Konzert: Fujiya & Miyagi + Nias

| 11. 03. 2011 | Konzertbericht, Musik

Das Jahr hat bekanntlich 365 Tage. Da könnte man doch naiverweise davon ausgehen, dass man reichlich Spielraum hat, um gute Konzerte ordentlich zu verteilen. Aber so funktioniert das ja anscheinend nicht. Nachdem ich mich letztes Jahr schon zwischen The Acorn und Kyuss entscheiden musste, war die Wahl für den heutigen Abend etwas leichter. Wer also wie ich nicht unbedingt zu Glasvegas ins Magnet wollte, hat sichs ergo ein paar Schritte weiter im Lido bequem gemacht. Dort war heut die britische Experimental-Electro-Truppe Fujiya & Miyagi zu Gast. Wer öfters mal durch meinen Blog stöbern, wird sicherlich noch vor Augen haben, dass ich neulich ihre neue LP “Ventriloquizzing” wärmstens empfohlen habe.

Als Vorband hat man sich die Berliner Kombo Nias organisiert. Die wollten das Beste aus ihrem Auftritt machen und haben anscheinend einen Bekannten instruiert, den Auftritt aus allen erdenklichen Winkeln mit Camcordern zu filmen, so kam es mir zumindest vor. Sei’s drum. Der Auftritt war dann aber keineswegs schlecht. Zu Beginn hatten alle vier LEDs im Mund, die im Takt der Musik geblinkt haben. Don’t ask me why. Achja, und ne weitere LED hatte der Gitarrist und Sänger dann noch kurzerhand an seine Gitarre geklebt, sodass er von Zeit zu Zeit mal Leuchtturm spielen konnte. Musikalisch hab ich nix auszusetzen gehabt. Waren echt ein paar gute Tracks dabei inklusive Rhythmuswechsel, Buildup / Breakdown, Bridge etc. Dementsprechend gut kam es auch beim Publikum an. Und dem Ego der Jungs hat’s sicher nicht geschadet, dass sogar Rufe/Schreie nach einer Zugabe aus dem Publikum kamen, auch wenn sie schon ne Dreiviertelstunde performt haben.

Nach dem üblichen Umbau mit übrigens sehr angenehmer Instrumentalmusik à la Russian Circles (bzw. nich ganz so deftig) legten dann auch die Mannen um Sänger und Gitarristen David Best los. Glückwunsch übrigens wieder an die Tontechniker. Obwohl der gute Herr Best ja mehr flüstert/spricht/artikuliert als singt, hat man ihn gut über Bass, Gitarre, Synthie und Drums hören können. Auf der Setlist fanden sich übrigens von jedem Album ein paar Songs. Gleiches Recht für alle, wenn man so will. Bei einigen Songs war ich dann beizeiten doch schon mal recht platt, ob der innovativen Spielweise von David. Was aussah wie ein mal eben über die Saiten abgerutschter Arm, klang doch immer wieder gleich. Und überhaupt spielte er mit einer Seelenruhe, die vermuten lässt, dass da ein Virtuose seiner Bestimmung zugeführt wurde. Vielleicht übertreibe ich auch, aber es machte Spaß ihm zuzusehen und zu hören. Highlights für mich und anscheinend auch andere im Publikum waren natürlich “Collarbone” sowie “16 Shades Of Black And Blue”. Denn die wurden angemessen mit Ovationen bemessen. Aber auch “Ankle Injuries” kommt live noch mal um Einiges besser rüber. Deswegen fande ichs eigentlich fast schade, dass das Lido gar nicht so voll war wie es hätte sein können. Hat sich wohl noch nicht so rum gesprochen. Vielleicht ändert sich das ja mit dem neuen Album.

MfG Ern