Archiv für Plattenteller

Alben der Woche: Episode I

// 15. 01. 2012 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Entsprechend meiner Ankündigung werde ich von nunan versuchen, euch häufiger über hörenswerte Neuerscheinungen oder auch versteckte Juwelen der Musikwelt aufzuzeigen. Da das apokalyptische Jahr 2012 noch relativ jung ist, beschränke ich mich hier erst einmal auf 3 Alben.

Cloud Nothings | Attack On Memory

Wie gut es einer Platte manchmal tun kann, wenn man einfach ein bisschen Geschwindigkeit rausnimmt und dafür in gleichem Maße mit “Fuck Off”-Attitüde auffüllt. So in etwa waren meine ersten Gedanken zu Dylan Baldis aka Cloud Nothings‘ neuestem Album “Attack On Memory“. Denn während er mit seinem im letzten Jahr erschienen, selbstbetitelten Album eigentlich schon eine gute Lo-Fi Poprock-Platte ganz im Sinne von Yuck und all den Sound-Alikes des Genres ablieferte, fehlte doch das Quäntchen Wiedererkennungswert. Wer aber jetzt z.B. einmal in “Cut You” vom neuen Album reinhört, wird sofort von der treibenden Melodielinie mitgerissen. Sicherlich sind quakige/ raue Vocals, die irgendwo zwischen den Cribs, Kilians und den Stereophonics liegen nicht jedermanns Sache, aber wenn die Musik schon Lo-Fi ist, warum dann nicht auch die Stimme?

Anspieltipps: “Cut You”, “Wasted Days”

Enter Shikari | A Flash Flood Of Colour

Wie schon im damaligen Konzertbericht angesprochen, kommt es selten genug vor, dass Franz und ich in unserem Interpretenpool übereinstimmen. Ein Vertreter dieser schmalen Schnittmenge ist die britische Band Enter Shikari, die ihre Musik gerne und durchaus passend als Trancecore bezeichnen. Mit “A Flash Flood Of Colour” erscheint ihre mittlerweile vierte LP. Und ist vor allem eine Platte, die Spaß macht. Wer sich einmal die Vorabsingles “Sssnakepit” und “Quelle Surprise” angehört hat, weiß, was ich meine. Und für eine Prise Spaß sind die Jungs auch immer zu haben, was mir das ansonsten so brachiale Genre des Post-Hardcore zugänglicher macht. Kennzeichnend dafür ist z.B. die Textzeilen “Yeah, yeah, we are nice guys – until we’re not!” in “Sssnakepit”. Mit dem richtigen Soundsystem machen darüber hinaus auch die Breakdowns mit ihren Trance-Parts besonders gute Laune.

Anspieltipps: “Ghandi Mate, Ghandi”, “Meltdown”, “Quelle Surprise”

Matt Mulholland | Sings Covers

Zu guter letzt noch ein Tipp in persönlicher Sache. Youtube ist wie wir alle wissen ein großartiges Werkzeug, um kostbare Lebenszeit durch Betrachten sinnfreier Videos (Oh, now Charlie bit my feet!) zu vergeuden. Doch es gibt sie noch, die unentdeckten Talente, die auf diesem Weg ein weltweites Publikum ansprechen können. Einer dieser Entertainer ist der Neuseeländer Matt Mulholland, der sich neben seiner unregelmäßig erscheinenden Lebenshilfe-Serie “Sort Your Shit Out” dem Covern von Songs im Multitrack-Verfahren verschreiben hat, bei dem er oft nur auf seine Stimme zurückgreift und so zwangsweise auch die Instrumente synchronisieren muss. Dass er es dabei nie allzu ernst meint, verrät auch schon die Aufmachung des Covers seiner im letzten Jahr erschienen Kompilation Matt Mulholland Sings Covers. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Matt ist trotz allem weniger Blödel, denn mehr Barde. Support your oversea artist!

 

 

Alben des Jahres 2011

// 28. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Alle Jahre wieder werden sie erstellt, in den unterschiedlichsten Kategorien, von selbsternannten “Experten” und Musikliebhabern. Auch ich werde im folgenden meine Lieblingsalben des Jahres 2011 vorstellen. Vorab sei jedoch gesagt, dass es noch nie so schwer war eine Top10 zusammenzustellen, was einerseits von erstaunlicher musikalischer Qualität und Breite zeugt, und andererseits zeigt wie eng die “Spitze” doch beisammen ist. Von daher folgt jetzt eine Top10, in der mit Sicherheit viele gute Alben fehlen werden, aber das ist nunmal die Grausamkeit solcher Listen.

 

Und nun in zufälliger Reihenfolge meine persönliche Top 10 aus 2011:

 

August Burns Red

Leveler

Metalcore at it’s best – eine Spur melodiöser und progressiver als die vorangegangenen Alben; Erwartungen erfüllt.

 

 

All Shall Perish

This Is Where It Ends

ASP schaffen es mit diesem Album dem monotonen Deathcore-Genre wieder Leben einzuhauchen, danke dafür!

 

 

Dead And Divine

Antimacy

Dieses Album der fünf Kanadier macht durch seine Mischung aus Post-Hardcore/Metalcore kombiniert mit einer unvergleichlichen Intensität einfach Spaß.

 

 

Onward To Olympas

The War Within Us

Nach This World Is Not My Home aus 2010 kann man den Nachfolger aus diesem Jahr getrost als noch besser bewerten, auf ein Drittes!

 

 

Northlane

Discoveries

Von all den zahlreichen Veröffentlichungen des sogenannten Djent-Genres haben Northlane eindeutig das mit Abstand beste Erzeugnis vorgelegt.

 

 

Oh, Sleeper

Children Of Fire

Mein persönliches Lieblingsalbum 2011 – ein Meisterwerk, mit dem einfach alles stimmt; kreist seit der Veröffentlichung unaufhörlich durch meine Gehörgänge.

 

 

Ever Forthright

Ever Forthright

Als Latecomer (erst im Dezember veröffentlicht) direkt in die Bestenliste – fantastische Kombination von Metal und Jazz mit einer Spiellänge von 77 (!) Minuten.

 

 

Betraying The Martyrs

Breathe In Life

Normalerweise verabscheue ich Keyboardklänge in Metalmusik, aber die Franzosen von BTM schaffen es diese Elemente tatsächlich gut klingen zu lassen.

 

 

Steven Wilson

Grace For Drowning

Nach langer Überlegung welche Prog-Veröffentlichung aus diesem Jahr in die Top10 einziehen sollte, habe ich mich für das zweite Solo-Album des Porcupine Tree Masterminds und Arbeitstiers Steven Wilson entschieden – einfach gut.

 

Hundredth

Let Go

Melodic Hardcore vom Feinsten – und deswegen zurecht in dieser Liste.

 

Gerade weil es dieses Jahr so schwer war 10 Alben herauszupicken, fühle ich mich fast gezwungen wenigstens noch 6 weitere zu erwähnen, die mir viel Spaß bzw. Hörgenuss bereitet haben:

 

The Wonder Years

Suburbia I’ve Given You All And Now I’m Nothing

 

 

Hands

Give Me Rest

 

 

Counterparts

The Current Will Carry Us

 

 

Machine Head

Unto The Locust

 

 

Knorkator

Es Werde Nicht

 

 

Defeater

Empty Days & Sleepless Nights

 

Bonus:

Auf eine weitere Sache muss ich an dieser Stelle einfach noch hinweisen. Und zwar auf eine Band, die definitiv in den Top10 aufgetaucht wäre, hätte sie nicht ein spezielles Konzept bei der Veröffentlichung ihrer Musik an den Tag gelegt. Es handelt sich dabei um Vestascension, die laut eigener Angabe “Progressive Dream Rock” spielen. Und so kitschig es auch klingen mag – die Musik ist tatsächlich traumhaft und einfach verdammt schön. Das Konzept sah ursprünglich vor jeden Monat einen neuen Song zu veröffentlichen, konnte jedoch durch einen Wechsel am Schlagzeug und den dadurch nicht mehr einzuhaltenden Zeitplan nicht bis zum Ende umgesetzt werden. Wie dem auch sei: Die 8 bislang veröffentlichten Songs sind sensationell gut und können zudem kostenlos über die Bandcamp-Seite von Vestascension heruntergeladen werden.  Ich kann jedem Musikliebhaber nur dringend empfehlen sich diese Songs anzuhören, man wird es nicht bereuen!

Bandcamp

Facebook

 

Somit kommt also ein großartiges Musikjahr 2011 zum Ende – bleibt zu hoffen, dass das nächste Jahr mindestens genauso fantastisch wird. In diesem Sinne, bis 2012!

Franz

2011: The Year in Albums

// 28. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Silvester rückt in greifbare Nähe und somit heißt es auch wieder im Hauptquartier von iophobia, das musikalische Jahr 2011 Revue passieren zu lassen und die Juwelen der letzten 12 Monate ins rechte Licht zu rücken. Während Franz sich in den härteren Musikgenres auf 10 Alben begrenzt, fällt mir das wesentlich schwerer. Aufgrund meiner vernachlässigten Vorstellung hörenswerter Neuerscheinungen über das Jahr, werden neben den eigentlichen Top-Alben noch einige Platten in der Kategorie “Erwähnenswert” landen. Aber lest selbst:

Active Child | You Are All I See

Definitiv eine der Entdeckungen des Jahres für mich. Und wie so häufig mal wieder über den besten Youtube-/Radio-Channel im Indie-Bereich. Thanks KEXP for making the world a better place vid by vid. Aber wer steckt denn nun eigentlich hinter Active Child? Das ist der beseelte Rotschopf Pat Grossi, der schon beinahe spirituell anmutende Hymnen mit Harfe und Synthesizer herbeizaubert. Das ganze befindet sich dann irgendwo zwischen Hurts und den Fleet Foxes. Sein kopfstimmenlastiger Gesang mag nichts für jedermann sein, aber ich kann meine Haare gar nicht so schnell wieder runterkämmen wie sie die Gänsehaut beim Hören des Albums immer wieder aufstellt.

Anspieltipps: “Hanging On”, “Johnny Belinda”

Other Lives | Tamer Animals

Wo ich gerade bei KEXP war: Auch dieser Kombo hätte ich ohne ihre Live-Performance wohl nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Wie es immer so ist, hatte ich ihr Album zwar schon irgendwo auf der Platte zu liegen, war aber bis dato noch nicht dazu gekommen, mir sie einmal zu Gemüte zu führen. Das änderte sich dann nach der grandiosen Live-Version von “For 12″. Viele ziehen bei dem Quintett aus Oklahoma den unmittelen Vergleich zu den Fleet Foxes, aber für mich ist die Platte wesentlich mehrschichtiger. Und wie sphärisch es bei den Titeln zur Sache geht, konnte ich ja unlängst beim ersten Berlin-Gig der Truppe feststellen.

Anspieltipps: “For 12″, “Dust Bowl III”

Fleet Foxes | Helplessness Blues

Zweimal dienten sie mir jetzt schon als Referenz für die genannten Interpreten. Und die Fleet Foxes muss man inzwischen auch nicht mehr vorstellen, schließlich haben sie sich mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum 2008 in der Kritikerszene einen Namen gemacht und es in die Spitze vieler Jahresendlisten geschafft. Man kann den Erwartungsdruck dementsprechend nur erahnen, der Robin Pecknold und seine Mannen mit ihrer Nachfolge-LP auf den Schultern lastete. Und dennoch lieferten sie mit “Helplessness Blues” eine ebenso atembraubende und verzaubernde Folk-Platte ab, wie es schon das Debüt war. Das ganze dann noch live erleben zu können, sei an dieser Stelle jedem empfohlen. Und den visuellen Ästheten sei zusätzlich das magische Video zu “The Shrine / An Argument” ans Herz gelegt.

Anspieltipps: “The Shrine / An Argument”, “Montezuma”

Florence + The Machine | Ceremonials

Wie schwer man es nach einem erfolgreichen Debütalbum haben kann, weiß mittlerweile wohl auch Florence Welch von Florence + The Machine. Denn nach Veröffentlichung ihres Debüts “Lungs” und dem damit verbundenen und verdienten, kometenhaften Aufstieg zur Grand Dame der Indie Pop-Sparte, kam dieses Jahr der Nachfolger “Ceremonials” heraus. Und auf diesem beweist die charmante Britin erneut, dass sie eigentlich nicht viel mehr braucht als ihre Stimme, um dem geneigten ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, was für ein zartes Stimmchen sie im Alltag hat. Mein persönliches Highlight ist ja “What The Water Gave Me”, besonders in der unplugged-Version “auf den dächern”.

Anspieltipps: “What The Water Gave Me”, “No Light, No Light”

The Black Keys | El Camino

Einst als Insider-Tipp unter Kennern gehandelt, sind die Black Keys spätestens mit ihrem Album “Brothers” im Mainstream angekommen. Aber auch nach mittlerweile 6 Platten sind die Jungs aus Akron, Ohio nicht müde geworden und brachten Anfang Dezember “El Camino” heraus, welches im Vorfeld schon reichlich amüsant beworben wurde. Und auch auf dem Album selber geht es auf Tracks wie “Gold On The Ceiling” (der Kracher in der Umbaupause bei den Beatsteaks) oder der Vorabsingle “Lonely Boy” ordentlich zur Sache, auch wenn Dan Auerbach und Patrick Carney schon lange nur noch mit einem Bein im Blues Rock stehen, was u.U. auf den Einfluss von Danger Mouse als Produzent zurückzuführen ist.

Anspieltipps: “Lonely Boy”, “Gold On The Ceiling”, “Little Black Submarines”

Zola Jesus | Conatus

Mit “Conatus” taucht jetzt das mittlerweile fünfte Album in dieser Top10 auf, dass eher ruhiger angesiedelt ist. Aber es scheinen eben diese Platten zu sein, die den größten Eindruck bei mir hinterlassen. Und auch die 22-jährige amerikanische Singer-Songwriterin Zola Jesus weiß mit den Songs auf ihrer zweiten Langspielplatte zu beeindrucken. Dabei schafft sie es jederzeit, die Titel mit den Emotionen ihrer Stimme voranzutreiben, während die wabernden, bedrückenden Synthie-Kompositionen versuchen, sie zu überlagern. Definitiv ein Fall für die “Muss ich mal live sehen”-Liste.

Anspieltipps: “Avalanche”, “Shivers”

Metronomy | The English Riviera

Alles neu macht der Mai. Soviel muss man wissen, bevor man sich das dritte Studioalbum “The English Riviera” von den britischen Electro-Poppern Metronomy anhört. Denn was ursprünglich als reines Männer-Trio startete und für spaßig-experimentelle Hits wie “Radio Ladio” sorgte, ist nach Ausstieg von Gabriel Stebbing und Neurekrutierung nun ein Quartett. Und das hört man auch am veränderten Sound. Wo besonders auf dem Erstling “Pip Paine” noch reichlich rumexperimentiert wurde, gibt es mittlerweile nur noch glattgebügelte Electro-Pop-Hymnen. Das mag negativ konnotiert klingen, aber ich tue mich halt noch etwas schwer, diesen Wandel zu akzeptieren. Betrachten wir doch auch einmal die positiven Seiten: Selten waren ihre Songs so tanzbar wie auf der aktuellen Platte. Schließlich durften “The Look” und “The Bay” in keinem gut sortierten Indietronic-DJ-Set fehlen und sind wahrscheinlich jetzt schon Klassiker. Nichtsdestotrotz zählt das Cover für mich zu den schlechtesten des Jahres.

Anspieltipps: “The Look”, “The Bay”

tUnE-yArDs | W H O K I L L

Kommen wir nun zum vermutlich exotischsten Vertreter in dieser Liste. Viele denken wahrscheinlich schon beim Blick auf den Bandnamen, dass es reichlich infantil zur Sache gehen muss. Tatsächlich ist tUnE-yArDs das One-Woman-Project Merrill Garbus. Für gewöhnlich bedient sie sich sich zur Aufnahme ihrer Songs der allseits beliebten Looping-Stationen, wovon man sich auch bei ihren Live-Auftritten überzeugen kann. Die Musikrichtung lässt sich schwer zuordnen, experimentell trifft es da wohl noch am ehesten. Hier und da ein bisschen Afrobeat, im nächsten ein paar Hip-Hop-Einflüsse. Genaueres ist auch in meiner kurzen Zusammenfassung von vor einer  Weile nachzulesen. Alles in allem aber ein sehr spaßiges Album und deswegen verdient in dieser illüstren Runde.

Anspieltipps: “Gangsta”, “Killa”

M83 | Hurry Up, We’re Dreaming

Don’t believe the hype! Und irgendwie macht man es ja doch und springt mit auf den Zug auf. Und so konnte auch ich nicht anders, nachdem ich im Sommer die Single “Midnight City” zu M83s aka Anthony Gonzalez’ kommenden Album “Hurry Up, We’re Dreaming” gehört habe. Für mich ist der Song zurecht vielerorts als bester Track des Jahres ausgezeichnet worden. Überhaupt war das 80er Revival noch nie so allgegenwärtig wie mit M83. Wer “I Love You Klaus” noch nie gehört hat, ist sicher leicht versucht, es in die falsche Epoche einzuordnen. Dann noch dieses Intro zusammen mit der bereits gelobten Zola Jesus. Balsam für die Seele. Im Übrigen auch live.

Anspieltipps: “Midnight City”, “Reunion”

Starfucker | Reptilians

Und damit kommen wir zum letzten offiziellen Top10-Album der Liste. Dieser Platz geht an “Reptilians” von Starfucker. Auch wenn manche sich daran stören, dass das Quartett aus Portland live gerne mal in Damenbekleidung auftritt (ähm, of Montreal etwa nich) und ihren Bandnamen nur so gewählt hat, um mal zu gucken, wie weit sie damit kommen, so zählt für mich lediglich die Musik. Und mit “Reptilians” ist ihnen eine wirklich runde und tanzbare Electro-Pop-Platte entstanden. Komisch eigentlich, dass das bei den DJs meiner Wahl noch nicht angekommen ist. Für eine spaßige Auflockerung sorgen auch die gesprochenen Passagen in den In- und Outros einiger Songs, die Samples aus Lesungen von Alan Watts darstellen. Erinnert mich ein bisschen an Ratatats LP4.

Anspieltipps: “Millions”, “Julius”

Erwähnenswert:

  • Digitalism – I Love You Dude
  • We Invented Paris – We Invented Paris
  • Rafter – Quiet Storm
  • Darkness Falls – Alive In Us
  • Coeur De Pirate – Blonde
  • The Antlers – Burst Apart
  • Austra – Feel It Break
  • Wye Oak – Civilian
  • The Envy Corps – It Culls You
  • Boy – Mutual Friends
  • Bibio – Mind Bokeh
  • Black Box Revelation – My Perception
  • MuteMath – Odd Soul
  • Slow Club – Paradise
  • Penguin Prison – Penguin Prison
  • The Pack A.D. – Unpersons
  • Veronica Falls – Veronica Falls
  • Wild Flag – Wild Flag
  • Yuck – Yuck

 

 

2011: Round Three

// 18. 05. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Nach wieder einmal einigen Wochen Blog-Abstinenz, die Konzertberichte mal ausgenommen, ist es wieder an der Zeit, lobende Worte für erlesene Neuveröffentlichungen der letzten/kommenden Zeit zu verlieren. Diesmal sind auch einige Größen in der Musik dabei, die es sicherlich nicht einfach haben, in Zukunft ihrem Hype gerecht zu werden. Aber lest selbst.

Phoenix & Lil Wayne | Phoenix & Lil Wayne

Beginnen wir doch zunächst ganz unkonventionell. Für sich genommen ist weder der Titel “1901″ von Phoenix noch “Stuntin’ Like My Daddy” von Lil Wayne eine Neuveröffentlichung. Und was hat Lil Wayne überhaupt in diesem Blog zu suchen? Tja, wie es aussieht, sind beide Interpreten jüngst auf den scheinbar so lukrativen Kollaborations-Zug aufgesprungen. Das Ergebnis ist eine 5-Track-EP, die sich mit namhaften Collabs wie Jay-Z/Linkin Park oder Blackroc messen kann. Für mich übrigens nach wie vor der einzig erträgliche Zugang zu Hip-Hop/Rap, den Herrn Dendemüller selbstverständlich mal ausgenommen.

Anspieltipp: “Officer Lasso”

Chikinki | Bitten

Eine englischsprachige Band bringt eine Platte mit dem Titel “Bitten” heraus, auf deren Cover eine zähnefletschtschende Großkatze zu sehen ist. Da denkt man doch, die Botschaft verstanden zu haben. Aber die Doppeldeutigkeit ergibt sich erst im Kontext. Chikinki, wie die Kombo aus Bristol sich nennt, sind nämlich auch Freunde der Berliner Partykultur und sahen sich somit auch der deutschen Sprache konfrontiert, die die zweite Deutungsebene des Albumtitels erklärt und hier und da in Songs durchblitzt. Die Vielschichtigkeit setzt sich dann auch musikalisch in den Titeln fort. Über eher elektro- und drumlastigere Titel wie “Bitte Bitte” hin zu entspannten Beinahe-Balladen wie “Deadhead”. Wobei ihnen die elektrolastigeren Titel wesentlich besser zu Gesicht stehen. Jedenfalls kein Vergleich mehr zu dem Mainstream-Einerlei-Ohrwurm “You Said” aus dem Jahre 2007.

Anspieltipps: “Bitte Bitte”, “Catch Up”

Art Brut | Brilliant! Tragic!

It’s Eddie Argos, Baby! Ja, richtig. Der smarte Art Brut-Frontmann mit dem unverwechselbaren Sprechgesang ist mit dem neuen Album “Brilliant! Tragic!”  zurück. Dabei teilt keine Band die Lager so klar auf wie Art Brut. Die einen vergöttern sie, während die anderen nie einen Zugang finden. Ich für meine Teil zähle mich zu ersteren und bin deshalb auch wieder einmal restlos begeistert. Und da ist es auch egal, dass sich die Band eigentlich musikalisch seit ihrem Debüt nicht großartig weiter entwickelt hat. Das will man im Grunde auch gar nicht. Denn wenn Eddie eins kann, dann ist es Texte schreiben. Woher der sonst so schüchterne Prince Charming seinen verrückten Ideen nimmt, wird mir aber weiterhin ein Rätsel bleiben. Schmunzelfaktor: 10/10

Anspieltipps: “Clever Clever Jazz”, “Sealand”

DeWolff | Orchards/Lupine

Da wären die Tulpen, der Käse, die Clogs und allem voran die wässrigen Tomaten. Alle diese Sachen haben eins gemein: Sie sind niederländische Exportschlager. Und so sehr man die folgende Aussage nach den niederländischen Beiträgen zum Eurovision Song Contest auch abstreiten möchte – Die Niederlande haben auch vorzügliche Musiker in ihren Reihen. In diese Kategorie fallen auch DeWolff, ein Trio mit Rückbesinnung auf den Rock, so wie er damals in den 60ern und 70ern noch praktiziert wurde. Mit eine Prise Blues gewürzt, dem ein oder anderen Gitarrensolo parat und der entstaubten Hammond-Orgel am Start durften die Niederländer auch schon internationale Größen wie die Black Keys unterstützen. “Orchards/Lupine” ist bereits ihr zweites Album und führt den Sound des Debüts “Strange Fruits and Undiscovered Plants” konsequent fort.

Anspieltipps: “Everything Everywhere”, “Pick Your Bones Out Of The Water”

tUnE-yArDs | W H O K I L L

Es wird sie immer geben, die experimentellen Platten, zu denen manche einfach keinen Zugang finden. Und dabei muss es nich immer um die aufstrebenden Genies aus dem Electro-Bereich wie z.B James Blake gehn. Auch im Folk trifft man Paradiesvögel mit ganz eigenem Verständnis für Musik an. Dazu zählt auch Merrill Garbus mit ihrem One-Woman-Projekt tUnE-yArDs. Zugegeben, bei der infantilen Schreibweise vermutet wohl keiner, dass die gute Dame bereits die 30 überschritten hat. Und sie scheint auch gedanklich jung geblieben zu sein. Anders ist die wilde Genre- und Instrumenten-Mischung in den auf “W H O K I L L” vertretenen Songs nicht zu erklären. Hier ein bisschen Afrobeat mit Jungle-Feeling, andernorts schon wieder ein bisschen mehr R&B, Hip-Hop oder auch mal Electro. Und darüber kraftvolle Melodielinien, eingängige Beats, Saxophone und die kapriziöse Stimme von Merrill. Und die überzeugt wahrlich nicht nur in den ekstatischen Songs, wie sie in dem ruhig gehaltenen “Wolly Wolly Gong” beweist.

Anspieltipps: “My Country”, “Wolly Wolly Gong”, “Killa”

Francesco Wilking | Die Zukunft Liegt Im Schlaf

“Support your local artist!”, hört man es immer aus dem Radiosender der Region schallen. Aber wie soll man das denn tun, wenn man die wahren Talente meist erst durch eigene langwierige Recherche aufstöbert. Aber wenn es um deutsche Singer-Songwriter geht, wird einem die Arbeit ja glücklicherweise durch die Sendung TV Noir (oder nennen wir es Institution) abgenommen. Charmant führt Moderator und selber fleißiger und in der Szene geschätzter Liedermacher Tex durch die Show, in der pro Monat immer wieder neue (inter)nationale Talente ihre Lieder zum besten geben. So bin ich auch zu Francesco Wilking gekommen. Der Tele-Sänger veröffentlicht mit “Die Zukunft Liegt im Schlaf” sein Solo-Debüt und wirkt dabei mit seinen gemütlichen Alltags-Liedern und der tief auf der Nase sitzenden Brille auf Anhieb sympathisch. Die Texte tun dann ihr Übriges dazu. So muss es z.B. nicht immer um den lieben Herzschmerz gehen. Man kann doch auch mal den Arbeitstag eines Ministern beleuchten (“Minister”), der bei weitem nicht so glücklich in seinem Job ist, wie man es von ihm vermutet.

Anspieltipps: “Sag Sarah”, “Leben Ist Liebe”

Nicolas Jaar | Space Is Only Noise

Eben schon mal angesprochen, kommen wir nun zu einem dieser erwähnten jungen Genies der elektronischen Musikszene. Gerade mal 21 Jahre alt, bringt Nicolas Jaar, wie der gebürtige New Yorker heißt bereits sein Debüt “Space Is Only Noise” heraus. Als Produzent hat er sich in New York schon einen Namen gemacht – mit 21 Jahren wohlgemerkt. Wie auch der musikalisch sehr ähnlichen Platte von Kollege James Blake kam auch seiner Scheibe sehr Aufmerksamkeit von Seiten der Kritiker zu. Und eine 8,4 (Best New Music) auf Pitchfork bekommt man auch nicht im Vorbeigehn. Was also macht seine Musik aus. Zum Einen die stets konspirativ anmutende und über weite Strecken sonore Stimme des New Yorkers. Dann natürlich auch die Zweisprachigkeit, Englisch/Französisch, die sich sowohl in den Songs, als auch in den Titelnamen manifestiert. So heißt das geteilte Intro/Outro kurz und vielsagend “Être”. Beinahe wie bei Shakespeare. Zu guter letzt sind da die raffinierten Songstrukturen. Wie z.B. bei “Variations”, das sich langsam aufbaut und dann über 3 Minuten repetitiv und beinahe psychedelisch vor sich hin schaukelt.

Anspieltipps: “Space Is Only Noise”, “I Got A Woman”

Metronomy | The English Riviera

Und wieder eine Band, die ich auf meiner “Must See Live”-Liste vor kurzem abhaken konnte. Auch wenn das Konzert von Metronomy letztens im Lido nicht ganz reibungslos vonstatten ging (ich berichtete), so hat es sich doch alle mal gelohnt. Das Zweitwerk “Nights Out”, dass noch in der ursprünglichen Drei-Mann-Besetzung eingespielt wurde, habe ich seit seinem Release immer wieder rauf und runter hören können, ohne genug davon zu haben. Wer eine quietschende Tür als rhythmusgebendes Geräusch sinnvoll in einen Song einbauen kann (“Heartbreaker”), verdient einfach meinen Respekt. Umso gespannter war ich auf das neue Album “The English Riviera”. Zugegeben, würde man ein Album nach dem Cover bewerten, wäre es ein glatter Reinfall gewesen. Aber wir beurteilen ja zum Glück nach den inneren Werten, also der Musik. Und die ist auf dem Drittling wesentlich ruhiger als noch auf dem Vorgänger, was vielleicht auf das mittlerweile vierköpfige Lineup zurückzuführen ist. Ab und zu kommt das alte Metronomy-Feeling noch auf und dann ist auch der sonst so kritische Musikliebhaber begeistert.

Anspieltipps: “The Bay”, “The Look”

The Pigeon Detectives | Up, Guards And At ‘Em!

Einst von MotorFM zur Band der Stunde gekürt, ist das britische Quintett der Taubendetektive doch wieder in Vergessenheit geraten. Warum eigentlich? Denn mit “Up, Guards And At ‘Em” beweisen sie wieder einmal aufs Neue, dass sie noch das Zeug haben, rockige Ohrwurmkandidaten zu produzieren. Ich erinnere mich noch gut an die Heavy Rotation, die “This Is An Emergency” vor 3 Jahren bei mir durchlaufen hat. Nun also sind sie mit dem mittlerweile dritten Album am Start. Viele werfen ihnen vor, ihr Sound hat sich seit der Bandgründung kaum verändert, verglichen mit musikalischen Landsleuten wie den Arctic Monkeys o.ä. Nun sehe ich darin persönlich keinen Kritikpunkt, immerhin hat mir ja schon das Debüt zugesagt. Und so lahm, wie die Musik der Monkeys mittlerweile ist, brauchen sich die Detectives diese Vorwürfe auch nicht unbedingt zu Herzen zu nehmen. Denn die Platte wartet mit einem guten Song nach dem anderen auf. Ob die Single “Done In Secret” oder der Opener “She Wants Me”. Der charmante British Accent von Sänger Matt gibt den Songs dann noch das gewisse Unverwechselbare.

Anspieltipps: “She Wants Me”, “Lost”

Mazes | A Thousand Heys

Zurück zum Folk. Genauer gesagt zu ein wenig folkigem Rock frisch aus der Garage. So praktiziert von dem Londoner Quartett Mazes auf ihrem Erstling “A Thousand Heys”. Ihre Musik mutet ein wenig retro an und weiß durch mitreißende Refrains und die gelungene Kombination von Stimme und Melodie zu überzeugen. Dabei haben es die Jungs nicht gerade leicht, denn mit ihrem Sound stehen sie, ob sie es wollen oder nicht, im Vergleich mit den so erfolgreichen Youngstern von Yuck. Und diesen Vergleich können sie beim besten Willen nicht bestehen. Aber das alleine ist ja wohl kein Grund eine Platte gleich wieder ad acta zu legen. Es lebe die Individualität! Und ganz davon abgesehen ist kein Song der letzten Zeit für mich so catchy wie “Most Days”.

Anspieltipps: “No Way”, “Most Days”

TV On The Radio | Nine Types Of Light

Und wieder alte Bekannte, die der Musik noch nicht überdrüssig geworden sind. Aus dem kulturellen Schmelztiegel New York liefern TV On The Radio mit “Nine Types Of Light” ihr mittlerweile fünftes Studioalbum ab. Und manövrieren sich damit endgültig in Pop-Gewässer. Aber der Weg war weit. Wo sich bei “Desperate Youth, Blood Thirsty Babes” 2004 noch die Geister schieden, während ich mich über Titel wie “Staring At The Sun” oder “Poppy” freute, da kam zunächst mit “Return To Cookie Mountain” (2006) der Einstieg in die Clubplaylisten (“Playhouses”). Mit dem 2008 erschienen “Dear Science” rückte man der Popularität mit der Singleauskopplung “Golden Age” wieder ein wenig näher. Und nun, mit “Nine Types Of Light” hat man sich eine breite Fanbase geschaffen. Das ist wahrscheinlich auf die nicht mehr ganz so chaotisch wirkenden Songstrukturen zurückzuführen, wie schon die erste Single “Will Do” unter Beweis stellt.

Anspieltipps: “Second Song”, “New Cannonball Song”, “Caffeinated Consciousness”

Fleet Foxes | Helplessness Blues

Immer diese Crux mit dem zweiten Album. Viele zerbrechen an dem Hype um ihr Erstwerk und verschwinden dann mit dem Follow-Up in der Versenkung. Deshalb war ich mit meinen Erwartungen an den zweiten Longplayer der Fleet Foxes, der da auf den Namen “Helplessness Blues” hört, sehr vorsichtig. Aber eben das Konzept, was auch schon das selbstbetitelte Debüt so erfolgreich gemacht hat, funktioniert auch hier wieder prächtig. Dazu nehme man lediglich die Stimme von Robin Pecknold, lasse sie durch den Raum schallen und füge hier und da ein wenig A Capella-Begleitung seiner Bandkollegen hinzu. Außer einigen Akustikgitarren und Schellenringen braucht es an Instrumentarium gar nicht viel mehr. Und trotz dieses Minimalismus schaffen es die Songs jedes Mal aufs Neue, den Hörer für den Moment in eine andere Welt zu entführen und die Probleme des Alltags zu vergessen. Dafür wird Musik gemacht.

Anspieltipps: “Montezuma”, “The Plains / Bitter Dancer”

Damit geht diese Runde hörenswerter Empfehlungen auch schon wieder ihrem Ende entgegen. Aber ich kann euch trösten. Aufgrund des langen Zeitraums seit den letzten “Must Hears” der Saison wartet der nächste Artikel auch schon wieder in der Pipeline. In diesem Sinne: Come back, if you wanna!

MfG Ern

2011: Round Two

// 22. 03. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Die Musik schläft nie. Und so wundert es auch niemanden, dass sich trotz noch nicht allzu langer Zeit seit dem letzten Review, okay, seit geraumer Zeit, wieder herrliche Platten angefunden haben, die es wiederum verdienen, marktschreierisch angepriesen zu werden. Diesmal mit erstaunlich viel nationalem Material. Thumbs up!

Wye Oak | Civilian

Heimatverbundenheit ist doch etwas Schönes. Und weil das so ist, haben sich Jenn Wasner und Andy Stack kurzerhand gedacht, ihre 2006 ursprünglich als Monarch gegründete Kombo in Wye Oak umzubennen. Denn der Wye Oak war bis zu seiner Zerstörung im Jahre 2002 “der” Baum des Staates Maryland, mit immerhin stolzen 10 Metern Umfang. Auf ihrer neuen Platte “Civilian” manövrieren sie gekonnt zwischen Folk Rock und Dream Pop umher. Und erweisen sich dabei als echte Multitalente, gerade was die Instrumente betrifft. So bedient Andy gleichzeitig Drums und Keyboard, achja… singen muss er nebenbei auch noch. Hut Ab! Jenn sing natürlich die meisten Parts der Songs und hat eine Stimme zum Dahinschmelzen, ein wenig wie Elizabeth Powell von Land Of Talk. Das wird gerade bei dem herausragenden Titeltrack “Civilian” deutlich.

Anspieltipps: “Civilian”, “The Alter”

The Joy Formidable | The Big Roar

Begeben wir uns über den großen Teich zu unseren Friendos, die derzeit “very amused” sein dürften. Denn mit The Joy Formidable haben die Briten mal wieder eine hervorragende Band parat, die mit “The Big Roar” auch noch ihr LP-Debüt feiern können. Ritzy Bryan und Rhydian Dafydd kommen, wie es der Name schon vermuten lässt, aus dem schönen Wales – zumindest ursprünglich. Nachdem Ritzy zwischenzeitlich in Washington DC verweilte und Rhydian es sich in Manchester bequem gemacht hatte, brachte das Schicksal die beiden doch wieder zusammen und gemeinsam mit Drummer Matt Thomas startete die Dreier-Truppe von nunan ihre Machenschaften in London. Herausgekommen ist eine feine Popplatte mit Anlehnungen an die Yeah Yeah Yeahs und  Blood Red Shoes.

Anspieltipps: “Austere”, “Whirring”

Bibio | Mind Bokeh

Wikipedia sagt: “In photography, bokeh is the blur, or the aesthetic quality of the blur, in out-of-focus areas of an image.” Mind Bokeh bezeichnet also gewissermaßen eine gedankliche Unschärfe. Und die merkt man dem Album von Experimentalist Stephen Wilkinson aus Großbritannien aka Bibio auch an. Keinesfalls im schlechten natürlich. Denn der Mann weiß was er tut, er hat immerhin “sonic arts” an der Middlesex Uni in London studiert. “Mind Bokeh” ist nun schon sein sechstes Album innerhalb von 6 Jahren. Und was der Begriff bokeh schon vermuten lässt, manifestiert sich dann auch akustisch auf dem Album. Die Vielfalt haut einen schier vom Hocker: Von Naturgeräuschen (“Excuses”) über die dominierenden Folktronica-Töne bis hin zu gestandenen Rock-Tracks (“Take Off Your Shirt”) ist alles vertreten. Prisen von Hip Hop (“Anything New”), orientalischen Samples (“Wake Up!”) und sogar reinrassigem Funk (“Light Sleep”) sind auch nicht zu überhören. Gäbe es einen Vielseitigkeitsaward, Bibio hätte ihn sowas von in der Tasche.

Anspieltipps: “Take Off Your Shirt”, “Light Sleep”

The Strokes | Angles

Wer hätte es gedacht, dass sie sich doch noch einmal zusammen raufen? Über 5 Jahre sind seit Veröffentlichung des letzten Albums der Väter des Indie Rocks vergangen und nicht wenige erklärten das Projekt in der Zwischenzeit für tot oder hatten sich einfach mit dem Open End abgefunden. Doch nach mehr oder minder erfolgreichen (Solo-)Projekten von Fabrizio Moretti (Little Joy), Albert Hammond, Jr. und Frontmann Julian Casablancas schienen sie sich endlich auf das zurückzubesinnen, was sie am besten können: Zusammen in einer Band spielen. Als Ergebnis dessen ist das neue Album “Angles” zu sehen. Und als wäre der Name Programm, gewährt die Scheibe eine musikalische Einsicht aus mehreren Blickwinkeln. Während sie mit Songs wie der Vorabsingle “Under Cover Of Darkness” oder “Gratisfaction” Erinnerungen an die Indie Rock-Meilensteine von “Is This It?” aufkommen lassen, schaffen sie es andererseits, mit Leichtigkeit in den bis dato unerforschten Gewässern des Pops (“Machu Picchu”, “Two Kinds Of Happiness”) rumzutreiben. Aber ohne schwermütige Songs kommt Herr Casablancas eben auch nicht aus. Allen Fans des Depri-Garanten “On The Other Side” sind die Tracks “You’re So Right” und “Metabolism” zu empfehlen. Alles in allem eine solide Platte, die zeigt, dass die Herren es noch drauf haben. Hoffen wir also, dass die Chemie weiterhin stimmt und uns von nunan in kürzerem Abstand Alben erwarten.

Anspieltipps: “Machu Picchu”, “You’re So Right”

The Kills | Blood Pressures

“Was ist eigentlich deine Lieblingsband?” ist eine Frage, die man häufig gestellt bekommt und auf die man meistens ausweichend antworten muss. Getreu dem Motto “Jede Band hat so ihre Finessen.”. Müsste ich mich aber tatsächlich auf eine festlegen, wären das wohl die Kills. Das Frisch-aus-der-Garage-Feeling gepaart mit den Stimmen von Jamie “Hotel” Hince und Alison “VV” Mosshart ist einfach ein Traum. Da kann man es ihnen auch nicht übel nehmen, dass sie sich mit dem letzten Album “Midnight Boom” wieder ein Stück mehr weg von ihren Blues/Lo-Fi-Wurzeln bewegt haben. Und auch wenn man VV in den letzten Jahren wenigstens als Sängerin der Supergroup The Dead Weather zusammen mit Jack White erleben konnte, konnte das doch die Freude auf ein neues Album zusammen mit Jamie nur geringfügig aufwiegen. Der persönliche Umgang von Jamie hätte das Projekt “Blood Pressures” übrigens im wahrsten Sinne des Wortes beinahe ins Wasser fallen lassen. Denn seine Partnerin ist keine geringere als die kapriziöse Pudernase Kate Moss, die seinen Laptop mitsamt neuem Songmaterial nach einem Streit mal eben in den Pool verfrachtet hatte. Unschön, Miss Moss! Nun ist es aber da, das neue Album. Und ich muss gestehen, dass es für mich zwei/drei Spins mehr gebraucht hat, um zu zünden. Ausgenommen davon ist die Singleauskopplung “Satellite” (ein beliebter Songtitel in letzter Zeit). Darauf schleppen sich schrammelige Riffs und Drums mit den Gesängen von VV und Jamie über die Strophen, um mit einem großartigen Chorus gekrönt zu werden. Das obligatorische Gitarrensolo ist natürlich auch mit von der Partie. Aber mit “The Last Goodbye” ist wie auch schon mit “Black Balloon” eine wunderschöne Ballade mit dabei, die nicht viel mehr braucht als VVs Stimme und ein bisschen Klavier- und Streicherbegleitung. Eine Band, auf die Verlass ist. So muss das sein!

Anspieltipps: “Satellite”, “DNA”, “You Don’t Own The Road”

Moritz Krämer | Wir Können Nix Dafür

Widmen wir uns nach all diesen internationalen Veröffentlichungen doch endlich mal denen auf nationaler Ebene. Und dort im Speziellen der Singer-Songwriter-Fraktion. Seitdem sich Gisbert zu Knyphausen den unanfechtbaren Thron in dieser Kategorie erobert hat und ihn wohl auch nicht so schnell wieder abgeben wird, versuchen andere dennoch, ihm diese Position streitig zu machen. Mit dabei ist auch der sympathische Wahlberliner und gebürtige Schweizer Moritz Krämer, der nun sein Debüt “Wir Können Nix Dafür” auf den Markt gebracht hat. Als Freund und regelmäßiger (Web-)Zuschauer von TVnoir, einer hochkarätigen deutschen monatlichen Singer-Songwriter-Bühne ist er mir damals mit seinem Song “Der Kleine Spatz” aufgefallen, der von einem suizidgefährdeten Spatz handelt, den Moritz kurzerhand aufpeppelt und mit in den Urlaub nimmt. Mit der beschwingten Melancholie dieses Titels sind auch die anderen Titel auf dem Album belegt. Aber wie sollte man Stories über Exfreundinnen und den Tod auch besser verpacken.

Anspieltipps: “Der Kleine Spatz”, “Nichts Getan”

Bosse | Wartesaal

Mit Bosse verbindet mich die Erinnerung an eines meiner ersten Konzerte im Jahr 2005. Damals spielten Mando Diao in der Columbiahalle und hatten sich Bosse und die New Yorker von Diamond Nights, deren Abwesenheit ich hier wieder schmerzlich feststelle, als Vorbands herangeholt.  Grandioses Konzert seinerzeit und von Bosse ist mir noch der energische Track “Kraft” in Erinnerung geblieben. Aber auch die Braunschweiger um Frontmann und Namensgeber Axel Bosse sind älter und erwachsener geworden und so liefern sie mit “Wartesaal” ein reifes Gesamtwerk ab. Schöne Texte über die Schwierigkeiten in Beziehungen, untermalt mit dezenter Instrumentalbegleitung (Klavier, Gitarre, Streicher) und dazu die zutiefst aufrichtige Stimme von Axel. Einen Tipp an all jene, die über einen Kauf des Albums nachdenken. Holt euch die Variante mit den akustischen Versionen! Nochmal ein Tick besser als die Studioversionen, grandios.

Anspieltipps: “Frankfurt Oder”, “Metropole (Akustisch)”

Mirrors | Lights And Offerings

Nach all dem ruhigen und akustischen Material wieder ein bisschen mehr Elektronik und Beats. Und wenn ich den nun folgenden Record “Lights And Offerings” der Mirrors mit in eine Zeitmaschine mitnehmen würde, um sie sodann in den 80ern abzuspielen, frage ich mich, ob dort irgendjemand ahnt, dass es sich tatsächlich um Zukunftsmusik handelt. Denn hat man den Retro-Sound so weit perfektioniert, dass niemand mehr den Unterschied raushört. Und es scheint zu gefallen, nicht umsonst sind Bands wie Hurts momentan so erfolgreich bzw. Veteranen wie OMD wieder dick im Geschäft. Und wenn man sich eben ab und zu für ein wenig Synthpop begeistert, dann sind die vier Jungs aus Brighton eben genau die richtige Wahl.

Anspieltipps: “Hide And Seek”, “Secrets”

Does It Offend You, Yeah? | Don’t Say We Didn’t Warn You

Weniger wie Einheitsbrei, noch wie irgend etwas, das man sonst schon mal gehört hat, klingen Does It Offend You, Yeah?. Originalität haben sie wie man sehen kann, nicht nur beim individuellen Dance-Punk-Sound, sondern auch bei der Wahl des Bandnamens bewiesen. Mit “Don’t Say We Didn’t Warn You” kommt nun ihr Zweitwerk in die Läden und so viel sei gesagt: Das Hören macht verdammt viel Spaß. Wer bei dem Akustik-Intro zu “We Are The Dead” denkt, er könne die Boxen noch ein bisschen aufdrehen, wird diese Entscheidung bereuen sobald der Beat einsetzt. Überhaupt gibt es auf dem Album nur die beiden Extrema laut und leise, dazwischen nur ab und zu mal fließende Übergänge. Live sollen die 5 Jungs aus Reading ja der absolute Hammer sein, Frontsänger James Rushent hat zum Beispiel auch ein gebrochenes Bein nicht davon abgehalten noch eine Zugabe für die Fans zu spielen. Das ist Spirit!

Anspieltipps: “We Are The Dead”, “The Monkeys Are Coming”

Dadajugend Polyform | Louis De Marsalle

Angefangen hat alles im kleinen Städtchen Kulmbach, wo sich das Dreiergespann Enno, Holger und Lena am heimischen Computer erste Tracks ausdachte. Erstmals auf sich aufmerksam machten Dadajugend Polyform, wie sie sich fortan nannten im Jahre 2009, als sie auf dem angesehenen Hamburger Label Audiolith (Frittenbude, Ira Atari etc.) eine Remix-EP rausbrachten. Nun haben sie ihr erstes eigenes Werk mit dem Titel “Louis De Marsalle” herausgebracht. Zur Erklärung des Albumtitels: “Benannt ist die LP nach dem expressionistischen Maler und Grafiker Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) bzw. seinem Pseudonym „Louis de Marsalle“, unter dem er -in festem Glauben, dass trotz hoher Anerkennung seine Kunst in der Presse nicht genug Aufmerksamkeit fände- kurzerhand selbst Kritiken und Aufsätze zu seinen eigenen Werken schrieb“. Weißte bescheid. Die Songs sind grob dem Electro-Punk zuzuordnen, mit stimmlichen Ähnlichkeiten zu !!! (Chk Chk Chk) und den B-52s.

Anspieltipps: “Chronicle”, “Legacy”

Ghost Of Tom Joad | Black Musik

Die Münsteraner sind zurück. Auch wenn man bei der Verwendung eines Bruce Springsteen-Titels als Bandname eine Rocktruppe erwartet, wird man von den Post-Punkern nicht enttäuscht werden. “Black Musik” ist mittlerweile ihr Drittwerk und ja, ich habe mich beim Albumtitel tatsächlich nicht verschrieben, wie ihr auf dem Cover Links nachprüfen könnt. Es gibt viele Möglichkeiten, so einen Titel zu wählen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Sänger Henrik häufig vorgeworfen wird, des Englischen in den Songs nicht ganz so mächtig zu sein, erscheint mir ein wenig Selbstironie da nur angebracht. Musikalisch hat man sich auch weiter entwickelt. Nachdem die erste Platte “No Sleep Until Ostkreuz” tatsächlich noch eine Post-Punk-Scheibe war, hat man sich nun in der dritten LP voll und ganz dem New Wave hingegeben. Die Gitarren wurden fast vollends gegen Synthies eingetauscht. Und die Drums rücken klanglich auch eine Reihe nach vorne. Ich würde fast sagen, das Album ist drumzentrisch. Aber wenn man weiß, wie man es machen muss, ist Weiterentwicklung ja ne feine Sache. Und dass die drei Jungs um Henrik es wissen, haben sie spätestens mit der Titelsingle “Black Musik” bewiesen.

Anspieltipps: “Black Musik”, “Wild Thing”

VETO | Everything Is Amplified

Dänemark ist eindeutig eine Exportnation. Als erfolgreichstes Exportgut haben sich Musiker erwiesen. Die Grande Nation kann trotz kleiner lokaler Ausdehnung auf große Namen schauen. Da wären die von mir sehr geschätzten Nephew, Dúné, Death By Kite, WhoMadeWho, Spleen United, Raveonettes und die mir nur dem Namen nach bekannten Efterklang, Mew und Trentemöller. Zu dieser illustren Runde gesellen sich jetzt auch die Jungs von VETO. Und die sind nicht etwa neu im Geschäft, nein, 2 Alben haben sie schon draußen. Und nun kommt mit “Everything Is Amplified” ihr Drittwerk raus. Das Motto gilt hoffentlich auch für ihren Ruf, den sie brauchen sich wirklich nicht vor ihren Landsmännern von WhoMadeWho oder Spleen United zu verstecken. Herrlich melancholische Sinfonien und ein Genuss für alle Sinne.

Anspieltipps: “Fell Into Place”, “Spun”

Egyptian Hip Hop | Some Reptiles Grew Wings

Zum Schluss mache ich etwas, was ich sonst eigentlich vermeide. Ich stelle kurzerhand noch eine junge Band mit ihrer EP “Some Reptiles Grew Wings”. Bei dem Bandnamen Egyptian Hip Hop erwartet man nicht unbedingt ein Quartett aus Manchester. Aber die Jungs mit den windschiefen Haarschnitten machen erfrischenden Electropop mit Ohwurmcharakter (“Rad Pitt”) und gehören deswegen unbedingt gefeatured. Wann ein Longplayer ansteht, weiß ich nicht, ich hoffe aber auf Bälde. Ansonsten kann ich immer noch die Daumen drücken, dass sie vielleicht für den Metronomy-Gig demnächst eingespannt werden. Verwechselnd ähnliche Basslines haben sie ab und zu sowieso schon.

Anspieltipp: “Rad Pitt”

In diesem Sinne viel Spaß beim Reinhören!

MfG Ern

Review: Rise Against – Endgame

// 14. 03. 2011 // 3 Kommentare » // Musik, Plattenteller

Hier im Hauptquartier von iophobia haben wir generell unterschiedliche Geschmäcker was Musik betrifft. Und das ist wahrscheinlich auch ganz gut so, schließlich fördert es die Bandbreite der Bands die auf dieser Seite genannt bzw. vorgestellt werden. Doch hin und wieder treffen wir uns in der kleinen aber dennoch vorhandenen Schnittmenge unserer musikalischen Vorlieben. Und ganz genau dort befindet sich Rise Against. Warum ist das so? Einerseits sind es die eingängigen Riffs und die markante Stimme von Sänger Tim McIlrath, andererseits die vor allem auf den früheren Alben erkenbaren Hardcore-Wurzeln, die diese Band für unterschiedliche Geschmäcker attraktiv macht. Es lässt sich allerdings spätestens auf der letzten Platte Appeal To Reason eine Entwicklung weg vom Hardcore hin zu einem fast reinrassigen Punkrock ausmachen.  Ob sich dieser Trend auf dem neuesten Werk  Endgame fortgesetzt hat, soll im Folgenden erörtert werden.

“Architects” beginnt mit einem kurzen Gitarrenintro, um dann unmittelbar von wuchtigen Gitarenriffs und dem treibenden Schlagzeug abgelöst zu werden. Tim McIlraths markante raue Stimme findet den Weg ins Ohr des Hörers, während die gewohnt stark verzerrten Gitarren im Verlauf der Strophen etwas Fahrt rausnehmen, nur um im Refrain umso gewaltiger zurückzukehren. Der leichte Rhythmuswechsel zwischen Strophe und Chorus ist präzise und passend dargeboten, spätestens bei der Bridge weiß man: hier handelt es sich um einen grundsoliden Rise Against Song, der eben auch mühelos als solcher erkennbar ist.

Und damit komme ich auch schon zum großen Problem der Platte. So solide jeder Song für sich genommen auch ist, so wäre eine separate Beschreibung nahezu identisch mit der von “Architects”. Jeder Titel funktioniert nach dem gleichen Schema, selbst die Länge der einzelnen Tracks unterscheidet sich kaum und variiert zwischen 3:24 und 4:18 Minuten.

Nur selten kommt ein wenig Abwechslung ins Spiel. So heben sich  “Satellite” und “Wait For Me” etwas vom Rest ab. Und das durch die schlichte Tatsache, dass es dort auch Passagen gibt, in denen entweder das Schlagzeug oder die besaiteten Instrumente kurz schweigen. Doch das sind leider kaum nennenswerte Ausnahmen. Wo, so fragt man sich unweigerlich, sind McIlraths Shouts abgeblieben? Gerade die stimmliche Varianz hatte immer den großen Reiz an der Musik von Rise Against ausgemacht. Ebenfalls abwesend: die sonst immer zielsicher im hinteren Drittel platzierte Akustikballade. Ob das nun gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Der musikalischen Abwechslung zuliebe, hätte eine etwas ruhigere Nummer sicherlich nichts geschadet.

Textlich werden in den Songs wieder politische und gesellschaftliche Themen verhandelt. Dabei schwingt immer ein  “Ende der Welt wie wir sie kennen”-Duktus mit, ohne dabei jedoch apokalyptisch rüberzukommen. Der Albumtitel Endgame ist da sicherlich passend, spiegelt er doch die letzte Phase einer Schachpartie wider, in der der Ausgang offensichtlich ist.

Insgesamt liefern Rise Against mit Endgame 12 ordentliche Songs ab, die zwar die gewohnten Zutaten beinhalten, jedoch die melodiöse Eingängigkeit vergangener Werke (The Sufferer and The Witness, Siren Song of the Counter Culture) vermissen lassen. Auch nach mehrfachem Durchhören habe ich immer noch Schwierigkeiten die einzelnen Tracks auseinanderzuhalten. Der Trend von Appeal to Reason setzt sich also tatsächlich fort, soll heißen: weniger Hardcore-Elemente, dafür mehr glatt- rau-polierter Post-Punk – hörenswert, aber ein bisschen langweilig.

Wertung: 3/5

 ★ ★ ★ ☆ ☆  

 

Rise Against - Endgame
  1. Architects
  2. Help Is On The Way
  3. Make It Stop (September’s Children)
  4. Disparity By Design
  5. Satellite
  6. Midnight Hands
  7. Survivor Guilt
  8. Broken Mirrors
  9. Wait For Me
  10. A Gentlemen’s Coup
  11. This Is Letting Go
  12. Endgame