Archiv für Musik

Konzert: Black Box Revelation + The Floor Is Made Of Lava

// 03. 05. 2012 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Gemäß der klassischen Definition setzt sich eine Rockband aus mindestens vier Mitgliedern zusammen. Dass aber auch weniger manchmal mehr sein kann, wissen wir nicht erst seit den White Stripes, den Black Keys oder Death From Above 1979. Zwei, die sich anschicken, in diese illüstre Runde der Rock-Duos aufgenommen zu werden, sind die beiden Belgier Jan Paternoster (Gesang/Gitarre) und Dries van Dijck (Schlagzeug/ Backing Vocals) von (The) Black Box Revelation. Umso verwunderlicher, dass sie gestern trotz mittlerweile drei veröffentlichten Alben nur im Berliner Comet Club aufgetreten sind.

Als Vorband wurden die Dänen von The Floor Is Made Of Lava engagiert, die das klassische Rock-Outfit mit 4 Leuten perfekt bedienten und unterhaltsamen Indie Rock spielten. Die Jungs sind bisher völlig an mir vorbei gegangen, bestätigen aber, dass Dänemark mittlerweile eine ernstzunehmende Indie-Hochburg geworden ist (siehe WhoMadeWho, Nephew, Darkness Falls, Beta Satan etc). Zum Besten gegeben haben sie neben Titeln der 2007er Platte “All Juice, No Fruit” auch Titel des nach eigenen Angaben nächsten Montag bei uns erscheinenden Albums “Howl At The Moon”. Klang wiegesagt ganz gut, mir fehlte aber ein bisschen Wiedererkennungswert. Auch die überaus spritzigen Drumlines und der Charme des Jake-Gyllenhal-Look-a-Like-Sängers konnten diese Tatsache nicht aus der Welt schaffen.

Nachdem sich das 200-Personen-starke Publikum in der Umbaupause endlich näher an die Bühne rangewagt hatte, ging es dann gegen 10 auch endlich los mit den charmanten Rockern aus Belgien. Kurzes Statement zu Jans Outfit: Einen an der Seite knüpfbaren Pulli kann auch nicht jeder Mann tragen. Von der Optik zur Akustik. Jegliche Befürchtungen, mit 2 Instrumenten könnten sie zu wenig Lautstärke erzeugen, wurden gleich vom ersten Moment an ad acta gelegt. Die inoffizielle Setlist (aus meiner Erinnerung und anderen Setlists zusammengeschraubt) offenbart darüber hinaus, dass sie von allen 3 Alben Tracks angestimmt haben. Aber wie! Als Dries während der ersten Songs mit seiner Maraca rumhantierte, fragte ich mich noch, wie er dann einarmig Schlagzeug spielen wollte. Aber als er die Maraca dann kurzerhand zum Drumstick umfunktionierte, hatte sich dieser Gedankengang auch erübrigt. Ebenfalls sehr erfrischend waren die ausufernden Gitarrensoli von Jan, die alle Songs noch mal um einiges abwechslungsreicher als auf der Platte erschienen lassen. Das wurde natürlich auch vom Publikum mit ekstatischen Tanzeinlagen quittiert. Einzig negativ aufgefallen ist mir neben Jans sporadischem Rumgespucke auf der Bühne die etwas fehlende Interaktion mit dem Publikum. Klar gab es die obligatorischen Gitarreneinlagen direkt an der Bühnenkante, aber darüber hinaus nicht viel Plauderei und ein eher abwesender Blick über die Menge während der Songs. Aber Rock n Roll ist ja auch kein Streichelzoo. Und wenn es nach mir geht, dürfen die beiden ihre Attitüde und den momentanen Bekanntsheitsgrad behalten, damit es auf dem nächsten Konzert wieder so mollig zur Sache geht. Also Jungs: “I Think I Like You!”

Mfg Ern

Konzert: Matt Corby + Honig

// 28. 04. 2012 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Castingshows. Sie sind die gehasste Unterhaltungsmaschinerie des wöchentlichen Abendprogramms. Wer sie guckt, baut Sympathien zu den Kandidaten auf, kritisiert sie an anderer Stelle zugrunde, setzt sich nach ihrem Gewinn noch eine Woche dem poppig-nervigen Gewinnertitel aus und dann… Ja, was dann? Meist verschwinden die selbsternannten Sternchen ebenso schnell wie sie in das öffentliche Bewusstsein gelangt sind. Hinzu kommt, dass jegliche Eigenkreativität meist im Keim erstickt wird. Kein angenehmes Klima also für ambiotionierte Musikaspiranten.

Gut also, dass der sympathische Matt Corby im zarten Alter von 16 in der 2007er Staffel von Australian Idol teilgenommen, aber nicht gewonnen hat. Denn sonst wäre er jetzt, 5 Jahre später, wohl kaum dort, wo er eben ist. Und nun endlich konnte auch Berlin in den Genuss seiner einzigartigen Folk-Kompositionen kommen. Als Location musste für ein Höchstmaß an Intimität der Rote Salon in der Volksbühne herhalten.

Als Vorband/-mann wurde der mindestens ebenso sympathische Bartträger Stefan Honig verpflichtet. Stilistisch im selben Genre angesiedelt, gab er unter Einsatz der mittlerweile in der DIY-Abteilung so beliebten Loop Stations seine Songs zum Besten. Hat mich echt positiv überrascht. Die Stimmung wäre aber noch um einiges gewichtiger gewesen, wenn es die Tuschelfraktion hinten auf den billigen Plätzen nicht gegeben hätte. Einige scheinen gute Musik eben nur zu erkennen, wenn man ihnen sagt, dass es gute Musik ist. Übrigens leider ein Trend, der sich bei Matt Corby fortsetzen sollte. Aber zurück zu honig. Wer sich mal ein paar Titel des Düsseldorfers, der übrigens ganz dicke mit Jonas David, Polyana Felbel und Tim Neuhaus zu sein scheint, anhören möchte, der schaue mal auf seiner Bandcamp-Seite vorbei.

Kommen wir zum eigentlichen Star des Abends. Wie es sich für einen kleinen Club gehört, musste sich Matt noch seinen Weg durch die Menge auf die Bühne erkämpfen. Dabei hätte ich übrigens gerne gesehen, dass sich der Trend vom Beginn des Konzerts, sich hinzusetzen, hält. Unglücklicherweise waren wir Hippie-esquen der Security aber ein Dorn im Auge und mussten über kurz oder lang doch noch aufstehen. Nun gut, bei dem niedrigen Altersschnitt des Publikums noch alles ohne Thromboserisiko und verschmerzbar. Aber ich schweife ab. Am Gesang des Herren gibt es übrigens nicht ein bisschen auszusetzen. Es ist eine Freude ihm zuzuhören, wie seine Stimme – mal laut, mal leise – scheinbar mühelos über mehrere Oktaven galoppiert und das Vibrato in der Luft steht. Seine Mimik ist dabei ebenfalls unverwechselbar. Sagen wir es so: Bei der Gesichtsakrobatik sind ihm die Falten im Alter schon jetzt sicher. Zum Besten gegeben hat er Songs wie “Untitled”, “Big Eyes”, das grandiose “Soul’s Afire”, aber zwischendrin auch mal “Made Of Stone” souverän am Klavier. Auch Cover waren mit von der Partie. Ich hatte gehofft, seine Version der Black Keys-Single “Lonely Boy” zu hören und wurde nicht enttäuscht – Dan und Patrick im Übrigen sicher auch nicht. Dazu gab es noch die als beste Eigenkomposition angekündigte Interpretation von “Amazing Grace”, ein spaßiger Geselle ist er also auch noch. Und am Ende  (wie sollte es anders sein?) stimmte er unter großem Applaus seine Ausnahme-Single “Brother” ein, durch die ich auch erst auf ihn aufmerksam geworden bin und die der aktuellen EP zumindest in Australien zurecht Platin beschert hat. Einziger Wermutstropfen war neben den angesprochenen Laberköpfen ein leichtes Rauschen der Boxen bei stillen Tönen, die es bei Matt ja leider bzw. glücklicherweise zu genüge gibt. Man darf einfach auf das nächste Konzert in der Hauptstadt gespannt sein, nach Wunsch in einer Venue vergleichbarer Größe (Privatclub anybody?), damit die Emotionen noch so rüberkommen wie heute. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, ebenso wie auf sein Debütalbum, sollte es denn beizeiten mal erscheinen.

MfG Ern

Konzert: Bosse + P:lot

// 21. 02. 2012 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Zeit genug hatte er ja inzwischen, sich von seiner Kehlkopfentzündung zu erholen. Denn heute holten die, schimpfen wir sie mal Deutschrocker von Bosse um Frontmann Aki ihr ehemals für Ende November angesetztes Konzert im Waschhaus in Potsdam nach. Als unfreiwilligem Exilberliner vor Ort kam mir das heute sogar mal recht gelegen. Mit dabei hatten sie das Kölner Trio P:lot (sprich Pilot). Sicherlich ein eher schwacher Trost, wenn man überlegt, dass sie an manchen Tourabenden von den charmanten und überaus begabten Damen von Boy begleitet wurden.

Aber eine vorschnelle Verurteilung soll das in keinem Falle sein. Denn die Jungs spielen wirklich eingängigen, deutschen Rock Pop, wie man sich auch im Video zur Single “Zuhören” des bald erscheinenden gleichnamigen Albums anschauen kann. So sehr einen die Melodien auch mitreißen konnten, so wenig überzeugend fand ich die Songtexte. Aber zum Anheizen auf jeden Fall keine schlechte Wahl.

Mit Antritt der abendlichen Sensation war dann die Halle auch voll, bei ursprünglich ausverkauftem Haus und gerade einmal 3 Retour-Karten auch kein Wunder, was aber von Aki mit den Worten quittiert wurde, das seien schon fast zu viele Leute für ihn. Aber das hat ihn ja immerhin auch zu lustigen Mitsing-Aktionen motiviert. Als Opener wurde nach einem kurzen Intro aus dem Off “Metropole” angestimmt. Mit “Liebe Ist Leise” wurde dann im Refrain das erste Mal die Textsicherheit des Publikums ausgelotet – und natürlich für gut befunden. Überhaupt war das Konzert durch und durch ein Mitmach-Konzert, was es noch mal so viel sympathischer macht. Wer Aki ein Weilchen kennt, weiß, was für ein netter Laberkopf er ist. ich hab Bosse damals noch im Vorprogramm von Mando Diao gesehen, das dürfte locker 6 Jahre her sein mittlerweile. Und viel hat sich seitdem nicht geändert. Zu “3 Millionen” hatte er die Story auf Lager, dass es wohl der wichtigste Song der Band ist, da er ihnen in Zeiten ohne Labels, wo man auf die Unterstützung von Sendern wie Fritz angewiesen war, die nötige Publicity und die Kraft zum Weitermachen verliehen hat. Auch die Meute kam bei dem Song richtig auf ihre Kosten, da Axel mitunter inmitten der Menge trällerte und uns beim Refrain nicht groß bitten musste. Eine weitere Geschichte zum Schmunzeln hatte er für “Sommer Lang” parat. Denn seit er in seiner Jugend Heather Nova verfallen war, plante er auf jedem Album ein mögliches Duett mit ihr ein, so auch bei dem Titel, wovon aber letztlich nur noch die Textzeile “everyday’s like a new beginning” übrig geblieben ist. Es wäre müßig, hier jeden einzelnen Song aufzufriemeln, dem geneigten Leser sei aber ein Blick auf die Setlist zu empfehlen… Vielleicht aber noch zu den Highlights. Da ist die Unplugged- oder vielmehr Rumba-Version von “Die Irritierten” zu nennen, die durch den Einsatz von ein bisschen Cajon und Opas gutem Akkordeon gleich viel beschwingter und tanzbarer daher kam. Oder die um einen Mini Korg mit Stimmenmodulator erweiterte Version von “U-Bahn”. Spaß pur. Wie eigentlich das ganze Konzert, dass trotz der 19 Songs viel zu schnell vorbei ging, aber mit “Die Wende Der Zeit” einen mehr als würdigen Abschluss gefunden hat. Man kann Bosse nur wünschen, dass sie so bleiben wie sie sind, denn dann wird ihnen auch in Zukunft reichlich Erfolg beschieden und das Wohlwollen der Fans sicher sein. Mit diesen Worten verabschiede ich mich für heute…

MfG Ern

Konzert: The Black Keys + Portugal. The Man

// 29. 01. 2012 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Wintereinbruch in Berlin. Aber wen stört das schon, wenn man sich in der Gewissheit auf den Weg zur Treptow-Berlin-Arena aufmacht, sich dort von den Vätern des kontemporären Blues Rock, namentlich den Black Keys einheizen zu lassen. Und für mich war es umso wichtiger, das Duo endlich einmal live zu erleben, da mir in den Vorjahren immer irgendwas den Konzerttermin verhagelt hat, man denke da nur an die Absage der Europa-Tournee letztes Jahr und der Bestätigung von Coachella im selben Atemzug – nich ganz koscher. Aber Butter bei die Fische. Gestern war es dann endlich so weit. Und nachdem man sich im Vorfeld nochmal ein bisschen Werbung fürs neue Album angeschaut hat und sich leicht verspätet seinen Weg in die Halle erschlittert hatte, konnte man auch schon den Tönen von Portugal. The Man lauschen, die meiner Meinung nach etwas unpassend als Vorband verpflichtet wurden. Nicht, dass ich die Jungs aus den Staaten nicht mag, auch wenn ich mich des öfteren frage, wie sie ihren jährlichen Veröffentlichungsturnus einhalten können. Der Sound war für die Größe der Halle eigentlich recht zufriedenstellend, also zumindest nahe der Bühne, auch wenn die Vocals etwas schwach auf der Brust waren. Gespielt wurden Songs wie “So American”, “Got It All” oder “All Your Light”. Mein Wunschtitel “The Sun” war entweder nicht im Repertoire oder wurde gleich zu Beginn gespielt. Nichtsdestotrotz ein gelungener Konzertauftakt, auch wenn der Frontsänger in Daunenjacke mit aufgesetzter Kapuze und auf Brusthöhe geschnürter Gitarre daher kam, was zugegeben recht albern wirkte.

Nach einer verhältnismäßig kurzen Umbaupause mit erstaunlich passender Blues Rock-Beschallung aus dem Off war die Halle dann auch endlich rappelvoll und die Menge geiferte dem Start entgegen. Schlussendlich bequemten sich die Herren Carney und Auerbach dann auch auf die Bühne, um mit “Howlin’ For You” einen würdigen Einstiegssong vom Vorgängeralbum “Brothers” zum Besten zu geben. Ab hier stimmte dann der Sound übrigens. Man wurde von Patricks Drums weggefegt, konnte aber immer noch Dans Gitarrenriffs lauschen, ohne seine Stimme zu vermissen, wohlgemerkt wieder in Bühnennähe – wie es den Leuten auf den “billigen” Plätzen ergangen ist, weiß ich nicht. Dem Jubel zufolge kam aber hinten auch alles an. Ein Blick auf die Setlist offenbart, dass größtenteils Songs von “El Camino” und “Brothers” gespielt wurden. Umso dankbarer war ich für die ollen Kamellen, die die beiden dann auch mal ohne Bassisten und Perkussionisten angestimmt haben, gewissermaßen wie in guten alten Zeiten. Dazu zählten z.B. “Thickfreakness”, “Your Touch” oder der Evergreen “Girl Is On My Mind”. Fast dankbar war ich aber, dass sie “Have Love Will Travel” nicht angestimmt haben. Denn warum man gerade den in diversen Clubs aus dem Sammelsurium an hervorragenden Keys-Tracks spielen muss, wird sich mir nie erschließen. Bei aller Nostalgie: Auch wenn die neuen Lieder mittlerweile schon fast poppig und komplett entgratet daherkommen, machten sie live mindestens genauso großen Spaß wie die Oldies. Besonders gefallen hat mir “Little Black Submarines”, der als einziger (anfänglich) ruhiger Song gespielt wurde. Nachdem man also in der kurzen Verschnaufpause alle Beine und Arme wieder eingeränkt hatte, konnte man sich mit Einsetzen der Hookline wieder ins Getümmel stürzen – so muss dat. Apropos Getümmel: Am meisten ausgerastet ist der Mob meiner Meinung nach bei “Lonely Boy”, dem letzten Song vor der Zugabe – da hat man sich wohl die Tanzperformance aus dem offiziellen Video zum Vorbild genommen. Abschließend vielleicht noch ein lobendes Wort zum Bühnenbild. Zu keiner Zeit unterbelichtet, schön bunt, knackige Spotlights und inklusive Mega-Diskokugel. Ein Traum, wenn man überlegt, dass man da nur zwei Leutchen ausleuchten muss. Mit “I Got Mine” wurden wir dann in die kalte Berliner Nacht verabschiedet. Aber bereits da stand schon fest: Nächstes Mal sind wir wieder vor Ort, allem Weltuntergangsgedöns zum Trotz.

MfG Ern

Alben der Woche: Episode I

// 15. 01. 2012 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Entsprechend meiner Ankündigung werde ich von nunan versuchen, euch häufiger über hörenswerte Neuerscheinungen oder auch versteckte Juwelen der Musikwelt aufzuzeigen. Da das apokalyptische Jahr 2012 noch relativ jung ist, beschränke ich mich hier erst einmal auf 3 Alben.

Cloud Nothings | Attack On Memory

Wie gut es einer Platte manchmal tun kann, wenn man einfach ein bisschen Geschwindigkeit rausnimmt und dafür in gleichem Maße mit “Fuck Off”-Attitüde auffüllt. So in etwa waren meine ersten Gedanken zu Dylan Baldis aka Cloud Nothings‘ neuestem Album “Attack On Memory“. Denn während er mit seinem im letzten Jahr erschienen, selbstbetitelten Album eigentlich schon eine gute Lo-Fi Poprock-Platte ganz im Sinne von Yuck und all den Sound-Alikes des Genres ablieferte, fehlte doch das Quäntchen Wiedererkennungswert. Wer aber jetzt z.B. einmal in “Cut You” vom neuen Album reinhört, wird sofort von der treibenden Melodielinie mitgerissen. Sicherlich sind quakige/ raue Vocals, die irgendwo zwischen den Cribs, Kilians und den Stereophonics liegen nicht jedermanns Sache, aber wenn die Musik schon Lo-Fi ist, warum dann nicht auch die Stimme?

Anspieltipps: “Cut You”, “Wasted Days”

Enter Shikari | A Flash Flood Of Colour

Wie schon im damaligen Konzertbericht angesprochen, kommt es selten genug vor, dass Franz und ich in unserem Interpretenpool übereinstimmen. Ein Vertreter dieser schmalen Schnittmenge ist die britische Band Enter Shikari, die ihre Musik gerne und durchaus passend als Trancecore bezeichnen. Mit “A Flash Flood Of Colour” erscheint ihre mittlerweile vierte LP. Und ist vor allem eine Platte, die Spaß macht. Wer sich einmal die Vorabsingles “Sssnakepit” und “Quelle Surprise” angehört hat, weiß, was ich meine. Und für eine Prise Spaß sind die Jungs auch immer zu haben, was mir das ansonsten so brachiale Genre des Post-Hardcore zugänglicher macht. Kennzeichnend dafür ist z.B. die Textzeilen “Yeah, yeah, we are nice guys – until we’re not!” in “Sssnakepit”. Mit dem richtigen Soundsystem machen darüber hinaus auch die Breakdowns mit ihren Trance-Parts besonders gute Laune.

Anspieltipps: “Ghandi Mate, Ghandi”, “Meltdown”, “Quelle Surprise”

Matt Mulholland | Sings Covers

Zu guter letzt noch ein Tipp in persönlicher Sache. Youtube ist wie wir alle wissen ein großartiges Werkzeug, um kostbare Lebenszeit durch Betrachten sinnfreier Videos (Oh, now Charlie bit my feet!) zu vergeuden. Doch es gibt sie noch, die unentdeckten Talente, die auf diesem Weg ein weltweites Publikum ansprechen können. Einer dieser Entertainer ist der Neuseeländer Matt Mulholland, der sich neben seiner unregelmäßig erscheinenden Lebenshilfe-Serie “Sort Your Shit Out” dem Covern von Songs im Multitrack-Verfahren verschreiben hat, bei dem er oft nur auf seine Stimme zurückgreift und so zwangsweise auch die Instrumente synchronisieren muss. Dass er es dabei nie allzu ernst meint, verrät auch schon die Aufmachung des Covers seiner im letzten Jahr erschienen Kompilation Matt Mulholland Sings Covers. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Matt ist trotz allem weniger Blödel, denn mehr Barde. Support your oversea artist!

 

 

Alben des Jahres 2011

// 28. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Alle Jahre wieder werden sie erstellt, in den unterschiedlichsten Kategorien, von selbsternannten “Experten” und Musikliebhabern. Auch ich werde im folgenden meine Lieblingsalben des Jahres 2011 vorstellen. Vorab sei jedoch gesagt, dass es noch nie so schwer war eine Top10 zusammenzustellen, was einerseits von erstaunlicher musikalischer Qualität und Breite zeugt, und andererseits zeigt wie eng die “Spitze” doch beisammen ist. Von daher folgt jetzt eine Top10, in der mit Sicherheit viele gute Alben fehlen werden, aber das ist nunmal die Grausamkeit solcher Listen.

 

Und nun in zufälliger Reihenfolge meine persönliche Top 10 aus 2011:

 

August Burns Red

Leveler

Metalcore at it’s best – eine Spur melodiöser und progressiver als die vorangegangenen Alben; Erwartungen erfüllt.

 

 

All Shall Perish

This Is Where It Ends

ASP schaffen es mit diesem Album dem monotonen Deathcore-Genre wieder Leben einzuhauchen, danke dafür!

 

 

Dead And Divine

Antimacy

Dieses Album der fünf Kanadier macht durch seine Mischung aus Post-Hardcore/Metalcore kombiniert mit einer unvergleichlichen Intensität einfach Spaß.

 

 

Onward To Olympas

The War Within Us

Nach This World Is Not My Home aus 2010 kann man den Nachfolger aus diesem Jahr getrost als noch besser bewerten, auf ein Drittes!

 

 

Northlane

Discoveries

Von all den zahlreichen Veröffentlichungen des sogenannten Djent-Genres haben Northlane eindeutig das mit Abstand beste Erzeugnis vorgelegt.

 

 

Oh, Sleeper

Children Of Fire

Mein persönliches Lieblingsalbum 2011 – ein Meisterwerk, mit dem einfach alles stimmt; kreist seit der Veröffentlichung unaufhörlich durch meine Gehörgänge.

 

 

Ever Forthright

Ever Forthright

Als Latecomer (erst im Dezember veröffentlicht) direkt in die Bestenliste – fantastische Kombination von Metal und Jazz mit einer Spiellänge von 77 (!) Minuten.

 

 

Betraying The Martyrs

Breathe In Life

Normalerweise verabscheue ich Keyboardklänge in Metalmusik, aber die Franzosen von BTM schaffen es diese Elemente tatsächlich gut klingen zu lassen.

 

 

Steven Wilson

Grace For Drowning

Nach langer Überlegung welche Prog-Veröffentlichung aus diesem Jahr in die Top10 einziehen sollte, habe ich mich für das zweite Solo-Album des Porcupine Tree Masterminds und Arbeitstiers Steven Wilson entschieden – einfach gut.

 

Hundredth

Let Go

Melodic Hardcore vom Feinsten – und deswegen zurecht in dieser Liste.

 

Gerade weil es dieses Jahr so schwer war 10 Alben herauszupicken, fühle ich mich fast gezwungen wenigstens noch 6 weitere zu erwähnen, die mir viel Spaß bzw. Hörgenuss bereitet haben:

 

The Wonder Years

Suburbia I’ve Given You All And Now I’m Nothing

 

 

Hands

Give Me Rest

 

 

Counterparts

The Current Will Carry Us

 

 

Machine Head

Unto The Locust

 

 

Knorkator

Es Werde Nicht

 

 

Defeater

Empty Days & Sleepless Nights

 

Bonus:

Auf eine weitere Sache muss ich an dieser Stelle einfach noch hinweisen. Und zwar auf eine Band, die definitiv in den Top10 aufgetaucht wäre, hätte sie nicht ein spezielles Konzept bei der Veröffentlichung ihrer Musik an den Tag gelegt. Es handelt sich dabei um Vestascension, die laut eigener Angabe “Progressive Dream Rock” spielen. Und so kitschig es auch klingen mag – die Musik ist tatsächlich traumhaft und einfach verdammt schön. Das Konzept sah ursprünglich vor jeden Monat einen neuen Song zu veröffentlichen, konnte jedoch durch einen Wechsel am Schlagzeug und den dadurch nicht mehr einzuhaltenden Zeitplan nicht bis zum Ende umgesetzt werden. Wie dem auch sei: Die 8 bislang veröffentlichten Songs sind sensationell gut und können zudem kostenlos über die Bandcamp-Seite von Vestascension heruntergeladen werden.  Ich kann jedem Musikliebhaber nur dringend empfehlen sich diese Songs anzuhören, man wird es nicht bereuen!

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Somit kommt also ein großartiges Musikjahr 2011 zum Ende – bleibt zu hoffen, dass das nächste Jahr mindestens genauso fantastisch wird. In diesem Sinne, bis 2012!

Franz