Konzert: Yuck + Porcelain Raft
Ern | 5. 03. 2011 | Konzertbericht, Musik
Yuck! Das ist keinesfalls das Statement zum heutigen Konzert, sondern vielmehr der Name der aufgetretenen Band. Die Ex-”Cajun Dance Party”-People Danny und Max zieht es mit frischer Besetzung (Mariko – Bass, Johnny – Drums) nun das erste Mal in die Hauptstadt, genauer gesagt in den Comet Club (aka Magnet – die Unterscheidung is mir nach wie vor schleierhaft). Zur Location muss ich nicht mehr so viel sagen, im neuen Magnet war jetz inzwischen wohl jeder schonmal. Mit den Konzertfloors ist man aber anscheinend flexibel. Denn während ich bei den Russian Circles noch in den Eingangsfloor musste, hielt heute der sonstige Punk-Floor schräg gegnüber des Klos die Bühne bereit.
Unter den Anwesenden tummelte sich übrigens auch Sänger Danny herum, der sich angeregt mit jemandem aus dem Publikum unterhielt. Seine Frisur, wenn man sie so nennen darf, ist echt einzigartig. Da lösen sich die Komplexe wegen meiner Haare gleich in Luft auf. Und auch seine sonstige Erscheinung war doch amüsant anzusehen. Von der Statur her macht er jedem Size-Zero-Model Konkurrenz. Wenn man ihn sich jetz noch mit einem Turnbeutel vorstellt, den her herumschwenkte wie ein Kleinkind ein neues Spielzeug, dann hat man den Anblick von heut Abend ganz gut getroffen.
Den Anfang machte Alleinunterhalter Mauro Remiddi alias Porcelain Raft. Seine Musik besteht grobgesagt aus geloopten Samples mit atmosphärischer oder geschrammelter E-Gitarrenbegleitung. Ich dachte erst, dass es viel zu ruhig zum Aufwärmen wird, aber nachdem er das Publikum auch ein bisschen näher zu sich herangerückt hatte und ein paar Songs gespielt waren, wurden die Loops auch wesentlich mitreißender, wenn auch noch ohne großen Bewegungsdrang auszulösen. Als Vorband hat man es aber auch nicht so leicht.
Nach seinem Abgang wurde ein neuer Konzertrekord in Sachen Bühnenumbau aufgestellt. In weniger als einer Viertelstunde war Yuck vollzählig auf der Bühne eingetroffen und es ging auch schon weiter. Dafür nen Bienchen. Und überhaupt: So vom ersten Eindruck heute erschienen mir alle sympathisch. Danny, wie er bei jedem Song umherwippt, als hätte ihm jemand vorher was in den Tee getan. Und Max, der eine Perfektionismus an den Tag legt, die seinesgleichen sucht. Jeden seiner Parts hat er eigentlich exakt so hinbekommen wie auf Platte. Gut, das sollte man von einem ordentlichen Gitarristen erwarten, aber ein bisschen mehr Lässigkeit für das besondere Live-Feeling hätte ja nicht schaden können. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt, sofern ich mir den als Nicht-Instrumentalist überhaupt erlauben kann, betrifft Mariku am Bass. Sie spielt halt mit Plec statt zu zupfen. Mag Geschmackssache sein, aber so habe ich das von guten Bassisten halt aufgeschnappt. Hat ja dem Sound letztendlich nich geschadet. Der war mal wieder 1a. Gerade das Lautstärke-Verhältnis zwischen Stimme und Instrumenten hat heut mal gut gepasst und das sogar ohne stundenlangen Soundcheck.
Jetzt aber auch mal zu den Liedern. Auch wenn ich im Vorfeld gedacht habe “Bei der überschaubaren Palette, die sie momentan haben, könnten sie ja ruhig alles spielen”, gabs dann doch nur ne Auswahl. “Dark Magnet” von der Rubber EP wäre natürlich ein schöner Opener gewesen, aber das Leben ist ja kein Wunschkonzert. So gab’s eine gute Mischung aus den rockigeren Titeln der Platte (“Get Away”, “The Wall”, “Georgia”, “Holing Out”) und den ruhigen Parts (“Suicide Policeman”, “Shook Down”, “Suck”) mit “Rubber” als krönenden Abschluss-Song. Zwischendrin gabs auch mal lustige Wortwechsel mit dem Publikum. Auf die Nachfrage von Johnny, was die Band denn nach dem Konzert noch in Berlin machen könnte, kam aus der Masse prompt die Anwort: “Get Drunk!”, was sofort als hervorragende After-Show-Beschäftigug akzeptiert wurde.
Und auch wenn der letzte Song wirklich wie versprochen der letzte war, wird Yuck mir doch positiv in Erinnerung bleiben. So bodenständig wie die vier sind Bands schließlich erfahrungsgemäß nicht mehr lange, wenn sich der Erfolg erst einmal einstellt. Und der sei dem Londoner Quartett doch gegönnt.
So long,
MfG Ern










