Charleston am Arbeitsplatz
// 13. 07. 2010 // 1 Kommentar » // Allgemein, Arbeit, Gesellschaft
Das Positive mal zum Anfang: Es ist angenehm kühl, man bekommt Geld fürs Nichtstun, es gibt die Möglichkeit seinen Laptop anzuschließen und hin und wieder bekommt man die Chance, seine Englischkenntnisse einzusetzen. Die Tätigkeit: Buchverkauf in einer 4-wöchigen Ausstellung im Kulturforum am Potsdamer Platz. So weit, so gut, doch was hat das alles mit der Überschrift zu tun? Werfen wir doch mal einen Blick auf die Nachteile dieses Jobs: der Buchverkauf findet praktisch nicht statt, stets wird man von Touristen, die sich in die Ausstellung verirrt haben nach dem Weg zur Toilette oder sonstigen Merkwürdigkeiten gefragt und man muss sich weiterhin um heruntergefallene Plakate kümmern, die vom eigtl. zuständigen Ausstellungsteam (das aus Offenbach stammt und somit natürlich nicht während der Ausstellungszeit gegenwärtig ist…) unzureichend an Pappaufstellern befestigt wurden. Doch das all das ist nichts gegen das eigentlich Grauen.
Man sollte an dieser Stelle erwähnen, dass sich die fragliche Ausstellung im Foyer des Kulturforums befindet. Dieses Foyer hat zwei Etagen; in der oberen befinden sich Kasse, Information und ein Buchshop, die untere ist zurzeit eben mit Plakaten zugepflastert. Das Ganze ist zudem recht offen gestaltet, sodass man von unten einen guten Blick auf die Kasse usw. hat, ohne dass eine etwaige Zwischendecke die Sicht versperren würde.
Und nun zum Knackpunkt: Ebenfalls in der oberen Etage ist eine Videoecke eingerichtet, wo sich eine Dokumentation über die Weimarer Republik wiederholt. Alle 15 Minuten fängt das fragliche Video von vorne an, ohne das es eine nennenswerte Pause geben würde. Von der Position des Buchverkaufs unten kann man zwar das Bildmaterial nicht sehen, dafür hört man alles Akustische, sprich Off-Kommentar, Originaltöne und Musik entsprechend gut. In Kombination mit allem zuvor Geschilderten ergibt sich ein Szenario, das einen spätestens am zweiten Tag in den Wahnsinn treibt. Mittlerweile kann ich den Text auswendig mitsprechen bzw. die Melodien (z.B. in einer Passage über Charleston) mitsummen.
Sachen gibts, die gibts gar nicht, denkt sich der geneigte Kulturfreund, wenn ein durchaus stiller Ort (wie ein Museum) urplötzlich zur auditiven Folterkammer wird.










