Archiv für Februar, 2011

Konzert: Sleigh Bells + Jason Forrest

// 01. 02. 2011 // 4 Kommentare » // Konzertbericht, Musik

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Achja, ich finde es herrlich, wenn nicht allzu viel Zeit verstreicht zwischen dem Moment, da man eine Band für sich entdeckt und dem ersten Konzert eben jener Band. Für gewöhnlich liegen Monate bis Jahre dazwischen. Bei den Sleigh Bells war es gerade mal ein Monat zwischen dem Pitchfork-Best-of-2k10-Listing und der ersten Live-Performance. Dementsprechend groß war die Vorfreude auf das Konzert auch noch. Location war der Festsaal Kreuzberg, in den ich vor ein paar Jahren mal zu den Black Keys wollte, aber die haben es sich ja anscheinend angewöhnt, ihre Konzerte in letzter Minute abzusagen (siehe die diesjährige Tour). Somit konnte mich erst gestern vom Charme des Etablissements überzeugen. Da ich finde, der Wohlfühlfaktor eines Clubs sinkt mit der Größe, kam mir der Festsaal ganz entgegen. Dazu kommt die zweite Etage zum Entspannen mit stilecht gedrexeltem Holzgeländer – klarer Pluspunkt.

Dass man anscheinend nicht mehr viel von preußischen Tugenden wie Pünktlichkeit hält, stellte Jason Forrest als erster Act des Abends unter Beweis. Mit einer Stunde Verspätung ging’s doch dann tatsächlich los. Besagter Herr Forrest hatte Glück, dass wenigstens seine “harte elektronische Musik” noch zu überzeugen wusste, denn sein Auftritt war mir höchst suspekt. Da wäre die Optik. Ein weißer Schlabberpullover mit Schmetterlingslogo auf der Brust? Und dann sein Rumgehüpfe zu den Tracks. Schon mal ein Wombat auf Speed gesehen? Aber die armseligste Tatsache war letztendlich, dass er mit komplettem Playback gearbeitet hat. Also ganz ehrlich: Ich ziehe den Hut davor, was er da an Songs kreiiert hat, aber sich auf eine Bühne zu stellen, um dann auf dem Laptop die Play-Taste zu drücken – geht mal gar nicht. Da kann man ja wohl noch ein paar Samples einspielen. Gut, Ansichtssache.

Nachdem er dann endlich fertig war und sich von seinem mitgebrachten Fanclub noch ein wenig feiern ließ, gings nach einer verhältnismäßig kurzen Umbaupause endlich mit den Sleigh Bells los. Und wie! Zu dem ohnehin lauten Sound-Equipment des Festsaals kamen noch weitere 7 Boxen (2×2 Meter) auf der Bühne dazu. Kein Wunder, dass bei den Tontechnikern ein Lautstärkemessgerät rumlag. Ich fühlte mich jedenfalls das erste Mal seit langem genötigt, meine Ohren wenigstens etwas zu isolieren. Das Intro gab lustigerweise ein deftiger Metal-Track ab, der schon mal die Grenzen des Sound-Monstrums auslotete. Auf die zugenebelte Bühne schlich sich dann zunächst klammheimlich Gitarrist Derek E. Miller (Ex-Poison The Well) bevor sich seine liebreizende Kollegin Alexis Krauss dazugesellte. Die hat mich im Laufe des Abends immer mehr an die gute VV von den Kills erinnert. Wie nicht anders zu erwarten, kam sie mit ihrem relativ zarten Stimmchen in gesungenen Passagen nur schlecht gegen die geschrammelten Gitarren- und Sample-Parts an. Wenn sie wie in “Rill Rill” aber tatsächlich mal ohne Hintergundbeschallung und alleine auf der Bühne singen durfte, stellte sie ihr Können elegant unter Beweis. Die Screams wie z.B. in “Kids” hat sie anscheinend auch fleißig geübt. Ein bisschen schade war es dann schon, dass nach gerade mal einer halben Stunde schon Schluss war, aber mit gerade mal einer Debütplatte im Gepäck lässt sich eben nicht so viel aus dem Arm schütteln. Für mich geht das Konzert jedenfalls als das lauteste bisher in meine Erinnerungen ein. Was keinesfalls negativ zu sehen ist. Wenn der Bass dir die Seele massiert, weißt du wenigstens, dass du auf nem Live-Konzert bist.

MfG Ern

PS: Dank an Laurent, dem das Bild zu verdanken ist.