Archiv für Konzertbericht

Konzert: Black Box Revelation + The Floor Is Made Of Lava

// 03. 05. 2012 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Gemäß der klassischen Definition setzt sich eine Rockband aus mindestens vier Mitgliedern zusammen. Dass aber auch weniger manchmal mehr sein kann, wissen wir nicht erst seit den White Stripes, den Black Keys oder Death From Above 1979. Zwei, die sich anschicken, in diese illüstre Runde der Rock-Duos aufgenommen zu werden, sind die beiden Belgier Jan Paternoster (Gesang/Gitarre) und Dries van Dijck (Schlagzeug/ Backing Vocals) von (The) Black Box Revelation. Umso verwunderlicher, dass sie gestern trotz mittlerweile drei veröffentlichten Alben nur im Berliner Comet Club aufgetreten sind.

Als Vorband wurden die Dänen von The Floor Is Made Of Lava engagiert, die das klassische Rock-Outfit mit 4 Leuten perfekt bedienten und unterhaltsamen Indie Rock spielten. Die Jungs sind bisher völlig an mir vorbei gegangen, bestätigen aber, dass Dänemark mittlerweile eine ernstzunehmende Indie-Hochburg geworden ist (siehe WhoMadeWho, Nephew, Darkness Falls, Beta Satan etc). Zum Besten gegeben haben sie neben Titeln der 2007er Platte “All Juice, No Fruit” auch Titel des nach eigenen Angaben nächsten Montag bei uns erscheinenden Albums “Howl At The Moon”. Klang wiegesagt ganz gut, mir fehlte aber ein bisschen Wiedererkennungswert. Auch die überaus spritzigen Drumlines und der Charme des Jake-Gyllenhal-Look-a-Like-Sängers konnten diese Tatsache nicht aus der Welt schaffen.

Nachdem sich das 200-Personen-starke Publikum in der Umbaupause endlich näher an die Bühne rangewagt hatte, ging es dann gegen 10 auch endlich los mit den charmanten Rockern aus Belgien. Kurzes Statement zu Jans Outfit: Einen an der Seite knüpfbaren Pulli kann auch nicht jeder Mann tragen. Von der Optik zur Akustik. Jegliche Befürchtungen, mit 2 Instrumenten könnten sie zu wenig Lautstärke erzeugen, wurden gleich vom ersten Moment an ad acta gelegt. Die inoffizielle Setlist (aus meiner Erinnerung und anderen Setlists zusammengeschraubt) offenbart darüber hinaus, dass sie von allen 3 Alben Tracks angestimmt haben. Aber wie! Als Dries während der ersten Songs mit seiner Maraca rumhantierte, fragte ich mich noch, wie er dann einarmig Schlagzeug spielen wollte. Aber als er die Maraca dann kurzerhand zum Drumstick umfunktionierte, hatte sich dieser Gedankengang auch erübrigt. Ebenfalls sehr erfrischend waren die ausufernden Gitarrensoli von Jan, die alle Songs noch mal um einiges abwechslungsreicher als auf der Platte erschienen lassen. Das wurde natürlich auch vom Publikum mit ekstatischen Tanzeinlagen quittiert. Einzig negativ aufgefallen ist mir neben Jans sporadischem Rumgespucke auf der Bühne die etwas fehlende Interaktion mit dem Publikum. Klar gab es die obligatorischen Gitarreneinlagen direkt an der Bühnenkante, aber darüber hinaus nicht viel Plauderei und ein eher abwesender Blick über die Menge während der Songs. Aber Rock n Roll ist ja auch kein Streichelzoo. Und wenn es nach mir geht, dürfen die beiden ihre Attitüde und den momentanen Bekanntsheitsgrad behalten, damit es auf dem nächsten Konzert wieder so mollig zur Sache geht. Also Jungs: “I Think I Like You!”

Mfg Ern

Konzert: Matt Corby + Honig

// 28. 04. 2012 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Castingshows. Sie sind die gehasste Unterhaltungsmaschinerie des wöchentlichen Abendprogramms. Wer sie guckt, baut Sympathien zu den Kandidaten auf, kritisiert sie an anderer Stelle zugrunde, setzt sich nach ihrem Gewinn noch eine Woche dem poppig-nervigen Gewinnertitel aus und dann… Ja, was dann? Meist verschwinden die selbsternannten Sternchen ebenso schnell wie sie in das öffentliche Bewusstsein gelangt sind. Hinzu kommt, dass jegliche Eigenkreativität meist im Keim erstickt wird. Kein angenehmes Klima also für ambiotionierte Musikaspiranten.

Gut also, dass der sympathische Matt Corby im zarten Alter von 16 in der 2007er Staffel von Australian Idol teilgenommen, aber nicht gewonnen hat. Denn sonst wäre er jetzt, 5 Jahre später, wohl kaum dort, wo er eben ist. Und nun endlich konnte auch Berlin in den Genuss seiner einzigartigen Folk-Kompositionen kommen. Als Location musste für ein Höchstmaß an Intimität der Rote Salon in der Volksbühne herhalten.

Als Vorband/-mann wurde der mindestens ebenso sympathische Bartträger Stefan Honig verpflichtet. Stilistisch im selben Genre angesiedelt, gab er unter Einsatz der mittlerweile in der DIY-Abteilung so beliebten Loop Stations seine Songs zum Besten. Hat mich echt positiv überrascht. Die Stimmung wäre aber noch um einiges gewichtiger gewesen, wenn es die Tuschelfraktion hinten auf den billigen Plätzen nicht gegeben hätte. Einige scheinen gute Musik eben nur zu erkennen, wenn man ihnen sagt, dass es gute Musik ist. Übrigens leider ein Trend, der sich bei Matt Corby fortsetzen sollte. Aber zurück zu honig. Wer sich mal ein paar Titel des Düsseldorfers, der übrigens ganz dicke mit Jonas David, Polyana Felbel und Tim Neuhaus zu sein scheint, anhören möchte, der schaue mal auf seiner Bandcamp-Seite vorbei.

Kommen wir zum eigentlichen Star des Abends. Wie es sich für einen kleinen Club gehört, musste sich Matt noch seinen Weg durch die Menge auf die Bühne erkämpfen. Dabei hätte ich übrigens gerne gesehen, dass sich der Trend vom Beginn des Konzerts, sich hinzusetzen, hält. Unglücklicherweise waren wir Hippie-esquen der Security aber ein Dorn im Auge und mussten über kurz oder lang doch noch aufstehen. Nun gut, bei dem niedrigen Altersschnitt des Publikums noch alles ohne Thromboserisiko und verschmerzbar. Aber ich schweife ab. Am Gesang des Herren gibt es übrigens nicht ein bisschen auszusetzen. Es ist eine Freude ihm zuzuhören, wie seine Stimme – mal laut, mal leise – scheinbar mühelos über mehrere Oktaven galoppiert und das Vibrato in der Luft steht. Seine Mimik ist dabei ebenfalls unverwechselbar. Sagen wir es so: Bei der Gesichtsakrobatik sind ihm die Falten im Alter schon jetzt sicher. Zum Besten gegeben hat er Songs wie “Untitled”, “Big Eyes”, das grandiose “Soul’s Afire”, aber zwischendrin auch mal “Made Of Stone” souverän am Klavier. Auch Cover waren mit von der Partie. Ich hatte gehofft, seine Version der Black Keys-Single “Lonely Boy” zu hören und wurde nicht enttäuscht – Dan und Patrick im Übrigen sicher auch nicht. Dazu gab es noch die als beste Eigenkomposition angekündigte Interpretation von “Amazing Grace”, ein spaßiger Geselle ist er also auch noch. Und am Ende  (wie sollte es anders sein?) stimmte er unter großem Applaus seine Ausnahme-Single “Brother” ein, durch die ich auch erst auf ihn aufmerksam geworden bin und die der aktuellen EP zumindest in Australien zurecht Platin beschert hat. Einziger Wermutstropfen war neben den angesprochenen Laberköpfen ein leichtes Rauschen der Boxen bei stillen Tönen, die es bei Matt ja leider bzw. glücklicherweise zu genüge gibt. Man darf einfach auf das nächste Konzert in der Hauptstadt gespannt sein, nach Wunsch in einer Venue vergleichbarer Größe (Privatclub anybody?), damit die Emotionen noch so rüberkommen wie heute. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, ebenso wie auf sein Debütalbum, sollte es denn beizeiten mal erscheinen.

MfG Ern

Konzert: Bosse + P:lot

// 21. 02. 2012 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Zeit genug hatte er ja inzwischen, sich von seiner Kehlkopfentzündung zu erholen. Denn heute holten die, schimpfen wir sie mal Deutschrocker von Bosse um Frontmann Aki ihr ehemals für Ende November angesetztes Konzert im Waschhaus in Potsdam nach. Als unfreiwilligem Exilberliner vor Ort kam mir das heute sogar mal recht gelegen. Mit dabei hatten sie das Kölner Trio P:lot (sprich Pilot). Sicherlich ein eher schwacher Trost, wenn man überlegt, dass sie an manchen Tourabenden von den charmanten und überaus begabten Damen von Boy begleitet wurden.

Aber eine vorschnelle Verurteilung soll das in keinem Falle sein. Denn die Jungs spielen wirklich eingängigen, deutschen Rock Pop, wie man sich auch im Video zur Single “Zuhören” des bald erscheinenden gleichnamigen Albums anschauen kann. So sehr einen die Melodien auch mitreißen konnten, so wenig überzeugend fand ich die Songtexte. Aber zum Anheizen auf jeden Fall keine schlechte Wahl.

Mit Antritt der abendlichen Sensation war dann die Halle auch voll, bei ursprünglich ausverkauftem Haus und gerade einmal 3 Retour-Karten auch kein Wunder, was aber von Aki mit den Worten quittiert wurde, das seien schon fast zu viele Leute für ihn. Aber das hat ihn ja immerhin auch zu lustigen Mitsing-Aktionen motiviert. Als Opener wurde nach einem kurzen Intro aus dem Off “Metropole” angestimmt. Mit “Liebe Ist Leise” wurde dann im Refrain das erste Mal die Textsicherheit des Publikums ausgelotet – und natürlich für gut befunden. Überhaupt war das Konzert durch und durch ein Mitmach-Konzert, was es noch mal so viel sympathischer macht. Wer Aki ein Weilchen kennt, weiß, was für ein netter Laberkopf er ist. ich hab Bosse damals noch im Vorprogramm von Mando Diao gesehen, das dürfte locker 6 Jahre her sein mittlerweile. Und viel hat sich seitdem nicht geändert. Zu “3 Millionen” hatte er die Story auf Lager, dass es wohl der wichtigste Song der Band ist, da er ihnen in Zeiten ohne Labels, wo man auf die Unterstützung von Sendern wie Fritz angewiesen war, die nötige Publicity und die Kraft zum Weitermachen verliehen hat. Auch die Meute kam bei dem Song richtig auf ihre Kosten, da Axel mitunter inmitten der Menge trällerte und uns beim Refrain nicht groß bitten musste. Eine weitere Geschichte zum Schmunzeln hatte er für “Sommer Lang” parat. Denn seit er in seiner Jugend Heather Nova verfallen war, plante er auf jedem Album ein mögliches Duett mit ihr ein, so auch bei dem Titel, wovon aber letztlich nur noch die Textzeile “everyday’s like a new beginning” übrig geblieben ist. Es wäre müßig, hier jeden einzelnen Song aufzufriemeln, dem geneigten Leser sei aber ein Blick auf die Setlist zu empfehlen… Vielleicht aber noch zu den Highlights. Da ist die Unplugged- oder vielmehr Rumba-Version von “Die Irritierten” zu nennen, die durch den Einsatz von ein bisschen Cajon und Opas gutem Akkordeon gleich viel beschwingter und tanzbarer daher kam. Oder die um einen Mini Korg mit Stimmenmodulator erweiterte Version von “U-Bahn”. Spaß pur. Wie eigentlich das ganze Konzert, dass trotz der 19 Songs viel zu schnell vorbei ging, aber mit “Die Wende Der Zeit” einen mehr als würdigen Abschluss gefunden hat. Man kann Bosse nur wünschen, dass sie so bleiben wie sie sind, denn dann wird ihnen auch in Zukunft reichlich Erfolg beschieden und das Wohlwollen der Fans sicher sein. Mit diesen Worten verabschiede ich mich für heute…

MfG Ern

Konzert: The Black Keys + Portugal. The Man

// 29. 01. 2012 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Wintereinbruch in Berlin. Aber wen stört das schon, wenn man sich in der Gewissheit auf den Weg zur Treptow-Berlin-Arena aufmacht, sich dort von den Vätern des kontemporären Blues Rock, namentlich den Black Keys einheizen zu lassen. Und für mich war es umso wichtiger, das Duo endlich einmal live zu erleben, da mir in den Vorjahren immer irgendwas den Konzerttermin verhagelt hat, man denke da nur an die Absage der Europa-Tournee letztes Jahr und der Bestätigung von Coachella im selben Atemzug – nich ganz koscher. Aber Butter bei die Fische. Gestern war es dann endlich so weit. Und nachdem man sich im Vorfeld nochmal ein bisschen Werbung fürs neue Album angeschaut hat und sich leicht verspätet seinen Weg in die Halle erschlittert hatte, konnte man auch schon den Tönen von Portugal. The Man lauschen, die meiner Meinung nach etwas unpassend als Vorband verpflichtet wurden. Nicht, dass ich die Jungs aus den Staaten nicht mag, auch wenn ich mich des öfteren frage, wie sie ihren jährlichen Veröffentlichungsturnus einhalten können. Der Sound war für die Größe der Halle eigentlich recht zufriedenstellend, also zumindest nahe der Bühne, auch wenn die Vocals etwas schwach auf der Brust waren. Gespielt wurden Songs wie “So American”, “Got It All” oder “All Your Light”. Mein Wunschtitel “The Sun” war entweder nicht im Repertoire oder wurde gleich zu Beginn gespielt. Nichtsdestotrotz ein gelungener Konzertauftakt, auch wenn der Frontsänger in Daunenjacke mit aufgesetzter Kapuze und auf Brusthöhe geschnürter Gitarre daher kam, was zugegeben recht albern wirkte.

Nach einer verhältnismäßig kurzen Umbaupause mit erstaunlich passender Blues Rock-Beschallung aus dem Off war die Halle dann auch endlich rappelvoll und die Menge geiferte dem Start entgegen. Schlussendlich bequemten sich die Herren Carney und Auerbach dann auch auf die Bühne, um mit “Howlin’ For You” einen würdigen Einstiegssong vom Vorgängeralbum “Brothers” zum Besten zu geben. Ab hier stimmte dann der Sound übrigens. Man wurde von Patricks Drums weggefegt, konnte aber immer noch Dans Gitarrenriffs lauschen, ohne seine Stimme zu vermissen, wohlgemerkt wieder in Bühnennähe – wie es den Leuten auf den “billigen” Plätzen ergangen ist, weiß ich nicht. Dem Jubel zufolge kam aber hinten auch alles an. Ein Blick auf die Setlist offenbart, dass größtenteils Songs von “El Camino” und “Brothers” gespielt wurden. Umso dankbarer war ich für die ollen Kamellen, die die beiden dann auch mal ohne Bassisten und Perkussionisten angestimmt haben, gewissermaßen wie in guten alten Zeiten. Dazu zählten z.B. “Thickfreakness”, “Your Touch” oder der Evergreen “Girl Is On My Mind”. Fast dankbar war ich aber, dass sie “Have Love Will Travel” nicht angestimmt haben. Denn warum man gerade den in diversen Clubs aus dem Sammelsurium an hervorragenden Keys-Tracks spielen muss, wird sich mir nie erschließen. Bei aller Nostalgie: Auch wenn die neuen Lieder mittlerweile schon fast poppig und komplett entgratet daherkommen, machten sie live mindestens genauso großen Spaß wie die Oldies. Besonders gefallen hat mir “Little Black Submarines”, der als einziger (anfänglich) ruhiger Song gespielt wurde. Nachdem man also in der kurzen Verschnaufpause alle Beine und Arme wieder eingeränkt hatte, konnte man sich mit Einsetzen der Hookline wieder ins Getümmel stürzen – so muss dat. Apropos Getümmel: Am meisten ausgerastet ist der Mob meiner Meinung nach bei “Lonely Boy”, dem letzten Song vor der Zugabe – da hat man sich wohl die Tanzperformance aus dem offiziellen Video zum Vorbild genommen. Abschließend vielleicht noch ein lobendes Wort zum Bühnenbild. Zu keiner Zeit unterbelichtet, schön bunt, knackige Spotlights und inklusive Mega-Diskokugel. Ein Traum, wenn man überlegt, dass man da nur zwei Leutchen ausleuchten muss. Mit “I Got Mine” wurden wir dann in die kalte Berliner Nacht verabschiedet. Aber bereits da stand schon fest: Nächstes Mal sind wir wieder vor Ort, allem Weltuntergangsgedöns zum Trotz.

MfG Ern

Konzert: Beatsteaks + The Death Set

// 11. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Wenn sie rufen, kommen alle. Ob groß, ob klein, alle versammeln sie sich, um den Tönen dieser Berliner Urgesteine mit den Punk-Rock-Wurzeln zu lauschen. Die Rede ist natürlich von – wie könnte es anders sein – den Beatsteaks. Zum Austragungsort des Heimspiels und gleichzeitig letzten Konzert der Wintertour haben die Jungs die Schmeling-Halle auserkoren. Das sorgte bei mir im Vorfeld für banges Zittern, was die Soundqualität betrifft. Eine völlig unbegründete Sorge, wie sich später herausstellen sollte. Auch wenn dieses Happening schon das zweite Konzert der Truppe dieses Jahr war (achja, was war es schön im Paradiso), ist es doch schon ein gewaltiger Unterschied, ob man als Band vor 500 oder 9000 Tanzwütigen spielt und erst recht, ob man sich in heimischen Gefilden befindet oder nicht.

Dass sie nicht immer ein glückliches Händchen bei der Wahl ihrer Vorbands beweisen, bewahrheitete sich auch dieses Mal erneut mit The Death Set, einem quirligen Haufen fluchender Pop-Punk-Australier. Es mag an meiner grundsätzlichen Abneigung gegenüber diesem Genre liegen, aber auch heute wollte ich wieder nicht warm werden mit dieser “Musik”. Der extensive Gebrauch von fuck, ob nun als Verb/Nomen/Adjektiv tat sein Übriges, diese Hampelmänner nicht weiter ernst zu nehmen. Lediglich einmal fühlte ich mich flüchtig an die Beastie Boys erinnert, ich bitte, mir diesen mauen Vergleich nachzusehen.

Wo die Australier bei der Animation der Menge versagt hatten, reichte ein simples “Hallo Berlin!!!” von Mr. Arnim “The Hip” Teutoburg-Weiß, um die Meute an den Rand der Extase zu treiben. Nach dem Opener “Atomic Love” und vielen Jubelrufen unsererseits wurden wir von Arnim erstmal darüber aufgeklärt, dass Film und Ton dieser Zusammenkunft nicht nur live in Radio und Fernsehen übertragen werden würden, sondern auch aufgezeichnet werden (Kanonen auf Spatzen II… ick hör dir trapsen). Da das aber eh nichts an der Euphorie des Publikums änderte, gings weiter im Set. Mit dabei waren Songs quer durch alle Alben. Natürlich waren vom neuen Album “Milk & Honey”, “Automatic” oder “Fix It” dabei, aber auch z.B. “Cheap Comments”, bei dem Arnim die Damenwelt mit seinem Hüftschwung wie schon damals in Amsterdam zum Dahinschmelzen brachte. Überhaupt ist er wohl der, und das sage ich im bestmöglichen Sinne, größte Charme-Bolzen in der deutschen Musiklandschaft (andere Meinungen bitte @my hand). Wer einmal auf einem Beatsteaks-Konzert war, wie selbstverständlich er die Menge unter Kontrolle hat. Hier ein rhythmisches Klatschen, da ein synchrones Armwedeln von links nach rechts oder das immer wieder gern gesehene Hinhocken + Ausrasten bei “Let Me In” (–> Gänsehaut @ RockAmRing). Neben “Let Me In” wurden natürlich auch andere Klassiker zum Besten gegeben. Stellvertretend hierfür seien die Kassenschlager “Jane Became Insane” und “Hand In Hand” genannt. Aber jeder hat natürlich seine persönlichen Vorlieben und so habe ich mich insbesondere an Peters Linie 1-Dreingabe “Hey Du” und der Berlin gewidmeten Akustik-Version von “Soothe Me” erfreut. Und wo wir mit “Hey Du” schon ein Cover erwähnt haben, seien der Vollständigkeit halber auch die Neuinterpretation des Hives-Tracks “Hate To Say I Told You So”, des Ton,Steine,Scherben-Klassikers “S.N.A.F.T.” oder aber der Ärzte-Hymne “Teenagerliebe” hinzugefügt. Ich denke, es ist überflüssig, zu erwähnen, dass man kaum mal eine ruhige Minute gefunden hat und das Konzert selbstverständlich viel zu schnell sein Ende erreicht hatte. Da bleibt mir nun nichts Anderes übrig als mich von nunan auf die Open-Air-Saison 2012 zu freuen. Wenn die Welt nächstes Jahr schon untergeht, sollte man wenigstens noch ein Beatsteaks-Konzert mitgenommen haben.

Mfg Ern

Konzert: Knorkator

// 10. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Endlich wieder Knorkator! 3 Jahre nach ihrem “Abschiedskonzert” konnte ich die Berliner endlich wieder auf der großen Bühne erleben. Veranstaltungsort war erneut die komplett ausverkaufte (und leicht überfüllte) Columbiahalle, in der Knorkator mit 2 Konzerten ihre “Ü77-Tour” abschließen.

Beim Betreten der Location fiel sofort eine Leinwand auf der Bühne auf, die ein Videomitschnitt der Band beim Essen zeigte. Fast interessanter war aber die kleine Digitaluhr oben in der Ecke, die ganz gemächlich auf 00:00 herunterzählte. Kaum war diese Anzeige erreicht ging es auch direkt los. In den nächsten 2 Stunden bekam das Auditorium die gewohnte Ladung (geordneten) Chaos’ ins Gesicht. Knorkator spielten aus ihrem kompletten Reportoire und verwöhnten das Berliner Publikum auch mit einigen Bonuseinlagen. So spielte Ally Storch bei ausgewählten Songs die entsprechenden Violinenpassagen live mit der Band und für den Song “Arschgesicht” wurde der (schätzungsweise) 8-jährige Tim Tom (Sohn von Bandmitglied Alf Ator) auf die Bühne geholt, um den Song zu singen.  Auch wenn einige der zahlreichen Gimmicks (Pyro-Helm, Violinensound zum Anfang) nicht recht klappen wollten, störte das eigentlich niemanden. Nachdem Sänger Stumpen während “Kurz und Klein” in einem Ball über das Publikum maneuvrierte erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Nach 5 Zugaben verließ die Band dann die Bühne und versprach alsbald eine Wiederholung folgen zu lassen.

Bleibt das Schlussfazit: Fantastisches Konzert mit viel Unterhaltungswert, bei dem so viel passiert, dass man es unmöglich alles beschreiben könnte. Ich freu mich schon aufs nächste Mal.

So far, Franz