Archiv für Dezember, 2010

2010: A Retrospective

// 29. 12. 2010 // 2 Kommentare » // Musik, Plattenteller

Ob ihr es glaubt oder nicht, aber Silvester naht. Da heißt es wie jedes Jahr zu diesem Anlass, die Medienbibliothek noch einmal nach den Juwelen der kontemporären Musik zu durchforsten und sie im richtigen Licht zu präsentieren. Herausgekommen sind 10 Must-Listen-Platten und 5 empfehlenswerte Scheiben o’ ten. Ich verzichte übrigens bewusst auf ein Ranking. Bei der Vielzahl der nachfolgend vertretenen Genres kann man einfach keine gemeinsame Messlatte ansetzen.

The Acorn | No Ghost

Auch wenn ich in so ziemlich jedes Genre einmal reingehört habe und mich auch für viele zumindest ansatzweise begeistern kann, gibt es doch trotzdem einige Vertreter, die ich bisher aus Erfahrung gemieden habe. Dazu zählt auch Folk im weiteren Sinne. Klar gibt es hier auch Überschneidungen zum Singer-Songwritertum, aber oft fehlte es mir an dem gewissen Etwas. Umso angenehmer überrascht war von den Kanadiern von The Acorn, die mit “No Ghost” eine Folk-Platte abgeliefert haben, bei der ich rundum mal nichts zu meckern hatte. Erstklassige Instrumentalwahl, eingängige Melodien und allem voran die Stimme von Frontmann Rolf Klausener, die jede noch so kleine Emotion transportieren kann.

The Bridgeheads | Foreigners

Weiter mit den Bridgeheads. Diese fallen in vielerlei Hinsicht positiv auf. Zum Einen dadurch, dass sie ihr diesjähriges Album “Foreigners” kostenlos zum Download angeboten haben. Zum anderen durch ihre Herkunft. Sicherlich gibt es in jedem Land großartige Interpreten, aber der Großteil kommt im Indie-Bereich eben doch von der Insel oder aus Übersee. Die Bridgeheads räumen mit diesem Vorurteil auf und zeigen, dass gute Musik auch aus der Slowakei kommen kann. Bei all dem Lob bleibt allerdings ein sehr bitterer Wermutstropfen. Denn im September diesen Jahres verstarb Mastermind und Sänger des Projekts Tomas dAsK mit gerade einmal 25 Jahren bei einem Unfall. Wie es um die Zukunft der Band bestellt ist, habe ich nicht in Erfahrung bringen können, aber so ein Album wie “Foreigners” wird es somit wohl leider kein zweites Mal geben.

Darwin Deez | Darwin Deez

Eines fällt mir jedes Jahr aufs Neue auf, wenn ich die Jahresbestlisten der einschlägigen Musikmagazine wie laut.de oder pitchfork durchblättere. Der Trend geht jedes Jahr auf neue zu experimentellen Platten, wohingegen tanzbares Material (ob seiner Popularität?) fast immer außen vor gelassen wird. Und so will wenigstens ich mich gegen den Strom stellen und das gar vorzügliche selbstbetitelte Debüt der New Yorker Formation um Darwin Deez vorstellen. Getreu dem Motto “Indie has never been nerdier” heizen uns die 4 mit tanzbaren Dauerohrwürmern wie “Radar Detector” und “Bad Day” auf der einen Seite und melancholischen Herzschmerz-Songs wie “Bed Space” auf der anderen Seite ein. Unvergessen bleiben mir vor allem die Live-Choreografien während ihrer Konzerte. Die Karte für den März hab ich natürlich schon so gut wie gekauft.

Foals | Total Life Forever

Wer erinnert sich nicht an die grandiose Debüt-LP “Antidotes” der Foals? Weil ihre akkurate Spielweise bis dato einzigartig war, hat man ihnen natürlich gleich den neuen Stempel des “Math Rock” aufgedrückt. Und nun, 2 Jahre danach, beehren sie uns mit dem Nachfolger “Total Life Forever. Die große Frage war natürlich: Erwartet uns ein “Antidotes 2″ oder gehen die Jungs aus Oxford neue Wege? Glücklicherweise schlagen sie neue, ruhigere Töne an und sichern sich trotzdem einen festen Platz in der diesjährigen Toplist. Nicht unwesentlich hat dazu die Tatsache beigetragen, dass sie mit “Spanish Sahara” gleich noch meinen persönlichen Song des Jahres beisteuern. In Kombination mit dem Video ein Genuss für Auge und Ohr.

The Hundred In The Hands | The Hundred In The Hands

Durch ein äußerst positives Review auf  laut.de bin ich auf The Hundred In The Hands aufmerksam geworden. Nach ein wenig Recherche hatte es mir vor allem die Live-Version ihres Songs “Lovesick (Once Again)” bei Le Hiboo angetan. Und auch der Rest des Albums ist feinster Electropop, immer an der Grenze zum Tanzbaren. Dabei finden sich auch einige musikalische Referenzen. Gerade der Refrain von “Last City” hat mich doch sehr an die Blood Red Shoes erinnert. Was keinesfalls negativ gemeint ist. Ansonsten ist den beiden für die Zukunft nur zu wünschen, dass sie sich treu bleiben, dann klappt es vielleicht mit dem großen Durchbruch.

Man Eats Bear | Let’s All Lie Together

Von zarten Stimmchen zur ganzen Pracht des Lo-Fi. Man Eats Bear haben gerade einmal 139 Hörer auf lastfm und dennoch hat es mir diese Kapelle aus Sioux City, Iowa angetan. Ihre Platte “Let’s All Lie Together” haben sie komplett in Eigenregie aufgenommen. Wer braucht heute schon noch einen Labelvertrag? Das Problem sind an dieser Stelle die weiteren Informationen. Auf ihrer myspace-Seite erfährt man lediglich noch, dass die vier Matt, Steve, Will und Drew heißen. Das Beste wird also sein, ihr macht euch einfach selber mal ein Bild davon, ob euch der rustikale Sound zusagt oder nicht.

The Soft Moon | The Soft Moon

Neben meiner neu erlangten Toleranz gegenüber Folk-Platten habe ich mich dieses Jahr auch mit dem lieben Post-Punk auseinander gesetzt. Und zwar in Form von The Soft Moon. Dazu einfach mal eine Trackbeschreibung des Pig Feeder Magazine,, damit ihr wisst was euch musiklaisch erwartet: “Listening to “Phantoms” is like swimming in an abyss accompanied by perverted robotic whales from outer-space, peer pressuring you to take hallucenogenics.“. Klar soweit? Find ich persönlich sehr passend! Und das gute ist, dass man das ALbum wirklich als Gesamtwerk durchhören kann, ohne auch nur einmal gelangweilt zu sein.

Weekend | Sports

Wie bleiben beim Post-Punk, heben die Grundstimmung aber ein wenig von dem düsteren Ambiente von The Soft Moon an, womit wir bei Weekend rauskommen. Unter Vertrag sind die Jungs aus San Francisco bei Slumberland, seinerseits auch Label von “The Pains Of Being Pure At Heart”. Und dieser Vergleich passt vom Sound auch ganz gut. Unser aller Freunde bei Pitchfork beschreiben das bei ihrem Review zum Track End Times sehr passend: ““End Times” (from their forthcoming record Sports) takes an addictive bassline and melancholy vocals and buries them under a din of squall and thrashing drums. The harmonies encased in reverb and the oscillating, distorted no-wave guitars take a jump off the cliff and begin to soar during the chorus, bringing the two extremes the band works under to angelic heights.” Dem ist nichts hinzuzufügen, hört mal rein.

Woven Hand | The Threshingfloor

Entsprechend meiner angehenden Versöhnung mit dem Folk, hat es auch eine weitere Platte in die Top Ten geschafft. Die Rede ist von Woven Hand mit seinem diesjährigen Album “The Threshingfloor”. Hinter Woven Hand verbirgt sich Sänger David Eugene Edwards, der einigen evtl. als Sänger der Band 16 Horsepower bekannt sein dürfte. Die Musik hat für mich etwas Mystisches, was irgendwo in der Nähe von indianischen Gesängen angesiedelt ist. Und dieses Spirituelle verleiht der ganzen Platte eine ganz eigene Glaubhaftigkeit. Sehr hörenswert ist meiner Meinung nach “His Rest“.

Das waren wie versprochen die Must-Haves der Saison. Alles in allem kann man da doch von einer bunten Mischung für jeden Anlass sprechen. Nun noch ein paar Scheiben, die entweder keiner Promotion mehr bedürfen oder bei denen einfach das gewisse Quäntchen zum akustischen Dauerbrenner gefehlt hat. Nichtsdestotrotz ist die aurale Einnahme ohne Einschränkungen zu empfehlen.

Broken Bells | Broken Bells

Was er anpackt, gelingt. So zeigt es zumindest die Vergangenheit von Brian Burton, eher als DJ Danger Mouse bekannt. Als Produzent hat er für Größen wie die Gorillaz oder die Black Keys am Mischpult gesessen aber auch als Interpret hat er sich als Hälfte von Gnarls Barkley neben Cee-Lo Green in die Charts eingebracht. Die diesjährige Kollaboration mit Dem Shins-Frontmann James Mercer brachte uns nun eine solide Pop-Platte mit eingängigen Refrains. Umso sehnlicher wünscht man sich an dieser Stelle natürlich mal wieder eine Platte der Shins, aber das kann wohl nur Herr Mercer selbst in die Wege leiten.

Earl Greyhound | Suspicious Package

Weiter geht’s mit einem ganz anderen Genre, dem Classic Rock Revival, seines Zeichens vertreten durch das Trio Earl Greyhound. Dabei stehen sie in schönem Kontrast zum Rest der Liste. Während man als junge Band heutzutage ohne einen Funken Innovation niemanden mehr begeistern kann, finde ich es auch schön, sich wie Earl Greyhound auf Altbewährtes zurückzugreifen. Wer also einfach mal Lust auf saftige Bässe, klare Drumlines und Gitarrensoli wie in den guten alten Zeiten (als würde ich Jungspund das beurteilen können) hat, der sollte bei ihrem Album “Suspicious Package” zugreifen.

Fang Island | Fang Island

Wovon sprachen wir eben? Von der nötigen Innovation, die eine Band mitbringen muss, um zu überzeugen. Die haben Fang Island mit ihrem gleichnamigen Debüt unter Beweis gestellt. Allein das Cover ist für mich schon unter den besten dieses Jahres zu nennen. Aber hier geht es ja um die Musik. Wo 4 Gitarren zusammenkommen (Bass, Keyboard und Schlagzeug natürlich extra), da müssen satte Sounds entstehen. Und um die geht es bei Fang Island auch. Keine Wortlawinen, kein sentimentales Drumherum, pure music also. Ihre Musik beschreiben sie übrigens selber als “Everybody high-fiving everyone”. Stimmt!

Robyn | Body Talk

Abrupter Genrewechsel wie so häufig. Und hier werden wir royal. Denn zumindest meiner Meinung nach ist Robyn die Königin des Dance Pops. Durch sie wird Electro salonfähig gemacht und das ist gut so. In diesem Jahr hat sie mit Body Talk ein Album in drei Einzelteilen auf den Markt gebracht. Und ob es nun eine gebetsmühlenartige Textpassagenwiederholung über 4 Minuten, eine grandiose Akustikversion mit ebenso grandiosen Vocals oder eingängige Singles wie Dancing On My Own sind, Robyn macht einfach nichts falsch. Chapeau, madame.

Winter Gloves | All Red

Achja, Kanada. Ein Land fast so groß wie Europa mit fast unberührter, weitläufiger Natur. Und dann noch dieser Clash of Cultures zwischen Frankophonen und Anglophonen im schönen Québec. Und mittendrin die musikalische Ideenschmiede Montréal, die schon Größen wie Arcade Fire oder We Are Wolves hervorgebracht hat und offenbar auch einige Bandnamen inspiriert hat (ja, Kevin Barnes weiß schon). Und ständig gibt es neue gute Bands, so auch Winter Gloves, die dieses Jahr mit “All Red” ihren Nachfolger zur 2008er Debüt-LP “About A Girl” herausgebracht haben. In jedem Fall tanzbare Electro-Pop-Songs mit Ohrwurmcharakter, was von den Kritikern bisher aber anscheinend noch nicht erkannt wurde. Who cares? Reinhören schadet nicht.

So, damit schließe ich die Inventur für das Jahr 2010. Wie immer schaue ich mit einem weinenden und lachenden Auge zurück. Weinend, ob der großartigen (teilweise letzten) Platten von super Bands. Lachend in freudiger Erwartung der kommenden Alben, z.B. der Strokes, Fujiya & Miyagi, Fleet Foxes, The Duke Spirit, Lykke Li uvm. Aber seid euch sicher, dass ich auch dann wieder das Beste vorstellen werde. In diesem Sinne einen guten Rutsch euch allen und bis nächstes Jahr!

MfG Ern

2010: A (Metal) Retrospective

// 28. 12. 2010 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Parallel zu meinem geschätzten “Kollegen” Ern (dessen Zusammenstellung wohl noch etwas auf sich warten lässt) werde ich die Gelegenheit nutzen, das Musik-Jahr 2010  aus meiner Sicht zu beurteilen. Im Folgenden nun also meine “Top 10″ (keine Rangliste, einfach die 10 Alben, die mir persönlich am besten gefallen haben) und 5 weitere Empfehlungen, die durchaus hörenswert sind. Da das bald endende Jahr musikalisch durchaus einiges zu bieten hatte, wäre es ein Leichtes gewesen, mehr als 15 Platten auszuwählen. Damit der Eintrag aber einigermaßen übersichtlich bleibt, soll das gewählte Maß reichen. Man wird zudem feststellen, dass meine Liste durchaus unterschiedliche Facetten des Metal-Genres enthält, es ist also für (fast) jeden Geschmack etwas dabei.

Alben des Jahres

As I Lay Dying – The Powerless Rise

As I Lay Dying - The Powerless RiseIch hatte im Vorfeld zugegebener Maßen sehr hohe Erwartungen an As I Lay Dyings neuestes Werk. Wenn man mit derartigen Ansprüchen an ein Album herangeht, ist die Gefahr enttäuscht zu werden natürlich relativ groß. Umso schöner ist es jedoch, wenn die hochgesteckten Erwartungen sogar noch übertroffen werden. Und As I Lay Dying haben sie übertroffen! 11 energiegeladene Tracks, großartige Songstruktur, ein perfektes Zusammenspiel von Musik und Gesang, kurzum: ein grandioses Album. Und auch live wissen die 5 Amerikaner absolut zu überzeugen, wie ich ja erst am 15. November feststellen durfte.

Whitechapel – A New Era Of Corruption

Whitechapel - A New Era of CorruptionBei dieser Platte, die man wohl dem Deathcore zuordnen würde, ist meiner Ansicht nach so ziemlich alles gelungen, was dem doch häufig auf der Stelle tretenden Genre seine Impulse verleiht. Der raue Gitarrensound, die typischen tiefen Growls von Sänger Phil Bozeman und das punktgenaue Drumming werden hier in großartiger Weise miteinander kombiniert. Dass die Band dabei den Fokus mehr auf  Death Metal als auf “Core”  legt, kommt dem Album ebenfalls sehr zu Gute: Es werden auf sich ständig wiederholende Breakdowns verzichtet und den Songs mehr Möglichkeit geboten sich auch richtig zu entfalten. Also: “A New Era Of Corruption” ist eines der besten Deathcore-Alben des Jahres, aus meiner Sicht die (neue) Genre-Referenz.

Called To Arms – Peril And The Patient

Called To Amrs - Peril And The PatientDie erste von vielen Neuentdeckungen meinerseits dieses Jahr ist die Truppe aus New Jersey. Called To Arms haben einen sehr speziellen Sound, die Musik zeichnet sich durch ständige Rhythmuswechsel, überraschende Gitarrensoli und rauen Gesang aus. Das Album ist nicht nur wegen des deutlich hörbaren musikalischen Könnens interessant, sondern reizt gerade durch die Überraschungen, die einem jeder Song auch beim 10. Durchlauf noch bietet. Es mag vielleicht der Verdacht aufkommen, dass die Tracks gelegentlich wie zufällig zusammengewürfelte Klangcollagen klingen könnten. Ich versichere aber an dieser Stelle: das ist absolut nicht der Fall! Die Songs sind in sich stimmig und überzeugen auch in ihrer Zusammenstellung auf dem Album. Kurzum: Für mich ist “Peril And The Patient” eines der interessantesten und überraschendsten Alben des Jahres. Unbedingt mal reinhören.

Within The Ruins – Invade

Within The Ruins - InvadeWithin The Ruins ist eine Band aus Massachusetts. Diese Tatsache ist nicht besonders spektakulär, aber wir reden ja hier von Musik. Und in diesem Gebiet beweisen die 5 Jungs, dass sie ihr Handwerk absolut verstehen. Auf “Invade” bekommt man einen sehr guten Eindruck davon, wie gut sie ihre Instrumente beherrschen. Das Album ist zwar relativ technisch (d.h. die eben erwähnten spielerischen Fähigkeiten werden entsprechend betont), dennoch achtet Within The Ruins darauf, dass es nicht an nötiger Härte mangelt. Diese beiden Elemente wechseln sich im Laufe der Platte kontinuierlich ab und lassen dem Hörer ordentlich die Ohren flattern.

The Browning – The Browning

The Browning - The BrowningIch bin ein Freund von Experimenten. Natürlich wäre es von Vorteil, wenn diese auch gelingen, besonders in musikalischer Hinsicht, sonst läuft man Gefahr große Schmerzen in irgendeinem Körperteil zu empfinden. Im Fall von The Browning glückt das Experiment erfreulicherweise. Worum es geht? Die Kombination von schweren Gitarrenriffs mit Elektro-Beats, die genausogut in irgendeinem Rave-Nachtclub gespielt werden könnten. Zugegeben: dieses Experiment wurde schon einige Male durchgeführt, mit unterschiedlichen Ergebnissen. The Browning sind aber bislang in dieser Hinsicht eindeutig die Krone der Schöpfung. Und wer mir nicht glaubt, der sollte einfach mal reinhören und sich eines Besseren belehren lassen! (auch wenn leider kein Widget verfügbar war…)

My Epic – Yet

My Epic - YetJeder, der mich kennt, weiß, dass ich hin und wieder mit großem Genuss ein wenig Progressive höre. Alle andern wissen das nun auch. My Epic haben mit “Yet” meinen diesjährigen Favoriten in diesem Bereich veröffentlicht. Musikalisch wirklich bezaubernd schwingt sich das Werk auf sanften Flügeln durch die Gehörgänge. Es erscheint einem wie eine große Reise, die man am liebsten nicht unterbrechen möchte. Die sanfte Stimme von Sänger Aaron tut ihr Übriges und man kann regelrecht in der Musik versinken. Sollte man jedoch nicht besonders religiös bzw. ein wenig aufgeschlossen gegenüber religiösen Themen sein, so wird man teilweise einen Brechreiz anhand der Texte verspüren. Davon aber abgesehen, kann sich das Zweitwerk des Trios durchaus sehen und vor allem hören lassen.

Chiodos – Illuminaudio

Chiodos - IlluminaudioUnd weiter gehts mit dem ersten Vertreter des Post-Hardcore Genres in meiner Liste. Ich muss zugeben, dass ich vor “Illuminaudio” noch nichts von Chiodos gehört hatte, was aber scheinbar nicht weiter schlimm ist (wie ich einigen Recherchen entnehmen konnte). Mit dem aktuellen Werk gibt es einen neuen Sänger, häufig ein schlechtes Zeichen für eine Band. Nicht so in diesem Fall. Brandon Bolmer beweist, dass er hervorragend singen kann, aber auch die gelegentlich eingesetzten Screams beherrscht. Musikalisch hat mich das Ganze auch sehr begeistert: Schlagzeug, Gitarren und die ab und an auftauchenden Klavierklänge vermischen sich in unterschiedlichster Weise zu einem großartigen Sound. Die Songs sind dabei äußerst abwechslungsreich und machen einfach Spaß beim Zuhören. Dem Album sollte man unbedingt eine Chance geben.

Affiance – No Secret Revealed

Affiance - No Secret RevealedUnd da ist gleich der zweite Streich aus der Post-Hardcore Ecke. Um es gleich vorweg zu nehmen: “No Secret Revealed” ist sensationell gut. Ich erlebe ein äußerst seltenes Phänomen mit diesem Album. Wenn man eine Platte jeden Tag hört, dann ist es normalerweise schnell soweit, dass man sich das Ganze überhört, d.h. die Musik packt einen einfach nicht mehr so wie am Anfang und man legt die Scheibe irgendwann komplett zur Seite. Doch Affiance hat etwas geschaffen, das diesem Trend entgegenwirkt. Seit etlichen Tagen höre ich die Platte rauf und runter und es bleibt so hörenswert wie am ersten Tag. Was macht das Album nun so gut? Die Songs sind einfach großartig geschrieben, der Sound fantastisch… und der Gesang ist atemberaubend. Man muss sich zwar erstmal an die Stimme von Sänger Dennis Tvrdik gewöhnen, aber dann wird man einfach umgehauen vom seinem unglaublichen Stimmvolumen. Auch textlich weiß Affiance zu überzeugen, indem politisch und geschichtlich motivierte Themen verhandelt werden. Wenn mal wieder jemand in seiner Ignoranz sagt, dass alle Metalbands nur rumschreien, dann sollte man ihm einfach “No Secret Revealed” ins Gesicht klatschen und ihm zeigen, dass harte Musik auch mit klarem Gesang funktioniert!

God Falls – Make Me Alpha

God Falls - Make Me AlphaEin weiteres Debütalbum in meiner Liste (siehe u.a. The Browning und Affiance) kommt von God Falls aus Montreal. Der Sound dieser Formation hat etwas Fesselndes und lässt sich keinem spezifischen Subgenre zuordnen. Die Bandbreite der enthaltenen Elemente ist beeindruckend groß: Metalcore, Hardcore, Deathcore, aber auch Melodic Death Metal im skandinavischen Stil lassen sich heraushören. Ein weiteres Merkmal der Gruppe sind die Vocals. Die Screams und Growls von Sänger Gabriel Dezb klingen wie eine rauere Version so mancher schwedischer MeloDeath Bands (Soilwork, In Flames). Die “Besonderheit” sind aber die zwar sparsam, aber immer auf den Punkt passend eingesetzten Clean Vocals von Gitaristin Gabrielle La Rue. Man hört nicht allzu oft weibliche Stimmen im Metal (und wenn, dann klingen diese meist unpassend oder nach Operngejaule). Hier jedoch verleiht ihre sanfte Stimme den Songs merklich mehr Tiefe und deutet gleichzeitig eine ganz eigene Richtung an, in die sich die Musik entwickelt. Also: Ein wirklich außerordentlich gut gelungenes Erstlingswerk, dass viel Positives für die nächsten Veröffentlichungen andeutet.

Eye Of The Enemy – Weight of Redemption

Eye Of The Enemy - Weight of RedemptionWenn ich ein Album benennen müsste, dass mir dieses Jahr am besten gefallen hat, dann würde ich wahrscheinlich die erste Platte von Eye Of The Enemy wählen. Die Australier legen mit “Weight of Redemption” ein Brett hin, das seinesgleichen sucht. Der Sound ist bombastisch: wuchtige Riffs, großartige Melodielinien und variantenreiche Vocals lassen den Hörer auf Metalwolke 666 schweben. Wie bereits angedeutet beweisen Eye Of The Enemy, dass sie nicht nur den Vorschlaghammer schwingen können, sondern auch in den melodiöseren Passagen eine gute Figur machen. Man fühlt sich als würde man einer besonders guten Mischung aus Lamb Of God, Bleed The Sky und Fear Factory lauschen. Einfach nur grandios!

Weitere Empfehlungen

Heaven Shall Burn – Invictus

Heaven Shall Burn - InvictusDas sechste Studioalbum von Deutschlands bekanntester Metalcoreband glänzt durch Altbewährtes. Wuchtige Riffs und donnernde Schlagzeugblasts stampfen über den Hörer hinweg, Marcus Bischoffs markante Screams tun ihr Übriges. Auch textlich ist das Album wieder hochinteressant. “Invictus” lässt zwar Innovation vermissen, weiß aber immer noch, wie man es richtig krachen lässt.

Parkway Drive – Deep Blue

Parkway Drive - Deep BlueDie Australier zeigen auf ihrem dritten Album, dass sie sich stetig weiterentwickelt haben. Der Sound auf “Deep Blue” ist ziemlich speziell, die Band schreckt nicht vor Variation zurück. Die Songs zeugen von Kreativität und musikalischem Können, sei es nun durch eingängige Melodien oder groovende Beats. “Deep Blue” lässt auch in Sachen Härte keine Fragen offen, sodass ich nur empfehlen kann, der Scheibe eine Chance zu geben.

MSWhite – Squares

MSWhite - SquaresUnd noch etwas Metalcore! Der Fünfer aus Turin hat ein zwar kurzes, aber nichtsdestotrotz stimmiges Album abgeliefert. Ein Intro und 11 Songs zeigen, dass die Italiener ihr Handwerk und vor allem ihr Genre verstehen. Mitreißende Riffs, Breakdowns und melodiöse Refrains (inkl. klarem Gesang) bilden die bekannte Grundlage.  Sie erfinden das Rad nicht neu, wie man so schön sagt, beweisen aber, dass sie genau wissen, wie man heutzutage noch ein gutes Metalcore-Album zustande bringt.

More Than A Thousand – Vol. 4 Make Friends and Enemies

More Than A Thousand - Make Friends and EnemiesMore Than A Thousand kommen aus Portugal und spielen einen sehr fesselnden Mix aus Hardrock, Metal und angrenzenden Stilrichtungen. Die teilweise sehr eingängigen Songs erinnern an eine bunte Mischung aus Rise Against, Slipknot und Unearth. Wer hin und wieder gern mal eine Platte hört, die an einigen Stellen durchaus radiotauglich genannt werden kann, sollte in “Make Friends and Enemies” unbedingt mal reinhören! Alle anderen sollten das übrigens auch.

I The Breather – These Are My Sins

I The Breather - These Are My SinsBeim Hören von “These Are My Sins” fühlt man sich unweigerlich an August Burns Red erinnert. Es gibt keine Clean Vocals und die Intensität mit der ein Song nach dem anderen über den Hörer hinwegdonnert ist atemberaubend. I The Breather liefern mit ihrem Debüt eines der energiegeladensten Alben des Jahres ab. Man höre und lasse den Nacken krachen.