// 08. 01. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller
Helas, all ihr Verrückten da draußen. Ich hoffe ihr seid gut ins neue Jahr gestartet und kämpft fleißig um die Einhaltung eurer selbst aufersetzten Vorsätze für 2011. Auf euch wartet jetzt “Das Beste Vom letzten Jahr was es nich mehr in die Charts geschafft hat, aber unbedingt gehört werden sollte” – in kurz DBVLJWENMIDCGHAUGWS. Zu viel TV Total gesehen, ich weiß, woher sollte dieser Aküfi sonst herrühren. Ein Großteil der nachfolgenden Alben ist dem “Best of 2010″-Kontingent von pitchfork/stereogum/laut.de etc geschuldet. Schließlich gehen ja hier und da mal einige Alben an einem vorbei. Ärgerlich natürlich, wenn gerade die sich als Hochkaräter herausstellen. Und genau an dieser Stelle setze ich mit meiner kostenlosen Promo an, von der sowohl ihr als auch der Interpret profitieren. Frei nach dem Motto: Ehre, wem Ehre gebührt!
Warpaint | The Fool
Was haben die Supremes, die Bangles, die 4 Non Blondes und Warpaint gemeinsam? Musikalisch glücklicherweise nichts, so gerne man sich auch mal der Nostalgie hingibt. Aber die Spitzfindigen unter euch werden schon bemerkt haben, dass es sich ausnahmslos um Frauenbands handelt. Von vielen Männern meist einfach nur belächelt und nicht ernstgenommen, gibt es aber auch immer wieder einige Perlen zu entdecken (In diesem Beitrag später übrigens noch mal eine). Die 4 Mädels von Warpaint sind irgendwo zwischen Psychedelic und Shoegaze angesiedelt, ohne damit aber dem Otto-Normal-Hörer befremdlich zu erscheinen. Den Stimmen von Sängerinnen Emily Kokal und Theresa Wayman liegt stets eine betörende Grundmelancholie inne, die durch die Stücke trägt. Umspült wird das alles von dem Post-Rock entlehnten Schlagzeugsalven und einer soliden Bassline. Ein wenig elektronische Beteiligung bringt abschließend die Würze in das Gesamtkonzept. Genau die richtige Scheibe für den Winter.
Anspieltipps: “Baby”, “Undertow”
Yoav | Foolproof Escape Plan
Mit “A Foolproof Escape Plan” hat der Wahl-New Yorker Yoav zweifelsohne eine dieser Platten des letzten Jahres veröffentlicht, bei denen ich mich geärgert habe, dass ich nich früher etwas von ihm gehört habe. Irgendwo im Folktronica angesiedelt (oh ja, diese Genreklassifikationen bringen mich irgendwann um) schafft er es dennoch seinen eigenen Sound zu kreieren. Die Songs haben meist eine einprägsame Drumline und schaffen es irgendwie, sich zwischen Wehmütigkeit auf der Einen und einer leichtfüßigen Stimmung auf der anderen Seite hin- und her zu bewegen.
Anspieltipps: “Easy Chair”, “Little Black Box”
Buke & Gass | Riposte
Über die Entstehung von Bandnamen könnte man wahrscheinlich regalefüllend Bücher veröffentlichen. Meist schweigen die Künstler aber zu diesem Thema und lassen uns Hörer im Dunkeln tappen. Buke & Gass kommen uns diesbezüglich doch sehr entgegen. Auch wenn es sich bei ihnen um ein Duo handelt, ist die naheliegende Vermutung der Künstlernamen falsch. Stattdessen beruht die Benennung auf der Tatsache, dass die beiden ihre Instrumente selber bauen. Übrigens sehr erfolgreich, denn Aron Sanchez arbeitet nachwievor als Freelancer für die Blue Man Group, wenn diese mal wieder Kreativ-Nachschub brauchen. Nun aber zurück zu ihren Instrumenten. Dabei handelt es sich um eine Bariton Ukulele aka The Buke, gespielt von Arone Dyer, und ein Gitarren-Bass-Hybrid aka The Gass, gespielt von Aron Sanchez. Der Sound, den die beiden auf diese Weise kreieren, kriegt man deshalb nirgendwo sonst zu hören. Grob sind sie aber im (Experimental) Folk angesiedelt. Und dazu die Stimme von Arone, die irgendwo zwischen Karen O, Beth Ditto uvm. flaniert. Ein Muss für Horizont-Erweiterer!
Anspieltipps: “Medulla Oblongata”, “Medicina”
Sleigh Bells | Treats
Nein, meine Kopfhörer sind nicht kaputt. Sobald man allerdings “Treats” von den Sleigh Bells anspielt, stellt sich diese Frage automatisch. Denn was Derek E. Miller (Ex-”Poison The Well“-Gitarrist) und Alexis Krauss uns da präsentieren ist Noise Pop vom Feinsten und eine mechanische Belastprobe für das Trommelfell. Entstanden ist die Kombo übrigens zufällig. Während Alexis mit ihrer Mutter gerade in einem Café saß, kam Derek vorbei, der gerade auf der Suche nach einer Sängerin für ein neues Projekt war. Von ihrer Tochter überzeugt, schlug Alexis’ Mutter sie natürlich sofort vor. Wir sagen danke für diese Initiative. Wo kriegt man schon sonst eine solche Kombination aus dumpfen Bässen, Synthie-Samples, schrammeligen Riffs hier, jaulenden Riffs da und den glasklaren, engelsgleichen Vocals + Sprechgesang von Alexis? Ich hafte natürlich nicht für zu Bruch gehende Boxen.
Anspieltipps: “Crown On The Ground”, “Infinity Guitars”
Smoosh | Withershins
Ich komme nicht umhin, oft genug Werbung für den Youtube-Channel des KEXP Radio in Seattle zu machen. Denn neulich gönnte ich mir mal wieder eine Session in besagtem Kanal und bin neben erstklassigen Live-Versionen von Junip auch noch über Smoosh gestolpert. Wie bereits bei Warpaint angekündigt die zweite Girls-only-Band in diesem Beitrag. Und was für Girls. Ich vermag als männlicher Betrachter vielleicht keine objektive Sicht mehr auf die 3 Schwestern aus Seattle zu haben, aber sie sind eben nicht nur schön anzuhören, sondern auch anzusehen. Und für ihr Alter bereits ziemlich geschäftstüchtig: Sängerin/Keyboarderin Asya ist die älteste Schwester und immerhin “schon” 18 Jahre alt, Chloe (Drums) 16 Jahre alt und Maia (Bass) mit 14 die jüngste im Bunde und erst seit 2009 beim selbsternannten Familienprojekt dabei. Mit “Withershins” haben sie 2010 ihren zweiten Longplayer rausgebracht und können bereits auf erfolgreiche Live-Acts mit Pearl Jam oder den Dresden Dolls zurückblicken. Das haben sie wahrscheinlich auch ihrem Coach und Entdecker Jason McGerr (Drummer bei “Death Cab For Cutie“) zu verdanken, der anscheinend nicht nur Chloe einiges beibringen konnte, sondern sie auch hier und da mal vorgestellt hat. Nichtsdestotrotz kommt man ohne die nötige Qualität auch mit Vitamin B nicht weit. Gut also, dass die sich auf dem Album zu genüge findet. Die relativ ruhigen Pop-Stücke werden meist von Asya mit Stimme und Keyboard eingeleitet, während Chloe und Maia später einsteigen und den Song bis zum Refrain langsam aufbauen. Schade, dass die mehrstimmigen Parts mit Chloe viel zu kurz kommen, die ihre Stime eigentlich nicht zu verstecken braucht. Aber was soll’s? Wir nehmen was wir kriegen. Sehr schön übrigens auch die Hommage an die schwedische Herkunft mütterlicherseits (“Finnerödja“).
Anspieltipps: “The World’s Not Bad”, “Aaarplane”
Ra Ra Riot | The Orchard
Weiter geht’s mit dem Quintett Ra Ra Riot aus Syracuse. Die machen ebenfalls Indie Pop und sind somit auch musikalisch gar nicht so weit weg von Smoosh. Ein paar passendere Namen sind vielleicht Vampire Weekend, Burn Ruffians oder Matt & Kim. Von all denen heben sie sich aber wie z.b. The Juliets durch den stimmigen Einsatz von Cello und Geige ein wenig ab. “The Orchard” erschien nun 2 Jahre nach ihrem viel bejubelten Debüt “The Rhumb Line” aus dem Jahre 2008. Die Grundstimmung ist allgemein etwas fröhlicher geworden. Und wenn dann noch Basslines wie die in “Boy” dazukommen, muss man sie einfach lieben.
Anspieltipps: “Boy”, “The Orchard”
Silver Columns | Yes And Dance
So, nach all diesem poppigen Kram mal wieder ein bisschen Electro – yeah. Der wird in diesem Post durch eine sehr viel versprechende Formation vertreten. Hinter Silver Columns verbergen sich die beiden Schotten Adem Ilhan und The Pictish Trail alias Johnny Lynch. Da vor der Veröffentlichung ihres Albums “Yes And Dance” nichts über die Drahtzieher hinter dem Projekt bekannt war, nahm man angesichts der allzu bekannten Falsettstimme, zu hören u.a. in ihrem Ohrwurm-Track “Brow Beaten”, an, Jimmy Sommerville könnte dahinter stecken. Diesem Gerücht hätte ich übrigens ohne Weiteres zugestimmt, wenn ich es jetzt nicht besser wissen würde. Noch einmal zu “Brow Beaten”: Eben dieser Song hat übrigens auch einen Remix von Joe Goddard/ Hot Chip spendiert bekommen. Mehr PR kann man sich doch als Newcomer-Band gar nicht wünschen. Im Großen und Ganzen klingen sie übrigens auch wie Hot Chip, was ganz bestimmt kein negativer Kritikpunkt ist. Ganz im Gegenteil: I’m very delighted!
Anspieltipps: “Brow Beaten”, “Always On”
Various Artists | Scott Pilgrim Vs. The World
Wie es aussieht, steht in diesem Beitrag ein Novum ins Haus. Ich fühle mich nämlich verpflichtet, eine Compilation in Form eines Soundtracks mit in die Empfehlungen aufzunehmen. Die Rede ist von der Comicverfilmung “Scott Pilgrim Vs. The World“, den ich vor kurzem, naja gestern etwas verpätet zum ersten (und sicherlich nicht letzten Mal) gesehen habe. Dass der Film erstklassig ist, muss ich an dieser Stelle wohl kaum noch erwähnen. Aber ebenso hochkarätig wartet der Soundtrack auf. Er beinhaltet natürlich ein paar bekannte Tracks von den Black Lips, Blood Red Shoes oder den Rolling Stones. Da es aber in dem Film auch darum geht, dass Scott Bassist in der fiktiven Band Sex Bob-omb ist und in Band-Contests antritt, mussten für den Film natürlich auch entsprechende Songs geschrieben/entlehnt werden. Hier kam Altmeister Beck ins Spiel, dem die meisten Paradestücke zu verdanken sind. Ich zitiere aus “Threshold“: “We are Sex Bob-omb and we are here to make you think about death and get sad and stuff.” Eine Schande, dass es nie ein Live-Konzert in dieser Besetzung geben wird… oder doch?!
Anspieltipps: “Threshold” (auch als 8bit-Variante), “We Are Sex Bob-omb”
Damit verabschiede ich mich bis zum nächsten Beitrag.
MfG Ern