Konzert: Gods Of Blitz + Jolly Goods
Ern | 27. 05. 2012 | Konzertbericht, Musik
Ohne Worte. Das war meine Reaktion als Ende Dezember letzten Jahres auf der Facebook-Seite der Berliner Rocker von Gods of Blitz eine Veranstaltung eingetragen wurde. Ist ja alles nichts Besonderes werdet ihr sagen, eine Band lebt nunmal von Konzerten. Da stimme ich euch gerne zu, aber der Clou hier: Die Band hatte sich eigentlich mittlerweile aufgelöst. Und wenn einem dann noch die Zusatzinformationen “Einziges Konzert” und “Original-Lineup”, also mit dem einzig wahren Sebastian als Sänger, ins Auge springen, dann ist der Pakt schon besiegelt und der Tag Monate im Voraus großzügig freigehalten. Und nun war es also so weit. Die vier Kreuzberger luden wie es sich gehört ins gemütliche Wohnzimmer des Bezirks – dem Lido ein.
Als Vorband hatte man das tongewaltige Damenduo Jolly Goods auserkoren. Mit Drumset, E-Gitarre und Puffärmel-Kleidchen bewaffnet, versuchten die beiden Schwestern, dem bis dahin spärlich anwesenden Publikum einzuheizen. Das gelang ihnen mit den schnelleren Songs am Anfang eigentlich auch ganz gut, mit denen sie mich an ähnliche Acts wie The Pack A.D. oder Le Butcherettes erinnert haben. Von letzteren hat Sängerin Tanja sich zumindest in Sachen Mimik einiges abgeschaut. Eine Wohltat war auf jeden Fall die simpel aber mitreißend gehaltene Schlagzeugbegleitung. Meg White wäre neidisch geworden.
Nun aber zu den eigentlichen Helden des Abends. Wie es sich für die Herren ziemt, kündigten sie sich standesmäßig mit einem coolen Intro aus dem Off an, bevor sie unter donnerndem Applaus (pun intended) auf der Bühne ihre Plätze einnahmen. Hier wurde bereits deutlich, dass die Zeit nicht spurlos an Sebastian & Co vorbeigegangen ist. Opener war, wie ihr der Setlist entnehmen könnt, “Greetings From Flashbackville”. In Anbetracht der Umstände des Konzerts ein mehr als passender Titel. Die ersten Tracks, darunter auch “Beat of Progress” oder “Times of Paranoia”, spielten sie gewohnt cool, eben ganz so wie man sie vom letzten Konzert noch in Erinnerung hatte. Wohl auch ein Indiz, dass die Chemie zwischen allen Beteiligten noch stimmt. Einzig und allein die Publikumsbeteiligung ließ anfänglich noch auf sich warten, um dann aber umso überbordender ab “Missing Link” und “Critical Masses” präsent zu sein. Ein Faible, dem die Jungs treu geblieben sind, stellte Sebastian u.a. bei “Protoman” und “Now” unter Beweis. Die Rede is von den ausschweifenden Bass-Intros, die die Vorfreude im ohnehin kochenden Lido noch weiter zu steigern vermochten. Alternativ zur basslastigen Variante kann man einem Song natürlich auch mal einen neuen Anstrich verpassen, so geschehen bei “Psychology”, das sie zunächst als langsamen Swingsong eröffneten. Allem Nostalgie-Feeling zum Trotz wurde im Übrigen auch der schon im Vorfeld des Konzerts geteaste neue Song “Bright Light” zum Besten gegeben, der es ja immerhin auch schon in die Rotation des allseits beliebten Motor FluxFM geschafft hat. Das Publikum dankte Sebastian, Olli, Jens und Jakob so viel Abwechslung mit euphorischen Jubelschreien, was besonders Sebastian sichtlich zu rühren schien. So ist es auch kein Wunder, dass sogar Zeit für zwei Zugaben war. Die Rückkehr der Götter wurde dabei wahlweise mit “Gods of Blitz”-Skandierungen und/oder einem gestampft/geklatschtem, frenetischen Jubel begleitet. Der verschwitzten Meute wurde bei “The Rising” zum Schluss noch einmal abverlangt, bevor wir standesgemäß mit “Generation Goodbye” nach Hause geschickt wurden. Wenn man mit eigenen Augen gesehen hat, wieviel Spaß Band und Publikum während des Konzerts hatten, bleibt doch sehr zu hoffen, dass sich die Blitzgötter zukünftig für mehr als einen neuen Song zusammenraufen. Wer nach dem Review auf den Geschmack gekommen ist, kann diesen Sonntag (27.5.) noch zur Zusatzshow im Lido vorbeischauen und sich selbst ein Bild von diesen Energiebündeln machen.
MfG Ern
















