Archiv für Plattenteller

2011: Round One

// 02. 03. 2011 // 1 Kommentar » // Musik, Plattenteller

Welch Faux-Pas. Ein Blog lebt von regelmäßigen Einträgen und nun habe ich den Salat. Meine Musiksammlung wächst und wächst und so haben sich seit Beginn des Jahres bereits jede Menge hörenswerte Platten angesammelt, die ich euch nun etwas verspätet vorstellen möchte.

Fujiya & Miyagi | Ventriloquizzing

Eine Ode an “Karate Kid” und ihr Aufnahmegerät der damaligen Zeit, das ist der Bandname Fujiya & Miyagi. Und auch wenn sie sich grob der Kategorie “Elektronische Musik” zuordnen lassen, so grenzen sie sich doch in ihrem Sound klar von anderen im Genre ab. Dafür ist natürlich in erster Linie Sänger David Best verantwortlich. Auch auf ihrer neuen Scheibe “Ventriloquizzing” (zu deutsch: Bauchreden) manövriert er wieder gekonnt zwischen Singen und Hauchen. Leider ist auch das rollende R nicht mehr ganz so charakteristisch wie auf den Vorgängern. Nichtsdestotrotz bietet das Album die gewohnt lässige Atmosphäre mit klarer Baseline und repetitivem Chorus, wie man es von den Jungs aus Brighton gewohnt ist. Einen offizielen Trailer zum Album will ich euch übrigens nicht vorenthalten.

Anspieltipps: “Sixteen Shades Of Black & Blue”, “Ventriloquizzing”

Iron & Wine | Kiss Each Other Clean

Von der elektronischen Musik zum Folk bzw. der Singer-Songwriter-Bewegung. Und in diesem Fall nicht zu irgendwem, sondern zu Sam Beam aka Iron & Wine, der neben Conor Oberst (Bright Eyes) als führender Vertreter eben dieser Bewegung zu sehen ist. Mal davon abgesehen, dass mir das Cover seines neuen Albums aufgrund seines Stils schon außerordentlich zusagt, geben sich auf “Kiss Each Other Clean” zu allem Überfluss auch noch hervorragende Tracks die Klinke in die Hand. Dabei greift Mr. Beam übrigens neben der genretypischen Akustikgitarre auch zu diversen anderen Instrumenten, u.a. Klavier/Keyboard/Synthie, Trompete und Xylophon.

Anspieltipps: “Rabbit Will Run”, “Monkeys Uptown”

Cut Copy | Zonoscope

Zurück zum Elektro. Und diesmal nich etwa aus den Staaten oder Europa, sondern vom anderen Ende der Welt aus Australien. Und als wäre die Moderne dort noch nicht angekommen, machen die Mannen von Cut Copy um Sänger Dan Whitford Elektropop, wie man ihn sonst nur aus den 80ern kannte. Kein Wunder also, dass sich Namen wie Kraftwerk oder New Order in den Referenzen wiederfinden. Was sie uns allerdings mit der überschwemmten New Yorker Innenstadt auf ihrem Cover sagen wollen, wird zumindest mir vorerst ein Rätsel bleiben. Nach anfangs erfolgreichen Supports von Bloc Party und Franz Ferdinand auf Touren durch die USA werden sie im März jetzt nun auch erstmals als Headliner auf dem Ultra Music Festival in Miami auftreten. Wer also zu viel Geld und oder Langeweile hat oder für das Konzert in Berlin keine Karte mehr bekommen hat, nix wie los.

Anspieltipps: “Need You Now”, “Alisa”

Peter Bjorn And John | Gimme Some

Pfeifen scheint in der Musik ja eher verpöhnt zu sein. Oder wie erklärt man sich die offensichtliche Abwesenheit anders? Gut, dass es da immer ein paar Ausnahmen gibt, die sich am besten gleich noch als Ohrwurm wochenlang im Kopf festsetzen. Das beste Beispiel ist dafür ist neben “Twisted Nerve” der Song “Young Folks” von Peter Bjorn And John gewesen, welcher auf der 2006er Platte “Writer’s Block” zu finden ist. Nach einem meiner Meinung nach eher mauen Zweitwerk kehren die 3 Schweden nun mit “Gimme Some” zurück. Und wie würde man im Englischen sagen: “They deliver!” Ich hatte selten Platte wie diese, bei der alle Songs einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch das Arrangement der Tracks ist perfekt. Nachdem “Tomorrow Has To Wait” zunächst seicht in das Album führt, kommen mit dem Jungle-Beat-Song “Dig A Little Deeper” und “Second Chance” gleich die Highlights der Platte, sodass Langeweile gar nicht erst aufkommen kann. Drei Daumen hoch von mir!

Anspieltipps: “Dig A Little Deeper”, “Second Chance”

Adele | 21

Ob es später das Erinnern an die eigenen Anfänge leichter machen soll oder einen Mangel an Kreativität überdecken soll, weiß ich nicht. Aber dass Adele ihr zweites Album nun auch mit ihrem Alter brandmarkt, spricht wenigstens für Konsequenz. Und viel wichtiger ist ja der Inhalt. Und nach 2 Grammys für ihren Erstling waren die Erwartungen doch sehr hoch gesteckt. Umso schöner ist es, dass sie mit der ersten Singleauskopplung aus “21” namens “Rolling In The Deep” sogar noch übertroffen wurden. Und auch der Rest wird einer Adele gerecht. “Turning Tables” ist auf herrliche Weise emotional, ohne zu sehr in den Kitsch abzurutschen. Das liegt aber zum großen Teil an Adeles Stimme. Wie sagt man da immer so schön: Ein Timbre mit Wiedererkennungswert und kein Vibrato in allen Tonhöhen. Singen will halt gelernt sein. Und Lernen kann so manch anderer Möchtegern-Sänger von Adele noch jede Menge. Das gelungene Cover von “Lovesong” (The Cure) wird übrigens wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Anspieltipps: “Rolling In The Deep”, “I’ll Be Waiting”

Ratatat | LP4

Nun zu einem Album, dass sich unerlaubterweise reingeschmuggelt hat, denn eigentlich wurde es bereits letztes Jahr veröffentlicht und ist wie so häufig meinem Radar entgangen. Shame on me! Denn Ratatat sind ja nun wirklich schon ein Weilchen im Geschäft. Denn “LP4” ist die – wer hätte es gedacht – vierte Platte des New Yorker Duos, bestehend aus Mike und Evan. Und ihrem Sound sind sie treu geblieben. Das heißt lang gezogene, jaulende Gitarrenklänge vermischt mit feinem Synthie-Beimengungen. Als kleines Schmankerl findet sich auf dem Album tatsächlich auch mal Stimme, allerdings von einem Sample. “Drugs” beginnt z.B. mit der wohlgemerkten deutschen Phrase: “Was wird daraus, wenn der Bruno mal tot geht? Wo landen diese Sachen? Wo landen diese Instrumente? Was wird daraus?”. Amüsant, wie ich finde. Aber ein Track hat es mir im Besonderen angetan. Denn “Neckbrace” beginnt nicht nur ebenfalls mit einem Voice-Sample, sondern wird in seinem Rhythmus auch wesentlich von einem bestimmt. Das zusammen mit dem üblichen Ratatat-Sound macht beim Zuhören einfach Spaß. Weiter so, Jungs!

Anspieltipps: “Neckbrace”, “Drugs”

Cage The Elephant | Thank You Happy Birthday

Schlagen wir wieder etwas rauere Töne an. Repräsentiert durch Cage The Elephant. Die kommen aus den schönen United States of America und bescheren uns Rock mit leichtem Hang zum Punk. “Thank You Happy Birthday” ist nun ihr zweites Album, nachdem das erste durch Tracks wie “Ain’t No Rest For The Wicked” überzeugen konnte. Das zweite Album wirkt nun so, als hätten alle Beteiligten vor den Studioaufnahmen noch mal ein paar Muntermacher eingeworfen, um das Album in einer einzigen Schicht. Das ist keinesfalls abwertend gemeint. Man merkt lediglich die Energie, die in jedem Song steckt. Allerdings wirken die Protagonisten auch teilweise etwas neben der Spur, wie bei wirrem Gestammel z.B. in “Indy Kidz“. Ist aber mal was Neues. Ob das dr Fanbase des ersten Albums gefällt, sei dahin gestellt. Mein persönliches Highlight ist aber “Sabertooth Tiger“. Das klingt für mich nach einem verschollenen Killradio-Song und erhält deshalb das Prädikat “besonders wertvoll”.

Anspieltipps: “Sabertooth Tiger”, “Indy Kidz”

Deerhof | Deerhof vs. Evil

Mit dem experimentellen Rock ist das schon so eine Sache. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. So dürfte es sich auch für Deerhoof‘s neue Platte “Deerhoof vs. Evil” verhalten, denn die probieren fleißig immer wieder neue Sachen aus. Die Melodiestrukturen und Instrumente wechseln quasi mit jedem Song. Da klingt “Almost Everyone, Almost Always” noch nach einem Flaming Lips-Tribute und im nächsten Moment ist man mit “No One Asked To Dance” fast bei einem reinrassigen Folk-Stück angekommen. Aber mal ehrlich: Konzeptalben sind schließlich auch was für Langweiler. Und man muss der Truppe um Satomi und Greg immerhin anrechnen, dass sie in keinem Genre, dass sie im Verlaufe des Albums ankratzen einen schlechten Eindruck hinterlassen. Abgerundet wird das Hörerlebnis durch den unüberhörbaren japanischen Akzent von Satomi. So cute.

Anspieltipps: “The Merry Barracks”, “I Did Crimes For You”

Marc-Uwe Kling & Die Gesellschaft | Marc-Uwe Kling & Die Gesellschaft

Lassen wir dem Spaß doch auch mal seinen Auftritt. Personifiziert in diesem Fall durch einen Herren mit dem klangvollen Namen Marc-Uwe Kling. Wer sich jetzt denkt “Das kann noch nur irgend so ein Kleinkünstler sein.”, hat damit natürlich völlig recht. Na gut, vielleicht nicht irgendeiner, denn auf eine gewisse Popularität kann er sich ja inzwischen schon berufen. Als Botschafter der Poetry Slams, auf denen ich ihm als Zuschauer/-hörer ja in Potsdam regelmäßig über den Weg laufe, war er immerhin schon bei Stefan Raab zu Gast. Außerdem hat man ihm beim Radio Fritz eine Rubrik spendiert, in der er jede Woche “Neues vom Känguruh” erzählt, mit dem er, zumindest fiktiv, zusammenwohnt. Im Laufe der Jahre haben sich bei dem Hobby-Gitarrenvirtuosen natürlich auch etliche Songs angesammelt, die hier und da auf Poetry Slams, aber auch gerne mal im Fernsehen zum Besten gegeben wurden. Einigen dieser Titel kam nun die Ehre zu Teil, mit Band aka Die Gesellschaft eingespielt zu werden. Das ergibt ein Album mit fast 50 Minuten Entertainment und der typischen apathischen Spritzigkeit eines Marc-Uwe Kling.

Anspieltipps: “La La La Langweilig”, “Hörsprechgarnitur”

Yuck | Yuck

Und der Phönix entsteigt der Asche und ward so schön wie man ihn vorher noch nie gesehen hatt’. Das ist zumindest erst einmal eine grobe Beschreibung für Yuck. Denn Yuck besteht nich unwesentlich aus ehemaligen Mitgliedern der offenbar aufgelösten Cajun Dance Party, die mein Wissenschaftler-Herz mit Songs wie “Amylase” höher schlagen ließ. Aber man kann Max Bloom (Gitarre) und Danny Blumberg (Vocals) ihre Entscheidung nicht übel nehmen, zumindest wenn man erst einmal in Yuck reingehört hat. Denn mit dem neuen Bandnamen kam auch der neue Sound. Denn den Indie Rock haben sie zugunsten eines herrlich schrammeligen Lo-Fi/Shoegaze-Spekatakels ad acta gelegt. Hier und da schmuggeln sich auch mal ein paar sanftere Töne dazwischen wie bei z.B. “Shook Down“, für das auch Danny’s jüngere Schwester ein paar Vocals beisteuert. Am kommenden Freitag kann ich mich ja dann auch mal von der Live-Performance der Truppe überzeugen.

Anspieltipps: “Get Away”, “Holing Out”

Starfucker | Reptilians

Sich aus der Masse an in der letzten Zeit veröffentlichten Electro-Platten abzuheben, ist wahrlich keine einfache Aufgabe. Eine Ausnahme ist da Starfucker, ein Quartett aus Portland, die im Grunde genommen auch nur mit Wasser kochen. Aber die Songs bleiben nach dem Hören zum Glück hängen. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich “Millions” in den letzten Wochen gehört habe. Ein weiteres Schmankerl sind übrigens die im Album ab und zu auftauchenden Voice-Samples, ähnlich denen bei Ratatat. So wird am Ende von “Mystery Cloud” z.B. darüber philosophiert wie gut eine Kontemplation über den Tod der Kreativität auf die Sprünge hilft. Ich frage mich immer, wo man solche Samples überhaupt herbekommt bzw. ob sie denn tatsächlich einen konkreten Bezug zum Album haben. Nehmen wir es einfach mal an.

Anspietipps: “Millions”, “Bury Us Alive”

Lia Ices | Grown Unknown

Wir machen einen kurzen Abstecher zu den Singer-Songwritern, genauer gesagt zu den weiblichen. Dorthin, wo die gute Florence seit der Veröffentlichung ihres Albums thront. Doch mit Lia Ices hat sie jetzt mal wieder eine Konkurrentin mehr zu fürchten. Denn die hat Anfang des Jahres ihr Debütalbum “Grown Unknown” veröffentlicht. Und darauf geht es so traurig zu, wie man es derzeit aufkeiner anderen Singer-Songwriter-Platte findet. Untermalt wird das Ganze durch Lias virtuoses Klavierspiel und die an dramatisch passenden Songstellen einsetzenden Chöre, die Lia aber zu keiner Zeit in den Schatten zu stellen vermögen. Highlight der Platte ist zweifelsohne “Daphne“, das zu Beginn nicht viel mehr als Stimme, Cello und Gitarre braucht, um den Song voranzutreiben. Hier und da mal ein Rhythmuswechsel und passende Guest Vocals von Justin Vernon. Fazit: Eine runde, aber mit neun Tracks eine viel zu kurze Platte.

Anspieltipps: “Daphne”, “Lilac”

James Blake | James Blake

Kommen wir nun zu einem echten Revoluzzer. Zumindest musikalisch gesehen. Denn James Blake hat sich dem experimentellen Electro verschrieben und hat mit seinem selbstbetitelten Debüt ein Album veröffentlicht, dass die Kritiker aufhorchen ließ. Und damit meine ich nicht etwa irrelevante Bewertungen wie jene im Feuilleton der FAZ sondern eine “9.0” in keinem geringeren Magazin als pitchfork. Und das schafft wahrlich nicht jeder. Aber wer Genres wie Dubstep, Downtempo und Soul so mühelos zusammenschmieden kann wie der ’89 geborene Brite, hat das vermutlich verdient. Auch bei seiner Interpretation von Leslie Feists “Limit To Your Love” kann man nur staunen. Wüsste man es nicht besser, hätte es auch aus seiner Feder stammen können. Zumal er nicht mehr als ein Klavier und seine Stimme braucht, um die Message rüberzubringen. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und prophezeie diesem Jungspund eine rosige Zukunft, wenn er weiterhin so kreativ bleibt.

Anspieltipps: “Limit To Your Love”, “The Wilhelm Scream”

Rafter | Quiet Storm

Das Beste kommt zum Schluss, wie es immer so schön heißt. Auch für diesen Beitrag handhabe ich das so. Und über diesen Zufallsfund bin ich doch ziemlich glücklich gewesen. Wer einmal die Zeit hatte, in die Debütplatte der Sleigh Bells aus dem letzten Jahr reingehört hat, den dürstet es sicher nach mehr nach diesem, nennen wir es mal No-Fi-Kram. Dieser Sound, wenn man nicht weiß, ob die Trommelfelle noch dicht halten oder schon längst über den Jordan gegangen sind. Nunja, eben dieses akustische Erlebnis vermag einem auch Rafter mit der Platte “Quiet Storm” zu bescheren. Den Song “Innocence, In A Sense” hätten die Sleigh Bells z.B. eben so gut unter ihrem Namen veröffentlichen können. Wer also für extremen Lo-Fi zu begeistern ist, möge sich diese Scheibe auf Bandcamp o.ä. besorgen.

Anspieltipps: “Nothing Here Worth Stealing”, “Convenience Or Death”

Damit schließe ich  die erste Bestandsaufnahme für dieses Jahr. Ich hoffe doch, es war für jeden etwas dabei.

MfG Ern

DBVLJWENMIDCGHAUGWS!

// 08. 01. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Helas, all ihr Verrückten da draußen. Ich hoffe ihr seid gut ins neue Jahr gestartet und kämpft fleißig um die Einhaltung eurer selbst aufersetzten Vorsätze für 2011. Auf euch wartet jetzt “Das Beste Vom letzten Jahr was es nich mehr in die Charts geschafft hat, aber unbedingt gehört werden sollte” – in kurz DBVLJWENMIDCGHAUGWS. Zu viel TV Total gesehen, ich weiß, woher sollte dieser Aküfi sonst herrühren. Ein Großteil der nachfolgenden Alben ist dem “Best of 2010″-Kontingent von pitchfork/stereogum/laut.de etc geschuldet. Schließlich gehen ja hier und da mal einige Alben an einem vorbei. Ärgerlich natürlich, wenn gerade die sich als Hochkaräter herausstellen. Und genau an dieser Stelle setze ich mit meiner kostenlosen Promo an, von der sowohl ihr als auch der Interpret profitieren. Frei nach dem Motto: Ehre, wem Ehre gebührt!

Warpaint | The Fool

Was haben die Supremes, die Bangles, die 4 Non Blondes und Warpaint gemeinsam? Musikalisch glücklicherweise nichts, so gerne man sich auch mal der Nostalgie hingibt. Aber die Spitzfindigen unter euch werden schon bemerkt haben, dass es sich ausnahmslos um Frauenbands handelt. Von vielen Männern meist einfach nur belächelt und nicht ernstgenommen, gibt es aber auch immer wieder einige Perlen zu entdecken (In diesem Beitrag später übrigens noch mal eine). Die 4 Mädels von Warpaint sind irgendwo zwischen Psychedelic und Shoegaze angesiedelt, ohne damit aber dem Otto-Normal-Hörer befremdlich zu erscheinen. Den Stimmen von Sängerinnen Emily Kokal und Theresa Wayman liegt stets eine betörende Grundmelancholie inne, die durch die Stücke trägt. Umspült wird das alles von dem Post-Rock entlehnten Schlagzeugsalven und einer soliden Bassline. Ein wenig elektronische Beteiligung bringt abschließend die Würze in das Gesamtkonzept. Genau die richtige Scheibe für den Winter.

Anspieltipps: “Baby”, “Undertow”

Yoav | Foolproof Escape Plan

Mit “A Foolproof Escape Plan” hat der Wahl-New Yorker Yoav zweifelsohne eine dieser Platten des letzten Jahres veröffentlicht, bei denen ich mich geärgert habe, dass ich nich früher etwas von ihm gehört habe. Irgendwo im Folktronica angesiedelt (oh ja, diese Genreklassifikationen bringen mich irgendwann um) schafft er es dennoch seinen eigenen Sound zu kreieren. Die Songs haben meist eine einprägsame Drumline und schaffen es irgendwie, sich zwischen Wehmütigkeit auf der Einen und einer leichtfüßigen Stimmung auf der anderen Seite hin- und her zu bewegen.

Anspieltipps: “Easy Chair”, “Little Black Box”

Buke & Gass | Riposte

Über die Entstehung von Bandnamen könnte man wahrscheinlich regalefüllend Bücher veröffentlichen. Meist schweigen die Künstler aber zu diesem Thema und lassen uns Hörer im Dunkeln tappen. Buke & Gass kommen uns diesbezüglich doch sehr entgegen. Auch wenn es sich bei ihnen um ein Duo handelt, ist die naheliegende Vermutung der Künstlernamen falsch. Stattdessen beruht die Benennung auf der Tatsache, dass die beiden ihre Instrumente selber bauen. Übrigens sehr erfolgreich, denn Aron Sanchez arbeitet nachwievor als Freelancer für die Blue Man Group, wenn diese mal wieder Kreativ-Nachschub brauchen. Nun aber zurück zu ihren Instrumenten. Dabei handelt es sich um eine Bariton Ukulele aka The Buke, gespielt von Arone Dyer, und ein Gitarren-Bass-Hybrid aka The Gass, gespielt von Aron Sanchez. Der Sound, den die beiden auf diese Weise kreieren, kriegt man deshalb nirgendwo sonst zu hören. Grob sind sie aber im (Experimental) Folk angesiedelt. Und dazu die Stimme von Arone, die irgendwo zwischen Karen O, Beth Ditto uvm. flaniert. Ein Muss für Horizont-Erweiterer!

Anspieltipps: “Medulla Oblongata”, “Medicina”

Sleigh Bells | Treats

Nein, meine Kopfhörer sind nicht kaputt. Sobald man allerdings “Treats” von den Sleigh Bells anspielt, stellt sich diese Frage automatisch. Denn was Derek E. Miller (Ex-”Poison The Well“-Gitarrist) und Alexis Krauss uns da präsentieren ist Noise Pop vom Feinsten und eine mechanische Belastprobe für das Trommelfell. Entstanden ist die Kombo übrigens zufällig. Während Alexis mit ihrer Mutter gerade in einem Café saß, kam Derek vorbei, der gerade auf der Suche nach einer Sängerin für ein neues Projekt war. Von ihrer Tochter überzeugt, schlug Alexis’ Mutter sie natürlich sofort vor. Wir sagen danke für diese Initiative. Wo kriegt man schon sonst eine solche Kombination aus dumpfen Bässen, Synthie-Samples, schrammeligen Riffs hier, jaulenden Riffs da und den glasklaren, engelsgleichen Vocals + Sprechgesang von Alexis? Ich hafte natürlich nicht für zu Bruch gehende Boxen.

Anspieltipps: “Crown On The Ground”, “Infinity Guitars”

Smoosh | Withershins

Ich komme nicht umhin, oft genug Werbung für den Youtube-Channel des KEXP Radio in Seattle zu machen. Denn neulich gönnte ich mir mal wieder eine Session in besagtem Kanal und bin neben erstklassigen Live-Versionen von Junip auch noch über Smoosh gestolpert. Wie bereits bei Warpaint angekündigt die zweite Girls-only-Band in diesem Beitrag. Und was für Girls. Ich vermag als männlicher Betrachter vielleicht keine objektive Sicht mehr auf die 3 Schwestern aus Seattle zu haben, aber sie sind eben nicht nur schön anzuhören, sondern auch anzusehen. Und für ihr Alter bereits ziemlich geschäftstüchtig: Sängerin/Keyboarderin Asya ist die älteste Schwester und immerhin “schon” 18 Jahre alt, Chloe (Drums) 16 Jahre alt und Maia (Bass) mit 14 die jüngste im Bunde und erst seit 2009 beim selbsternannten Familienprojekt dabei. Mit “Withershins” haben sie 2010 ihren zweiten Longplayer rausgebracht und können bereits auf erfolgreiche Live-Acts mit Pearl Jam oder den Dresden Dolls zurückblicken. Das haben sie wahrscheinlich auch ihrem Coach und Entdecker Jason McGerr (Drummer bei “Death Cab For Cutie“) zu verdanken, der anscheinend nicht nur Chloe einiges beibringen konnte, sondern sie auch hier und da mal vorgestellt hat. Nichtsdestotrotz kommt man ohne die nötige Qualität auch mit Vitamin B nicht weit. Gut also, dass die sich auf dem Album zu genüge findet. Die relativ ruhigen Pop-Stücke werden meist von Asya mit Stimme und Keyboard eingeleitet, während Chloe und Maia später einsteigen und den Song bis zum Refrain langsam aufbauen. Schade, dass die mehrstimmigen Parts mit Chloe viel zu kurz kommen, die ihre Stime eigentlich nicht zu verstecken braucht. Aber was soll’s? Wir nehmen was wir kriegen. Sehr schön übrigens auch die Hommage an die schwedische Herkunft mütterlicherseits (“Finnerödja“).

Anspieltipps: “The World’s Not Bad”, “Aaarplane”

Ra Ra Riot | The Orchard

Weiter geht’s mit dem Quintett Ra Ra Riot aus Syracuse. Die machen ebenfalls Indie Pop und sind somit auch musikalisch gar nicht so weit weg von Smoosh. Ein paar passendere Namen sind vielleicht Vampire Weekend, Burn Ruffians oder Matt & Kim. Von all denen heben sie sich aber wie z.b. The Juliets durch den stimmigen Einsatz von Cello und Geige ein wenig ab. “The Orchard” erschien nun 2 Jahre nach ihrem viel bejubelten Debüt “The Rhumb Line” aus dem Jahre 2008. Die Grundstimmung ist allgemein etwas fröhlicher geworden. Und wenn dann noch Basslines wie die in “Boy” dazukommen, muss man sie einfach lieben.

Anspieltipps: “Boy”, “The Orchard”

Silver Columns | Yes And Dance

So, nach all diesem poppigen Kram mal wieder ein bisschen Electro – yeah. Der wird in diesem Post durch eine sehr viel versprechende Formation vertreten. Hinter Silver Columns verbergen sich die beiden Schotten Adem Ilhan und The Pictish Trail alias Johnny Lynch. Da vor der Veröffentlichung ihres Albums “Yes And Dance” nichts über die Drahtzieher hinter dem Projekt bekannt war, nahm man angesichts der allzu bekannten Falsettstimme, zu hören u.a. in ihrem Ohrwurm-Track “Brow Beaten”, an, Jimmy Sommerville könnte dahinter stecken. Diesem Gerücht hätte ich übrigens ohne Weiteres zugestimmt, wenn ich es jetzt nicht besser wissen würde. Noch einmal zu “Brow Beaten”: Eben dieser Song hat übrigens auch einen Remix von Joe Goddard/ Hot Chip spendiert bekommen. Mehr PR kann man sich doch als Newcomer-Band gar nicht wünschen. Im Großen und Ganzen klingen sie übrigens auch wie Hot Chip, was ganz bestimmt kein negativer Kritikpunkt ist. Ganz im Gegenteil: I’m very delighted!

Anspieltipps: “Brow Beaten”, “Always On”

Various Artists | Scott Pilgrim Vs. The World

Wie es aussieht, steht in diesem Beitrag ein Novum ins Haus. Ich fühle mich nämlich verpflichtet, eine Compilation in Form eines Soundtracks mit in die Empfehlungen aufzunehmen. Die Rede ist von der Comicverfilmung “Scott Pilgrim Vs. The World“, den ich vor kurzem, naja gestern etwas verpätet zum ersten (und sicherlich nicht letzten Mal) gesehen habe. Dass der Film erstklassig ist, muss ich an dieser Stelle wohl kaum noch erwähnen. Aber ebenso hochkarätig wartet der Soundtrack auf. Er beinhaltet natürlich ein paar bekannte Tracks von den Black Lips, Blood Red Shoes oder den Rolling Stones. Da es aber in dem Film auch darum geht, dass Scott Bassist in der fiktiven Band Sex Bob-omb ist und in Band-Contests antritt, mussten für den Film natürlich auch entsprechende Songs geschrieben/entlehnt werden. Hier kam Altmeister Beck ins Spiel, dem die meisten Paradestücke zu verdanken sind. Ich zitiere aus “Threshold“: “We are Sex Bob-omb and we are here to make you think about death and get sad and stuff.” Eine Schande, dass es nie ein Live-Konzert in dieser Besetzung geben wird… oder doch?!

Anspieltipps: “Threshold” (auch als 8bit-Variante), “We Are Sex Bob-omb”

Damit verabschiede ich mich bis zum nächsten Beitrag.

MfG Ern

2010: A Retrospective

// 29. 12. 2010 // 2 Kommentare » // Musik, Plattenteller

Ob ihr es glaubt oder nicht, aber Silvester naht. Da heißt es wie jedes Jahr zu diesem Anlass, die Medienbibliothek noch einmal nach den Juwelen der kontemporären Musik zu durchforsten und sie im richtigen Licht zu präsentieren. Herausgekommen sind 10 Must-Listen-Platten und 5 empfehlenswerte Scheiben o’ ten. Ich verzichte übrigens bewusst auf ein Ranking. Bei der Vielzahl der nachfolgend vertretenen Genres kann man einfach keine gemeinsame Messlatte ansetzen.

The Acorn | No Ghost

Auch wenn ich in so ziemlich jedes Genre einmal reingehört habe und mich auch für viele zumindest ansatzweise begeistern kann, gibt es doch trotzdem einige Vertreter, die ich bisher aus Erfahrung gemieden habe. Dazu zählt auch Folk im weiteren Sinne. Klar gibt es hier auch Überschneidungen zum Singer-Songwritertum, aber oft fehlte es mir an dem gewissen Etwas. Umso angenehmer überrascht war von den Kanadiern von The Acorn, die mit “No Ghost” eine Folk-Platte abgeliefert haben, bei der ich rundum mal nichts zu meckern hatte. Erstklassige Instrumentalwahl, eingängige Melodien und allem voran die Stimme von Frontmann Rolf Klausener, die jede noch so kleine Emotion transportieren kann.

The Bridgeheads | Foreigners

Weiter mit den Bridgeheads. Diese fallen in vielerlei Hinsicht positiv auf. Zum Einen dadurch, dass sie ihr diesjähriges Album “Foreigners” kostenlos zum Download angeboten haben. Zum anderen durch ihre Herkunft. Sicherlich gibt es in jedem Land großartige Interpreten, aber der Großteil kommt im Indie-Bereich eben doch von der Insel oder aus Übersee. Die Bridgeheads räumen mit diesem Vorurteil auf und zeigen, dass gute Musik auch aus der Slowakei kommen kann. Bei all dem Lob bleibt allerdings ein sehr bitterer Wermutstropfen. Denn im September diesen Jahres verstarb Mastermind und Sänger des Projekts Tomas dAsK mit gerade einmal 25 Jahren bei einem Unfall. Wie es um die Zukunft der Band bestellt ist, habe ich nicht in Erfahrung bringen können, aber so ein Album wie “Foreigners” wird es somit wohl leider kein zweites Mal geben.

Darwin Deez | Darwin Deez

Eines fällt mir jedes Jahr aufs Neue auf, wenn ich die Jahresbestlisten der einschlägigen Musikmagazine wie laut.de oder pitchfork durchblättere. Der Trend geht jedes Jahr auf neue zu experimentellen Platten, wohingegen tanzbares Material (ob seiner Popularität?) fast immer außen vor gelassen wird. Und so will wenigstens ich mich gegen den Strom stellen und das gar vorzügliche selbstbetitelte Debüt der New Yorker Formation um Darwin Deez vorstellen. Getreu dem Motto “Indie has never been nerdier” heizen uns die 4 mit tanzbaren Dauerohrwürmern wie “Radar Detector” und “Bad Day” auf der einen Seite und melancholischen Herzschmerz-Songs wie “Bed Space” auf der anderen Seite ein. Unvergessen bleiben mir vor allem die Live-Choreografien während ihrer Konzerte. Die Karte für den März hab ich natürlich schon so gut wie gekauft.

Foals | Total Life Forever

Wer erinnert sich nicht an die grandiose Debüt-LP “Antidotes” der Foals? Weil ihre akkurate Spielweise bis dato einzigartig war, hat man ihnen natürlich gleich den neuen Stempel des “Math Rock” aufgedrückt. Und nun, 2 Jahre danach, beehren sie uns mit dem Nachfolger “Total Life Forever. Die große Frage war natürlich: Erwartet uns ein “Antidotes 2″ oder gehen die Jungs aus Oxford neue Wege? Glücklicherweise schlagen sie neue, ruhigere Töne an und sichern sich trotzdem einen festen Platz in der diesjährigen Toplist. Nicht unwesentlich hat dazu die Tatsache beigetragen, dass sie mit “Spanish Sahara” gleich noch meinen persönlichen Song des Jahres beisteuern. In Kombination mit dem Video ein Genuss für Auge und Ohr.

The Hundred In The Hands | The Hundred In The Hands

Durch ein äußerst positives Review auf  laut.de bin ich auf The Hundred In The Hands aufmerksam geworden. Nach ein wenig Recherche hatte es mir vor allem die Live-Version ihres Songs “Lovesick (Once Again)” bei Le Hiboo angetan. Und auch der Rest des Albums ist feinster Electropop, immer an der Grenze zum Tanzbaren. Dabei finden sich auch einige musikalische Referenzen. Gerade der Refrain von “Last City” hat mich doch sehr an die Blood Red Shoes erinnert. Was keinesfalls negativ gemeint ist. Ansonsten ist den beiden für die Zukunft nur zu wünschen, dass sie sich treu bleiben, dann klappt es vielleicht mit dem großen Durchbruch.

Man Eats Bear | Let’s All Lie Together

Von zarten Stimmchen zur ganzen Pracht des Lo-Fi. Man Eats Bear haben gerade einmal 139 Hörer auf lastfm und dennoch hat es mir diese Kapelle aus Sioux City, Iowa angetan. Ihre Platte “Let’s All Lie Together” haben sie komplett in Eigenregie aufgenommen. Wer braucht heute schon noch einen Labelvertrag? Das Problem sind an dieser Stelle die weiteren Informationen. Auf ihrer myspace-Seite erfährt man lediglich noch, dass die vier Matt, Steve, Will und Drew heißen. Das Beste wird also sein, ihr macht euch einfach selber mal ein Bild davon, ob euch der rustikale Sound zusagt oder nicht.

The Soft Moon | The Soft Moon

Neben meiner neu erlangten Toleranz gegenüber Folk-Platten habe ich mich dieses Jahr auch mit dem lieben Post-Punk auseinander gesetzt. Und zwar in Form von The Soft Moon. Dazu einfach mal eine Trackbeschreibung des Pig Feeder Magazine,, damit ihr wisst was euch musiklaisch erwartet: “Listening to “Phantoms” is like swimming in an abyss accompanied by perverted robotic whales from outer-space, peer pressuring you to take hallucenogenics.“. Klar soweit? Find ich persönlich sehr passend! Und das gute ist, dass man das ALbum wirklich als Gesamtwerk durchhören kann, ohne auch nur einmal gelangweilt zu sein.

Weekend | Sports

Wie bleiben beim Post-Punk, heben die Grundstimmung aber ein wenig von dem düsteren Ambiente von The Soft Moon an, womit wir bei Weekend rauskommen. Unter Vertrag sind die Jungs aus San Francisco bei Slumberland, seinerseits auch Label von “The Pains Of Being Pure At Heart”. Und dieser Vergleich passt vom Sound auch ganz gut. Unser aller Freunde bei Pitchfork beschreiben das bei ihrem Review zum Track End Times sehr passend: ““End Times” (from their forthcoming record Sports) takes an addictive bassline and melancholy vocals and buries them under a din of squall and thrashing drums. The harmonies encased in reverb and the oscillating, distorted no-wave guitars take a jump off the cliff and begin to soar during the chorus, bringing the two extremes the band works under to angelic heights.” Dem ist nichts hinzuzufügen, hört mal rein.

Woven Hand | The Threshingfloor

Entsprechend meiner angehenden Versöhnung mit dem Folk, hat es auch eine weitere Platte in die Top Ten geschafft. Die Rede ist von Woven Hand mit seinem diesjährigen Album “The Threshingfloor”. Hinter Woven Hand verbirgt sich Sänger David Eugene Edwards, der einigen evtl. als Sänger der Band 16 Horsepower bekannt sein dürfte. Die Musik hat für mich etwas Mystisches, was irgendwo in der Nähe von indianischen Gesängen angesiedelt ist. Und dieses Spirituelle verleiht der ganzen Platte eine ganz eigene Glaubhaftigkeit. Sehr hörenswert ist meiner Meinung nach “His Rest“.

Das waren wie versprochen die Must-Haves der Saison. Alles in allem kann man da doch von einer bunten Mischung für jeden Anlass sprechen. Nun noch ein paar Scheiben, die entweder keiner Promotion mehr bedürfen oder bei denen einfach das gewisse Quäntchen zum akustischen Dauerbrenner gefehlt hat. Nichtsdestotrotz ist die aurale Einnahme ohne Einschränkungen zu empfehlen.

Broken Bells | Broken Bells

Was er anpackt, gelingt. So zeigt es zumindest die Vergangenheit von Brian Burton, eher als DJ Danger Mouse bekannt. Als Produzent hat er für Größen wie die Gorillaz oder die Black Keys am Mischpult gesessen aber auch als Interpret hat er sich als Hälfte von Gnarls Barkley neben Cee-Lo Green in die Charts eingebracht. Die diesjährige Kollaboration mit Dem Shins-Frontmann James Mercer brachte uns nun eine solide Pop-Platte mit eingängigen Refrains. Umso sehnlicher wünscht man sich an dieser Stelle natürlich mal wieder eine Platte der Shins, aber das kann wohl nur Herr Mercer selbst in die Wege leiten.

Earl Greyhound | Suspicious Package

Weiter geht’s mit einem ganz anderen Genre, dem Classic Rock Revival, seines Zeichens vertreten durch das Trio Earl Greyhound. Dabei stehen sie in schönem Kontrast zum Rest der Liste. Während man als junge Band heutzutage ohne einen Funken Innovation niemanden mehr begeistern kann, finde ich es auch schön, sich wie Earl Greyhound auf Altbewährtes zurückzugreifen. Wer also einfach mal Lust auf saftige Bässe, klare Drumlines und Gitarrensoli wie in den guten alten Zeiten (als würde ich Jungspund das beurteilen können) hat, der sollte bei ihrem Album “Suspicious Package” zugreifen.

Fang Island | Fang Island

Wovon sprachen wir eben? Von der nötigen Innovation, die eine Band mitbringen muss, um zu überzeugen. Die haben Fang Island mit ihrem gleichnamigen Debüt unter Beweis gestellt. Allein das Cover ist für mich schon unter den besten dieses Jahres zu nennen. Aber hier geht es ja um die Musik. Wo 4 Gitarren zusammenkommen (Bass, Keyboard und Schlagzeug natürlich extra), da müssen satte Sounds entstehen. Und um die geht es bei Fang Island auch. Keine Wortlawinen, kein sentimentales Drumherum, pure music also. Ihre Musik beschreiben sie übrigens selber als “Everybody high-fiving everyone”. Stimmt!

Robyn | Body Talk

Abrupter Genrewechsel wie so häufig. Und hier werden wir royal. Denn zumindest meiner Meinung nach ist Robyn die Königin des Dance Pops. Durch sie wird Electro salonfähig gemacht und das ist gut so. In diesem Jahr hat sie mit Body Talk ein Album in drei Einzelteilen auf den Markt gebracht. Und ob es nun eine gebetsmühlenartige Textpassagenwiederholung über 4 Minuten, eine grandiose Akustikversion mit ebenso grandiosen Vocals oder eingängige Singles wie Dancing On My Own sind, Robyn macht einfach nichts falsch. Chapeau, madame.

Winter Gloves | All Red

Achja, Kanada. Ein Land fast so groß wie Europa mit fast unberührter, weitläufiger Natur. Und dann noch dieser Clash of Cultures zwischen Frankophonen und Anglophonen im schönen Québec. Und mittendrin die musikalische Ideenschmiede Montréal, die schon Größen wie Arcade Fire oder We Are Wolves hervorgebracht hat und offenbar auch einige Bandnamen inspiriert hat (ja, Kevin Barnes weiß schon). Und ständig gibt es neue gute Bands, so auch Winter Gloves, die dieses Jahr mit “All Red” ihren Nachfolger zur 2008er Debüt-LP “About A Girl” herausgebracht haben. In jedem Fall tanzbare Electro-Pop-Songs mit Ohrwurmcharakter, was von den Kritikern bisher aber anscheinend noch nicht erkannt wurde. Who cares? Reinhören schadet nicht.

So, damit schließe ich die Inventur für das Jahr 2010. Wie immer schaue ich mit einem weinenden und lachenden Auge zurück. Weinend, ob der großartigen (teilweise letzten) Platten von super Bands. Lachend in freudiger Erwartung der kommenden Alben, z.B. der Strokes, Fujiya & Miyagi, Fleet Foxes, The Duke Spirit, Lykke Li uvm. Aber seid euch sicher, dass ich auch dann wieder das Beste vorstellen werde. In diesem Sinne einen guten Rutsch euch allen und bis nächstes Jahr!

MfG Ern

2010: A (Metal) Retrospective

// 28. 12. 2010 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Parallel zu meinem geschätzten “Kollegen” Ern (dessen Zusammenstellung wohl noch etwas auf sich warten lässt) werde ich die Gelegenheit nutzen, das Musik-Jahr 2010  aus meiner Sicht zu beurteilen. Im Folgenden nun also meine “Top 10″ (keine Rangliste, einfach die 10 Alben, die mir persönlich am besten gefallen haben) und 5 weitere Empfehlungen, die durchaus hörenswert sind. Da das bald endende Jahr musikalisch durchaus einiges zu bieten hatte, wäre es ein Leichtes gewesen, mehr als 15 Platten auszuwählen. Damit der Eintrag aber einigermaßen übersichtlich bleibt, soll das gewählte Maß reichen. Man wird zudem feststellen, dass meine Liste durchaus unterschiedliche Facetten des Metal-Genres enthält, es ist also für (fast) jeden Geschmack etwas dabei.

Alben des Jahres

As I Lay Dying – The Powerless Rise

As I Lay Dying - The Powerless RiseIch hatte im Vorfeld zugegebener Maßen sehr hohe Erwartungen an As I Lay Dyings neuestes Werk. Wenn man mit derartigen Ansprüchen an ein Album herangeht, ist die Gefahr enttäuscht zu werden natürlich relativ groß. Umso schöner ist es jedoch, wenn die hochgesteckten Erwartungen sogar noch übertroffen werden. Und As I Lay Dying haben sie übertroffen! 11 energiegeladene Tracks, großartige Songstruktur, ein perfektes Zusammenspiel von Musik und Gesang, kurzum: ein grandioses Album. Und auch live wissen die 5 Amerikaner absolut zu überzeugen, wie ich ja erst am 15. November feststellen durfte.

Whitechapel – A New Era Of Corruption

Whitechapel - A New Era of CorruptionBei dieser Platte, die man wohl dem Deathcore zuordnen würde, ist meiner Ansicht nach so ziemlich alles gelungen, was dem doch häufig auf der Stelle tretenden Genre seine Impulse verleiht. Der raue Gitarrensound, die typischen tiefen Growls von Sänger Phil Bozeman und das punktgenaue Drumming werden hier in großartiger Weise miteinander kombiniert. Dass die Band dabei den Fokus mehr auf  Death Metal als auf “Core”  legt, kommt dem Album ebenfalls sehr zu Gute: Es werden auf sich ständig wiederholende Breakdowns verzichtet und den Songs mehr Möglichkeit geboten sich auch richtig zu entfalten. Also: “A New Era Of Corruption” ist eines der besten Deathcore-Alben des Jahres, aus meiner Sicht die (neue) Genre-Referenz.

Called To Arms – Peril And The Patient

Called To Amrs - Peril And The PatientDie erste von vielen Neuentdeckungen meinerseits dieses Jahr ist die Truppe aus New Jersey. Called To Arms haben einen sehr speziellen Sound, die Musik zeichnet sich durch ständige Rhythmuswechsel, überraschende Gitarrensoli und rauen Gesang aus. Das Album ist nicht nur wegen des deutlich hörbaren musikalischen Könnens interessant, sondern reizt gerade durch die Überraschungen, die einem jeder Song auch beim 10. Durchlauf noch bietet. Es mag vielleicht der Verdacht aufkommen, dass die Tracks gelegentlich wie zufällig zusammengewürfelte Klangcollagen klingen könnten. Ich versichere aber an dieser Stelle: das ist absolut nicht der Fall! Die Songs sind in sich stimmig und überzeugen auch in ihrer Zusammenstellung auf dem Album. Kurzum: Für mich ist “Peril And The Patient” eines der interessantesten und überraschendsten Alben des Jahres. Unbedingt mal reinhören.

Within The Ruins – Invade

Within The Ruins - InvadeWithin The Ruins ist eine Band aus Massachusetts. Diese Tatsache ist nicht besonders spektakulär, aber wir reden ja hier von Musik. Und in diesem Gebiet beweisen die 5 Jungs, dass sie ihr Handwerk absolut verstehen. Auf “Invade” bekommt man einen sehr guten Eindruck davon, wie gut sie ihre Instrumente beherrschen. Das Album ist zwar relativ technisch (d.h. die eben erwähnten spielerischen Fähigkeiten werden entsprechend betont), dennoch achtet Within The Ruins darauf, dass es nicht an nötiger Härte mangelt. Diese beiden Elemente wechseln sich im Laufe der Platte kontinuierlich ab und lassen dem Hörer ordentlich die Ohren flattern.

The Browning – The Browning

The Browning - The BrowningIch bin ein Freund von Experimenten. Natürlich wäre es von Vorteil, wenn diese auch gelingen, besonders in musikalischer Hinsicht, sonst läuft man Gefahr große Schmerzen in irgendeinem Körperteil zu empfinden. Im Fall von The Browning glückt das Experiment erfreulicherweise. Worum es geht? Die Kombination von schweren Gitarrenriffs mit Elektro-Beats, die genausogut in irgendeinem Rave-Nachtclub gespielt werden könnten. Zugegeben: dieses Experiment wurde schon einige Male durchgeführt, mit unterschiedlichen Ergebnissen. The Browning sind aber bislang in dieser Hinsicht eindeutig die Krone der Schöpfung. Und wer mir nicht glaubt, der sollte einfach mal reinhören und sich eines Besseren belehren lassen! (auch wenn leider kein Widget verfügbar war…)

My Epic – Yet

My Epic - YetJeder, der mich kennt, weiß, dass ich hin und wieder mit großem Genuss ein wenig Progressive höre. Alle andern wissen das nun auch. My Epic haben mit “Yet” meinen diesjährigen Favoriten in diesem Bereich veröffentlicht. Musikalisch wirklich bezaubernd schwingt sich das Werk auf sanften Flügeln durch die Gehörgänge. Es erscheint einem wie eine große Reise, die man am liebsten nicht unterbrechen möchte. Die sanfte Stimme von Sänger Aaron tut ihr Übriges und man kann regelrecht in der Musik versinken. Sollte man jedoch nicht besonders religiös bzw. ein wenig aufgeschlossen gegenüber religiösen Themen sein, so wird man teilweise einen Brechreiz anhand der Texte verspüren. Davon aber abgesehen, kann sich das Zweitwerk des Trios durchaus sehen und vor allem hören lassen.

Chiodos – Illuminaudio

Chiodos - IlluminaudioUnd weiter gehts mit dem ersten Vertreter des Post-Hardcore Genres in meiner Liste. Ich muss zugeben, dass ich vor “Illuminaudio” noch nichts von Chiodos gehört hatte, was aber scheinbar nicht weiter schlimm ist (wie ich einigen Recherchen entnehmen konnte). Mit dem aktuellen Werk gibt es einen neuen Sänger, häufig ein schlechtes Zeichen für eine Band. Nicht so in diesem Fall. Brandon Bolmer beweist, dass er hervorragend singen kann, aber auch die gelegentlich eingesetzten Screams beherrscht. Musikalisch hat mich das Ganze auch sehr begeistert: Schlagzeug, Gitarren und die ab und an auftauchenden Klavierklänge vermischen sich in unterschiedlichster Weise zu einem großartigen Sound. Die Songs sind dabei äußerst abwechslungsreich und machen einfach Spaß beim Zuhören. Dem Album sollte man unbedingt eine Chance geben.

Affiance – No Secret Revealed

Affiance - No Secret RevealedUnd da ist gleich der zweite Streich aus der Post-Hardcore Ecke. Um es gleich vorweg zu nehmen: “No Secret Revealed” ist sensationell gut. Ich erlebe ein äußerst seltenes Phänomen mit diesem Album. Wenn man eine Platte jeden Tag hört, dann ist es normalerweise schnell soweit, dass man sich das Ganze überhört, d.h. die Musik packt einen einfach nicht mehr so wie am Anfang und man legt die Scheibe irgendwann komplett zur Seite. Doch Affiance hat etwas geschaffen, das diesem Trend entgegenwirkt. Seit etlichen Tagen höre ich die Platte rauf und runter und es bleibt so hörenswert wie am ersten Tag. Was macht das Album nun so gut? Die Songs sind einfach großartig geschrieben, der Sound fantastisch… und der Gesang ist atemberaubend. Man muss sich zwar erstmal an die Stimme von Sänger Dennis Tvrdik gewöhnen, aber dann wird man einfach umgehauen vom seinem unglaublichen Stimmvolumen. Auch textlich weiß Affiance zu überzeugen, indem politisch und geschichtlich motivierte Themen verhandelt werden. Wenn mal wieder jemand in seiner Ignoranz sagt, dass alle Metalbands nur rumschreien, dann sollte man ihm einfach “No Secret Revealed” ins Gesicht klatschen und ihm zeigen, dass harte Musik auch mit klarem Gesang funktioniert!

God Falls – Make Me Alpha

God Falls - Make Me AlphaEin weiteres Debütalbum in meiner Liste (siehe u.a. The Browning und Affiance) kommt von God Falls aus Montreal. Der Sound dieser Formation hat etwas Fesselndes und lässt sich keinem spezifischen Subgenre zuordnen. Die Bandbreite der enthaltenen Elemente ist beeindruckend groß: Metalcore, Hardcore, Deathcore, aber auch Melodic Death Metal im skandinavischen Stil lassen sich heraushören. Ein weiteres Merkmal der Gruppe sind die Vocals. Die Screams und Growls von Sänger Gabriel Dezb klingen wie eine rauere Version so mancher schwedischer MeloDeath Bands (Soilwork, In Flames). Die “Besonderheit” sind aber die zwar sparsam, aber immer auf den Punkt passend eingesetzten Clean Vocals von Gitaristin Gabrielle La Rue. Man hört nicht allzu oft weibliche Stimmen im Metal (und wenn, dann klingen diese meist unpassend oder nach Operngejaule). Hier jedoch verleiht ihre sanfte Stimme den Songs merklich mehr Tiefe und deutet gleichzeitig eine ganz eigene Richtung an, in die sich die Musik entwickelt. Also: Ein wirklich außerordentlich gut gelungenes Erstlingswerk, dass viel Positives für die nächsten Veröffentlichungen andeutet.

Eye Of The Enemy – Weight of Redemption

Eye Of The Enemy - Weight of RedemptionWenn ich ein Album benennen müsste, dass mir dieses Jahr am besten gefallen hat, dann würde ich wahrscheinlich die erste Platte von Eye Of The Enemy wählen. Die Australier legen mit “Weight of Redemption” ein Brett hin, das seinesgleichen sucht. Der Sound ist bombastisch: wuchtige Riffs, großartige Melodielinien und variantenreiche Vocals lassen den Hörer auf Metalwolke 666 schweben. Wie bereits angedeutet beweisen Eye Of The Enemy, dass sie nicht nur den Vorschlaghammer schwingen können, sondern auch in den melodiöseren Passagen eine gute Figur machen. Man fühlt sich als würde man einer besonders guten Mischung aus Lamb Of God, Bleed The Sky und Fear Factory lauschen. Einfach nur grandios!

Weitere Empfehlungen

Heaven Shall Burn – Invictus

Heaven Shall Burn - InvictusDas sechste Studioalbum von Deutschlands bekanntester Metalcoreband glänzt durch Altbewährtes. Wuchtige Riffs und donnernde Schlagzeugblasts stampfen über den Hörer hinweg, Marcus Bischoffs markante Screams tun ihr Übriges. Auch textlich ist das Album wieder hochinteressant. “Invictus” lässt zwar Innovation vermissen, weiß aber immer noch, wie man es richtig krachen lässt.

Parkway Drive – Deep Blue

Parkway Drive - Deep BlueDie Australier zeigen auf ihrem dritten Album, dass sie sich stetig weiterentwickelt haben. Der Sound auf “Deep Blue” ist ziemlich speziell, die Band schreckt nicht vor Variation zurück. Die Songs zeugen von Kreativität und musikalischem Können, sei es nun durch eingängige Melodien oder groovende Beats. “Deep Blue” lässt auch in Sachen Härte keine Fragen offen, sodass ich nur empfehlen kann, der Scheibe eine Chance zu geben.

MSWhite – Squares

MSWhite - SquaresUnd noch etwas Metalcore! Der Fünfer aus Turin hat ein zwar kurzes, aber nichtsdestotrotz stimmiges Album abgeliefert. Ein Intro und 11 Songs zeigen, dass die Italiener ihr Handwerk und vor allem ihr Genre verstehen. Mitreißende Riffs, Breakdowns und melodiöse Refrains (inkl. klarem Gesang) bilden die bekannte Grundlage.  Sie erfinden das Rad nicht neu, wie man so schön sagt, beweisen aber, dass sie genau wissen, wie man heutzutage noch ein gutes Metalcore-Album zustande bringt.

More Than A Thousand – Vol. 4 Make Friends and Enemies

More Than A Thousand - Make Friends and EnemiesMore Than A Thousand kommen aus Portugal und spielen einen sehr fesselnden Mix aus Hardrock, Metal und angrenzenden Stilrichtungen. Die teilweise sehr eingängigen Songs erinnern an eine bunte Mischung aus Rise Against, Slipknot und Unearth. Wer hin und wieder gern mal eine Platte hört, die an einigen Stellen durchaus radiotauglich genannt werden kann, sollte in “Make Friends and Enemies” unbedingt mal reinhören! Alle anderen sollten das übrigens auch.

I The Breather – These Are My Sins

I The Breather - These Are My SinsBeim Hören von “These Are My Sins” fühlt man sich unweigerlich an August Burns Red erinnert. Es gibt keine Clean Vocals und die Intensität mit der ein Song nach dem anderen über den Hörer hinwegdonnert ist atemberaubend. I The Breather liefern mit ihrem Debüt eines der energiegeladensten Alben des Jahres ab. Man höre und lasse den Nacken krachen.

Gotcha something new

// 28. 11. 2010 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Zeit für einen weiteren Rundumschlag mit neuer Musik. Nun, da meine Musikbibliothek die 80 GB überschritten hat, fällt es mir sichtlich schwerer als damals noch, bei all der neuen Musik noch den Überblick zu behalten. Aber auch dieses Mal habe ich mich extra für euch ins Chaos gestürzt und Hörenswertes ausgewählt. Let’s do it!

Matt And Kim | Sidewalks

Wer von dieser New Yorker Formation noch nichts gehört hatte, sollte das vielleicht einmal ändern. Denn “Sidewalks” ist mittlerweile das dritte Album von Matt Johnson und Kim Schifino nach ihrem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahre 2006 und “Grand” vor einem Jahr. Entsprechend der spärlichen Besetzung fallen auch die Melodien ihrer Songs schlicht aus. Aber gerade die Kombination aus Matts (Sprech)gesang, einem eingängigen Beat/Drumset und ein paar Electro-Samples macht den Wiedererkennungswert der beiden aus. Ich verweise da nur auf “Daylight” aus ihrem zweiten Album als Beispiel.

Anspieltipps: “Cameras”, “Silver Tiles”

Body Language | Social Studies EP

Die nächsten vier vorgestellten Tonträger haben eins gemeinsam: Super Musik für lau. Ja, richtig gehört. Die jeweiligen EPs bieten die Künstler auf Portalen wie bandcamp oder ihren eigenen Homepages frei zum Download an. Und allesamt beweisen sie, dass Qualität nicht linear vom Preis abhängt. Nun aber mal zur ersten Band, ihres Zeichens Body Language aus Brooklyn, ergo wieder New York. Das Quartett weiß mit gut arrangierten Electropop-Songs zu überzeugen. Wer ein bisschen mehr als nur die 4 Tracks auf der EP “Social Studies” hören möchte, dem sei auch die Vorgänger-EP “Speaks” ans Herz gelegt, für die allerdings ein kleiner Obulus zu entrichten ist.

Anspieltipp: “Falling Out”

Galapaghost  | Runnin’ EP

Widmen wir uns der nächsten frei verfügbaren EP, dieses Mal “Runnin” von Galapaghost aka Casey Chandler aus dem Austin, Texas. “Runnin’” ist seine mittlerweile dritte EP, die wie die beiden Vorgänger in kompletter Eigenregie eingespielt und produziert wurde. Die Musik ist dabei hauptsächlich im Folk angesiedelt und zeichnet sich durch die häufige Ukulelen-Begleitung der Tracks aus. Besonders innovativ, auch wenn es ähnliches sicher schon einmal gab, finde ich den Titel “Disintegration”, dessen Lyrics lediglich aus lose aneinander gereihten Wörtern, die im Laufe des Songs buchstabiert werden, bestehen. Klingt jetz erstma langweilig, aber überzeugt euch selbst von dem guten Arrangement. Ebenfalls nenneswert ist “Rise & Fall”, der mich ein wenig an “Anyone Else But You” von den Moldy Peaches erinnert hat.

Anspieltipp: “Disintegration”

Guards | Guards EP

Wie bereits erwähnt, noch ein Bandcamp-Fund, diesmal geht der Dank jedoch an Janos für den guten Tipp. Dabei kann ich euch nicht einmal sagen, wer hinter Guards steckt, aber das ist ja zweitrangig. Es bleibt nur festzustellen, dass die Damen und Herren ihr Handwerk beherrschen und einprägsame Retro Popsongs auf ihrer EP zusammengepackt haben. Und das ganz kostenlos, was will man mehr. Man darf gespannt sein, ob zukünftige Veröffentlichungen dieses Niveau halten können. In dem Fall wären sie nicht zu unterschätzen.

Anspieltipps: “Resolution Of One”, “Crystal Truth”

Palms On Fire | EP#1, EP#2

Ebenfalls durch Janos bin ich auf Palms On Fire aufmerksam gemacht worden. Und soweit ich den Überblick habe, wäre das die erste russische Band in meiner Musiksammlung. Wusste gar nicht, dass man auch in Russland Beach Pop fabriziert. Noch knuffiger wird das alles durch den leichten russischen Akzent, der in den Liedern rüberkommt. Wenn ihr den ehemaligen Ostblock also auch mal wieder unterstützen wollt, ladet euch die erste bzw zweite EP der Formation herunter.

Anspieltipp: “Sand Castle”

Mon Petit Chou Chou | Headlights EP

Nach all dem frei verfügbaren mal wieder etwas gegen Geld Erhältliches. Umsonst ist schließlich nur der Tod. Mon Petit Chou Chou, was direkt übersetzt “Mein kleiner Kohlkopf” und eigentlich “Mein Schätzchen” heißt, ist eine Band aus den eigenen Landen, genauer aus Gießen und Nürnberg. Für eine Debüt-EP bekommt man hier für 6 € guten Dream Pop geboten. Die Stimmen von Louisa, Lorenz und Arlo ergänzen sich dabei einfach perfekt und lassen besagte 6 € als eine gute Investitionen erscheinen.

Anspieltipp: “Headlights”

Bloodgroup | Dry Land

Nachdem ich euch also nun die Vorzüge von Musikportalen wie bandcamp näher gebracht habe, möchte ich auf eine weitere gute Quelle für bis dato weniger bekannte Künstler hinweisen. In diesem Falle ist das die Radiostation KEXP aus Seattle. Nun werdet ihr euch fragen, ob ich die ganze Zeit mit nem Langwellenempfänger in meinem Kabuff hocke? Das sicher nicht. Dem Internet sei dank hat KEXP auch einen Youtube-Channel eingerichtet. Dort sind dann die Live-Auftritte diverser Bands in den KEXP-eigenen Studios zu sehen. Und diese sind in einigen Fallen sogar nochmal um einiges besser als die Albenversionen der jeweiligen Künstler (siehe Florence + The Machine). Nachdem ich also neulich mal wieder reingeschaut habe, was es neues gibt, hat mich die Fülle an guten Bands vom diesjährigen Icelandic Airwaves Festival überrascht. Ein Song im Speziellen war “My Arms” von Bloodgroup, der mich im Endeffekt dazu bewogen hat, mir das dazugehörige Album “Dry Land” aus dem Jahre ’09 zu besorgen.

Anspieltipp: “My Arms”

Halves | It Goes, It Goes (Forever & Ever)

Bei all dem Dream und Beach Pop auch mal ein bisschen Abwechslung. Die bringen Halves mit ihrem Debütalbum “It Goes, It Goes (Forever & Ever)”, das eher im Ambient und Post-Rock angesiedelt ist. Wer es also mal ruhiger angehen will, sollte sich die Jungs aus Irland mal zu Gemüte führen. Ein kleines Schmankerl nebenbei: Das Album wurde in denselben Studios aufgenommen, in denen sonst Godspeed(!) You(!) Black Emperor zugegen ist. Außerdem ist auch Amy Millan von den Stars auf dem Album zu hören. So viel zur Kategorie “Nutzloses Wissen”.

Anspieltipp: “The Little Octoberist”

The Malpractice | Tectonics

Dass die Größe eines Landes nicht gleichbedeutend mit ihrem Aufgebot an guten Künstlern ist, hat Dänemark zumindest mir inzwischen schon bewiesen. Da sind hervorragende Bands wie Volbeat, Nephew oder Beta Satan zu nennen. Und gerade mit letzteren verbindet The Malpractice mehr als nur das Herkunftsland. Denn hinter dem Projekt steht Johannes Gammelby, seines Zeichens Mitglied von Beta Satan und nun auf Solopfaden unterwegs. Nach eigener Aussage hat er den Albumtitel weniger aus geologischem Interesse gewählt, sondern viel mehr als passende Beschreibung für die Songs darauf. Schließlich stoßen da auch ständig Tonmassen auf einander, um Klangmassive zu bilden. Aber genug der schwülstigen Lobesreden, hört selbst mal rein.

Anspieltipps: “Boss Stallion”, “Oh, The Irony”

The Barlights | You Cannot Choose The Roads That Take You Home

Von Dänemark zieht es uns weiter zu unseren Freunden, den Briten. Und zu einer vierköpfigen Band aus Norwich, die da auf den Namen “The Barlights” hört. Ich könnte jetz die Musik umständlich beschreiben, aber im Grunde genommen klingen über die Hälfte der Lieder wie Kompositionen aus der Feder der Turin Brakes. Besonders was den Gesang betrifft, müssen beide Sänger doch über ein paar Ecken verwandt sein. Mit “You Cannot Choose The Roads That Take You Home” liefern sie ein solides zweites Album ab, das vor allem durch Vielseitigkeit überzeugen kann. Insofern kann ich auch der Genrelistung auf Myspace (Indie/ New Wave/ Country) nur zustimmen.

Anspieltipps: “You Cannot Choose The Roads That Take You Home”, “Everyone Is Getting It (But Me)”

Damit entlasse ich euch erstma in die ausführlichen Hörproben. Sollte doch für jeden was dabei sein.

MfG Ern

Neu! Neu! Neu!

// 02. 11. 2010 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Kommen wir ohne viele Umschweife gleich mal zu den Empfehlungen des Tages:

Gisbert Zu Knyphausen | Hurra! Hurra! So Nicht.

Nachdem ich heute Nacht mal eben noch über sein gestern im Lindenpark gespieltes Konzert berichtet habe, ist es natürlich nur folgerichtig, Gisbert auch mit in die aktuelle To-Hear-List mit aufzunehmen. Da macht es auch nichts, dass das Album schon seit geraumer Zeit auf dem Markt ist. Neben den eingängigen Melodien und der unverkennbaren Stimmfarbe sind es vor allen Dingen die herausragenden Texte, die seine Musik auszeichnen. Und bei all der Globalisierung und der damit verbundenen Anglikanisierung/Amerikanisierung von Gesellschaft und Sprache ist es doch auch mal wieder schön, sich auf die Schönheit seiner eigenen Sprache zurückzubesinnen, gell?

Anspieltipps: “Kräne”, “Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten”

Alin Coen Band | Wer Bist Du?

Bleiben wir (zumindest teilweise) in der deutschen Liedgut-Landschaft. Hier hat sich auch Alin Coen bereits zu genüge Gehör verschafft. Im August hat sie zusammen mit ihrer Band die Debüt-Platte “Wer bist du?” herausgebracht. Darauf finden sich neben 6 deutschen Titeln, die sich hauptsächlich mit den achso schwierigen zwischenmenschlichen Problemen beschäftigen, auch 7 englischsprachige Songs, die auf dieselben Themen zurückgreifen. Fakt ist: Egal, in welcher Sprache Alin nun gerade singt, es ist immer eine Freude, ihr zuzuhören. Gerade in Liedern wie “Festhalten”, in denen außer ihrer Stimme und Gitarre nichts weiter erklingt, ist Gänsehaut vorprogrammiert. Wem das jetzt zu gefühlsduselig war, der möge diese Empfehlung überspringen.

Anspieltipps: “Left Behind”, “Festhalten”

The Cads | Demos

Das dürfte das erste Mal sein, dass ich zu einer Empfehlung mal kein Cover anbieten kann. Aber die Jungs aus Ipswitch sind ja auch noch nicht so lange im Geschäft und haben dementsprechend noch nich mal eine Platte draußen. Weil sie mir allerdings als Vorband von Darwin Deez vor gar nicht allzu langer Zeit sehr gut gefallen haben, behalte ich sie mal etwas im Auge. Freunde von Foals und Konsorten sollten hier auf jeden Fall mal reinhören. Und auch wenn bis auf eine Tour EP noch nix Handfestes gibt, könnt ihr euch 4 ihrer Songs ganz legal auf Music Glue herunterladen. Besonders zu empfehlen ist “Lanterns”, aber bildet euch selber ne Meinung.

Labyrinth Ear | Oak EP

Wo wir gerade bei kostenloser Musik sind. Auch das Londoner Synth-Pop-Duo Labyrinth Ear hat pünktlich zu Halloween seine 5-Track-EP “Oak” für jedermann auf seiner Seite angeboten. Mir gefällt an den Titeln die gelungene Kombination aus Sprechgesang und gesungenen Parts. Auf meine Watchlist haben sie es auf jeden Fall schon mal geschafft. Wer nicht auf die Veröffentlichung der ersten LP warten kann, sollte von Zeit auch mal bei ihrem Soundcloud-Account vorbeischauen. (Danke an iamnosuperman für den Tipp!)

Anspieltipps: “Navy Light”, “White Gold”

Goose | Synrise

Bleiben wir in der elektronischen Schiene. Wer erinnert sich noch an Goose? Als ich gehört habe, die Belgier hätten ein neues Album, löste der Name erstmal dunkel ein Gefühl der Erinnerung aus, ich musste sie also schonmal irgendwo gehört haben. Und siehe da: Vor einigen Jahren haben sie uns bereits unter anderem mit dem Song “Bring It On” beglückt, der auch gerne mal in einschlägigen Clubs gespielt wurde. Nun melden sie sich mit “Synrise” zurück. Darauf findet man neben Instrumentals und langsam angehauchten Titel auch Juwelen wie “Words”, die an Depeche Mode oder die Klaxons erinnern.

Anspieltipps: “Words”, “Like You”

Weekend | Sports

Den Abschluss machen heute mal die drei Noise-Popper von Weekend aus San Francisco. Wenn ich das richtig sehe, ist Sports ihre Debütplatte. Und was für eine. Unter Vertrag sind sie übrigens bei Slumberland, seinerseits auch Label von “The Pains Of Being Pure At Heart”. Und dieser Vergleich passt vom Sound auch ganz gut. Unser aller Freunde bei Pitchfork beschreiben das bei ihrem Review zum Track End Times sehr passend: ““End Times” (from their forthcoming record Sports) takes an addictive bassline and melancholy vocals and buries them under a din of squall and thrashing drums. The harmonies encased in reverb and the oscillating, distorted no-wave guitars take a jump off the cliff and begin to soar during the chorus, bringing the two extremes the band works under to angelic heights.” Dem ist nichts hinzuzufügen, hört mal rein.

Anspieltipps: “Age Class”, “End Times”

Es lebe die Musik. Viel Spaß beim Reinhören.

MfG Ern