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Festplatten 2012: Die Indie-Ausgabe

// 26. 12. 2012 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Ja, es ist wieder diese Zeit des Jahres angebrochen, da die Menschen ihrem Schubladendenken in vollen Zügen nachgehen können. Aber gerade in der Musik ist dies am Ende des Jahres auch einfach nötig, um den Radar neuzukalibrieren und kurz und knapp ein Listener’s Digest des Status Quo serviert zu bekommen. Ich für meinen Teil werde mich auf die Indie-Fraktion beschränken, während Franz euch sicherlich in Sachen Metal und Prog Rock auf dem Laufenden hält.

In Ausarbeitung der Liste ist mir auch noch einmal aufgefallen, was ich eh schon im Gefühl hatte: 2012 war ein gutes Musik und die Auswahl der Top 10 viel daher sichtlich schwer, erstaunlicherweise jedoch nicht die Belegung des ersten Platzes. Aber alles der Reihenfolge nach:

alt-J | An Awesome Wave

alt-J - An Awesome WaveManche Leute muss man zu ihrem Glück zwingen. Auch ich höre gelgentlich dazu, wenn es um musikalische Belange geht. Ein gutes Beispiel dafür sind alt-J, die zu Beginn des Jahres noch als Δ (alt-J ist die entsprechende Tastenkombination zur Erzeugung dieses Symbols auf dem Mac) in meinem Newsfeed aufgetaucht sind. Bei all der Reizüberflutung konnte mich ein kurzer Einspieler damals nich fesseln und für mich war An Awesome Wave kurzerhand ad acta gelegt. Bis zum Erscheinen der Indie Rock Playlist: Juni 2012. Mittlerweile ohnehin meine Hauptquelle für musikalische Neuentdeckungen, war darauf eben auch “Breezeblocks” von alt-J wiederzufinden, dass sich beharrlich in meinem Ohr festsetzte. So kam ich auch nicht umher, das Album der 4 Jungs aus Leeds nochmal anzuwerfen. Und siehe da, ich war hin und weg. Zumal das Album herrlich unkonventionell und vielseitig ist, was es sichtlich erschwert, Vergleiche mit Zeitgenossen anzustellen. Live sind sie im Übrigen ebenfalls zu empfehlen, was sicherlich auch einer der Gründe ist, dass sie den diesjährigen Mercury Music Prize abstauben konnten.

Anspieltipps: “Taro”, “Fitzpleasure”

Cloud Nothings | Attack On Memory

Cloud Nothings - Attack on MemoryNun ein Beweis, dass auch relativ früh im Jahre erschiene Alben es schaffen können, in der Jahresbestliste aufzutauchen. Dylan Baldis Ein-Mann-Projekt Cloud Nothings hatte ich nämlich im Januar bereits angesprochen und empfohlen. Was zeichnet seine Musik aus? Im Grunde genommen Songs in bester Garage/Self-Made-Manier. Das beinhaltet Gitarrengeschrammel, Vocals kurz vor der Stimmband-OP und die obligatorische “Antitüde”, wie ich sie gerne nenne. Sprich eine rebellische, teils pessimistische Haltung, die sich sowohl in den Songs als auch schon in der Wahl der Songtitel niederschlägt.

Anspieltipps: “Wasted Days”, “Stay Useless”

Beach House | Bloom

Beach House - BloomEinen klareren Cut könnte man von den Cloud Nothings zu Beach House gar nicht machen. Denn man verlässt die aufgewühlten Gefilde des LoFi-Rocks und betritt die ausgeglichenen Sphären des Dream Pops. Gitarren und Drums wandern in den Hintergrund, im Gegenzug darf sich dafür der Synthesizer ordentlich austoben. Mit ihrem diesen Jahres erschienenen Album Bloom haben sie meiner Meinung nach die Messlatte für den Dream Pop höher gelegt. Dabei geht es weniger um die technischen Raffinessen, die Alex und Victoria ihren Werken spendiert haben, denn vielmehr um die Wirkung, die Songs wie “Myth” auf den Hörer auszuüben vermögen.

Anspieltipps: “New Year”, “Myth”

Django Django | Django Django

Django Django - Django DjangoWie auch schon die LP der Cloud Nothings erschien das selbstbetitelte Debüt des englischen Experimental-Quartetts Django Django relativ früh im Verlaufe dieses Jahres und hat es dennoch in diese Liste geschafft. Auf dem Album warten sie mit halligen Vocals in stimmigen Harmonien auf, die mal ganz im Sinne des Folk Rocks gitarrenlastig begleitet werden( “Hail Bop”), im nächsten Song hingegen toben sie sich am Synthesizer aus, um ein orientalisch angehauchtes Instrumental zu kreieren (“Skies Over Cairo”). Glücklicherweise sind die Kompositionen jederzeit stimmig und nie übertrieben. Mit diesem eigensinnigen Mix haben sie es sogar schon in den Fokus des noch eigensinnigeren Modezaren Karl Lagerfeld geschafft, der die Jungs aus Dalston in einem Interview mit Markus Lanz als momentane Lieblingsband offenbarte. Warum auch nicht?

Anspieltipps: “Default”, “Skies Over Cairo”

Mystery Jets | Radlands

Mystery Jets - RadlandsEs folgt der vermutlich letzte Zugang zu dieser illüstren Top Ten- Aufstellung. Wenn ich an die Mystery Jets denke, fällt mir in erster Linie der zauberhafte 2008er Sommersong “Young Love” mit freundlicher Unterstützung von Laura Marling ein. Daraufhin das etwas enttäuschende Album Serotonin und nun also wieder ein neues Album. Wie auch schon bei alt-J ein absoluter Grower für mich. Ein halbes Jahr hat es gedauert, doch dann machte es Klick und mittlerweile ist Radlands, wie sie ihren Longplayer getauft haben, eine der Britpop/Folk-Releases dieses Jahres für mich. Das Erfolgsrezept? Eine ausgewogene Mischung aus ruhigen, sehnsüchtigen Songs und poppigen Chansons mit starken Refrains und besonders gelungene Bridges. Und das alles mit einer gehörigen Prise Retro, die sie irgendwo in die 70er zurückkatapultiert.

Anspieltipps: “Radlands”, “Someone Purer”

Peter Peter | Une version améliorée de la tristesse

Peter Peter - Une version améliorée de la tristesseSeien wir ehrlich: 90% der veröffentlichten Songs im Independent-Bereich bedienen sich der (massenkompatiblen) englischen Sprache. Das ist meiner Ansicht nach ein trauriger Umstand, zumal viele Länder über eine vorzeigbare Anzahl lokaler Acts in Landessprache verfügen – Deutschland inbegriffen. Aber es soll hier nicht ums uns gehen, sondern um unsere frankophonen Freunde aus Übersee in Québec (Tipp: Nicht in einem Atemzug mit Kanada zu nennen). Wie viele gute Acts aus Montréal kommen, habe ich bereits angesprochen. Über die eingangs erwähnte Indie Rock Playlist stolperte ich auch über den jungen auteur-compositeur-interprète (frz. Entsprechung des Singer-Songwriter) Peter Peter. Damals hatte er gerade sein selbstbetiteltes Debütalbum herausgebracht und mit der bezaubernden Coeur De Pirate die Single “Tergiverse” aufgenommen. Dieses Jahr folgte also sein Zweitling Une version améliorée de la tristesse. Der Titel lässt die Wehmut und die übliche Melancholie des Albums bereits etwas vermuten. Untermalt werden die Songs von gemächlichen Synth-Einschüben oder vereinzelt nur mit Gitarrenbegleitung (“Rien ne se perd, rien ne se crée”).

Anspieltipps: “Tous prends son sens dans le miroir”, “Une version ameliorée de la tristesse”

Purity Ring | Shrines

Purity Ring - ShrinesOft weiß ich nach einer Weile einfach nicht mehr wie ich eigentlich zu einem Künstler gekommen bin. Das ist bei dem Duo Purity Ring anders. Ich war auf einer belanglosen Suche auf YouTube und fand mich plötzlich im “sexy Teil” des Videoportals wieder. Der Trick ist altbekannt. Man nehme sich einen Audiotrack, lege das Foto einer ansprechenden Dame in knapper Bekleidung dahinter und stelle dieses Video online. So geschehen auch bei Lofticries. Ich war hin und weg von den Chillwave-Arrangements und wenig später kam dann auch das dazugehörige Debüt Shrines heraus und stellte die Experimentierfreude von Megan und Corin weiter unter Beweis. Unnötig zu erwähnen, dass die Songs auch live ein großer Genuss im Berliner Berghain waren.

Anspieltipps: “Lofticries”, “Obedear”

The Revivalists | City Of Sound

The Revivalists - City Of SoundIch mutiere zum Softie, zugegeben. Wo einst Bands wie SOAD und QOTSA aus meinen Boxen schallten, schlängeln sich nun die tanzbaren Hymnen der Synthie-Popszene ihre Wege zu meinen Ohren. So wurde es auch mal wieder Zeit für eine standesgemäße Rockplatte in dieser Auflistung. Glücklicherweise haben The Revivalists mit City Of Sound eben diese herausgebracht, die ich uneingeschränlt weiterempfehlen kann. Das Kollektiv um Sänger David Shaw aus New Orleans macht soulgeladene Rockballaden (“When I’m Able”) ebenso wie energiegeladene Nummern wie z.B. “Criminal”, die einen spätestens beim Refrain aus dem Sessel reißen. Dass trotz so einer rundum gelungenen Platte bisher nur etwa 4000 Hörer zu den “Wiedererweckern” gefunden haben, ist allerdings eine Tatsache, die sich in Zukunft ändert.

Anspieltipps: “Criminal”, “Pretty Photograph”

Shearwater | Animal Joy

Shearwater - Animal JoyWenn eine Band mir nicht von der Indie Rock Playlist empfohlen wurde, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich sie über den Radiosender meiner Wahl gefunden habe. KEXP ist ansässig in Seattle und lässt Möchtegern-Alterntivmusiksender wie RadioEins oder FluxFM alt aussehen. Nicht nur schaffen sie es, ein umwerfendes Programm quer durch die weltweite Indie-Szene zusammenzustellen, nein, sie stellen auch Videos der In-Studio-/Festival-Performances von Künstlern online, so auch das ehemals als Okkervil River-Nebenprojekt Shearwater. Diese liefern mit Animal Joy eine durch und durch gelungene Folk Rockplatte nach meinem Gusto ab. Kennzeichnend sind Vocals von Sänger Jonathan Meiberg, der sanfte Parts wie in “Dread Sovereign” gefühlvoll rüberbringt, sich aber auch ohne Probleme hochschaukeln kann wie in den Endzügen von “You As You Were”. Nenneswert sind auch die stimmigen Harmonien mit seinen Bandkollegen sowohl in Vers als auch Chorus, die dem ganzen eigentlich eine seichte Pop-Attitüde à la Snow Patrol verleihen, die sich jedoch glücklicherweise noch nicht rumgesprochen hat.

Anspieltipps: “You As You Were”, “Believing Makes It Easy”

Grimes | Visions

Grimes - Visions Ich bin kein Freund von Ranglisten, wenn es um die Bewertung von Musik geht. Hierfür fehlt es mir einfach an objektiven Vergleichspunkten, die ein Album “wertvoller” als ein anderes machen sollten. Daher ist auch diese Top Ten bewusst ungeordnet gehalten. Würde man mich allerdings zwingen, ein Ranking zu erstellen, würde es mir immerhin in diesem Jahr leicht fallen, die Nummer 1 besetzen. Da kommt also die 23jährige Wahl-Montréalaise Claire Boucher mit dem prägnanten Bühnennamen Grimes daher und veröffentlicht mit Visions ein Album, das all ihre Kollegen alt aussehen lässt. Irgendwo zwischen Dream Pop, Hip-Hop und den Synthie Poppern der 80ern liefert sie einfach eine Platte ab, die man getrost als zeitloses Gesamtkunstwerk bezeichnen darf. Dafür sehe ich sogar über ein abschreckendes Cover hinweg. Und erinnere mich gerne an einen gelungenen London-Trip Anfang des Jahres.

Anspieltipps: “Be A Body”, “Oblivion”

Erwähnenswerte Alben

  • Bat For Lashes – The Haunted Man
  • Fibes, Oh Fibes! – Album
  • First Aid Kit – The Lion’s Roar
  • Friends – Manifest!
  • Lemolo – Kaleidoscope
  • Ramona Falls – Prophet
  • The Soft Moon – Zeros
  • Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra – Theatre Is Evil
  • Summer Heart – About A Feeling
  • Twin Shadow – Confess
  • Yeasayer – Fragrant World
  • Yellow Ostrich – Stange Land
  • Hospitality – Hospitality
  • Clock Opera – Ways To Forget
  • Kat Frankie – Please Don’t Give Me What I Want
  • Altmodisch – Watches Fall Asleep

Beste EPs

  • HAIM – Forever EP
  • Labyrinth Ear – Apparitions EP
  • San Cisco – Awkward EP
  • Matt Corby – Made Of Stone EP
  • Mister Lies & Different Sleep – Mass EP

Beste Tracks

  • Grimes – Be A Body
  • alt-J – Taro
  • Dan Croll – From Nowhere
  • Matt Corby – Brother
  • Purity Ring – Lofticries

Sounds of 2013

  • Dan Croll
  • HAIM
  • Kate Boy

Hoffen wir auf ein ebenso ergiebiges Musikjahr 2013. Ich wünsche allen Lesern noch eine beschauliche Zeit zwischen den Jahren und einen guten Rutsch in eben das neue.

MfG Ern

 

Konzert: Darwin Deez + Punk’d Royal

// 01. 12. 2012 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Die berühmteste Locke der Indie-Szene ist zurück in der Stadt. Gestern lud das Magnet zu einem ausverkauften Konzert der Feel-Good-Fraktion um den charismatischen Chaoten Darwin Deez. Angesichts bereits fast ausverkaufter Konzerte im Lido und im Astra in der Vergangenheit mutete die Wahl der Location etwas unterdimensioniert an, aber wer kann sich schon dem Charme einer solchen Venue entziehen.

Ohne Vorband kein Konzert hieß es auch dieses Mal im Magnet. Da Darwin in der Vergangenheit ein glückliches Händchen bewies und Bands wie die Cads aus Großbritannien oder den DJ der Herzen T.E.E.D. fürs Warmup verpflichten konnte, setzte ich auch dieses Mal hohe Erwartungen in den Voract. Leider Gottes wurde die Truppe von Punk’d Royal aus Düsseldorf diesen nicht annähernd gerecht. Klar, definitiv tanzbar, aber sonst der Charme einer durchschnittlichen Schülerband mit noch durchschnittlicheren Texten (“If you’ll leave the chaos/ I’ll leave a note…. The world’s gonna end/ At least I’m in a band”). Dazu trotz 4-Kopf starker Truppe noch Semi-Playback und Social Media Attention Whores (Wir sind übrigens auch Facebook….). Wer etwas über ne Band rausfinden will, wird das schon machen. Nunja, nichtsdestotrotz hätte es schlimmer kommen können.

Umbaupause, bäm! Artig werden die Instrumente weggetragen und zack, siehe da, kommt her Deez höchstpersönlich unter Jubelschreien der Meute mit einem stilechten Lederköfferchen auf die Bühne. Darin sicher verwahrt eines dieser ominösen Produkte mit dem angebissenen Apfel. Aller weiteren Gerätschaften nahm er übrigens auch selber in Angriff, nichts da mit Starallüren oder Outsourcing auf Roadies. Und zu den betörenden Tönen von Haim’s “Don’t save me” ging es dann tatsächlich los. Links eringeblendet seht ihr zwar ein wunderschönes Foto der offiziellen Playlist, aber in Wirklichkeit wurde hier und da noch mal was verändert oder eingeschoben. Fakt ist, die Klassiker wie Radar Detector, Constellations oder Up In The Clouds klangen so gut wie eh und je und wurden im Refrain auch fleißig vom ekstatischen Mob mitgesungen. Nach der jüngsten Ankündigung des für 2013 angekündigten neuen Albums “Songs for Imaginative People” und der Veröffentlichung des grandiosen Songs “Free” (inklusive Time-Loop-Video) war es auch nicht verwunderlich, dass Herr Deez neue Songs zum Besten gab. Moonlit, You Can’t Be My Girl, Spiral Galaxies (nicht auf der offiziellen Setlist) sind allesamt Häppchen, die Lust auf mehr machen. Wie der Jimi-Hendrix-Verweis auf der Setlist schon impliziert, outete sich Darwin endlich auch mal als Gitarrenvirtuose durch atemberaubende Soli à la Hendrix mit Gitarre hinterm Kopf oder mit verzerrter Mimik à la Santana, dem er übrigens zumindest in jungen Jahren ähnelt. Kommen wir zu den Gimmicks des Konzerts. Fan-Highlight #1: eine mitgebrachte Rundum-Wegwerfkamera-Krone aus Radar Detector, die Darwin natürlich bereitwillig aufsetzte. Fan-Highlight #2: Ihr seht es auf der Setlist: Was ist dieses ominöse Dance? Ein Song, den sie immer wieder spielen? Nein! Eine alte Live-Tradition der Herren, den ein oder anderen coolen Move zu Oldschool-Mucke hinzulegen. Einfach nur fabelhaft und der Grund warum ein Darwin Deez Konzert eben nicht wie jedes andere ist. Zuletzt noch gute Besserung an Darwin, der etwas angeschlagen schien. Wir wollen ja schließlich, dass er mit seinen Mannen wieder fit und fröhlich zu uns nach Berlin zurück kommt.

In diesem Sinne ein schönes, weißes Wochenende euch allen.

MfG Ern

Das Fernsehen ist tot. Lang lebe das Fernsehen

// 21. 10. 2012 // Keine Kommentare » // Fernsehen, Unterhaltung

Was ursprünglich als Blog mit breitgefächertem Interesse begann, hat sich doch mittlerweile relativ schnell als musik- und konzertaffine Artikellandschaft herauskristallisiert. Grund genug also, den Horizont mal wieder etwas zu erweitern. Widmen wir uns also zumindest in diesem Post verstärkt dem totgesagten Alternativmedium Fernsehen. Hier ist in letzter Zeit ein reger Umbau im Gange. Lauschen wir den Schilderungen eines von der deutschen Fernsehindustrie Malträtierten:

“Es ist ja nicht alles schlecht!”, wäre wohl eine passendes Resumé der momentanen Lage in deutschen Wohnzimmern. Sicher, aus den Talkshows der 90er Jahre mit eigens aufs Klientel zugeschnittenen Themen sind erst Gerichtsshow mit Babsi, Alex und dem Auswurf der deutschen Schauspielakdemien und mittlerweile Scripted-Reality-Show geworden, die mit sogar noch schlechteren Laienschauspielern geworden, die sich in etwa auf dem Niveau einer Geisel vorm Telprompter bewegen. Da geben sich sogesehen Tod und Teufel die Klinke in die Hand. Was buhlt außerdem um unsere Gunst. Semi-aktuelle Import-Blockbuster mit 1:1-Werbestreckung, Stützstrump-Parteitageder selbsternannten Volksmusikanten unter ihrem fanatischen Sektenoberhaupt Flo Silveriron, Ratgeber-Soaperas à la “Mein eigener/s ” und Krimis in verschiedenen Güteklassen. Will heißen: Tatort, Polizeiruf für die einfache Unterhaltung und wenn’s mal wieder etwas mehr sein darf, bedienen sich die Sendeanstalten bei Serienimporten aus den US of A.

Sicherlich, CSI ist mittlerweile auch so spannend wie ein Kaugummi an der Schuhsohle, nachdem es offenbar für jede Stadt mit  mehr als 10 Einwohnern eine eigene Division gibt. Von den überzeichneten forensischen Methoden will ich euch als Biochemiker/Molekularbiologe lieber gar nichts erzählen.

Aber es gibt ja glücklicherweise noch Lichtblicke. Denn neben etablierten Sitcoms wie How I Met Your Mother und The Big Bang Theory schaffen es auch nun nach und nach auch andere Quotengaranten unserer englischsprachigen Freunde zu uns über den Teich, wenn auch vorerst auf Spartensendern und -sendeplätzen. Da hätten wir die Sopranos der feudalen Fantasywelt Westeros aka Game of Thrones, das auf den Büchern von George R.R.Martin basiert und von HBO grandios und mit überzeugendem Cast in Szene gesetzt wurde. Oder den Zombie-Schießbuden-Spaß The Waking Dead rund um eine Gruppe Überlebender der Zombieapokalypse auf ihrer Suche nach dem täglichen Survival-Kick. Wie auch The Walking Dead von AMC in Szene gesetzt wurde das großartige Breaking Bad um einen an Krebs erkrankten Highschool-Chemielehrer, der seiner Familie in seinen letzten Tagen auf Erden noch ein paar finanzielle Rücklagen durch das Kochen von Meth beschaffen möchte. Und ehe er sich versieht, rutscht er tiefer und tiefer in das organisierte Vebrechen hinein. Und wo wir schon bei Mord und Totschlag sind, darf man auch nicht die BBC-Neuaufmachung des britischen Meisterdetektivs Sherlock Holmes vergessen, der momentan schlicht unter seinem Vornamen als Serientitel firmiert. Und auch wenn die Ausgangslage hier die selbe sein mag wie bei anderem Crime-Shows, ist die Herangehensweise doch das Eigenstellungsmerkmal. Während CSI spuren am Xylophonographen auswerten muss, braucht Sherlock sich nur mal kurz einen Verdächtigen anzugucken, um daraus abzuleiten, was er in den letzten 3 Tagen getan hat. Aber hierbei kann ich nur für mich sprechen. Was auffällen dürfte, ist die Tatsache, dass es sich bei allen meinen Schwärmereien um Importe handelt (denen man die Ehre erweisen sollte, sie im Originalton zu genießen, falls möglich).

Was ist also los mit Deutschlands Kreativriege? Ist es so schlecht bestellt um die deutschen Formate? Ich sage: Keineswegs! Man muss sich nur einmal anschauen, was gerade auf kulturorientierten Sendern wie 3sat, arte oder den Töchterkanälen des ZDFs in den letzten Jahren passiert ist. Da gibt es Liveberichterstattungen aller großen europäischen Musikfestivals, die diskussionsfreudige Katrin Bauerfeind oder aber die einzige Talkshow, die ich mir derzeit im deutschen Fernsehen antue: Roche & Böhmermann. Es gibt kein zentrales Thema, es gibt keinen roten Faden – manchmal fragt man sich eigentlich, ob es überhaupt ein Konzept gibt. Aber dann liegt man wieder lachend in der Ecke, weil Charlotte Roche einen weiblichen Gast plötzlich aus sichtbar persönlichem Interesse fragt, wie denn Pickel auf dem Gesäß zu vermeiden sind. Und so wird man Zeuge einer permanenten Gratwanderung zwischen Fremdschämen und Pseudojournalismus. Das Gute: Bisher haben sich wenige Gäste davor verschlossen und stattdessen gerne mal lustige Fakten preisgegeben. Das mag auch an der zungenlockernden Wirkung des allzeit zum Konsum bereit stehenden Whiskeys oder der Raucherlaubnis liegen. Wie auch immer, so muss es gemacht werden.

Und wenn auch die Quote nicht stimmt, die in Zeiten von Online-Mediatheken ohnehin ein überholtes Gütemaß ist, so macht das doch Hoffnung, dass in Zkunft eventuell auch wagemutigere Formate umgesetzt werden und der Nachmittags-Nonsensfraktion ein paar Minuten Sendezeit klauen.

Ich bitte darum!

Konzert: The XX + 2:54

// 05. 09. 2012 // 2 Kommentare » // Konzertbericht, Musik

2 Buchstaben, drei Protagonisten, ein Konzert. Das war die einfache Milchmädchenrechnung des gestrigen Abends. Und sie ist aufgegangen. Was 2005 als Viererprojekt im Londoner Stadtteil Putney begann, ist spätestens mit Veröffentlichung ihres gleichnamigen Debüts im Jahre 2009 zum Everybody’s Darling der Indie-Popszene avanciert. Das verwundert angesichts der spärlichen, instrumentalen Untermalung. Diese ist aber auch gar nicht nötig, wenn man den sehnenden Dialogen von Romy und Oliver lauscht und sich für einen Moment in eine andere Welt flüchten kann. Mastermind Jamie XX trägt hinter der Drummachine/am Keyboard mit treibenden Beats an den richten Stellen zum anhaltenden Erfolg der mittlerweile auf 3 geschrumpften Formation bei. Kommende Woche erscheint ihr zweiter Long Player “Coexist”, der momentan schon kräftig betourt wird und sich sicherlich nahtlos in ihr Portfolio einreiht, wie die Vorabsingles “Angels” und “Chained” vermuten ließen.

Gestern kamen sie also zu ihrem einzigen Deutschlandkonzert der aktuellen Tour nach Berlin in den Admiralspalast. Ein Ticket zu ergattern, war im wahrsten Sinne des Wortes ein Glücksspiel, da im Vorfeld über eine Verlosung entschieden wurde, wer überhaupt in den Genuss des Konzerts kommen würde. Als Vorband haben sie sich das mixed-Doppel 2:54, die für ihr gleichnamiges Debütalbum bereits selber gute Kritiken einheimsen konnten. Im noch nicht gänzlich besetzten Admiralspalast lieferten sie eine gute Show bei ausgewogenem Sound ab, wobei es den Vier meiner Meinung nach etwas an Bühnenpräsenz mangelte. Songs wie Scarlet haben durchaus das Potenzial, energischer vorgetragen zu werden. Freunde der Howling Bells können sich aber sicher für die Thurlow-Schwestern begeistern.

Nun zum eigentlichen Grund der allgemeinen Anwesenheit. Nach einer sichtlich kurzen Umbaupause mit passender Musik aus dem Off gingen die Lichter auch schon wieder aus im geräumigen Saal des Palasts. Die Roadies hatten die Pause zur Installation eines weißen Stoffvorhangs genutzt, der anschließend zu Romys zarten Tönen bei Angels benutzt wurde. Mit Ende des Songs fiel dieser schließlich und gab den Blick auf Oliver und Jamies großzügig gestalteten Spielbereich beim elektronischen Equipment preis. Wenn man mich fragt, was ich von dem Konzert in Erinnerung halten werde, dann ist es der Sound – satt in den Tiefen, glasklar in den Höhen, optimal in der Lautstärke – und, viel einprägsamer die ausgetüftelte Lichtshow. Diese gehörte zu den besten, die ich bisher erleben durfte. Grundlegendes Konzept war eine indirekte Beleuchtung der Bühne, sodass man Romy und Oliver immer nur schemenhaft erkennen konnte. Obendrauf gab es dann wandernde Laserfächer im Publikum, Sirenen rund um die Bühne, Floodlights auf der Bühne, eine gigantische X-Hängekonstruktion inkl. LEDs etc. Aber man hatte nie das Gefühl, sie hätten es übertrieben. Die perfekte Stimmharmonie von Romy und Oliver wurde schon tausendfach erwähnt. Wer im Übrigen wie ich einen vorranging ruhigen Abend erwartet hatte, wurde durch Jamies Beat-Intermezzos aus den Sitzen bzw. aus den Träumen gerissen. Knapp 90 Minuten dauerte das Entertainment der Spitzenklasse und vereinte das Beste aus beiden Alben. Und auch wenn sie trotz Standing Ovations nicht noch einmal zu einer Zugabe auf die Bühne zurückkehrten, wird dieses Konzert lange als Referenz herhalten können – in jeder Hinsicht.

Bis zum nächsten Besuch der Lieblingsbriten. Berlin calling!

MfG Ern

Konzert: Gods Of Blitz + Jolly Goods

// 27. 05. 2012 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Ohne Worte. Das war meine Reaktion als Ende Dezember letzten Jahres auf der Facebook-Seite der Berliner Rocker von Gods of Blitz eine Veranstaltung eingetragen wurde. Ist ja alles nichts Besonderes werdet ihr sagen, eine Band lebt nunmal von Konzerten. Da stimme ich euch gerne zu, aber der Clou hier: Die Band hatte sich eigentlich mittlerweile aufgelöst. Und wenn einem dann noch die Zusatzinformationen “Einziges Konzert” und “Original-Lineup”, also mit dem einzig wahren Sebastian als Sänger, ins Auge springen, dann ist der Pakt schon besiegelt und der Tag Monate im Voraus großzügig freigehalten. Und nun war es also so weit. Die vier Kreuzberger luden wie es sich gehört ins gemütliche Wohnzimmer des Bezirks – dem Lido ein.

Als Vorband hatte man das tongewaltige Damenduo Jolly Goods auserkoren. Mit Drumset, E-Gitarre und Puffärmel-Kleidchen bewaffnet, versuchten die beiden Schwestern, dem bis dahin spärlich anwesenden Publikum einzuheizen. Das gelang ihnen mit den schnelleren Songs am Anfang eigentlich auch ganz gut, mit denen sie mich an ähnliche Acts wie The Pack A.D. oder Le Butcherettes erinnert haben. Von letzteren hat Sängerin Tanja sich zumindest in Sachen Mimik einiges abgeschaut. Eine Wohltat war auf jeden Fall die simpel aber mitreißend gehaltene Schlagzeugbegleitung. Meg White wäre neidisch geworden.

Nun aber zu den eigentlichen Helden des Abends. Wie es sich für die Herren ziemt, kündigten sie sich standesmäßig mit einem coolen Intro aus dem Off an, bevor sie unter donnerndem Applaus (pun intended) auf der Bühne ihre Plätze einnahmen. Hier wurde bereits deutlich, dass die Zeit nicht spurlos an Sebastian & Co vorbeigegangen ist. Opener war, wie ihr der Setlist entnehmen könnt, “Greetings From Flashbackville”. In Anbetracht der Umstände des Konzerts ein mehr als passender Titel. Die ersten Tracks, darunter auch “Beat of Progress” oder “Times of Paranoia”, spielten sie gewohnt cool, eben ganz so wie man sie vom letzten Konzert noch in Erinnerung hatte. Wohl auch ein Indiz, dass die Chemie zwischen allen Beteiligten noch stimmt. Einzig und allein die Publikumsbeteiligung ließ anfänglich noch auf sich warten, um dann aber umso überbordender ab “Missing Link” und “Critical Masses” präsent zu sein. Ein Faible, dem die Jungs treu geblieben sind, stellte Sebastian u.a. bei “Protoman” und “Now” unter Beweis. Die Rede is von den ausschweifenden Bass-Intros, die die Vorfreude im ohnehin kochenden Lido noch weiter zu steigern vermochten. Alternativ zur basslastigen Variante kann man einem Song natürlich auch mal einen neuen Anstrich verpassen, so geschehen bei “Psychology”, das sie zunächst als langsamen Swingsong eröffneten. Allem Nostalgie-Feeling zum Trotz wurde im Übrigen auch der schon im Vorfeld des Konzerts geteaste neue Song “Bright Light” zum Besten gegeben, der es ja immerhin auch schon in die Rotation des allseits beliebten Motor FluxFM geschafft hat. Das Publikum dankte Sebastian, Olli, Jens und Jakob so viel Abwechslung mit euphorischen Jubelschreien, was besonders Sebastian sichtlich zu rühren schien. So ist es auch kein Wunder, dass sogar Zeit für zwei Zugaben war. Die Rückkehr der Götter wurde dabei wahlweise mit “Gods of Blitz”-Skandierungen und/oder einem gestampft/geklatschtem, frenetischen Jubel begleitet. Der verschwitzten Meute wurde bei “The Rising” zum Schluss noch einmal abverlangt, bevor wir standesgemäß mit “Generation Goodbye” nach Hause geschickt wurden. Wenn man mit eigenen Augen gesehen hat, wieviel Spaß Band und Publikum während des Konzerts hatten, bleibt doch sehr zu hoffen, dass sich die Blitzgötter zukünftig für mehr als einen neuen Song zusammenraufen. Wer nach dem Review auf den Geschmack gekommen ist, kann diesen Sonntag (27.5.) noch zur Zusatzshow im Lido vorbeischauen und sich selbst ein Bild von diesen Energiebündeln machen.

MfG Ern

Konzert: Black Box Revelation + The Floor Is Made Of Lava

// 03. 05. 2012 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Gemäß der klassischen Definition setzt sich eine Rockband aus mindestens vier Mitgliedern zusammen. Dass aber auch weniger manchmal mehr sein kann, wissen wir nicht erst seit den White Stripes, den Black Keys oder Death From Above 1979. Zwei, die sich anschicken, in diese illüstre Runde der Rock-Duos aufgenommen zu werden, sind die beiden Belgier Jan Paternoster (Gesang/Gitarre) und Dries van Dijck (Schlagzeug/ Backing Vocals) von (The) Black Box Revelation. Umso verwunderlicher, dass sie gestern trotz mittlerweile drei veröffentlichten Alben nur im Berliner Comet Club aufgetreten sind.

Als Vorband wurden die Dänen von The Floor Is Made Of Lava engagiert, die das klassische Rock-Outfit mit 4 Leuten perfekt bedienten und unterhaltsamen Indie Rock spielten. Die Jungs sind bisher völlig an mir vorbei gegangen, bestätigen aber, dass Dänemark mittlerweile eine ernstzunehmende Indie-Hochburg geworden ist (siehe WhoMadeWho, Nephew, Darkness Falls, Beta Satan etc). Zum Besten gegeben haben sie neben Titeln der 2007er Platte “All Juice, No Fruit” auch Titel des nach eigenen Angaben nächsten Montag bei uns erscheinenden Albums “Howl At The Moon”. Klang wiegesagt ganz gut, mir fehlte aber ein bisschen Wiedererkennungswert. Auch die überaus spritzigen Drumlines und der Charme des Jake-Gyllenhal-Look-a-Like-Sängers konnten diese Tatsache nicht aus der Welt schaffen.

Nachdem sich das 200-Personen-starke Publikum in der Umbaupause endlich näher an die Bühne rangewagt hatte, ging es dann gegen 10 auch endlich los mit den charmanten Rockern aus Belgien. Kurzes Statement zu Jans Outfit: Einen an der Seite knüpfbaren Pulli kann auch nicht jeder Mann tragen. Von der Optik zur Akustik. Jegliche Befürchtungen, mit 2 Instrumenten könnten sie zu wenig Lautstärke erzeugen, wurden gleich vom ersten Moment an ad acta gelegt. Die inoffizielle Setlist (aus meiner Erinnerung und anderen Setlists zusammengeschraubt) offenbart darüber hinaus, dass sie von allen 3 Alben Tracks angestimmt haben. Aber wie! Als Dries während der ersten Songs mit seiner Maraca rumhantierte, fragte ich mich noch, wie er dann einarmig Schlagzeug spielen wollte. Aber als er die Maraca dann kurzerhand zum Drumstick umfunktionierte, hatte sich dieser Gedankengang auch erübrigt. Ebenfalls sehr erfrischend waren die ausufernden Gitarrensoli von Jan, die alle Songs noch mal um einiges abwechslungsreicher als auf der Platte erschienen lassen. Das wurde natürlich auch vom Publikum mit ekstatischen Tanzeinlagen quittiert. Einzig negativ aufgefallen ist mir neben Jans sporadischem Rumgespucke auf der Bühne die etwas fehlende Interaktion mit dem Publikum. Klar gab es die obligatorischen Gitarreneinlagen direkt an der Bühnenkante, aber darüber hinaus nicht viel Plauderei und ein eher abwesender Blick über die Menge während der Songs. Aber Rock n Roll ist ja auch kein Streichelzoo. Und wenn es nach mir geht, dürfen die beiden ihre Attitüde und den momentanen Bekanntsheitsgrad behalten, damit es auf dem nächsten Konzert wieder so mollig zur Sache geht. Also Jungs: “I Think I Like You!”

Mfg Ern

Konzert: Matt Corby + Honig

// 28. 04. 2012 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Castingshows. Sie sind die gehasste Unterhaltungsmaschinerie des wöchentlichen Abendprogramms. Wer sie guckt, baut Sympathien zu den Kandidaten auf, kritisiert sie an anderer Stelle zugrunde, setzt sich nach ihrem Gewinn noch eine Woche dem poppig-nervigen Gewinnertitel aus und dann… Ja, was dann? Meist verschwinden die selbsternannten Sternchen ebenso schnell wie sie in das öffentliche Bewusstsein gelangt sind. Hinzu kommt, dass jegliche Eigenkreativität meist im Keim erstickt wird. Kein angenehmes Klima also für ambiotionierte Musikaspiranten.

Gut also, dass der sympathische Matt Corby im zarten Alter von 16 in der 2007er Staffel von Australian Idol teilgenommen, aber nicht gewonnen hat. Denn sonst wäre er jetzt, 5 Jahre später, wohl kaum dort, wo er eben ist. Und nun endlich konnte auch Berlin in den Genuss seiner einzigartigen Folk-Kompositionen kommen. Als Location musste für ein Höchstmaß an Intimität der Rote Salon in der Volksbühne herhalten.

Als Vorband/-mann wurde der mindestens ebenso sympathische Bartträger Stefan Honig verpflichtet. Stilistisch im selben Genre angesiedelt, gab er unter Einsatz der mittlerweile in der DIY-Abteilung so beliebten Loop Stations seine Songs zum Besten. Hat mich echt positiv überrascht. Die Stimmung wäre aber noch um einiges gewichtiger gewesen, wenn es die Tuschelfraktion hinten auf den billigen Plätzen nicht gegeben hätte. Einige scheinen gute Musik eben nur zu erkennen, wenn man ihnen sagt, dass es gute Musik ist. Übrigens leider ein Trend, der sich bei Matt Corby fortsetzen sollte. Aber zurück zu honig. Wer sich mal ein paar Titel des Düsseldorfers, der übrigens ganz dicke mit Jonas David, Polyana Felbel und Tim Neuhaus zu sein scheint, anhören möchte, der schaue mal auf seiner Bandcamp-Seite vorbei.

Kommen wir zum eigentlichen Star des Abends. Wie es sich für einen kleinen Club gehört, musste sich Matt noch seinen Weg durch die Menge auf die Bühne erkämpfen. Dabei hätte ich übrigens gerne gesehen, dass sich der Trend vom Beginn des Konzerts, sich hinzusetzen, hält. Unglücklicherweise waren wir Hippie-esquen der Security aber ein Dorn im Auge und mussten über kurz oder lang doch noch aufstehen. Nun gut, bei dem niedrigen Altersschnitt des Publikums noch alles ohne Thromboserisiko und verschmerzbar. Aber ich schweife ab. Am Gesang des Herren gibt es übrigens nicht ein bisschen auszusetzen. Es ist eine Freude ihm zuzuhören, wie seine Stimme – mal laut, mal leise – scheinbar mühelos über mehrere Oktaven galoppiert und das Vibrato in der Luft steht. Seine Mimik ist dabei ebenfalls unverwechselbar. Sagen wir es so: Bei der Gesichtsakrobatik sind ihm die Falten im Alter schon jetzt sicher. Zum Besten gegeben hat er Songs wie “Untitled”, “Big Eyes”, das grandiose “Soul’s Afire”, aber zwischendrin auch mal “Made Of Stone” souverän am Klavier. Auch Cover waren mit von der Partie. Ich hatte gehofft, seine Version der Black Keys-Single “Lonely Boy” zu hören und wurde nicht enttäuscht – Dan und Patrick im Übrigen sicher auch nicht. Dazu gab es noch die als beste Eigenkomposition angekündigte Interpretation von “Amazing Grace”, ein spaßiger Geselle ist er also auch noch. Und am Ende  (wie sollte es anders sein?) stimmte er unter großem Applaus seine Ausnahme-Single “Brother” ein, durch die ich auch erst auf ihn aufmerksam geworden bin und die der aktuellen EP zumindest in Australien zurecht Platin beschert hat. Einziger Wermutstropfen war neben den angesprochenen Laberköpfen ein leichtes Rauschen der Boxen bei stillen Tönen, die es bei Matt ja leider bzw. glücklicherweise zu genüge gibt. Man darf einfach auf das nächste Konzert in der Hauptstadt gespannt sein, nach Wunsch in einer Venue vergleichbarer Größe (Privatclub anybody?), damit die Emotionen noch so rüberkommen wie heute. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, ebenso wie auf sein Debütalbum, sollte es denn beizeiten mal erscheinen.

MfG Ern