen Halves mit ihrem Debütalbum “It Goes, It Goes (Forever & Ever)”, das eher im Ambient und Post-Rock angesiedelt ist. Wer es also mal ruhiger angehen will, sollte sich die Jungs aus Irland mal zu Gemüte führen. Ein kleines Schmankerl nebenbei: Das Album wurde in denselben Studios aufgenommen, in denen sonst Godspeed(!) You(!) Black Emperor zugegen ist. Außerdem ist auch Amy Millan von den Stars auf dem Album zu hören. So viel zur Kategorie “Nutzloses Wissen”.

Anspieltipp: “The Little Octoberist”

The Malpractice | Tectonics

Dass die Größe eines Landes nicht gleichbedeutend mit ihrem Aufgebot an guten Künstlern ist, hat Dänemark zumindest mir inzwischen schon bewiesen. Da sind hervorragende Bands wie Volbeat, Nephew oder Beta Satan zu nennen. Und gerade mit letzteren verbindet The Malpractice mehr als nur das Herkunftsland. Denn hinter dem Projekt steht Johannes Gammelby, seines Zeichens Mitglied von Beta Satan und nun auf Solopfaden unterwegs. Nach eigener Aussage hat er den Albumtitel weniger aus geologischem Interesse gewählt, sondern viel mehr als passende Beschreibung für die Songs darauf. Schließlich stoßen da auch ständig Tonmassen auf einander, um Klangmassive zu bilden. Aber genug der schwülstigen Lobesreden, hört selbst mal rein.

Anspieltipps: “Boss Stallion”, “Oh, The Irony”

The Barlights | You Cannot Choose The Roads That Take You Home

Von Dänemark zieht es uns weiter zu unseren Freunden, den Briten. Und zu einer vierköpfigen Band aus Norwich, die da auf den Namen “The Barlights” hört. Ich könnte jetz die Musik umständlich beschreiben, aber im Grunde genommen klingen über die Hälfte der Lieder wie Kompositionen aus der Feder der Turin Brakes. Besonders was den Gesang betrifft, müssen beide Sänger doch über ein paar Ecken verwandt sein. Mit “You Cannot Choose The Roads That Take You Home” liefern sie ein solides zweites Album ab, das vor allem durch Vielseitigkeit überzeugen kann. Insofern kann ich auch der Genrelistung auf Myspace (Indie/ New Wave/ Country) nur zustimmen.

Anspieltipps: “You Cannot Choose The Roads That Take You Home”, “Everyone Is Getting It (But Me)”

Damit entlasse ich euch erstma in die ausführlichen Hörproben. Sollte doch für jeden was dabei sein.

MfG Ern

Konzert: Two Door Cinema Club + Chapel Club

// 25. 11. 2010 // 2 Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Was wäre eine Woche ohne ein Konzert? Richtig. Und deswegen ging es heute wieder einmal ins Astra (wohin denn sonst?) zu den drei Jungs vom Two Door Cinema Club. Diese beehren Berlin nach ihrem Konzert im April wieder einmal mit ihrer Anwesenheit und nach einem in sich so stimmigen Debüt wie Tourist History ist es nur folgerichtig, sich das nicht entgehen zu lassen. Offenbar sahen das auch genügend andere Leute so, denn das Astra war für den Abend wohl komplett ausverkauft. Demenstsprechend voll wurde es dann auch. Glücklicherweise war das Publikum dieses Mal nicht von den obligatorischen 2-Meter-Hünen durchsetzt, sodass man doch eine gute Sicht auf die Bühne hatte. Zu der Vorband kann und möchte ich nichts Lobendes sagen. Ich habe mir im Voraus mal einige Tracks von Chapel Club angehört und gleich enttäuscht festgestellt, dass das wohl kaum die richtige Musik ist, um der Menge vor dem Main Gig ordentlich einzuheizen. Dem war dann natürlich auch so. Die Songs waren alle irgendwie so lala, die Riffs einfallslos, der Gesang (wenn man ihn überhaupt so nennen konnte) monoton. Einzig das Schlagzeug hatte mal einige kreative Momente zu bieten. Im Nachhinein nichts, was im Musikgedächtnis hängen bleibt. Aber zum Glück war das ja nur ne halbe Stunde, dann gings mit dem Umbau los. Sogar die Musik hier war übrigens besser, ich sag nur Daft Punk! Mit einer Runde “Ich packe meinen Koffer und nehme nicht mit…” wurde dann auch die halbe Stunde überbrückt und das Konzert konnte endlich in Gänze starten. Die Klangquali ließ übrigens nich zu wünschen übrig, klang eigentlich wie auf Platte, außer dass vielleicht der Gesang etwas leise war, aber mein Gott… is halt nen Konzert. Gespielt wurden natürlich alle Titel von Tourist History, zu meiner Freunde natürlich auch noch “Kids”, was nur als Bonustrack erhältlich war. Außerdem wurden mit “Handshake” und “Hands Off My Cash, Monty” noch 2 neue Tracks gespielt. Ich hoffe mal, ich erzähl da keinen Mumpitz. Auch wenn’s noch keine offizielle Setlist gibt, scheint mir die vom Melkweg in Amsterdam doch in Berlin auch zur Anwendung gekommen zu sein. Respekt übrigens ans Publikum. Da war ja heute ordentlich was los. Da wurde ja fast noch bis hinten zur Tür mitgetanzt. Gut, bei den Liedern natürlich auch kein Wunder. Dementsprechend entschuldigte sich Alex zwischendrin für die lange Abwesenheit seit dem April und bezeichnete den Gig als den besten, den sie bisher hatten. Nun kann er das natürlich in jeder Stadt erzählen, aber wir sind mal ganz naiv und kaufen ihm das ab. Alles in allem ein gelungenes Konzert und definitiv ein Grund, beim nächsten Termin wieder vor Ort zu sein, wenn der Preis denn stimmt.

In diesem Sinne

MfG Ern

Konzert: As I Lay Dying + Heaven Shall Burn

// 16. 11. 2010 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

As I Lay Dying - liveGestern Abend beehrten nun also zwei Größen der Metalcore-Szene die Hauptstadt. Austragungsort war das Astra, nachdem sich der Columbia-Club schnell als zu klein herausgestellt hatte.

Pünktlich um 8 gings los mit der ersten Vorband. Dew-Scented aus Braunschweig eröffneten den Abend mit einer netten 30-minütigen Mischung aus Speed- und Trash-Metal, nichts Besonderes, aber durchaus ein ordentlicher Opener. Da beide Hauptacts einen Support mitbringen durften, musste ich dann nach 30 Minuten Umbaupause Suicide Silence über mich ergehen lassen. Sei es die Musik, die mich nicht anspricht oder die anmaßend großen Aufsteller mit dem Bandlogo, die umständlich auf die Bühne gehievt wurden – ich hatte keinerlei Zugang zu dieser Band. In jedem Song gab es mindestens zweimal die typischen Standard-Deathcore-Breakdowns. Abwechslung sieht anders aus.

Waren 30 Minuten Pause zwischen zwei Vorbands meiner Meinung nach schon hart an der Grenze, wurde meine Geduld nun auf eine noch größere Probe gestellt. Zwischen dem Abgang von Suicide Silence und dem Aufmarsch von As I Lay Dying vergingen satte 45 Minuten. Dass die lange Warterei wahrscheinlich auch durch technische Probleme, mit denen die beiden Hauptacts auch in der Folge noch leicht zu kämpfen hatten (dazu später mehr), bedingt war, machte das Ganze nicht besser. As I Lay Dying spielten ein Set mit mindestens einem Song von jedem Album, der Schwerpunkt lag allerdings wenig überraschend auf dem aktuellen Werk “The Powerless Rise”. Die Action im Publikum während des (leider viel zu kurzen) Auftritts war durchaus annehmbar, ich hätte mir aber noch ein wenig mehr gewünscht. Somit kam es nur zu einer kleinen Verletzung am Schienbein, aber ist ja auch nicht so schlimm… Verschwitzt und außer Puste verbrachte ich die letzte Umbaupause dann mit einem Bier in der “Vorhalle”.

Den Abschluss des Abends bildeten dann die Mannen von Heaven Shall Burn. Die fünf Saalfelder überzeugten durch eine großartige Live-Energie, die die gesamte Halle nochmal zum Kochen brachte. Interessant war die Leinwand-Installation auf die mit zwei großen Beamern zum thematischen Zyklus des Ikonoklasmus passende Bilder projiziert wurden. Zu Beginn des Auftritts war da zum Beispiel eine Schwarz-Weiß-Aufnahme des Brandenburger Tores mit dem Hakenkreuz zu sehen, das mit den ersten Gitarrenklängen explodierte. Ähnlich wie As I Lay Dying spielten HSB Songs von allen Alben mit dem Fokus auf dem aktuellsten Werk. Und ebenso wie ihre kalifornischen Kollegen hatten sie mit kleineren technischen Problemen zu kämpfen. Waren es bei As I Lay Dying noch die Gitarren, deren Einstellung während des Auftritts für eine kleine Verzögerung sorgten, so hatte HSB Sänger Marcus Bischoff am Anfang mit dem Mikrofon zu kämpfen, das merkwürdige Rückkopplungen fabrizierte.

Abgesehen von den genannten störenden Faktoren war es dennoch ein gelungener Abend, sodass ich gegen 0.20 Uhr erschöpft, aber musikalisch zufriedengestellt den Heimweg antreten konnte.

Konzert: Slut + Strange Death Of Liberal England

// 09. 11. 2010 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Another one. Da komm ich dem Konzertaufgebot ja fast nicht mehr hinterher. Nach Bonaparte am Samstag nun also Slut ebenfalls in Berlin, wenn auch in kleinerer Location, dem Lido in diesem Fall. Das hat sich inzwischen nich nur wegen seiner alternativen Verwendung als Tanzfläche zur Rock AG bewährt, sondert vermittelt auch immer eine so schön heimelige Atmosphäre. Und falls, wie vorm Konzert, noch nich wirklich was los ist, kann man sich mal eben an die Seite hinflezen. Das habe ich in dem Fall dann auch ma gemacht, weil ich keinen Bock hatte, nach dem 2-Meter-Massiv bei Bonaparte schon wieder für meine Körpergröße bestraft zu werden. Vorband war dieses Mal Strange Death Of Liberal England. Ich habe im Vorfeld leider gar nix recherchiert oder mal reinghört, aber die haben ihre Sache doch ganz gut gemacht. Der Gesang des Frontsängers hat mich irgendwie ein bisschen an Forward, Russia! erinnert, zumindest was die Tonschwankungen angeht. Apropos Ton: So schön das Lido auch ist. Der Sound war mir dann doch mal etwas zu laut. Klar kann man sich Stöpsel mitnehmen, aber auf anderen Konzerten klappt das ja auch ohne Probleme. Die Umbaupause nach besagter Vorband steigerte sich dann immer weiter ins Unermessliche. Das ging sogar schon soweit, dass geklatscht oder gebuht wurde, um die Jungs endlich auf die Bühne zu bringen. Dabei war der Umbau jetzt auch nich so aufwendig. Einzige Finesse war die Installation von 4 Minileinwänden, auf die im späteren Verlauf Filmschnipsel projeziert wurden. Irgendwann nach 10 war es dann aber endlich soweit und der Spaß konnte losgehen. Entgegen des Touranlasses (Re-Release von Interference und For Exercise & Amusement) verkündete Christian relativ zu Beginn, dass auch neuere Tracks gespielt werden würden. Dem war dann auch so. Dazu zählten z.B. “Staggered & Torn” oder “Easy To Love”. An dieser Stelle möchte ich mal wieder bedauernd feststellen, dass manche Bands, in diesem Falle Slut, einfach nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen aufgrund ihrer Qualität zustehen würde. Das hat sich noch nicht mal nach dem überzeugenden Auftritt beim Bundesvision Song Contest im Jahre 2005 geändert, bei dem sie erstmals landesweit übertragen wurden. Aber vielleicht sollte man dem ganzen auch eine positive Seite abgewinnen. So können sie halt noch im Lido spielen, ohne dass sich die Leute dort gegenseitig auf die Füße treten. Zu eben dieser Frage der Bekanntheit brachte Christian vor dem Song “Wishes” auch eine passende Anekdote: “Als wir das erste Album veröffentlicht haben, mussten wir uns Gedanken über eine Single machen. “Wishes” war ein Kandidat dafür. Naja, bei einem Interview zu dem Album wurden wir gefragt, ob wir zufrieden mit unserem Label sind und wir meinten “Klar”. Daraufhin der Interviewer. Wenn ihr bei dem richtigen Album wärt, dann könntet ihr die Nachfolger von Liquido sein”… Vielen Tausend Dank, Slut, dass ihr es nicht getan habt und eurer Linie immer treu geblieben seid. Zurück zum Konzert. Neben den Songs der neueren Alben wurde kurz vor Schluss tatsächlich noch ein ganz neuer Song mit dem Namen “Next Big Thing” gespielt. Er klang eigentlich ganz vielversprechend und kann seinem Namen in Stufioquali hoffentlich gerecht werden. Ein weiteres Schmankerl war dann ein Stück aus ihrer Vertonung der Dreigroschenoper, das natürlich nur “Mackie Messer” sein konnte. Den krönenden Abschluss machten die 5 Ingolstädter mit dem Song “Virus” aus dem Debütalbum “For Exercise & Amusement”. Ein schöner Schluss wie ich finde. Naja, genug geschwärmt. Ich kann euch nur wärmstens empfehlen, auch die Alben allesamt zuzulegen.

Damit möchte ich schließen.

MfG Ern

Konzert: Bonaparte!

// 07. 11. 2010 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Offiziell rangiert der folgende Bericht in der Kategorie “Konzert”, aber seien wir mal ehrlich: Das, was sich da heute abgespielt hab, passt wohl besser in die Sparte “outstanding performance in a supporting act”. Ich habe ja im Voraus bereits Einiges zu den exzentrischen Auftritten gehört, aber dass es ein so amüsanter Abend wird, kann ja keiner ahnen. Die Location war mal wieder das Astra. An sich ja ganz okay, aber diese Säulen in der Halle nerven beizeiten echt tierisch, von den gewohnten Zwei-Meter-Hünen mal abgesehen. Bevor es losging, liefen bereits einige alte Filmausschnitte mit ebenso alter Musikuntermalung auf der Bühne. Auch mal eine willkommene Abwechslung zu dem sonstigen Einerlei (wir erinnern uns an Gisbert zu Knyphausen). Außerdem drückt Bonaparte hier gleich das erste Mal den Stempel auf. Was sich im Vorfeld bereits den Konzertkarten/dem Internet entnehmen ließ, bewahrheitete sich auch mit Beginn des Konzerts: Vorband? Fehlanzeige. Anscheinend ein Tick der Exzentriker, denn das einzige Mal, dass mir das vorher untergekommen ist, war vor 2 Jahren bei den Kills in der Maria. Was solls? Kommt man schneller zum Punkt. Vor dem eigentlich Beginn wurden übrigens in einem kurzen, amüsanten Video alle im späteren Programm auftauchenden Charakter vorgestellt, vorneweg natürlich Monsieur Bonaparte aka Tobias Jundt. Zu den skurrilen Figuren auf der Bühne gesellten sich auch einige Kostümierte und Geschminkte im Publikum. Die Halle war natürlich ausverkauft, aber das ist bei diesem Act ja wohl selbstverständlich. Los ging’s, wie sollte es anders sein, mit “Do You Want To Party?”, was vom Publikum mit einem klaren “Ja!” in Körpersprache beantwortet wurde. Die anderen Songs kamen glücklicherweise gut verteilt von beiden Alben. Auf “Anti Anti” und “Too Much” hat ja eh jeder gewartet, aber mich hat “Fly A Plane Into Me” am glücklichsten gemacht. Ich war im Nachhinein übrigens sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, mich nicht ganz nach vorne in die ersten Reihen begeben zu haben, denn da wurde von den Protagonisten gerne auch mal ein bisschen Obst verteilt (Was zur Hölle macht man mit einer geschenkten Ananas aufm Konzert?) oder mit Sekt o.ä. gespritzt. Andererseits hatten just diese Leute dann auch freien Blick auf die ebenso freien Oberkörper der hinreißenden Actrices auf der Bühne. Ein großes Lob an dieser Stelle an den Requisiteur und Kostümdesigner für die sehr gelungenen Stücke! Ein bisschen Zufall gibt es auf jedem Konzert und so wunderte es mich eigentlich auch nicht groß, dass plötzlich Lorenz Theuer von den mittlerweile aufgelösten “The Rain” an mir vorbei lief. Nach einem kurzen Gespräch mit jemandem, der ihn zu kennen schien, stellte sich auch der Grund seines Besuches raus. Denn der Bassist auf der Bühne war kein anderer als Carlos Bruck, seinerseits ebenfalls ehemaliges Mitglied bei The Rain. Nun hätte mich mal interessiert, ob Carlos schon von Anfang an in dem Musikkollektiv Bonaparte mitgewirkt hat. Während des Konzerts hats Monsieur Bonaparte dann auch mal zeitweise zum Stage Diving hingerissen, was von der Menge mit einem lauten Kreischen, vermutlich größtenteils weiblichen Ursprungs, quittiert wurde. Amüsant war auch die eingebaute Pause in der Performance, als die Bühne plötzlich totenstill und leergefegt wirkte und nur “das Zimmermädchen” mal eben mit dem Staubsager für Ordnung sorgen musste, bevor es genauso energisch wie anfänglich weiterging.Nach zwei Zugaben endete das Konzert schließlich mit “Bienvenido” und die ewige Ansteherei an der Garderobe ging los, das Übliche eben.

Und so endete wieder mal ein gelungenes Konzert in good ol’ Berlin.

MfG Ern

Neu! Neu! Neu!

// 02. 11. 2010 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Kommen wir ohne viele Umschweife gleich mal zu den Empfehlungen des Tages:

Gisbert Zu Knyphausen | Hurra! Hurra! So Nicht.

Nachdem ich heute Nacht mal eben noch über sein gestern im Lindenpark gespieltes Konzert berichtet habe, ist es natürlich nur folgerichtig, Gisbert auch mit in die aktuelle To-Hear-List mit aufzunehmen. Da macht es auch nichts, dass das Album schon seit geraumer Zeit auf dem Markt ist. Neben den eingängigen Melodien und der unverkennbaren Stimmfarbe sind es vor allen Dingen die herausragenden Texte, die seine Musik auszeichnen. Und bei all der Globalisierung und der damit verbundenen Anglikanisierung/Amerikanisierung von Gesellschaft und Sprache ist es doch auch mal wieder schön, sich auf die Schönheit seiner eigenen Sprache zurückzubesinnen, gell?

Anspieltipps: “Kräne”, “Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten”

Alin Coen Band | Wer Bist Du?

Bleiben wir (zumindest teilweise) in der deutschen Liedgut-Landschaft. Hier hat sich auch Alin Coen bereits zu genüge Gehör verschafft. Im August hat sie zusammen mit ihrer Band die Debüt-Platte “Wer bist du?” herausgebracht. Darauf finden sich neben 6 deutschen Titeln, die sich hauptsächlich mit den achso schwierigen zwischenmenschlichen Problemen beschäftigen, auch 7 englischsprachige Songs, die auf dieselben Themen zurückgreifen. Fakt ist: Egal, in welcher Sprache Alin nun gerade singt, es ist immer eine Freude, ihr zuzuhören. Gerade in Liedern wie “Festhalten”, in denen außer ihrer Stimme und Gitarre nichts weiter erklingt, ist Gänsehaut vorprogrammiert. Wem das jetzt zu gefühlsduselig war, der möge diese Empfehlung überspringen.

Anspieltipps: “Left Behind”, “Festhalten”

The Cads | Demos

Das dürfte das erste Mal sein, dass ich zu einer Empfehlung mal kein Cover anbieten kann. Aber die Jungs aus Ipswitch sind ja auch noch nicht so lange im Geschäft und haben dementsprechend noch nich mal eine Platte draußen. Weil sie mir allerdings als Vorband von Darwin Deez vor gar nicht allzu langer Zeit sehr gut gefallen haben, behalte ich sie mal etwas im Auge. Freunde von Foals und Konsorten sollten hier auf jeden Fall mal reinhören. Und auch wenn bis auf eine Tour EP noch nix Handfestes gibt, könnt ihr euch 4 ihrer Songs ganz legal auf Music Glue herunterladen. Besonders zu empfehlen ist “Lanterns”, aber bildet euch selber ne Meinung.

Labyrinth Ear | Oak EP

Wo wir gerade bei kostenloser Musik sind. Auch das Londoner Synth-Pop-Duo Labyrinth Ear hat pünktlich zu Halloween seine 5-Track-EP “Oak” für jedermann auf seiner Seite angeboten. Mir gefällt an den Titeln die gelungene Kombination aus Sprechgesang und gesungenen Parts. Auf meine Watchlist haben sie es auf jeden Fall schon mal geschafft. Wer nicht auf die Veröffentlichung der ersten LP warten kann, sollte von Zeit auch mal bei ihrem Soundcloud-Account vorbeischauen. (Danke an iamnosuperman für den Tipp!)

Anspieltipps: “Navy Light”, “White Gold”

Goose | Synrise

Bleiben wir in der elektronischen Schiene. Wer erinnert sich noch an Goose? Als ich gehört habe, die Belgier hätten ein neues Album, löste der Name erstmal dunkel ein Gefühl der Erinnerung aus, ich musste sie also schonmal irgendwo gehört haben. Und siehe da: Vor einigen Jahren haben sie uns bereits unter anderem mit dem Song “Bring It On” beglückt, der auch gerne mal in einschlägigen Clubs gespielt wurde. Nun melden sie sich mit “Synrise” zurück. Darauf findet man neben Instrumentals und langsam angehauchten Titel auch Juwelen wie “Words”, die an Depeche Mode oder die Klaxons erinnern.

Anspieltipps: “Words”, “Like You”

Weekend | Sports

Den Abschluss machen heute mal die drei Noise-Popper von Weekend aus San Francisco. Wenn ich das richtig sehe, ist Sports ihre Debütplatte. Und was für eine. Unter Vertrag sind sie übrigens bei Slumberland, seinerseits auch Label von “The Pains Of Being Pure At Heart”. Und dieser Vergleich passt vom Sound auch ganz gut. Unser aller Freunde bei Pitchfork beschreiben das bei ihrem Review zum Track End Times sehr passend: ““End Times” (from their forthcoming record Sports) takes an addictive bassline and melancholy vocals and buries them under a din of squall and thrashing drums. The harmonies encased in reverb and the oscillating, distorted no-wave guitars take a jump off the cliff and begin to soar during the chorus, bringing the two extremes the band works under to angelic heights.” Dem ist nichts hinzuzufügen, hört mal rein.

Anspieltipps: “Age Class”, “End Times”

Es lebe die Musik. Viel Spaß beim Reinhören.

MfG Ern