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Konzert: The Black Keys + Portugal. The Man

// 29. 01. 2012 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Wintereinbruch in Berlin. Aber wen stört das schon, wenn man sich in der Gewissheit auf den Weg zur Treptow-Berlin-Arena aufmacht, sich dort von den Vätern des kontemporären Blues Rock, namentlich den Black Keys einheizen zu lassen. Und für mich war es umso wichtiger, das Duo endlich einmal live zu erleben, da mir in den Vorjahren immer irgendwas den Konzerttermin verhagelt hat, man denke da nur an die Absage der Europa-Tournee letztes Jahr und der Bestätigung von Coachella im selben Atemzug – nich ganz koscher. Aber Butter bei die Fische. Gestern war es dann endlich so weit. Und nachdem man sich im Vorfeld nochmal ein bisschen Werbung fürs neue Album angeschaut hat und sich leicht verspätet seinen Weg in die Halle erschlittert hatte, konnte man auch schon den Tönen von Portugal. The Man lauschen, die meiner Meinung nach etwas unpassend als Vorband verpflichtet wurden. Nicht, dass ich die Jungs aus den Staaten nicht mag, auch wenn ich mich des öfteren frage, wie sie ihren jährlichen Veröffentlichungsturnus einhalten können. Der Sound war für die Größe der Halle eigentlich recht zufriedenstellend, also zumindest nahe der Bühne, auch wenn die Vocals etwas schwach auf der Brust waren. Gespielt wurden Songs wie “So American”, “Got It All” oder “All Your Light”. Mein Wunschtitel “The Sun” war entweder nicht im Repertoire oder wurde gleich zu Beginn gespielt. Nichtsdestotrotz ein gelungener Konzertauftakt, auch wenn der Frontsänger in Daunenjacke mit aufgesetzter Kapuze und auf Brusthöhe geschnürter Gitarre daher kam, was zugegeben recht albern wirkte.

Nach einer verhältnismäßig kurzen Umbaupause mit erstaunlich passender Blues Rock-Beschallung aus dem Off war die Halle dann auch endlich rappelvoll und die Menge geiferte dem Start entgegen. Schlussendlich bequemten sich die Herren Carney und Auerbach dann auch auf die Bühne, um mit “Howlin’ For You” einen würdigen Einstiegssong vom Vorgängeralbum “Brothers” zum Besten zu geben. Ab hier stimmte dann der Sound übrigens. Man wurde von Patricks Drums weggefegt, konnte aber immer noch Dans Gitarrenriffs lauschen, ohne seine Stimme zu vermissen, wohlgemerkt wieder in Bühnennähe – wie es den Leuten auf den “billigen” Plätzen ergangen ist, weiß ich nicht. Dem Jubel zufolge kam aber hinten auch alles an. Ein Blick auf die Setlist offenbart, dass größtenteils Songs von “El Camino” und “Brothers” gespielt wurden. Umso dankbarer war ich für die ollen Kamellen, die die beiden dann auch mal ohne Bassisten und Perkussionisten angestimmt haben, gewissermaßen wie in guten alten Zeiten. Dazu zählten z.B. “Thickfreakness”, “Your Touch” oder der Evergreen “Girl Is On My Mind”. Fast dankbar war ich aber, dass sie “Have Love Will Travel” nicht angestimmt haben. Denn warum man gerade den in diversen Clubs aus dem Sammelsurium an hervorragenden Keys-Tracks spielen muss, wird sich mir nie erschließen. Bei aller Nostalgie: Auch wenn die neuen Lieder mittlerweile schon fast poppig und komplett entgratet daherkommen, machten sie live mindestens genauso großen Spaß wie die Oldies. Besonders gefallen hat mir “Little Black Submarines”, der als einziger (anfänglich) ruhiger Song gespielt wurde. Nachdem man also in der kurzen Verschnaufpause alle Beine und Arme wieder eingeränkt hatte, konnte man sich mit Einsetzen der Hookline wieder ins Getümmel stürzen – so muss dat. Apropos Getümmel: Am meisten ausgerastet ist der Mob meiner Meinung nach bei “Lonely Boy”, dem letzten Song vor der Zugabe – da hat man sich wohl die Tanzperformance aus dem offiziellen Video zum Vorbild genommen. Abschließend vielleicht noch ein lobendes Wort zum Bühnenbild. Zu keiner Zeit unterbelichtet, schön bunt, knackige Spotlights und inklusive Mega-Diskokugel. Ein Traum, wenn man überlegt, dass man da nur zwei Leutchen ausleuchten muss. Mit “I Got Mine” wurden wir dann in die kalte Berliner Nacht verabschiedet. Aber bereits da stand schon fest: Nächstes Mal sind wir wieder vor Ort, allem Weltuntergangsgedöns zum Trotz.

MfG Ern

Alben der Woche: Episode I

// 15. 01. 2012 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Entsprechend meiner Ankündigung werde ich von nunan versuchen, euch häufiger über hörenswerte Neuerscheinungen oder auch versteckte Juwelen der Musikwelt aufzuzeigen. Da das apokalyptische Jahr 2012 noch relativ jung ist, beschränke ich mich hier erst einmal auf 3 Alben.

Cloud Nothings | Attack On Memory

Wie gut es einer Platte manchmal tun kann, wenn man einfach ein bisschen Geschwindigkeit rausnimmt und dafür in gleichem Maße mit “Fuck Off”-Attitüde auffüllt. So in etwa waren meine ersten Gedanken zu Dylan Baldis aka Cloud Nothings‘ neuestem Album “Attack On Memory“. Denn während er mit seinem im letzten Jahr erschienen, selbstbetitelten Album eigentlich schon eine gute Lo-Fi Poprock-Platte ganz im Sinne von Yuck und all den Sound-Alikes des Genres ablieferte, fehlte doch das Quäntchen Wiedererkennungswert. Wer aber jetzt z.B. einmal in “Cut You” vom neuen Album reinhört, wird sofort von der treibenden Melodielinie mitgerissen. Sicherlich sind quakige/ raue Vocals, die irgendwo zwischen den Cribs, Kilians und den Stereophonics liegen nicht jedermanns Sache, aber wenn die Musik schon Lo-Fi ist, warum dann nicht auch die Stimme?

Anspieltipps: “Cut You”, “Wasted Days”

Enter Shikari | A Flash Flood Of Colour

Wie schon im damaligen Konzertbericht angesprochen, kommt es selten genug vor, dass Franz und ich in unserem Interpretenpool übereinstimmen. Ein Vertreter dieser schmalen Schnittmenge ist die britische Band Enter Shikari, die ihre Musik gerne und durchaus passend als Trancecore bezeichnen. Mit “A Flash Flood Of Colour” erscheint ihre mittlerweile vierte LP. Und ist vor allem eine Platte, die Spaß macht. Wer sich einmal die Vorabsingles “Sssnakepit” und “Quelle Surprise” angehört hat, weiß, was ich meine. Und für eine Prise Spaß sind die Jungs auch immer zu haben, was mir das ansonsten so brachiale Genre des Post-Hardcore zugänglicher macht. Kennzeichnend dafür ist z.B. die Textzeilen “Yeah, yeah, we are nice guys – until we’re not!” in “Sssnakepit”. Mit dem richtigen Soundsystem machen darüber hinaus auch die Breakdowns mit ihren Trance-Parts besonders gute Laune.

Anspieltipps: “Ghandi Mate, Ghandi”, “Meltdown”, “Quelle Surprise”

Matt Mulholland | Sings Covers

Zu guter letzt noch ein Tipp in persönlicher Sache. Youtube ist wie wir alle wissen ein großartiges Werkzeug, um kostbare Lebenszeit durch Betrachten sinnfreier Videos (Oh, now Charlie bit my feet!) zu vergeuden. Doch es gibt sie noch, die unentdeckten Talente, die auf diesem Weg ein weltweites Publikum ansprechen können. Einer dieser Entertainer ist der Neuseeländer Matt Mulholland, der sich neben seiner unregelmäßig erscheinenden Lebenshilfe-Serie “Sort Your Shit Out” dem Covern von Songs im Multitrack-Verfahren verschreiben hat, bei dem er oft nur auf seine Stimme zurückgreift und so zwangsweise auch die Instrumente synchronisieren muss. Dass er es dabei nie allzu ernst meint, verrät auch schon die Aufmachung des Covers seiner im letzten Jahr erschienen Kompilation Matt Mulholland Sings Covers. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Matt ist trotz allem weniger Blödel, denn mehr Barde. Support your oversea artist!

 

 

2011: The Year in Albums

// 28. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Silvester rückt in greifbare Nähe und somit heißt es auch wieder im Hauptquartier von iophobia, das musikalische Jahr 2011 Revue passieren zu lassen und die Juwelen der letzten 12 Monate ins rechte Licht zu rücken. Während Franz sich in den härteren Musikgenres auf 10 Alben begrenzt, fällt mir das wesentlich schwerer. Aufgrund meiner vernachlässigten Vorstellung hörenswerter Neuerscheinungen über das Jahr, werden neben den eigentlichen Top-Alben noch einige Platten in der Kategorie “Erwähnenswert” landen. Aber lest selbst:

Active Child | You Are All I See

Definitiv eine der Entdeckungen des Jahres für mich. Und wie so häufig mal wieder über den besten Youtube-/Radio-Channel im Indie-Bereich. Thanks KEXP for making the world a better place vid by vid. Aber wer steckt denn nun eigentlich hinter Active Child? Das ist der beseelte Rotschopf Pat Grossi, der schon beinahe spirituell anmutende Hymnen mit Harfe und Synthesizer herbeizaubert. Das ganze befindet sich dann irgendwo zwischen Hurts und den Fleet Foxes. Sein kopfstimmenlastiger Gesang mag nichts für jedermann sein, aber ich kann meine Haare gar nicht so schnell wieder runterkämmen wie sie die Gänsehaut beim Hören des Albums immer wieder aufstellt.

Anspieltipps: “Hanging On”, “Johnny Belinda”

Other Lives | Tamer Animals

Wo ich gerade bei KEXP war: Auch dieser Kombo hätte ich ohne ihre Live-Performance wohl nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Wie es immer so ist, hatte ich ihr Album zwar schon irgendwo auf der Platte zu liegen, war aber bis dato noch nicht dazu gekommen, mir sie einmal zu Gemüte zu führen. Das änderte sich dann nach der grandiosen Live-Version von “For 12″. Viele ziehen bei dem Quintett aus Oklahoma den unmittelen Vergleich zu den Fleet Foxes, aber für mich ist die Platte wesentlich mehrschichtiger. Und wie sphärisch es bei den Titeln zur Sache geht, konnte ich ja unlängst beim ersten Berlin-Gig der Truppe feststellen.

Anspieltipps: “For 12″, “Dust Bowl III”

Fleet Foxes | Helplessness Blues

Zweimal dienten sie mir jetzt schon als Referenz für die genannten Interpreten. Und die Fleet Foxes muss man inzwischen auch nicht mehr vorstellen, schließlich haben sie sich mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum 2008 in der Kritikerszene einen Namen gemacht und es in die Spitze vieler Jahresendlisten geschafft. Man kann den Erwartungsdruck dementsprechend nur erahnen, der Robin Pecknold und seine Mannen mit ihrer Nachfolge-LP auf den Schultern lastete. Und dennoch lieferten sie mit “Helplessness Blues” eine ebenso atembraubende und verzaubernde Folk-Platte ab, wie es schon das Debüt war. Das ganze dann noch live erleben zu können, sei an dieser Stelle jedem empfohlen. Und den visuellen Ästheten sei zusätzlich das magische Video zu “The Shrine / An Argument” ans Herz gelegt.

Anspieltipps: “The Shrine / An Argument”, “Montezuma”

Florence + The Machine | Ceremonials

Wie schwer man es nach einem erfolgreichen Debütalbum haben kann, weiß mittlerweile wohl auch Florence Welch von Florence + The Machine. Denn nach Veröffentlichung ihres Debüts “Lungs” und dem damit verbundenen und verdienten, kometenhaften Aufstieg zur Grand Dame der Indie Pop-Sparte, kam dieses Jahr der Nachfolger “Ceremonials” heraus. Und auf diesem beweist die charmante Britin erneut, dass sie eigentlich nicht viel mehr braucht als ihre Stimme, um dem geneigten ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, was für ein zartes Stimmchen sie im Alltag hat. Mein persönliches Highlight ist ja “What The Water Gave Me”, besonders in der unplugged-Version “auf den dächern”.

Anspieltipps: “What The Water Gave Me”, “No Light, No Light”

The Black Keys | El Camino

Einst als Insider-Tipp unter Kennern gehandelt, sind die Black Keys spätestens mit ihrem Album “Brothers” im Mainstream angekommen. Aber auch nach mittlerweile 6 Platten sind die Jungs aus Akron, Ohio nicht müde geworden und brachten Anfang Dezember “El Camino” heraus, welches im Vorfeld schon reichlich amüsant beworben wurde. Und auch auf dem Album selber geht es auf Tracks wie “Gold On The Ceiling” (der Kracher in der Umbaupause bei den Beatsteaks) oder der Vorabsingle “Lonely Boy” ordentlich zur Sache, auch wenn Dan Auerbach und Patrick Carney schon lange nur noch mit einem Bein im Blues Rock stehen, was u.U. auf den Einfluss von Danger Mouse als Produzent zurückzuführen ist.

Anspieltipps: “Lonely Boy”, “Gold On The Ceiling”, “Little Black Submarines”

Zola Jesus | Conatus

Mit “Conatus” taucht jetzt das mittlerweile fünfte Album in dieser Top10 auf, dass eher ruhiger angesiedelt ist. Aber es scheinen eben diese Platten zu sein, die den größten Eindruck bei mir hinterlassen. Und auch die 22-jährige amerikanische Singer-Songwriterin Zola Jesus weiß mit den Songs auf ihrer zweiten Langspielplatte zu beeindrucken. Dabei schafft sie es jederzeit, die Titel mit den Emotionen ihrer Stimme voranzutreiben, während die wabernden, bedrückenden Synthie-Kompositionen versuchen, sie zu überlagern. Definitiv ein Fall für die “Muss ich mal live sehen”-Liste.

Anspieltipps: “Avalanche”, “Shivers”

Metronomy | The English Riviera

Alles neu macht der Mai. Soviel muss man wissen, bevor man sich das dritte Studioalbum “The English Riviera” von den britischen Electro-Poppern Metronomy anhört. Denn was ursprünglich als reines Männer-Trio startete und für spaßig-experimentelle Hits wie “Radio Ladio” sorgte, ist nach Ausstieg von Gabriel Stebbing und Neurekrutierung nun ein Quartett. Und das hört man auch am veränderten Sound. Wo besonders auf dem Erstling “Pip Paine” noch reichlich rumexperimentiert wurde, gibt es mittlerweile nur noch glattgebügelte Electro-Pop-Hymnen. Das mag negativ konnotiert klingen, aber ich tue mich halt noch etwas schwer, diesen Wandel zu akzeptieren. Betrachten wir doch auch einmal die positiven Seiten: Selten waren ihre Songs so tanzbar wie auf der aktuellen Platte. Schließlich durften “The Look” und “The Bay” in keinem gut sortierten Indietronic-DJ-Set fehlen und sind wahrscheinlich jetzt schon Klassiker. Nichtsdestotrotz zählt das Cover für mich zu den schlechtesten des Jahres.

Anspieltipps: “The Look”, “The Bay”

tUnE-yArDs | W H O K I L L

Kommen wir nun zum vermutlich exotischsten Vertreter in dieser Liste. Viele denken wahrscheinlich schon beim Blick auf den Bandnamen, dass es reichlich infantil zur Sache gehen muss. Tatsächlich ist tUnE-yArDs das One-Woman-Project Merrill Garbus. Für gewöhnlich bedient sie sich sich zur Aufnahme ihrer Songs der allseits beliebten Looping-Stationen, wovon man sich auch bei ihren Live-Auftritten überzeugen kann. Die Musikrichtung lässt sich schwer zuordnen, experimentell trifft es da wohl noch am ehesten. Hier und da ein bisschen Afrobeat, im nächsten ein paar Hip-Hop-Einflüsse. Genaueres ist auch in meiner kurzen Zusammenfassung von vor einer  Weile nachzulesen. Alles in allem aber ein sehr spaßiges Album und deswegen verdient in dieser illüstren Runde.

Anspieltipps: “Gangsta”, “Killa”

M83 | Hurry Up, We’re Dreaming

Don’t believe the hype! Und irgendwie macht man es ja doch und springt mit auf den Zug auf. Und so konnte auch ich nicht anders, nachdem ich im Sommer die Single “Midnight City” zu M83s aka Anthony Gonzalez’ kommenden Album “Hurry Up, We’re Dreaming” gehört habe. Für mich ist der Song zurecht vielerorts als bester Track des Jahres ausgezeichnet worden. Überhaupt war das 80er Revival noch nie so allgegenwärtig wie mit M83. Wer “I Love You Klaus” noch nie gehört hat, ist sicher leicht versucht, es in die falsche Epoche einzuordnen. Dann noch dieses Intro zusammen mit der bereits gelobten Zola Jesus. Balsam für die Seele. Im Übrigen auch live.

Anspieltipps: “Midnight City”, “Reunion”

Starfucker | Reptilians

Und damit kommen wir zum letzten offiziellen Top10-Album der Liste. Dieser Platz geht an “Reptilians” von Starfucker. Auch wenn manche sich daran stören, dass das Quartett aus Portland live gerne mal in Damenbekleidung auftritt (ähm, of Montreal etwa nich) und ihren Bandnamen nur so gewählt hat, um mal zu gucken, wie weit sie damit kommen, so zählt für mich lediglich die Musik. Und mit “Reptilians” ist ihnen eine wirklich runde und tanzbare Electro-Pop-Platte entstanden. Komisch eigentlich, dass das bei den DJs meiner Wahl noch nicht angekommen ist. Für eine spaßige Auflockerung sorgen auch die gesprochenen Passagen in den In- und Outros einiger Songs, die Samples aus Lesungen von Alan Watts darstellen. Erinnert mich ein bisschen an Ratatats LP4.

Anspieltipps: “Millions”, “Julius”

Erwähnenswert:

  • Digitalism – I Love You Dude
  • We Invented Paris – We Invented Paris
  • Rafter – Quiet Storm
  • Darkness Falls – Alive In Us
  • Coeur De Pirate – Blonde
  • The Antlers – Burst Apart
  • Austra – Feel It Break
  • Wye Oak – Civilian
  • The Envy Corps – It Culls You
  • Boy – Mutual Friends
  • Bibio – Mind Bokeh
  • Black Box Revelation – My Perception
  • MuteMath – Odd Soul
  • Slow Club – Paradise
  • Penguin Prison – Penguin Prison
  • The Pack A.D. – Unpersons
  • Veronica Falls – Veronica Falls
  • Wild Flag – Wild Flag
  • Yuck – Yuck

 

 

Konzert: Beatsteaks + The Death Set

// 11. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Wenn sie rufen, kommen alle. Ob groß, ob klein, alle versammeln sie sich, um den Tönen dieser Berliner Urgesteine mit den Punk-Rock-Wurzeln zu lauschen. Die Rede ist natürlich von – wie könnte es anders sein – den Beatsteaks. Zum Austragungsort des Heimspiels und gleichzeitig letzten Konzert der Wintertour haben die Jungs die Schmeling-Halle auserkoren. Das sorgte bei mir im Vorfeld für banges Zittern, was die Soundqualität betrifft. Eine völlig unbegründete Sorge, wie sich später herausstellen sollte. Auch wenn dieses Happening schon das zweite Konzert der Truppe dieses Jahr war (achja, was war es schön im Paradiso), ist es doch schon ein gewaltiger Unterschied, ob man als Band vor 500 oder 9000 Tanzwütigen spielt und erst recht, ob man sich in heimischen Gefilden befindet oder nicht.

Dass sie nicht immer ein glückliches Händchen bei der Wahl ihrer Vorbands beweisen, bewahrheitete sich auch dieses Mal erneut mit The Death Set, einem quirligen Haufen fluchender Pop-Punk-Australier. Es mag an meiner grundsätzlichen Abneigung gegenüber diesem Genre liegen, aber auch heute wollte ich wieder nicht warm werden mit dieser “Musik”. Der extensive Gebrauch von fuck, ob nun als Verb/Nomen/Adjektiv tat sein Übriges, diese Hampelmänner nicht weiter ernst zu nehmen. Lediglich einmal fühlte ich mich flüchtig an die Beastie Boys erinnert, ich bitte, mir diesen mauen Vergleich nachzusehen.

Wo die Australier bei der Animation der Menge versagt hatten, reichte ein simples “Hallo Berlin!!!” von Mr. Arnim “The Hip” Teutoburg-Weiß, um die Meute an den Rand der Extase zu treiben. Nach dem Opener “Atomic Love” und vielen Jubelrufen unsererseits wurden wir von Arnim erstmal darüber aufgeklärt, dass Film und Ton dieser Zusammenkunft nicht nur live in Radio und Fernsehen übertragen werden würden, sondern auch aufgezeichnet werden (Kanonen auf Spatzen II… ick hör dir trapsen). Da das aber eh nichts an der Euphorie des Publikums änderte, gings weiter im Set. Mit dabei waren Songs quer durch alle Alben. Natürlich waren vom neuen Album “Milk & Honey”, “Automatic” oder “Fix It” dabei, aber auch z.B. “Cheap Comments”, bei dem Arnim die Damenwelt mit seinem Hüftschwung wie schon damals in Amsterdam zum Dahinschmelzen brachte. Überhaupt ist er wohl der, und das sage ich im bestmöglichen Sinne, größte Charme-Bolzen in der deutschen Musiklandschaft (andere Meinungen bitte @my hand). Wer einmal auf einem Beatsteaks-Konzert war, wie selbstverständlich er die Menge unter Kontrolle hat. Hier ein rhythmisches Klatschen, da ein synchrones Armwedeln von links nach rechts oder das immer wieder gern gesehene Hinhocken + Ausrasten bei “Let Me In” (–> Gänsehaut @ RockAmRing). Neben “Let Me In” wurden natürlich auch andere Klassiker zum Besten gegeben. Stellvertretend hierfür seien die Kassenschlager “Jane Became Insane” und “Hand In Hand” genannt. Aber jeder hat natürlich seine persönlichen Vorlieben und so habe ich mich insbesondere an Peters Linie 1-Dreingabe “Hey Du” und der Berlin gewidmeten Akustik-Version von “Soothe Me” erfreut. Und wo wir mit “Hey Du” schon ein Cover erwähnt haben, seien der Vollständigkeit halber auch die Neuinterpretation des Hives-Tracks “Hate To Say I Told You So”, des Ton,Steine,Scherben-Klassikers “S.N.A.F.T.” oder aber der Ärzte-Hymne “Teenagerliebe” hinzugefügt. Ich denke, es ist überflüssig, zu erwähnen, dass man kaum mal eine ruhige Minute gefunden hat und das Konzert selbstverständlich viel zu schnell sein Ende erreicht hatte. Da bleibt mir nun nichts Anderes übrig als mich von nunan auf die Open-Air-Saison 2012 zu freuen. Wenn die Welt nächstes Jahr schon untergeht, sollte man wenigstens noch ein Beatsteaks-Konzert mitgenommen haben.

Mfg Ern

Konzert: Other Lives + Jason Serious

// 14. 11. 2011 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Es war ein kühler Sonntagabend in Berlin und die Strecke zum Privatclub zu Fuß zu laufen im Nachhinein vielleicht nicht die beste Entscheidung. Der Grund für den Spaziergang war dafür aber umso mehr gerechtfertigt. Denn am heutigen Tag kam das Alternative Folk-Quintett Other Lives zum ersten Mal nach Berlin, um uns Hauptstädter zum Träumen zu bringen. Im Übrigen war das für mich auch der erste Besuch im Privatclub, der sich aber in seiner Aufmachung nicht vor Venuehausnummern wie Comet Club oder Lido verstecken muss. Lediglich Klaustrophobikern könnte das Kellergewölbe etwas suspekt sein.

Da ich im Vorfeld nicht großartig etwas über eine etwaige Vorband in Erfahrung gebracht hatte, ließ ich mich dann erst einmal überraschen. Und Jason Serious konnte das durchaus im bestmöglichen Maße. Denn trotz meiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber Country im weitesten Sinne, schaffte er es mit seiner Band, das Publikum für sich zu gewinnen. Das lag sicherlich auch an den harmonischen Refrains, die er häufig mit seinem australischen Banjo-isten bestritt und hier un da mal Gänsehautmomente heraufbeschwor. An dieser Stelle auch ein Lob an die Tontechniker vom Club. Obwohl ich leider unweit der Box stand, fand ich sowohl Lautstärke und Mixing unglaublich gut. Das steinige Gewölbe tat dann sein Übriges zur Akustik. Jason kam übrigens so gut an, dass er sogar zu einer Zugabe aufgerufen wurde, was ihm seiner Erzählung nach bis dato auch noch nicht passiert war. Nach der Zugabe gings dann an den Umbau der sich in doppelter Hinsicht als schwierig gestalten sollte.

Zum Einen gibts im Privatclub keinen Backstagebereich im eigentlichen Sinne, über den man die Instrumente bequem auf die Bühne schaffen könnte. Somit wurde die Menge im Moses-Gedenkspiel aufgespalten um eine Schneise für die Instrumente zu schaffen, die übrigens auch größtenteils von der Band selber auf die Bühne getragen wurden. Und hier kommt das zweite Problem – die schiere Anzahl der Instrumente. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, nachzuzählen: Ein Cello, 2 Geigen, 2 Keyboards, 1 Drumset, eine Akustikgitarre, eine E-Gitarre, ein Bass, eine Pauke, eine Trompete, 2 Xylophone, eine Mundharmonika, ein Schellenring, ein Paar Castanetten und zu guter letzt ein mit Glocken besetztes Geweih. Aufsummiert komme ich da auf stolze 17 Accessoires, die natürlich auch nur im Tetrisprinzip auf die Bühne passten. Aber entscheidend ist ja das Ergebnis dieser Konstellation. Und das war wirklich unglaublich. Jesse’s Stimme füllte den ganzen Raum, während man von jedem Paukenschlag förmlich durchgeschüttelt wurde. Nur um sich dann im nächsten Moment von Jonathan oder Jenny an Violine und/oder Cello verzaubern zu lassen. Da lässt sich die Begeisterung der Meute, mich einbezogen, nachvollziehen. Zumal auch alle Wunschtitel gespielt wurden, was angesichts von gerade einmal 2 Alben noch anzunehmen ist. Mein Highlight waren “Dust Bowl III” und “Black Tables”, aber auch vielbejubelte, weil bekannte Titel wie “For 12″, das Dead Man’s Bones-esque “Old Statues”  und der Titeltrack des neuen Albums “Tamer Animals” waren einfach noch mal so viel besser als auf der Platte. Es sind diese Momente, wegen denen ich nach wie vor so gerne auf Konzerte gehe. Da ist es auch egal, dass zwischendurch mal ein Soundtechniker auf die Bühne klettern muss (was sich wegen oben erwähnter Befüllung schwierig gestaltete) oder es doch für den kleinen Keller recht voll war. Jesse kam auch nicht umher, uns als “seriously, you’re the best” abzustempeln. Das ging sogar so weit, dass die Fünf nach ihrer gespielten Zugabe und dem eigentlich Abgang noch ein weiteres Mal auf die Bühne geklatscht wurden, um uns dann ein – vom Publikum begleitetes – Cover des Ramones-Song “Now I Wanna Sniff Some Glue” zu präsentieren. Und all das für nicht einmal 14 Euro. Ich wünsche Other Lives natürlich alles erdenklich Gute und viel Erfolg für die Zukunft. Anfang nächsten Jahres touren sie zusammen mit Radiohead durch die Gegend, da werden sie ja dann (leider auch) der breiten Masse bekannt. Abschließend möchte ich allen Lesern, die die Band noch nicht kennen, ihren Stream bei Soundcloud ans Herz legen.

So long and thanks for all the fish.

MfG Ern

Konzert: We Invented Paris

// 17. 10. 2011 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Es sind Tage wie dieser, an denen ich mich glücklich schätze, zur Generation Internet zu gehören. Schließlich wäre ich auf die großartigen Jungs um Flavian Graber ohne ihren Auftritt bei TVnoir nicht aufmerksam geworden. Und wie das nun einmal so ist, hat man sich plötzlich Videos wie z.b. ihre Vorzeige-Single “Iceberg” dutzende Male angesehen und -gehört und ist trotzdem noch so begeistert wie beim ersten Schauen. Also erst einmal auf zu Facebook, We Invented Paris “liken” und somit von nunan den Aktualisierungen folgen. Praktische Sache und wohl der direkteste Kanal zu den Fans. Und so kam es, dass ich heute gegen 17 Uhr darüber informiert wurde, dass die Truppe nach ihrem Auftritt gestern abend im Magnet/Comet heute eine kleine Geheimshow im Café Engels zum Besten geben würde. Da hab ich natürlich nicht lange gefackelt und mich in die Spur gemacht, um pünktlich da zu sein.

Im Café angekommen, fühlte man sich aufgrund des gemütlichen Ambiente gleich gut aufgehoben. Flavian & Co schwirrten schon hier und da um die Bühne, wohlgemerkt mit kompletten Team. Das beinhaltete mindestens Kameramann Tim und die netten Damen vom Merch-Stand, wie ich nach der Show bemerkte. Mit einem kühlen Getränk in der Hand und einer bequemen Sitzgelegenheit in angenehmer Sichtweite der Bühne war ich bestens vorbereitet. Nun muss man dazu sagen, dass es immer etwas Anderes ist, wenn man zu einem Konzert geht, bevor der Künstler ein Album veröffentlicht hat. Man kann eben nicht mitsingen, aber ich finde, so kann man die jungfräulichen Songs wenigstens in ihrer vollen Schönheit auf sich einwirken lassen. Neben den von TVnoir bekannten Titeln wurden natürlich auch weitere Tracks von ihrem selbstbetitelten Debütalbum zum Besten gegeben. Am besten hat mir dabei “Nothing To Say” gefallen, da er auf umwerfende Art das gesamte Wesen von WIP vereint: Die über alle Oktaven erhabene Stimme von Flavian, die mitreißenden percussions und die abwechselnde instrumentale Untermalung bzw. Lautstärke. Freunde des Loop-Pedals dürften bei dem Song u.a. auch auf ihre Kosten gekommen sein. Dass die Jungs dieses technische Schmankerl beherrschen, hat Monsieur Graber spätestens mit dem herausragenden Cover von “Idioteque” bei TVnoir bewiesen. Ihr Wandlungsvermögen zwischen großen elektrisch untermalten Indie-Pop-Hymnen wie Iceberg und beinahe folkloristisch anmutenden Titeln wie “Bohème” haben sie auch im Café Engels unter Beweis gestaltet. Als wäre die Publikumsnähe bei gerade einmal 100 anwesenden Besuchern nicht schon groß genug, spielten sie kurzerhand sowohl  “Lonely Ego” als auch die Zugabe “Silence” (mit obligatorischer Stille) inmitten der schmachtenden Menge – ganz und gar unplugged versteht sich. Ein Festmahl für’s Gehör. Denn auch wenn We Invented Paris eigentlich als Künstlerkollektiv mit zwischenzeitlich wechselnder Besetzung unterwegs ist, sind doch alle Gesangseinlagen immer perfekt auf einander abgestimmt und die Harmonien im Refrain Gänsehaut-Garanten. Da mochte man den sich emsig unterhaltenden Kulturbanausen im Eingansgbereich des Cafés eigentlich gerne den Mund verbieten. Bei so viel Lob nimmt man auch etwaige technische Pannen wie z.B. einen plötzlichen Einspieler vom Semi-Playback in “Silence” gerne und außerdem mit einem Schmunzeln in Kauf.

Alles in allem also eine gelungene Soirée, die wir nur der modernen Vernetzung zu verdanken haben. Beim nächsten Konzert in Berlin werde ich natürlich wieder vor Ort sein, dann hoffentlich auch mit Bildern und textsicher. Denn nun, da ich am Merch-Stand noch das eigentlich erst am 4.11. erscheinende Debütalbum erstanden hab, weiß ich schon sehr genau, wer demnächst meine LastFM-Statistiken dominieren wird.

Ich danke den Jungs von We Invented Paris sowie dem Café Engels für diese musikalische Expedition!

MfG Ern