Archiv für März, 2011

Konzert: Matt & Kim + Dancing Pigeons

// 29. 03. 2011 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Es ist nie falsch, die Erwartungen nicht zu hoch zu stecken. Dann wird man nämlich meistens eher positiv überrascht. So auch heute im Verlaufe des ganzen Konzertes von Matt & Kim im Lido, das ja inzwischen offensichtlich zu meinem zweiten Wohnzimmer geworden ist. Mit ins Boot geholt haben sich die New Yorker die Jungs von Dancing Pigeons. Die haben die Fete dann gebührend eröffnet, nachdem sich die Musik aus dem Off sowieso schon dreimal beim gleichen Aracade Fire-Song aufgehängt hatte. Achso, Dancing Pigeons sind übrigens ein Hamburger Quartett, bestehend aus Keyboarder, Sänger, Bassist und Drummer. Präsentiert haben sie herrlich tanzbaren, englischsprachigen Electro Pop und im Nachhinein wundert es mich auch nich, dass sie bereits als Support für Acts wie Digitalism oder Ladytron am Start waren. Die Lyrics waren mir aber ein wenig einfallslos und repetitiv. Aber das wurde ja wiegesagt auf musikalischer Ebene locker wettgemacht. Großes Lob an den Drummer diesbezüglich.

So viel zum Vorgeplänkel. Die Truppe wurde gebührend verabschiedet und hat auch tatkräftig angepackt, während als Umbaumusik amüsante Hip Hop-Remixes von den Ramones, Rihanna oder Snoop Dogg gespielt wurden. Wieso auch nich. Und dann konnte der Spaß ja auch schon losgehen, schließlich brauchen die beiden ja nicht mehr als Schlagzeug und Keyboards. Energiegeladen stürmten sie die Bühne, was man als wegweisend für den ganzen Abend sehen kann. Los gings mit “Yea Yeah”. Und während die Dancing Pigeons relativ wortkarg waren und keine Interaktion mit dem Publikum zeigten, waren Matt & Kim genau das Gegenteil. Matt redete wie ein Wasserfall. Da wurden wir darüber informiert, wie weit weg von zuhause sie momentan sind und wie sehr sie sich deshalb freuen, so ein umwerfendes Publikum am Start zu haben. Kim hats dann auch öfters auf ihr Schlagzeug gezogen, steht sich ja so schön. Achja, und wie jeder Tourist wussten sie das deutsche Bier bzw. die Größe der Bierflaschen besonders zu schätzen. Anders als auf sonstigen Konzert war das heute aber auch tatsächlich mal ein Mitmachkonzert. Okay, das gewöhnliche “Ihr hüpft los, wenn ich es sage” und “Ihr singt jetz so laut mit, wie ihr könnt” gibt es auch auf anderen Gigs, aber wo durfte man denn bitte schonmal Luftballons mit den Konterfeis der Interpreten aufpusten und dann wild in die Luft katapultieren? Letzteres hat besonders Spaß gemacht. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das Konzert schneller vorbei ging als es einem lieb war. Im Handumdrehen waren wir da plötzlich beim letzten Song angelangt der wie hätte es anders sein können, “Daylight” war. Oh, ich vergaß den Booty Dance von Kim lobend hervorzuheben. Wohlgemerkt gestemmt von kräftigen Jungs aus dem Publikum. Und die waren bei einem gefühlten Durchschnittsalter von 20 Jahren doch recht wenig vertreten. Zum Abschluss gabs dann noch ein paar High Fives mit dem Publikum und Free Hugs für alle, die einen brauchen. Im Moment, geht die Sause im Lido wahrscheinlich weiter, so haben es die beiden zumindest angekündigt. Fazit des Konzerts ist für mich auf jeden Fall, dass ich beim nächsten Berlin-Gig auf jeden Fall versuchen werde, dabei zu sein. Denn genau das war das Feeling, für das man auf Konzerte geht. You’re my heroes!

MfG Ern

2011: Round Two

// 22. 03. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Die Musik schläft nie. Und so wundert es auch niemanden, dass sich trotz noch nicht allzu langer Zeit seit dem letzten Review, okay, seit geraumer Zeit, wieder herrliche Platten angefunden haben, die es wiederum verdienen, marktschreierisch angepriesen zu werden. Diesmal mit erstaunlich viel nationalem Material. Thumbs up!

Wye Oak | Civilian

Heimatverbundenheit ist doch etwas Schönes. Und weil das so ist, haben sich Jenn Wasner und Andy Stack kurzerhand gedacht, ihre 2006 ursprünglich als Monarch gegründete Kombo in Wye Oak umzubennen. Denn der Wye Oak war bis zu seiner Zerstörung im Jahre 2002 “der” Baum des Staates Maryland, mit immerhin stolzen 10 Metern Umfang. Auf ihrer neuen Platte “Civilian” manövrieren sie gekonnt zwischen Folk Rock und Dream Pop umher. Und erweisen sich dabei als echte Multitalente, gerade was die Instrumente betrifft. So bedient Andy gleichzeitig Drums und Keyboard, achja… singen muss er nebenbei auch noch. Hut Ab! Jenn sing natürlich die meisten Parts der Songs und hat eine Stimme zum Dahinschmelzen, ein wenig wie Elizabeth Powell von Land Of Talk. Das wird gerade bei dem herausragenden Titeltrack “Civilian” deutlich.

Anspieltipps: “Civilian”, “The Alter”

The Joy Formidable | The Big Roar

Begeben wir uns über den großen Teich zu unseren Friendos, die derzeit “very amused” sein dürften. Denn mit The Joy Formidable haben die Briten mal wieder eine hervorragende Band parat, die mit “The Big Roar” auch noch ihr LP-Debüt feiern können. Ritzy Bryan und Rhydian Dafydd kommen, wie es der Name schon vermuten lässt, aus dem schönen Wales – zumindest ursprünglich. Nachdem Ritzy zwischenzeitlich in Washington DC verweilte und Rhydian es sich in Manchester bequem gemacht hatte, brachte das Schicksal die beiden doch wieder zusammen und gemeinsam mit Drummer Matt Thomas startete die Dreier-Truppe von nunan ihre Machenschaften in London. Herausgekommen ist eine feine Popplatte mit Anlehnungen an die Yeah Yeah Yeahs und  Blood Red Shoes.

Anspieltipps: “Austere”, “Whirring”

Bibio | Mind Bokeh

Wikipedia sagt: “In photography, bokeh is the blur, or the aesthetic quality of the blur, in out-of-focus areas of an image.” Mind Bokeh bezeichnet also gewissermaßen eine gedankliche Unschärfe. Und die merkt man dem Album von Experimentalist Stephen Wilkinson aus Großbritannien aka Bibio auch an. Keinesfalls im schlechten natürlich. Denn der Mann weiß was er tut, er hat immerhin “sonic arts” an der Middlesex Uni in London studiert. “Mind Bokeh” ist nun schon sein sechstes Album innerhalb von 6 Jahren. Und was der Begriff bokeh schon vermuten lässt, manifestiert sich dann auch akustisch auf dem Album. Die Vielfalt haut einen schier vom Hocker: Von Naturgeräuschen (“Excuses”) über die dominierenden Folktronica-Töne bis hin zu gestandenen Rock-Tracks (“Take Off Your Shirt”) ist alles vertreten. Prisen von Hip Hop (“Anything New”), orientalischen Samples (“Wake Up!”) und sogar reinrassigem Funk (“Light Sleep”) sind auch nicht zu überhören. Gäbe es einen Vielseitigkeitsaward, Bibio hätte ihn sowas von in der Tasche.

Anspieltipps: “Take Off Your Shirt”, “Light Sleep”

The Strokes | Angles

Wer hätte es gedacht, dass sie sich doch noch einmal zusammen raufen? Über 5 Jahre sind seit Veröffentlichung des letzten Albums der Väter des Indie Rocks vergangen und nicht wenige erklärten das Projekt in der Zwischenzeit für tot oder hatten sich einfach mit dem Open End abgefunden. Doch nach mehr oder minder erfolgreichen (Solo-)Projekten von Fabrizio Moretti (Little Joy), Albert Hammond, Jr. und Frontmann Julian Casablancas schienen sie sich endlich auf das zurückzubesinnen, was sie am besten können: Zusammen in einer Band spielen. Als Ergebnis dessen ist das neue Album “Angles” zu sehen. Und als wäre der Name Programm, gewährt die Scheibe eine musikalische Einsicht aus mehreren Blickwinkeln. Während sie mit Songs wie der Vorabsingle “Under Cover Of Darkness” oder “Gratisfaction” Erinnerungen an die Indie Rock-Meilensteine von “Is This It?” aufkommen lassen, schaffen sie es andererseits, mit Leichtigkeit in den bis dato unerforschten Gewässern des Pops (“Machu Picchu”, “Two Kinds Of Happiness”) rumzutreiben. Aber ohne schwermütige Songs kommt Herr Casablancas eben auch nicht aus. Allen Fans des Depri-Garanten “On The Other Side” sind die Tracks “You’re So Right” und “Metabolism” zu empfehlen. Alles in allem eine solide Platte, die zeigt, dass die Herren es noch drauf haben. Hoffen wir also, dass die Chemie weiterhin stimmt und uns von nunan in kürzerem Abstand Alben erwarten.

Anspieltipps: “Machu Picchu”, “You’re So Right”

The Kills | Blood Pressures

“Was ist eigentlich deine Lieblingsband?” ist eine Frage, die man häufig gestellt bekommt und auf die man meistens ausweichend antworten muss. Getreu dem Motto “Jede Band hat so ihre Finessen.”. Müsste ich mich aber tatsächlich auf eine festlegen, wären das wohl die Kills. Das Frisch-aus-der-Garage-Feeling gepaart mit den Stimmen von Jamie “Hotel” Hince und Alison “VV” Mosshart ist einfach ein Traum. Da kann man es ihnen auch nicht übel nehmen, dass sie sich mit dem letzten Album “Midnight Boom” wieder ein Stück mehr weg von ihren Blues/Lo-Fi-Wurzeln bewegt haben. Und auch wenn man VV in den letzten Jahren wenigstens als Sängerin der Supergroup The Dead Weather zusammen mit Jack White erleben konnte, konnte das doch die Freude auf ein neues Album zusammen mit Jamie nur geringfügig aufwiegen. Der persönliche Umgang von Jamie hätte das Projekt “Blood Pressures” übrigens im wahrsten Sinne des Wortes beinahe ins Wasser fallen lassen. Denn seine Partnerin ist keine geringere als die kapriziöse Pudernase Kate Moss, die seinen Laptop mitsamt neuem Songmaterial nach einem Streit mal eben in den Pool verfrachtet hatte. Unschön, Miss Moss! Nun ist es aber da, das neue Album. Und ich muss gestehen, dass es für mich zwei/drei Spins mehr gebraucht hat, um zu zünden. Ausgenommen davon ist die Singleauskopplung “Satellite” (ein beliebter Songtitel in letzter Zeit). Darauf schleppen sich schrammelige Riffs und Drums mit den Gesängen von VV und Jamie über die Strophen, um mit einem großartigen Chorus gekrönt zu werden. Das obligatorische Gitarrensolo ist natürlich auch mit von der Partie. Aber mit “The Last Goodbye” ist wie auch schon mit “Black Balloon” eine wunderschöne Ballade mit dabei, die nicht viel mehr braucht als VVs Stimme und ein bisschen Klavier- und Streicherbegleitung. Eine Band, auf die Verlass ist. So muss das sein!

Anspieltipps: “Satellite”, “DNA”, “You Don’t Own The Road”

Moritz Krämer | Wir Können Nix Dafür

Widmen wir uns nach all diesen internationalen Veröffentlichungen doch endlich mal denen auf nationaler Ebene. Und dort im Speziellen der Singer-Songwriter-Fraktion. Seitdem sich Gisbert zu Knyphausen den unanfechtbaren Thron in dieser Kategorie erobert hat und ihn wohl auch nicht so schnell wieder abgeben wird, versuchen andere dennoch, ihm diese Position streitig zu machen. Mit dabei ist auch der sympathische Wahlberliner und gebürtige Schweizer Moritz Krämer, der nun sein Debüt “Wir Können Nix Dafür” auf den Markt gebracht hat. Als Freund und regelmäßiger (Web-)Zuschauer von TVnoir, einer hochkarätigen deutschen monatlichen Singer-Songwriter-Bühne ist er mir damals mit seinem Song “Der Kleine Spatz” aufgefallen, der von einem suizidgefährdeten Spatz handelt, den Moritz kurzerhand aufpeppelt und mit in den Urlaub nimmt. Mit der beschwingten Melancholie dieses Titels sind auch die anderen Titel auf dem Album belegt. Aber wie sollte man Stories über Exfreundinnen und den Tod auch besser verpacken.

Anspieltipps: “Der Kleine Spatz”, “Nichts Getan”

Bosse | Wartesaal

Mit Bosse verbindet mich die Erinnerung an eines meiner ersten Konzerte im Jahr 2005. Damals spielten Mando Diao in der Columbiahalle und hatten sich Bosse und die New Yorker von Diamond Nights, deren Abwesenheit ich hier wieder schmerzlich feststelle, als Vorbands herangeholt.  Grandioses Konzert seinerzeit und von Bosse ist mir noch der energische Track “Kraft” in Erinnerung geblieben. Aber auch die Braunschweiger um Frontmann und Namensgeber Axel Bosse sind älter und erwachsener geworden und so liefern sie mit “Wartesaal” ein reifes Gesamtwerk ab. Schöne Texte über die Schwierigkeiten in Beziehungen, untermalt mit dezenter Instrumentalbegleitung (Klavier, Gitarre, Streicher) und dazu die zutiefst aufrichtige Stimme von Axel. Einen Tipp an all jene, die über einen Kauf des Albums nachdenken. Holt euch die Variante mit den akustischen Versionen! Nochmal ein Tick besser als die Studioversionen, grandios.

Anspieltipps: “Frankfurt Oder”, “Metropole (Akustisch)”

Mirrors | Lights And Offerings

Nach all dem ruhigen und akustischen Material wieder ein bisschen mehr Elektronik und Beats. Und wenn ich den nun folgenden Record “Lights And Offerings” der Mirrors mit in eine Zeitmaschine mitnehmen würde, um sie sodann in den 80ern abzuspielen, frage ich mich, ob dort irgendjemand ahnt, dass es sich tatsächlich um Zukunftsmusik handelt. Denn hat man den Retro-Sound so weit perfektioniert, dass niemand mehr den Unterschied raushört. Und es scheint zu gefallen, nicht umsonst sind Bands wie Hurts momentan so erfolgreich bzw. Veteranen wie OMD wieder dick im Geschäft. Und wenn man sich eben ab und zu für ein wenig Synthpop begeistert, dann sind die vier Jungs aus Brighton eben genau die richtige Wahl.

Anspieltipps: “Hide And Seek”, “Secrets”

Does It Offend You, Yeah? | Don’t Say We Didn’t Warn You

Weniger wie Einheitsbrei, noch wie irgend etwas, das man sonst schon mal gehört hat, klingen Does It Offend You, Yeah?. Originalität haben sie wie man sehen kann, nicht nur beim individuellen Dance-Punk-Sound, sondern auch bei der Wahl des Bandnamens bewiesen. Mit “Don’t Say We Didn’t Warn You” kommt nun ihr Zweitwerk in die Läden und so viel sei gesagt: Das Hören macht verdammt viel Spaß. Wer bei dem Akustik-Intro zu “We Are The Dead” denkt, er könne die Boxen noch ein bisschen aufdrehen, wird diese Entscheidung bereuen sobald der Beat einsetzt. Überhaupt gibt es auf dem Album nur die beiden Extrema laut und leise, dazwischen nur ab und zu mal fließende Übergänge. Live sollen die 5 Jungs aus Reading ja der absolute Hammer sein, Frontsänger James Rushent hat zum Beispiel auch ein gebrochenes Bein nicht davon abgehalten noch eine Zugabe für die Fans zu spielen. Das ist Spirit!

Anspieltipps: “We Are The Dead”, “The Monkeys Are Coming”

Dadajugend Polyform | Louis De Marsalle

Angefangen hat alles im kleinen Städtchen Kulmbach, wo sich das Dreiergespann Enno, Holger und Lena am heimischen Computer erste Tracks ausdachte. Erstmals auf sich aufmerksam machten Dadajugend Polyform, wie sie sich fortan nannten im Jahre 2009, als sie auf dem angesehenen Hamburger Label Audiolith (Frittenbude, Ira Atari etc.) eine Remix-EP rausbrachten. Nun haben sie ihr erstes eigenes Werk mit dem Titel “Louis De Marsalle” herausgebracht. Zur Erklärung des Albumtitels: “Benannt ist die LP nach dem expressionistischen Maler und Grafiker Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) bzw. seinem Pseudonym „Louis de Marsalle“, unter dem er -in festem Glauben, dass trotz hoher Anerkennung seine Kunst in der Presse nicht genug Aufmerksamkeit fände- kurzerhand selbst Kritiken und Aufsätze zu seinen eigenen Werken schrieb“. Weißte bescheid. Die Songs sind grob dem Electro-Punk zuzuordnen, mit stimmlichen Ähnlichkeiten zu !!! (Chk Chk Chk) und den B-52s.

Anspieltipps: “Chronicle”, “Legacy”

Ghost Of Tom Joad | Black Musik

Die Münsteraner sind zurück. Auch wenn man bei der Verwendung eines Bruce Springsteen-Titels als Bandname eine Rocktruppe erwartet, wird man von den Post-Punkern nicht enttäuscht werden. “Black Musik” ist mittlerweile ihr Drittwerk und ja, ich habe mich beim Albumtitel tatsächlich nicht verschrieben, wie ihr auf dem Cover Links nachprüfen könnt. Es gibt viele Möglichkeiten, so einen Titel zu wählen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Sänger Henrik häufig vorgeworfen wird, des Englischen in den Songs nicht ganz so mächtig zu sein, erscheint mir ein wenig Selbstironie da nur angebracht. Musikalisch hat man sich auch weiter entwickelt. Nachdem die erste Platte “No Sleep Until Ostkreuz” tatsächlich noch eine Post-Punk-Scheibe war, hat man sich nun in der dritten LP voll und ganz dem New Wave hingegeben. Die Gitarren wurden fast vollends gegen Synthies eingetauscht. Und die Drums rücken klanglich auch eine Reihe nach vorne. Ich würde fast sagen, das Album ist drumzentrisch. Aber wenn man weiß, wie man es machen muss, ist Weiterentwicklung ja ne feine Sache. Und dass die drei Jungs um Henrik es wissen, haben sie spätestens mit der Titelsingle “Black Musik” bewiesen.

Anspieltipps: “Black Musik”, “Wild Thing”

VETO | Everything Is Amplified

Dänemark ist eindeutig eine Exportnation. Als erfolgreichstes Exportgut haben sich Musiker erwiesen. Die Grande Nation kann trotz kleiner lokaler Ausdehnung auf große Namen schauen. Da wären die von mir sehr geschätzten Nephew, Dúné, Death By Kite, WhoMadeWho, Spleen United, Raveonettes und die mir nur dem Namen nach bekannten Efterklang, Mew und Trentemöller. Zu dieser illustren Runde gesellen sich jetzt auch die Jungs von VETO. Und die sind nicht etwa neu im Geschäft, nein, 2 Alben haben sie schon draußen. Und nun kommt mit “Everything Is Amplified” ihr Drittwerk raus. Das Motto gilt hoffentlich auch für ihren Ruf, den sie brauchen sich wirklich nicht vor ihren Landsmännern von WhoMadeWho oder Spleen United zu verstecken. Herrlich melancholische Sinfonien und ein Genuss für alle Sinne.

Anspieltipps: “Fell Into Place”, “Spun”

Egyptian Hip Hop | Some Reptiles Grew Wings

Zum Schluss mache ich etwas, was ich sonst eigentlich vermeide. Ich stelle kurzerhand noch eine junge Band mit ihrer EP “Some Reptiles Grew Wings”. Bei dem Bandnamen Egyptian Hip Hop erwartet man nicht unbedingt ein Quartett aus Manchester. Aber die Jungs mit den windschiefen Haarschnitten machen erfrischenden Electropop mit Ohwurmcharakter (“Rad Pitt”) und gehören deswegen unbedingt gefeatured. Wann ein Longplayer ansteht, weiß ich nicht, ich hoffe aber auf Bälde. Ansonsten kann ich immer noch die Daumen drücken, dass sie vielleicht für den Metronomy-Gig demnächst eingespannt werden. Verwechselnd ähnliche Basslines haben sie ab und zu sowieso schon.

Anspieltipp: “Rad Pitt”

In diesem Sinne viel Spaß beim Reinhören!

MfG Ern

Review: Rise Against – Endgame

// 14. 03. 2011 // 3 Kommentare » // Musik, Plattenteller

Hier im Hauptquartier von iophobia haben wir generell unterschiedliche Geschmäcker was Musik betrifft. Und das ist wahrscheinlich auch ganz gut so, schließlich fördert es die Bandbreite der Bands die auf dieser Seite genannt bzw. vorgestellt werden. Doch hin und wieder treffen wir uns in der kleinen aber dennoch vorhandenen Schnittmenge unserer musikalischen Vorlieben. Und ganz genau dort befindet sich Rise Against. Warum ist das so? Einerseits sind es die eingängigen Riffs und die markante Stimme von Sänger Tim McIlrath, andererseits die vor allem auf den früheren Alben erkenbaren Hardcore-Wurzeln, die diese Band für unterschiedliche Geschmäcker attraktiv macht. Es lässt sich allerdings spätestens auf der letzten Platte Appeal To Reason eine Entwicklung weg vom Hardcore hin zu einem fast reinrassigen Punkrock ausmachen.  Ob sich dieser Trend auf dem neuesten Werk  Endgame fortgesetzt hat, soll im Folgenden erörtert werden.

“Architects” beginnt mit einem kurzen Gitarrenintro, um dann unmittelbar von wuchtigen Gitarenriffs und dem treibenden Schlagzeug abgelöst zu werden. Tim McIlraths markante raue Stimme findet den Weg ins Ohr des Hörers, während die gewohnt stark verzerrten Gitarren im Verlauf der Strophen etwas Fahrt rausnehmen, nur um im Refrain umso gewaltiger zurückzukehren. Der leichte Rhythmuswechsel zwischen Strophe und Chorus ist präzise und passend dargeboten, spätestens bei der Bridge weiß man: hier handelt es sich um einen grundsoliden Rise Against Song, der eben auch mühelos als solcher erkennbar ist.

Und damit komme ich auch schon zum großen Problem der Platte. So solide jeder Song für sich genommen auch ist, so wäre eine separate Beschreibung nahezu identisch mit der von “Architects”. Jeder Titel funktioniert nach dem gleichen Schema, selbst die Länge der einzelnen Tracks unterscheidet sich kaum und variiert zwischen 3:24 und 4:18 Minuten.

Nur selten kommt ein wenig Abwechslung ins Spiel. So heben sich  “Satellite” und “Wait For Me” etwas vom Rest ab. Und das durch die schlichte Tatsache, dass es dort auch Passagen gibt, in denen entweder das Schlagzeug oder die besaiteten Instrumente kurz schweigen. Doch das sind leider kaum nennenswerte Ausnahmen. Wo, so fragt man sich unweigerlich, sind McIlraths Shouts abgeblieben? Gerade die stimmliche Varianz hatte immer den großen Reiz an der Musik von Rise Against ausgemacht. Ebenfalls abwesend: die sonst immer zielsicher im hinteren Drittel platzierte Akustikballade. Ob das nun gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Der musikalischen Abwechslung zuliebe, hätte eine etwas ruhigere Nummer sicherlich nichts geschadet.

Textlich werden in den Songs wieder politische und gesellschaftliche Themen verhandelt. Dabei schwingt immer ein  “Ende der Welt wie wir sie kennen”-Duktus mit, ohne dabei jedoch apokalyptisch rüberzukommen. Der Albumtitel Endgame ist da sicherlich passend, spiegelt er doch die letzte Phase einer Schachpartie wider, in der der Ausgang offensichtlich ist.

Insgesamt liefern Rise Against mit Endgame 12 ordentliche Songs ab, die zwar die gewohnten Zutaten beinhalten, jedoch die melodiöse Eingängigkeit vergangener Werke (The Sufferer and The Witness, Siren Song of the Counter Culture) vermissen lassen. Auch nach mehrfachem Durchhören habe ich immer noch Schwierigkeiten die einzelnen Tracks auseinanderzuhalten. Der Trend von Appeal to Reason setzt sich also tatsächlich fort, soll heißen: weniger Hardcore-Elemente, dafür mehr glatt- rau-polierter Post-Punk – hörenswert, aber ein bisschen langweilig.

Wertung: 3/5

 ★ ★ ★ ☆ ☆  

 

Rise Against - Endgame
  1. Architects
  2. Help Is On The Way
  3. Make It Stop (September’s Children)
  4. Disparity By Design
  5. Satellite
  6. Midnight Hands
  7. Survivor Guilt
  8. Broken Mirrors
  9. Wait For Me
  10. A Gentlemen’s Coup
  11. This Is Letting Go
  12. Endgame

 

 

Konzert: Darwin Deez + Totally Enormous Extinct Dinosaurs + Ram’s Pocket Radio

// 12. 03. 2011 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Long Live The Double D! Gerade mal ein halbes Jahr ist es her, dass Darwin Deez mit seiner Spaßgesellschaft im Lido aufgetreten ist, da beehren sie Berlin auch schon wieder. Aber nicht etwa in derselben Location, nein. Die Live-Qualitäten der New Yorker Formation um den Namensgeber Darwin Deez scheinen sich seit dem letzten Mal rumgesprochen zu haben, sodass man nun – als wäre es das leichteste der Welt – das Astra randvoll bekommt. Und wie auch schon mit den Cads beim Gig im Lido hat der gute Herr Deez auch diesen Abend was die Vorband(s) betrifft ein glückliches Händchen bewiesen. Und großzügig wie er ist, hat er uns gleich zwei Warmup-Acts spendiert.

Den Anfang machte die 3-Mann-1-Frau-Kombo Ram’s Pocket Radio aus Nordirland. Diese sind laut eigenen Angaben extra für diesen Auftritt angereist, nur um danach dieselbe Strecke zurückzukutschen. Aber dafür wurden sie ja mit einem aufgeweckten Publikum belohnt. Ihre Musik würde ich grob als sehr Keyboard-lastigen Pop-Rock umreißen. Ein paar einprägsame Liedchen waren auch dabei. An “Love Is A Bitter Thing” kann ich mich da zum Beispiel noch erinnern. Schön anzusehen war die ganze Sache dann auch noch, also zumindest die Bassistin.

Der zweite im Programm war Orlando Higginbottom, vielen natürlich eher unter seinem Künstlernamen Totally Enormous Extinct Dinosaurs oder kurz T.E.E.D. bekannt. Zumindest wenn man nach der Reaktion des Publikums geht, scheinen fast die Hälfte der Leute nur wegen ihm gekommen zu sein, so euphorisch war die Begrüßung. Er kam natürlich auch stilecht im Dinosaurier-Overall auf die Bühne und ein paar Tracks später kam auch sein Markenzeichen, der protzige Indianerkopfschmuck dazu. Neben ein paar unbekannteren, aber hundertprozentig tanzbaren Mixes waren selbstverständlich auch die Ohrwurm-Kandidaten “Household Goods” und “Garden” mit am Start. Gerade bei ersterem wurde fast unisono mitgesungen. So unbekannt scheint er also gar nicht mehr zu sein. Darwin hat es während der Performance auch mal auf die Bühne gezerrt, was vom minderjährigen Teil des Publikums (nicht unwesentlich vertreten) kreischend quittiert wurde. Womit wir zur zweiten Umbaupause kommen. Wer mich kennt, weiß, dass ich auch gerne mal auf die Tracks in der Pause achte. Heute gab’s nen richtigen Genre-Salat, wenn auch gekonnt. Nach Kanye West zum Einen und Radiohead zum anderen Extrem (sofern man nicht bei pitchfork arbeitet…) hat sich doch tatsächlich kurz vor Darwins Bühnenantritt “New York Groove” von Hello eingeschlichen. Im Nachhinein vielleicht gar nicht so unpassend bei den noch folgenden Mashups.

Das erste was mir dann, mit Bedauern, aufgefallen ist, als alle es sich auf der Bühne bequem gemacht haben, war die Tatsache, dass Darwins sonstige Bassistin und Inspirationsquelle Michelle aka Mash Deez  hoffentlich nur vorübergehend ersetzt wurde. Dabei war das doch im Lido schon so lustig, weil mich sowohl Michelle bzw. Cole (Gitarre) vom Aussehen an Lesbian Robin (HIMYM) bzw. Jared Leto erinnern. Sieht wahrscheinlich niemand außer mir so, aber denkt mal drüber nach. Apropos Cole: Darwin ist natürlich unangefochtener Querdenker der Truppe, aber Cole zuzugucken macht mindestens genauso viel Spaß. Da wird dem weiblichen Publikum mit lasziven Hüftschwüngen eingeheizt, die Menge zum Mitklatschen animiert, die erste Reihe abgeklatscht… Da wundert es eigentlich niemanden mehr, dass er eine rosa E-Gitarre spielt, oder? Bei jeder anderen Band würde mich das stutzig machen, aber bei Darwin Deez kann es eigentlich nur so sein. Achja, Darwin hat ja angeblich auch nur 4 Saiten auf seiner Gitarre. Im Gegensatz zum Auftritt im Lido wurden dieses Mal bereits relativ viele neue Titel gespielt. Ich meine, mich an etwas mit “Bodyguard” erinnern zu können, außerdem noch was mit “Mama says” und zum Schluss gabs noch eine Kostprobe des relativ langsamen “Nobody Knows Me” zu hören. Von den bereits bekannten Sachen wurde meiner Meinung nach alles bis auf “Lights On” und “The Suicide Song” gespielt (angesichts der Nachrichten auch mit Kondolenzbekudungen an Japan in “Deep Sea Divers”). Die besten Sachen, vertreten durch “Bad Day” und “Radar Detector” kamen natürlich erst gegen Ende vor der ersten Zugabe. Dem fordernden Pöbel Der verzauberten Zuhörerschaft kann man natürlich keinen Wunsch verwehren und so wurde dann noch “Constellations” zum Besten gegeben. Wohlgemerkt mit fehlerfrei gesungenen Passagen des Publikums. Wenn uns das schon so einen Spaß gemacht hat, wie ists dann erst Darwin ergangen? Nachdem die erste Zugabe dann auch vorbei war, wollten sie sich eigentlich offiziell aus dem Staub machen, aber da die Begeisterungsstürme im Publikum nunmal nicht abrissen, kamen Darwin und Cole tatsächlich nochmal für eine zweite Zugabe raus, um besagtes “Nobody Knows Me” zu performen.

Aber machen wir uns nichts vor. Highlight eines jeden Darwin Deez-Konzerts sind die Tanzeinlagen zu den unterschiedlichsten Mashups. Wer sonst käme z.B. auf die Idee, Enyas “Sail Away” mit Rage Against The Machines “Testify” zu mixen und das auch noch zu choreographieren. Herrlich! Und bevor ichs vergesse: Die Rap-Einlage von Darwin ist als Highlight auch noch unbedingt hervorzuheben.

Wer es also immer noch nicht geschafft hat, zu einem Konzert von Darwin Deez zu kommen, bereut das inzwischen hoffentlich. Aber keine Angst: Wenn er in einem halben Jahr wiederkommt, spielt er ja wahrscheinlich in der O2-World, wenn das mit den Venues so weiter geht. Da sollte dann für jeden ne Karte da sein.

MfG Ern

Konzert: Fujiya & Miyagi + Nias

// 11. 03. 2011 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Das Jahr hat bekanntlich 365 Tage. Da könnte man doch naiverweise davon ausgehen, dass man reichlich Spielraum hat, um gute Konzerte ordentlich zu verteilen. Aber so funktioniert das ja anscheinend nicht. Nachdem ich mich letztes Jahr schon zwischen The Acorn und Kyuss entscheiden musste, war die Wahl für den heutigen Abend etwas leichter. Wer also wie ich nicht unbedingt zu Glasvegas ins Magnet wollte, hat sichs ergo ein paar Schritte weiter im Lido bequem gemacht. Dort war heut die britische Experimental-Electro-Truppe Fujiya & Miyagi zu Gast. Wer öfters mal durch meinen Blog stöbern, wird sicherlich noch vor Augen haben, dass ich neulich ihre neue LP “Ventriloquizzing” wärmstens empfohlen habe.

Als Vorband hat man sich die Berliner Kombo Nias organisiert. Die wollten das Beste aus ihrem Auftritt machen und haben anscheinend einen Bekannten instruiert, den Auftritt aus allen erdenklichen Winkeln mit Camcordern zu filmen, so kam es mir zumindest vor. Sei’s drum. Der Auftritt war dann aber keineswegs schlecht. Zu Beginn hatten alle vier LEDs im Mund, die im Takt der Musik geblinkt haben. Don’t ask me why. Achja, und ne weitere LED hatte der Gitarrist und Sänger dann noch kurzerhand an seine Gitarre geklebt, sodass er von Zeit zu Zeit mal Leuchtturm spielen konnte. Musikalisch hab ich nix auszusetzen gehabt. Waren echt ein paar gute Tracks dabei inklusive Rhythmuswechsel, Buildup / Breakdown, Bridge etc. Dementsprechend gut kam es auch beim Publikum an. Und dem Ego der Jungs hat’s sicher nicht geschadet, dass sogar Rufe/Schreie nach einer Zugabe aus dem Publikum kamen, auch wenn sie schon ne Dreiviertelstunde performt haben.

Nach dem üblichen Umbau mit übrigens sehr angenehmer Instrumentalmusik à la Russian Circles (bzw. nich ganz so deftig) legten dann auch die Mannen um Sänger und Gitarristen David Best los. Glückwunsch übrigens wieder an die Tontechniker. Obwohl der gute Herr Best ja mehr flüstert/spricht/artikuliert als singt, hat man ihn gut über Bass, Gitarre, Synthie und Drums hören können. Auf der Setlist fanden sich übrigens von jedem Album ein paar Songs. Gleiches Recht für alle, wenn man so will. Bei einigen Songs war ich dann beizeiten doch schon mal recht platt, ob der innovativen Spielweise von David. Was aussah wie ein mal eben über die Saiten abgerutschter Arm, klang doch immer wieder gleich. Und überhaupt spielte er mit einer Seelenruhe, die vermuten lässt, dass da ein Virtuose seiner Bestimmung zugeführt wurde. Vielleicht übertreibe ich auch, aber es machte Spaß ihm zuzusehen und zu hören. Highlights für mich und anscheinend auch andere im Publikum waren natürlich “Collarbone” sowie “16 Shades Of Black And Blue”. Denn die wurden angemessen mit Ovationen bemessen. Aber auch “Ankle Injuries” kommt live noch mal um Einiges besser rüber. Deswegen fande ichs eigentlich fast schade, dass das Lido gar nicht so voll war wie es hätte sein können. Hat sich wohl noch nicht so rum gesprochen. Vielleicht ändert sich das ja mit dem neuen Album.

MfG Ern

Konzert: Yuck + Porcelain Raft

// 05. 03. 2011 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Yuck! Das ist keinesfalls das Statement zum heutigen Konzert, sondern vielmehr der Name der aufgetretenen Band. Die Ex-”Cajun Dance Party”-People Danny und Max zieht es mit frischer Besetzung (Mariko – Bass, Johnny – Drums) nun das erste Mal in die Hauptstadt, genauer gesagt in den Comet Club (aka Magnet – die Unterscheidung is mir nach wie vor schleierhaft). Zur Location muss ich nicht mehr so viel sagen, im neuen Magnet war jetz inzwischen wohl jeder schonmal. Mit den Konzertfloors ist man aber anscheinend flexibel. Denn während ich bei den Russian Circles noch in den Eingangsfloor musste, hielt heute der sonstige Punk-Floor schräg gegnüber des Klos die Bühne bereit.

Unter den Anwesenden tummelte sich übrigens auch Sänger Danny herum, der sich angeregt mit jemandem aus dem Publikum unterhielt. Seine Frisur, wenn man sie so nennen darf, ist echt einzigartig. Da lösen sich die Komplexe wegen meiner Haare gleich in Luft auf. Und auch seine sonstige Erscheinung war doch amüsant anzusehen. Von der Statur her macht er jedem Size-Zero-Model Konkurrenz. Wenn man ihn sich jetz noch mit einem Turnbeutel vorstellt, den her herumschwenkte wie ein Kleinkind ein neues Spielzeug, dann hat man den Anblick von heut Abend ganz gut getroffen.

Den Anfang machte Alleinunterhalter Mauro Remiddi alias Porcelain Raft. Seine Musik besteht grobgesagt aus geloopten Samples mit atmosphärischer oder geschrammelter E-Gitarrenbegleitung. Ich dachte erst, dass es viel zu ruhig zum Aufwärmen wird, aber nachdem er das Publikum auch ein bisschen näher zu sich herangerückt hatte und ein paar Songs gespielt waren, wurden die Loops auch wesentlich mitreißender, wenn auch noch ohne großen Bewegungsdrang auszulösen. Als Vorband hat man es aber auch nicht so leicht.

Nach seinem Abgang wurde ein neuer Konzertrekord in Sachen Bühnenumbau aufgestellt. In weniger als einer Viertelstunde war Yuck vollzählig auf der Bühne eingetroffen und es ging auch schon weiter. Dafür nen Bienchen. Und überhaupt: So vom ersten Eindruck heute erschienen mir alle sympathisch. Danny, wie er bei jedem Song umherwippt, als hätte ihm jemand vorher was in den Tee getan. Und Max, der eine Perfektionismus an den Tag legt, die seinesgleichen sucht. Jeden seiner Parts hat er eigentlich exakt so hinbekommen wie auf Platte. Gut, das sollte man von einem ordentlichen Gitarristen erwarten, aber ein bisschen mehr Lässigkeit für das besondere Live-Feeling hätte ja nicht schaden können. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt, sofern ich mir den als Nicht-Instrumentalist überhaupt erlauben kann, betrifft Mariku am Bass. Sie spielt halt mit Plec statt zu zupfen. Mag Geschmackssache sein, aber so habe ich das von guten Bassisten halt aufgeschnappt. Hat ja dem Sound letztendlich nich geschadet. Der war mal wieder 1a. Gerade das Lautstärke-Verhältnis zwischen Stimme und Instrumenten hat heut mal gut gepasst und das sogar ohne stundenlangen Soundcheck.

Jetzt aber auch mal zu den Liedern. Auch wenn ich im Vorfeld gedacht habe “Bei der überschaubaren Palette, die sie momentan haben, könnten sie ja ruhig alles spielen”, gabs dann doch nur ne Auswahl. “Dark Magnet” von der Rubber EP wäre natürlich ein schöner Opener gewesen, aber das Leben ist ja kein Wunschkonzert. So gab’s eine gute Mischung aus den rockigeren Titeln der Platte (“Get Away”, “The Wall”, “Georgia”, “Holing Out”) und den ruhigen Parts (“Suicide Policeman”, “Shook Down”, “Suck”) mit “Rubber” als krönenden Abschluss-Song. Zwischendrin gabs auch mal lustige Wortwechsel mit dem Publikum. Auf die Nachfrage von Johnny, was die Band denn nach dem Konzert noch in Berlin machen könnte, kam aus der Masse prompt die Anwort: “Get Drunk!”, was sofort als hervorragende After-Show-Beschäftigug akzeptiert wurde.

Und auch wenn der letzte Song wirklich wie versprochen der letzte war, wird Yuck mir doch positiv in Erinnerung bleiben. So bodenständig wie die vier sind Bands schließlich erfahrungsgemäß nicht mehr lange, wenn sich der Erfolg erst einmal einstellt. Und der sei dem Londoner Quartett doch gegönnt.

So long,

MfG Ern