Archiv für Konzertbericht

Konzert: The Black Keys + Portugal. The Man

// 29. 01. 2012 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Wintereinbruch in Berlin. Aber wen stört das schon, wenn man sich in der Gewissheit auf den Weg zur Treptow-Berlin-Arena aufmacht, sich dort von den Vätern des kontemporären Blues Rock, namentlich den Black Keys einheizen zu lassen. Und für mich war es umso wichtiger, das Duo endlich einmal live zu erleben, da mir in den Vorjahren immer irgendwas den Konzerttermin verhagelt hat, man denke da nur an die Absage der Europa-Tournee letztes Jahr und der Bestätigung von Coachella im selben Atemzug – nich ganz koscher. Aber Butter bei die Fische. Gestern war es dann endlich so weit. Und nachdem man sich im Vorfeld nochmal ein bisschen Werbung fürs neue Album angeschaut hat und sich leicht verspätet seinen Weg in die Halle erschlittert hatte, konnte man auch schon den Tönen von Portugal. The Man lauschen, die meiner Meinung nach etwas unpassend als Vorband verpflichtet wurden. Nicht, dass ich die Jungs aus den Staaten nicht mag, auch wenn ich mich des öfteren frage, wie sie ihren jährlichen Veröffentlichungsturnus einhalten können. Der Sound war für die Größe der Halle eigentlich recht zufriedenstellend, also zumindest nahe der Bühne, auch wenn die Vocals etwas schwach auf der Brust waren. Gespielt wurden Songs wie “So American”, “Got It All” oder “All Your Light”. Mein Wunschtitel “The Sun” war entweder nicht im Repertoire oder wurde gleich zu Beginn gespielt. Nichtsdestotrotz ein gelungener Konzertauftakt, auch wenn der Frontsänger in Daunenjacke mit aufgesetzter Kapuze und auf Brusthöhe geschnürter Gitarre daher kam, was zugegeben recht albern wirkte.

Nach einer verhältnismäßig kurzen Umbaupause mit erstaunlich passender Blues Rock-Beschallung aus dem Off war die Halle dann auch endlich rappelvoll und die Menge geiferte dem Start entgegen. Schlussendlich bequemten sich die Herren Carney und Auerbach dann auch auf die Bühne, um mit “Howlin’ For You” einen würdigen Einstiegssong vom Vorgängeralbum “Brothers” zum Besten zu geben. Ab hier stimmte dann der Sound übrigens. Man wurde von Patricks Drums weggefegt, konnte aber immer noch Dans Gitarrenriffs lauschen, ohne seine Stimme zu vermissen, wohlgemerkt wieder in Bühnennähe – wie es den Leuten auf den “billigen” Plätzen ergangen ist, weiß ich nicht. Dem Jubel zufolge kam aber hinten auch alles an. Ein Blick auf die Setlist offenbart, dass größtenteils Songs von “El Camino” und “Brothers” gespielt wurden. Umso dankbarer war ich für die ollen Kamellen, die die beiden dann auch mal ohne Bassisten und Perkussionisten angestimmt haben, gewissermaßen wie in guten alten Zeiten. Dazu zählten z.B. “Thickfreakness”, “Your Touch” oder der Evergreen “Girl Is On My Mind”. Fast dankbar war ich aber, dass sie “Have Love Will Travel” nicht angestimmt haben. Denn warum man gerade den in diversen Clubs aus dem Sammelsurium an hervorragenden Keys-Tracks spielen muss, wird sich mir nie erschließen. Bei aller Nostalgie: Auch wenn die neuen Lieder mittlerweile schon fast poppig und komplett entgratet daherkommen, machten sie live mindestens genauso großen Spaß wie die Oldies. Besonders gefallen hat mir “Little Black Submarines”, der als einziger (anfänglich) ruhiger Song gespielt wurde. Nachdem man also in der kurzen Verschnaufpause alle Beine und Arme wieder eingeränkt hatte, konnte man sich mit Einsetzen der Hookline wieder ins Getümmel stürzen – so muss dat. Apropos Getümmel: Am meisten ausgerastet ist der Mob meiner Meinung nach bei “Lonely Boy”, dem letzten Song vor der Zugabe – da hat man sich wohl die Tanzperformance aus dem offiziellen Video zum Vorbild genommen. Abschließend vielleicht noch ein lobendes Wort zum Bühnenbild. Zu keiner Zeit unterbelichtet, schön bunt, knackige Spotlights und inklusive Mega-Diskokugel. Ein Traum, wenn man überlegt, dass man da nur zwei Leutchen ausleuchten muss. Mit “I Got Mine” wurden wir dann in die kalte Berliner Nacht verabschiedet. Aber bereits da stand schon fest: Nächstes Mal sind wir wieder vor Ort, allem Weltuntergangsgedöns zum Trotz.

MfG Ern

Konzert: Beatsteaks + The Death Set

// 11. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Wenn sie rufen, kommen alle. Ob groß, ob klein, alle versammeln sie sich, um den Tönen dieser Berliner Urgesteine mit den Punk-Rock-Wurzeln zu lauschen. Die Rede ist natürlich von – wie könnte es anders sein – den Beatsteaks. Zum Austragungsort des Heimspiels und gleichzeitig letzten Konzert der Wintertour haben die Jungs die Schmeling-Halle auserkoren. Das sorgte bei mir im Vorfeld für banges Zittern, was die Soundqualität betrifft. Eine völlig unbegründete Sorge, wie sich später herausstellen sollte. Auch wenn dieses Happening schon das zweite Konzert der Truppe dieses Jahr war (achja, was war es schön im Paradiso), ist es doch schon ein gewaltiger Unterschied, ob man als Band vor 500 oder 9000 Tanzwütigen spielt und erst recht, ob man sich in heimischen Gefilden befindet oder nicht.

Dass sie nicht immer ein glückliches Händchen bei der Wahl ihrer Vorbands beweisen, bewahrheitete sich auch dieses Mal erneut mit The Death Set, einem quirligen Haufen fluchender Pop-Punk-Australier. Es mag an meiner grundsätzlichen Abneigung gegenüber diesem Genre liegen, aber auch heute wollte ich wieder nicht warm werden mit dieser “Musik”. Der extensive Gebrauch von fuck, ob nun als Verb/Nomen/Adjektiv tat sein Übriges, diese Hampelmänner nicht weiter ernst zu nehmen. Lediglich einmal fühlte ich mich flüchtig an die Beastie Boys erinnert, ich bitte, mir diesen mauen Vergleich nachzusehen.

Wo die Australier bei der Animation der Menge versagt hatten, reichte ein simples “Hallo Berlin!!!” von Mr. Arnim “The Hip” Teutoburg-Weiß, um die Meute an den Rand der Extase zu treiben. Nach dem Opener “Atomic Love” und vielen Jubelrufen unsererseits wurden wir von Arnim erstmal darüber aufgeklärt, dass Film und Ton dieser Zusammenkunft nicht nur live in Radio und Fernsehen übertragen werden würden, sondern auch aufgezeichnet werden (Kanonen auf Spatzen II… ick hör dir trapsen). Da das aber eh nichts an der Euphorie des Publikums änderte, gings weiter im Set. Mit dabei waren Songs quer durch alle Alben. Natürlich waren vom neuen Album “Milk & Honey”, “Automatic” oder “Fix It” dabei, aber auch z.B. “Cheap Comments”, bei dem Arnim die Damenwelt mit seinem Hüftschwung wie schon damals in Amsterdam zum Dahinschmelzen brachte. Überhaupt ist er wohl der, und das sage ich im bestmöglichen Sinne, größte Charme-Bolzen in der deutschen Musiklandschaft (andere Meinungen bitte @my hand). Wer einmal auf einem Beatsteaks-Konzert war, wie selbstverständlich er die Menge unter Kontrolle hat. Hier ein rhythmisches Klatschen, da ein synchrones Armwedeln von links nach rechts oder das immer wieder gern gesehene Hinhocken + Ausrasten bei “Let Me In” (–> Gänsehaut @ RockAmRing). Neben “Let Me In” wurden natürlich auch andere Klassiker zum Besten gegeben. Stellvertretend hierfür seien die Kassenschlager “Jane Became Insane” und “Hand In Hand” genannt. Aber jeder hat natürlich seine persönlichen Vorlieben und so habe ich mich insbesondere an Peters Linie 1-Dreingabe “Hey Du” und der Berlin gewidmeten Akustik-Version von “Soothe Me” erfreut. Und wo wir mit “Hey Du” schon ein Cover erwähnt haben, seien der Vollständigkeit halber auch die Neuinterpretation des Hives-Tracks “Hate To Say I Told You So”, des Ton,Steine,Scherben-Klassikers “S.N.A.F.T.” oder aber der Ärzte-Hymne “Teenagerliebe” hinzugefügt. Ich denke, es ist überflüssig, zu erwähnen, dass man kaum mal eine ruhige Minute gefunden hat und das Konzert selbstverständlich viel zu schnell sein Ende erreicht hatte. Da bleibt mir nun nichts Anderes übrig als mich von nunan auf die Open-Air-Saison 2012 zu freuen. Wenn die Welt nächstes Jahr schon untergeht, sollte man wenigstens noch ein Beatsteaks-Konzert mitgenommen haben.

Mfg Ern

Konzert: Knorkator

// 10. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Endlich wieder Knorkator! 3 Jahre nach ihrem “Abschiedskonzert” konnte ich die Berliner endlich wieder auf der großen Bühne erleben. Veranstaltungsort war erneut die komplett ausverkaufte (und leicht überfüllte) Columbiahalle, in der Knorkator mit 2 Konzerten ihre “Ü77-Tour” abschließen.

Beim Betreten der Location fiel sofort eine Leinwand auf der Bühne auf, die ein Videomitschnitt der Band beim Essen zeigte. Fast interessanter war aber die kleine Digitaluhr oben in der Ecke, die ganz gemächlich auf 00:00 herunterzählte. Kaum war diese Anzeige erreicht ging es auch direkt los. In den nächsten 2 Stunden bekam das Auditorium die gewohnte Ladung (geordneten) Chaos’ ins Gesicht. Knorkator spielten aus ihrem kompletten Reportoire und verwöhnten das Berliner Publikum auch mit einigen Bonuseinlagen. So spielte Ally Storch bei ausgewählten Songs die entsprechenden Violinenpassagen live mit der Band und für den Song “Arschgesicht” wurde der (schätzungsweise) 8-jährige Tim Tom (Sohn von Bandmitglied Alf Ator) auf die Bühne geholt, um den Song zu singen.  Auch wenn einige der zahlreichen Gimmicks (Pyro-Helm, Violinensound zum Anfang) nicht recht klappen wollten, störte das eigentlich niemanden. Nachdem Sänger Stumpen während “Kurz und Klein” in einem Ball über das Publikum maneuvrierte erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Nach 5 Zugaben verließ die Band dann die Bühne und versprach alsbald eine Wiederholung folgen zu lassen.

Bleibt das Schlussfazit: Fantastisches Konzert mit viel Unterhaltungswert, bei dem so viel passiert, dass man es unmöglich alles beschreiben könnte. Ich freu mich schon aufs nächste Mal.

So far, Franz

Konzert: Other Lives + Jason Serious

// 14. 11. 2011 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Es war ein kühler Sonntagabend in Berlin und die Strecke zum Privatclub zu Fuß zu laufen im Nachhinein vielleicht nicht die beste Entscheidung. Der Grund für den Spaziergang war dafür aber umso mehr gerechtfertigt. Denn am heutigen Tag kam das Alternative Folk-Quintett Other Lives zum ersten Mal nach Berlin, um uns Hauptstädter zum Träumen zu bringen. Im Übrigen war das für mich auch der erste Besuch im Privatclub, der sich aber in seiner Aufmachung nicht vor Venuehausnummern wie Comet Club oder Lido verstecken muss. Lediglich Klaustrophobikern könnte das Kellergewölbe etwas suspekt sein.

Da ich im Vorfeld nicht großartig etwas über eine etwaige Vorband in Erfahrung gebracht hatte, ließ ich mich dann erst einmal überraschen. Und Jason Serious konnte das durchaus im bestmöglichen Maße. Denn trotz meiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber Country im weitesten Sinne, schaffte er es mit seiner Band, das Publikum für sich zu gewinnen. Das lag sicherlich auch an den harmonischen Refrains, die er häufig mit seinem australischen Banjo-isten bestritt und hier un da mal Gänsehautmomente heraufbeschwor. An dieser Stelle auch ein Lob an die Tontechniker vom Club. Obwohl ich leider unweit der Box stand, fand ich sowohl Lautstärke und Mixing unglaublich gut. Das steinige Gewölbe tat dann sein Übriges zur Akustik. Jason kam übrigens so gut an, dass er sogar zu einer Zugabe aufgerufen wurde, was ihm seiner Erzählung nach bis dato auch noch nicht passiert war. Nach der Zugabe gings dann an den Umbau der sich in doppelter Hinsicht als schwierig gestalten sollte.

Zum Einen gibts im Privatclub keinen Backstagebereich im eigentlichen Sinne, über den man die Instrumente bequem auf die Bühne schaffen könnte. Somit wurde die Menge im Moses-Gedenkspiel aufgespalten um eine Schneise für die Instrumente zu schaffen, die übrigens auch größtenteils von der Band selber auf die Bühne getragen wurden. Und hier kommt das zweite Problem – die schiere Anzahl der Instrumente. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, nachzuzählen: Ein Cello, 2 Geigen, 2 Keyboards, 1 Drumset, eine Akustikgitarre, eine E-Gitarre, ein Bass, eine Pauke, eine Trompete, 2 Xylophone, eine Mundharmonika, ein Schellenring, ein Paar Castanetten und zu guter letzt ein mit Glocken besetztes Geweih. Aufsummiert komme ich da auf stolze 17 Accessoires, die natürlich auch nur im Tetrisprinzip auf die Bühne passten. Aber entscheidend ist ja das Ergebnis dieser Konstellation. Und das war wirklich unglaublich. Jesse’s Stimme füllte den ganzen Raum, während man von jedem Paukenschlag förmlich durchgeschüttelt wurde. Nur um sich dann im nächsten Moment von Jonathan oder Jenny an Violine und/oder Cello verzaubern zu lassen. Da lässt sich die Begeisterung der Meute, mich einbezogen, nachvollziehen. Zumal auch alle Wunschtitel gespielt wurden, was angesichts von gerade einmal 2 Alben noch anzunehmen ist. Mein Highlight waren “Dust Bowl III” und “Black Tables”, aber auch vielbejubelte, weil bekannte Titel wie “For 12″, das Dead Man’s Bones-esque “Old Statues”  und der Titeltrack des neuen Albums “Tamer Animals” waren einfach noch mal so viel besser als auf der Platte. Es sind diese Momente, wegen denen ich nach wie vor so gerne auf Konzerte gehe. Da ist es auch egal, dass zwischendurch mal ein Soundtechniker auf die Bühne klettern muss (was sich wegen oben erwähnter Befüllung schwierig gestaltete) oder es doch für den kleinen Keller recht voll war. Jesse kam auch nicht umher, uns als “seriously, you’re the best” abzustempeln. Das ging sogar so weit, dass die Fünf nach ihrer gespielten Zugabe und dem eigentlich Abgang noch ein weiteres Mal auf die Bühne geklatscht wurden, um uns dann ein – vom Publikum begleitetes – Cover des Ramones-Song “Now I Wanna Sniff Some Glue” zu präsentieren. Und all das für nicht einmal 14 Euro. Ich wünsche Other Lives natürlich alles erdenklich Gute und viel Erfolg für die Zukunft. Anfang nächsten Jahres touren sie zusammen mit Radiohead durch die Gegend, da werden sie ja dann (leider auch) der breiten Masse bekannt. Abschließend möchte ich allen Lesern, die die Band noch nicht kennen, ihren Stream bei Soundcloud ans Herz legen.

So long and thanks for all the fish.

MfG Ern

Konzert: We Invented Paris

// 17. 10. 2011 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Es sind Tage wie dieser, an denen ich mich glücklich schätze, zur Generation Internet zu gehören. Schließlich wäre ich auf die großartigen Jungs um Flavian Graber ohne ihren Auftritt bei TVnoir nicht aufmerksam geworden. Und wie das nun einmal so ist, hat man sich plötzlich Videos wie z.b. ihre Vorzeige-Single “Iceberg” dutzende Male angesehen und -gehört und ist trotzdem noch so begeistert wie beim ersten Schauen. Also erst einmal auf zu Facebook, We Invented Paris “liken” und somit von nunan den Aktualisierungen folgen. Praktische Sache und wohl der direkteste Kanal zu den Fans. Und so kam es, dass ich heute gegen 17 Uhr darüber informiert wurde, dass die Truppe nach ihrem Auftritt gestern abend im Magnet/Comet heute eine kleine Geheimshow im Café Engels zum Besten geben würde. Da hab ich natürlich nicht lange gefackelt und mich in die Spur gemacht, um pünktlich da zu sein.

Im Café angekommen, fühlte man sich aufgrund des gemütlichen Ambiente gleich gut aufgehoben. Flavian & Co schwirrten schon hier und da um die Bühne, wohlgemerkt mit kompletten Team. Das beinhaltete mindestens Kameramann Tim und die netten Damen vom Merch-Stand, wie ich nach der Show bemerkte. Mit einem kühlen Getränk in der Hand und einer bequemen Sitzgelegenheit in angenehmer Sichtweite der Bühne war ich bestens vorbereitet. Nun muss man dazu sagen, dass es immer etwas Anderes ist, wenn man zu einem Konzert geht, bevor der Künstler ein Album veröffentlicht hat. Man kann eben nicht mitsingen, aber ich finde, so kann man die jungfräulichen Songs wenigstens in ihrer vollen Schönheit auf sich einwirken lassen. Neben den von TVnoir bekannten Titeln wurden natürlich auch weitere Tracks von ihrem selbstbetitelten Debütalbum zum Besten gegeben. Am besten hat mir dabei “Nothing To Say” gefallen, da er auf umwerfende Art das gesamte Wesen von WIP vereint: Die über alle Oktaven erhabene Stimme von Flavian, die mitreißenden percussions und die abwechselnde instrumentale Untermalung bzw. Lautstärke. Freunde des Loop-Pedals dürften bei dem Song u.a. auch auf ihre Kosten gekommen sein. Dass die Jungs dieses technische Schmankerl beherrschen, hat Monsieur Graber spätestens mit dem herausragenden Cover von “Idioteque” bei TVnoir bewiesen. Ihr Wandlungsvermögen zwischen großen elektrisch untermalten Indie-Pop-Hymnen wie Iceberg und beinahe folkloristisch anmutenden Titeln wie “Bohème” haben sie auch im Café Engels unter Beweis gestaltet. Als wäre die Publikumsnähe bei gerade einmal 100 anwesenden Besuchern nicht schon groß genug, spielten sie kurzerhand sowohl  “Lonely Ego” als auch die Zugabe “Silence” (mit obligatorischer Stille) inmitten der schmachtenden Menge – ganz und gar unplugged versteht sich. Ein Festmahl für’s Gehör. Denn auch wenn We Invented Paris eigentlich als Künstlerkollektiv mit zwischenzeitlich wechselnder Besetzung unterwegs ist, sind doch alle Gesangseinlagen immer perfekt auf einander abgestimmt und die Harmonien im Refrain Gänsehaut-Garanten. Da mochte man den sich emsig unterhaltenden Kulturbanausen im Eingansgbereich des Cafés eigentlich gerne den Mund verbieten. Bei so viel Lob nimmt man auch etwaige technische Pannen wie z.B. einen plötzlichen Einspieler vom Semi-Playback in “Silence” gerne und außerdem mit einem Schmunzeln in Kauf.

Alles in allem also eine gelungene Soirée, die wir nur der modernen Vernetzung zu verdanken haben. Beim nächsten Konzert in Berlin werde ich natürlich wieder vor Ort sein, dann hoffentlich auch mit Bildern und textsicher. Denn nun, da ich am Merch-Stand noch das eigentlich erst am 4.11. erscheinende Debütalbum erstanden hab, weiß ich schon sehr genau, wer demnächst meine LastFM-Statistiken dominieren wird.

Ich danke den Jungs von We Invented Paris sowie dem Café Engels für diese musikalische Expedition!

MfG Ern

Konzert: Enter Shikari + Your Demise + letlive

// 23. 09. 2011 // 6 Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Es passiert nicht gerade oft, dass die Autoren von iophobia in ihrem Musikgeschmack übereinstimmen, doch wenn es passiert, dann ist Enter Shikari im Spiel. Und deshalb taten wir uns zusammen, um dem Berlinkonzert der 4 Engländer im ausverkauften Columbia-Club beizuwohnen.

Trotz einiger kleinerer Schwierigkeiten bei der Anfahrt (irgendein Rentner aus Rom sorgte für ein vollkommen unmäßiges Aufgebot an Polizei und Absperrungen) trafen wir noch einigermaßen pünktlich ein. Zu diesem Zeitpunkt beendeten letlive allerdings bereits ihren Auftritt, was ich persönlich äußerst schade fand, hätte ich die Show der verrückten Briten Amerikaner doch gerne mitgenommen. Ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich davon ausgegangen war, letlive nicht als Opener, sondern als zweite Vorband zu erleben, denn auf Your Demise hätte ich durchaus verzichten können. Das Hardcore-Ensemble lieferte zwar eine energiegeladene Show ab, konnte bei mir jedoch nur in den wenigen melodischeren Passagen, die stark an Stick To Your Guns erinnerten, Interesse wecken. Wie dem auch sei: Es waren genug Fans von Your Demise zugegen und vor der Bühne ging entsprechend die Post ab.

Als dann nach der Umbaupause (inklusive Lichtdouble) Enter Shikari ihren Auftritt begannen, gab es absolut kein Halten mehr. Ich ließ meine beiden Begleiter stehen und stürzte mich ins Getobe vor der Bühne. Der Sound war überraschend gut, vermutlich weil die Gitarren zugunsten der Synthesizer etwas zurückgefahren wurden, und man so auch die Vocals ganz gut verstehen konnte. Die Vertreter des sogenannten “Trancecore” fuhren eine tolle Show ab und spielten neben Songs von den ersten beiden Alben (wie “Mothership”, Zzzonked”, “No Sleep Tonight”) auch einige neue Stücke vom demnächst erscheinenden dritten Studioalbum (“Quelle Surprise”, “Sssnakepit”).

Ein etwas merkwürdiger Vorfall ereignete sich unmittelbar in meiner Nähe. Irgendwann etwa nach der Hälfte des Konzerts warf Sänger Rou Reynolds sein Mikrofon aus irgendeinem Grund ins Publikum. Das heransausende Geschoss traf den Kollegen, der direkt neben mir stand mit einem dumpfen “Wumms” genau am Kopf  und dürfte dort bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Trotz dieser etwas irritierenden Aktion wird mir die Show von Enter Shikari, die ich nach den unvermeidbaren “Klassikern” “Sorry, You’re Not a Winner” und “Juggernauts” schweißgebadet verließ,  als  großartige Erinnerung im Gedächtnis bleiben.

So far, Franz