2011: Round One
// 02. 03. 2011 // 1 Kommentar » // Musik, Plattenteller
Welch Faux-Pas. Ein Blog lebt von regelmäßigen Einträgen und nun habe ich den Salat. Meine Musiksammlung wächst und wächst und so haben sich seit Beginn des Jahres bereits jede Menge hörenswerte Platten angesammelt, die ich euch nun etwas verspätet vorstellen möchte.
Fujiya & Miyagi | Ventriloquizzing
Eine Ode an “Karate Kid” und ihr Aufnahmegerät der damaligen Zeit, das ist der Bandname Fujiya & Miyagi. Und auch wenn sie sich grob der Kategorie “Elektronische Musik” zuordnen lassen, so grenzen sie sich doch in ihrem Sound klar von anderen im Genre ab. Dafür ist natürlich in erster Linie Sänger David Best verantwortlich. Auch auf ihrer neuen Scheibe “Ventriloquizzing” (zu deutsch: Bauchreden) manövriert er wieder gekonnt zwischen Singen und Hauchen. Leider ist auch das rollende R nicht mehr ganz so charakteristisch wie auf den Vorgängern. Nichtsdestotrotz bietet das Album die gewohnt lässige Atmosphäre mit klarer Baseline und repetitivem Chorus, wie man es von den Jungs aus Brighton gewohnt ist. Einen offizielen Trailer zum Album will ich euch übrigens nicht vorenthalten.
Anspieltipps: “Sixteen Shades Of Black & Blue”, “Ventriloquizzing”
Iron & Wine | Kiss Each Other Clean
Von der elektronischen Musik zum Folk bzw. der Singer-Songwriter-Bewegung. Und in diesem Fall nicht zu irgendwem, sondern zu Sam Beam aka Iron & Wine, der neben Conor Oberst (Bright Eyes) als führender Vertreter eben dieser Bewegung zu sehen ist. Mal davon abgesehen, dass mir das Cover seines neuen Albums aufgrund seines Stils schon außerordentlich zusagt, geben sich auf “Kiss Each Other Clean” zu allem Überfluss auch noch hervorragende Tracks die Klinke in die Hand. Dabei greift Mr. Beam übrigens neben der genretypischen Akustikgitarre auch zu diversen anderen Instrumenten, u.a. Klavier/Keyboard/Synthie, Trompete und Xylophon.
Anspieltipps: “Rabbit Will Run”, “Monkeys Uptown”
Cut Copy | Zonoscope
Zurück zum Elektro. Und diesmal nich etwa aus den Staaten oder Europa, sondern vom anderen Ende der Welt aus Australien. Und als wäre die Moderne dort noch nicht angekommen, machen die Mannen von Cut Copy um Sänger Dan Whitford Elektropop, wie man ihn sonst nur aus den 80ern kannte. Kein Wunder also, dass sich Namen wie Kraftwerk oder New Order in den Referenzen wiederfinden. Was sie uns allerdings mit der überschwemmten New Yorker Innenstadt auf ihrem Cover sagen wollen, wird zumindest mir vorerst ein Rätsel bleiben. Nach anfangs erfolgreichen Supports von Bloc Party und Franz Ferdinand auf Touren durch die USA werden sie im März jetzt nun auch erstmals als Headliner auf dem Ultra Music Festival in Miami auftreten. Wer also zu viel Geld und oder Langeweile hat oder für das Konzert in Berlin keine Karte mehr bekommen hat, nix wie los.
Anspieltipps: “Need You Now”, “Alisa”
Peter Bjorn And John | Gimme Some
Pfeifen scheint in der Musik ja eher verpöhnt zu sein. Oder wie erklärt man sich die offensichtliche Abwesenheit anders? Gut, dass es da immer ein paar Ausnahmen gibt, die sich am besten gleich noch als Ohrwurm wochenlang im Kopf festsetzen. Das beste Beispiel ist dafür ist neben “Twisted Nerve” der Song “Young Folks” von Peter Bjorn And John gewesen, welcher auf der 2006er Platte “Writer’s Block” zu finden ist. Nach einem meiner Meinung nach eher mauen Zweitwerk kehren die 3 Schweden nun mit “Gimme Some” zurück. Und wie würde man im Englischen sagen: “They deliver!” Ich hatte selten Platte wie diese, bei der alle Songs einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch das Arrangement der Tracks ist perfekt. Nachdem “Tomorrow Has To Wait” zunächst seicht in das Album führt, kommen mit dem Jungle-Beat-Song “Dig A Little Deeper” und “Second Chance” gleich die Highlights der Platte, sodass Langeweile gar nicht erst aufkommen kann. Drei Daumen hoch von mir!
Anspieltipps: “Dig A Little Deeper”, “Second Chance”
Adele | 21
Ob es später das Erinnern an die eigenen Anfänge leichter machen soll oder einen Mangel an Kreativität überdecken soll, weiß ich nicht. Aber dass Adele ihr zweites Album nun auch mit ihrem Alter brandmarkt, spricht wenigstens für Konsequenz. Und viel wichtiger ist ja der Inhalt. Und nach 2 Grammys für ihren Erstling waren die Erwartungen doch sehr hoch gesteckt. Umso schöner ist es, dass sie mit der ersten Singleauskopplung aus “21” namens “Rolling In The Deep” sogar noch übertroffen wurden. Und auch der Rest wird einer Adele gerecht. “Turning Tables” ist auf herrliche Weise emotional, ohne zu sehr in den Kitsch abzurutschen. Das liegt aber zum großen Teil an Adeles Stimme. Wie sagt man da immer so schön: Ein Timbre mit Wiedererkennungswert und kein Vibrato in allen Tonhöhen. Singen will halt gelernt sein. Und Lernen kann so manch anderer Möchtegern-Sänger von Adele noch jede Menge. Das gelungene Cover von “Lovesong” (The Cure) wird übrigens wohlwollend zur Kenntnis genommen.
Anspieltipps: “Rolling In The Deep”, “I’ll Be Waiting”
Ratatat | LP4
Nun zu einem Album, dass sich unerlaubterweise reingeschmuggelt hat, denn eigentlich wurde es bereits letztes Jahr veröffentlicht und ist wie so häufig meinem Radar entgangen. Shame on me! Denn Ratatat sind ja nun wirklich schon ein Weilchen im Geschäft. Denn “LP4” ist die – wer hätte es gedacht – vierte Platte des New Yorker Duos, bestehend aus Mike und Evan. Und ihrem Sound sind sie treu geblieben. Das heißt lang gezogene, jaulende Gitarrenklänge vermischt mit feinem Synthie-Beimengungen. Als kleines Schmankerl findet sich auf dem Album tatsächlich auch mal Stimme, allerdings von einem Sample. “Drugs” beginnt z.B. mit der wohlgemerkten deutschen Phrase: “Was wird daraus, wenn der Bruno mal tot geht? Wo landen diese Sachen? Wo landen diese Instrumente? Was wird daraus?”. Amüsant, wie ich finde. Aber ein Track hat es mir im Besonderen angetan. Denn “Neckbrace” beginnt nicht nur ebenfalls mit einem Voice-Sample, sondern wird in seinem Rhythmus auch wesentlich von einem bestimmt. Das zusammen mit dem üblichen Ratatat-Sound macht beim Zuhören einfach Spaß. Weiter so, Jungs!
Anspieltipps: “Neckbrace”, “Drugs”
Cage The Elephant | Thank You Happy Birthday
Schlagen wir wieder etwas rauere Töne an. Repräsentiert durch Cage The Elephant. Die kommen aus den schönen United States of America und bescheren uns Rock mit leichtem Hang zum Punk. “Thank You Happy Birthday” ist nun ihr zweites Album, nachdem das erste durch Tracks wie “Ain’t No Rest For The Wicked” überzeugen konnte. Das zweite Album wirkt nun so, als hätten alle Beteiligten vor den Studioaufnahmen noch mal ein paar Muntermacher eingeworfen, um das Album in einer einzigen Schicht. Das ist keinesfalls abwertend gemeint. Man merkt lediglich die Energie, die in jedem Song steckt. Allerdings wirken die Protagonisten auch teilweise etwas neben der Spur, wie bei wirrem Gestammel z.B. in “Indy Kidz“. Ist aber mal was Neues. Ob das dr Fanbase des ersten Albums gefällt, sei dahin gestellt. Mein persönliches Highlight ist aber “Sabertooth Tiger“. Das klingt für mich nach einem verschollenen Killradio-Song und erhält deshalb das Prädikat “besonders wertvoll”.
Anspieltipps: “Sabertooth Tiger”, “Indy Kidz”
Deerhof | Deerhof vs. Evil
Mit dem experimentellen Rock ist das schon so eine Sache. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. So dürfte es sich auch für Deerhoof‘s neue Platte “Deerhoof vs. Evil” verhalten, denn die probieren fleißig immer wieder neue Sachen aus. Die Melodiestrukturen und Instrumente wechseln quasi mit jedem Song. Da klingt “Almost Everyone, Almost Always” noch nach einem Flaming Lips-Tribute und im nächsten Moment ist man mit “No One Asked To Dance” fast bei einem reinrassigen Folk-Stück angekommen. Aber mal ehrlich: Konzeptalben sind schließlich auch was für Langweiler. Und man muss der Truppe um Satomi und Greg immerhin anrechnen, dass sie in keinem Genre, dass sie im Verlaufe des Albums ankratzen einen schlechten Eindruck hinterlassen. Abgerundet wird das Hörerlebnis durch den unüberhörbaren japanischen Akzent von Satomi. So cute.
Anspieltipps: “The Merry Barracks”, “I Did Crimes For You”
Marc-Uwe Kling & Die Gesellschaft | Marc-Uwe Kling & Die Gesellschaft
Lassen wir dem Spaß doch auch mal seinen Auftritt. Personifiziert in diesem Fall durch einen Herren mit dem klangvollen Namen Marc-Uwe Kling. Wer sich jetzt denkt “Das kann noch nur irgend so ein Kleinkünstler sein.”, hat damit natürlich völlig recht. Na gut, vielleicht nicht irgendeiner, denn auf eine gewisse Popularität kann er sich ja inzwischen schon berufen. Als Botschafter der Poetry Slams, auf denen ich ihm als Zuschauer/-hörer ja in Potsdam regelmäßig über den Weg laufe, war er immerhin schon bei Stefan Raab zu Gast. Außerdem hat man ihm beim Radio Fritz eine Rubrik spendiert, in der er jede Woche “Neues vom Känguruh” erzählt, mit dem er, zumindest fiktiv, zusammenwohnt. Im Laufe der Jahre haben sich bei dem Hobby-Gitarrenvirtuosen natürlich auch etliche Songs angesammelt, die hier und da auf Poetry Slams, aber auch gerne mal im Fernsehen zum Besten gegeben wurden. Einigen dieser Titel kam nun die Ehre zu Teil, mit Band aka Die Gesellschaft eingespielt zu werden. Das ergibt ein Album mit fast 50 Minuten Entertainment und der typischen apathischen Spritzigkeit eines Marc-Uwe Kling.
Anspieltipps: “La La La Langweilig”, “Hörsprechgarnitur”
Yuck | Yuck
Und der Phönix entsteigt der Asche und ward so schön wie man ihn vorher noch nie gesehen hatt’. Das ist zumindest erst einmal eine grobe Beschreibung für Yuck. Denn Yuck besteht nich unwesentlich aus ehemaligen Mitgliedern der offenbar aufgelösten Cajun Dance Party, die mein Wissenschaftler-Herz mit Songs wie “Amylase” höher schlagen ließ. Aber man kann Max Bloom (Gitarre) und Danny Blumberg (Vocals) ihre Entscheidung nicht übel nehmen, zumindest wenn man erst einmal in Yuck reingehört hat. Denn mit dem neuen Bandnamen kam auch der neue Sound. Denn den Indie Rock haben sie zugunsten eines herrlich schrammeligen Lo-Fi/Shoegaze-Spekatakels ad acta gelegt. Hier und da schmuggeln sich auch mal ein paar sanftere Töne dazwischen wie bei z.B. “Shook Down“, für das auch Danny’s jüngere Schwester ein paar Vocals beisteuert. Am kommenden Freitag kann ich mich ja dann auch mal von der Live-Performance der Truppe überzeugen.
Anspieltipps: “Get Away”, “Holing Out”
Starfucker | Reptilians
Sich aus der Masse an in der letzten Zeit veröffentlichten Electro-Platten abzuheben, ist wahrlich keine einfache Aufgabe. Eine Ausnahme ist da Starfucker, ein Quartett aus Portland, die im Grunde genommen auch nur mit Wasser kochen. Aber die Songs bleiben nach dem Hören zum Glück hängen. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich “Millions” in den letzten Wochen gehört habe. Ein weiteres Schmankerl sind übrigens die im Album ab und zu auftauchenden Voice-Samples, ähnlich denen bei Ratatat. So wird am Ende von “Mystery Cloud” z.B. darüber philosophiert wie gut eine Kontemplation über den Tod der Kreativität auf die Sprünge hilft. Ich frage mich immer, wo man solche Samples überhaupt herbekommt bzw. ob sie denn tatsächlich einen konkreten Bezug zum Album haben. Nehmen wir es einfach mal an.
Anspietipps: “Millions”, “Bury Us Alive”
Lia Ices | Grown Unknown
Wir machen einen kurzen Abstecher zu den Singer-Songwritern, genauer gesagt zu den weiblichen. Dorthin, wo die gute Florence seit der Veröffentlichung ihres Albums thront. Doch mit Lia Ices hat sie jetzt mal wieder eine Konkurrentin mehr zu fürchten. Denn die hat Anfang des Jahres ihr Debütalbum “Grown Unknown” veröffentlicht. Und darauf geht es so traurig zu, wie man es derzeit aufkeiner anderen Singer-Songwriter-Platte findet. Untermalt wird das Ganze durch Lias virtuoses Klavierspiel und die an dramatisch passenden Songstellen einsetzenden Chöre, die Lia aber zu keiner Zeit in den Schatten zu stellen vermögen. Highlight der Platte ist zweifelsohne “Daphne“, das zu Beginn nicht viel mehr als Stimme, Cello und Gitarre braucht, um den Song voranzutreiben. Hier und da mal ein Rhythmuswechsel und passende Guest Vocals von Justin Vernon. Fazit: Eine runde, aber mit neun Tracks eine viel zu kurze Platte.
Anspieltipps: “Daphne”, “Lilac”
James Blake | James Blake
Kommen wir nun zu einem echten Revoluzzer. Zumindest musikalisch gesehen. Denn James Blake hat sich dem experimentellen Electro verschrieben und hat mit seinem selbstbetitelten Debüt ein Album veröffentlicht, dass die Kritiker aufhorchen ließ. Und damit meine ich nicht etwa irrelevante Bewertungen wie jene im Feuilleton der FAZ sondern eine “9.0” in keinem geringeren Magazin als pitchfork. Und das schafft wahrlich nicht jeder. Aber wer Genres wie Dubstep, Downtempo und Soul so mühelos zusammenschmieden kann wie der ’89 geborene Brite, hat das vermutlich verdient. Auch bei seiner Interpretation von Leslie Feists “Limit To Your Love” kann man nur staunen. Wüsste man es nicht besser, hätte es auch aus seiner Feder stammen können. Zumal er nicht mehr als ein Klavier und seine Stimme braucht, um die Message rüberzubringen. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und prophezeie diesem Jungspund eine rosige Zukunft, wenn er weiterhin so kreativ bleibt.
Anspieltipps: “Limit To Your Love”, “The Wilhelm Scream”
Rafter | Quiet Storm
Das Beste kommt zum Schluss, wie es immer so schön heißt. Auch für diesen Beitrag handhabe ich das so. Und über diesen Zufallsfund bin ich doch ziemlich glücklich gewesen. Wer einmal die Zeit hatte, in die Debütplatte der Sleigh Bells aus dem letzten Jahr reingehört hat, den dürstet es sicher nach mehr nach diesem, nennen wir es mal No-Fi-Kram. Dieser Sound, wenn man nicht weiß, ob die Trommelfelle noch dicht halten oder schon längst über den Jordan gegangen sind. Nunja, eben dieses akustische Erlebnis vermag einem auch Rafter mit der Platte “Quiet Storm” zu bescheren. Den Song “Innocence, In A Sense” hätten die Sleigh Bells z.B. eben so gut unter ihrem Namen veröffentlichen können. Wer also für extremen Lo-Fi zu begeistern ist, möge sich diese Scheibe auf Bandcamp o.ä. besorgen.
Anspieltipps: “Nothing Here Worth Stealing”, “Convenience Or Death”
Damit schließe ich die erste Bestandsaufnahme für dieses Jahr. Ich hoffe doch, es war für jeden etwas dabei.
MfG Ern





































Ich hatte im Vorfeld zugegebener Maßen sehr hohe Erwartungen an As I Lay Dyings neuestes Werk. Wenn man mit derartigen Ansprüchen an ein Album herangeht, ist die Gefahr enttäuscht zu werden natürlich relativ groß. Umso schöner ist es jedoch, wenn die hochgesteckten Erwartungen sogar noch übertroffen werden. Und As I Lay Dying haben sie übertroffen! 11 energiegeladene Tracks, großartige Songstruktur, ein perfektes Zusammenspiel von Musik und Gesang, kurzum: ein grandioses Album. Und auch live wissen die 5 Amerikaner absolut zu überzeugen, wie ich ja erst am 15. November feststellen durfte.
Bei dieser Platte, die man wohl dem Deathcore zuordnen würde, ist meiner Ansicht nach so ziemlich alles gelungen, was dem doch häufig auf der Stelle tretenden Genre seine Impulse verleiht. Der raue Gitarrensound, die typischen tiefen Growls von Sänger Phil Bozeman und das punktgenaue Drumming werden hier in großartiger Weise miteinander kombiniert. Dass die Band dabei den Fokus mehr auf Death Metal als auf “Core” legt, kommt dem Album ebenfalls sehr zu Gute: Es werden auf sich ständig wiederholende Breakdowns verzichtet und den Songs mehr Möglichkeit geboten sich auch richtig zu entfalten. Also: “A New Era Of Corruption” ist eines der besten Deathcore-Alben des Jahres, aus meiner Sicht die (neue) Genre-Referenz.
Die erste von vielen Neuentdeckungen meinerseits dieses Jahr ist die Truppe aus New Jersey. Called To Arms haben einen sehr speziellen Sound, die Musik zeichnet sich durch ständige Rhythmuswechsel, überraschende Gitarrensoli und rauen Gesang aus. Das Album ist nicht nur wegen des deutlich hörbaren musikalischen Könnens interessant, sondern reizt gerade durch die Überraschungen, die einem jeder Song auch beim 10. Durchlauf noch bietet. Es mag vielleicht der Verdacht aufkommen, dass die Tracks gelegentlich wie zufällig zusammengewürfelte Klangcollagen klingen könnten. Ich versichere aber an dieser Stelle: das ist absolut nicht der Fall! Die Songs sind in sich stimmig und überzeugen auch in ihrer Zusammenstellung auf dem Album. Kurzum: Für mich ist “Peril And The Patient” eines der interessantesten und überraschendsten Alben des Jahres. Unbedingt mal reinhören.
Within The Ruins ist eine Band aus Massachusetts. Diese Tatsache ist nicht besonders spektakulär, aber wir reden ja hier von Musik. Und in diesem Gebiet beweisen die 5 Jungs, dass sie ihr Handwerk absolut verstehen. Auf “Invade” bekommt man einen sehr guten Eindruck davon, wie gut sie ihre Instrumente beherrschen. Das Album ist zwar relativ technisch (d.h. die eben erwähnten spielerischen Fähigkeiten werden entsprechend betont), dennoch achtet Within The Ruins darauf, dass es nicht an nötiger Härte mangelt. Diese beiden Elemente wechseln sich im Laufe der Platte kontinuierlich ab und lassen dem Hörer ordentlich die Ohren flattern.
Ich bin ein Freund von Experimenten. Natürlich wäre es von Vorteil, wenn diese auch gelingen, besonders in musikalischer Hinsicht, sonst läuft man Gefahr große Schmerzen in irgendeinem Körperteil zu empfinden. Im Fall von The Browning glückt das Experiment erfreulicherweise. Worum es geht? Die Kombination von schweren Gitarrenriffs mit Elektro-Beats, die genausogut in irgendeinem Rave-Nachtclub gespielt werden könnten. Zugegeben: dieses Experiment wurde schon einige Male durchgeführt, mit unterschiedlichen Ergebnissen. The Browning sind aber bislang in dieser Hinsicht eindeutig die Krone der Schöpfung. Und wer mir nicht glaubt, der sollte einfach mal reinhören und sich eines Besseren belehren lassen! (auch wenn leider kein Widget verfügbar war…)
Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich hin und wieder mit großem Genuss ein wenig Progressive höre. Alle andern wissen das nun auch. My Epic haben mit “Yet” meinen diesjährigen Favoriten in diesem Bereich veröffentlicht. Musikalisch wirklich bezaubernd schwingt sich das Werk auf sanften Flügeln durch die Gehörgänge. Es erscheint einem wie eine große Reise, die man am liebsten nicht unterbrechen möchte. Die sanfte Stimme von Sänger Aaron tut ihr Übriges und man kann regelrecht in der Musik versinken. Sollte man jedoch nicht besonders religiös bzw. ein wenig aufgeschlossen gegenüber religiösen Themen sein, so wird man teilweise einen Brechreiz anhand der Texte verspüren. Davon aber abgesehen, kann sich das Zweitwerk des Trios durchaus sehen und vor allem hören lassen.
Und weiter gehts mit dem ersten Vertreter des Post-Hardcore Genres in meiner Liste. Ich muss zugeben, dass ich vor “Illuminaudio” noch nichts von Chiodos gehört hatte, was aber scheinbar nicht weiter schlimm ist (wie ich einigen Recherchen entnehmen konnte). Mit dem aktuellen Werk gibt es einen neuen Sänger, häufig ein schlechtes Zeichen für eine Band. Nicht so in diesem Fall. Brandon Bolmer beweist, dass er hervorragend singen kann, aber auch die gelegentlich eingesetzten Screams beherrscht. Musikalisch hat mich das Ganze auch sehr begeistert: Schlagzeug, Gitarren und die ab und an auftauchenden Klavierklänge vermischen sich in unterschiedlichster Weise zu einem großartigen Sound. Die Songs sind dabei äußerst abwechslungsreich und machen einfach Spaß beim Zuhören. Dem Album sollte man unbedingt eine Chance geben.
Und da ist gleich der zweite Streich aus der Post-Hardcore Ecke. Um es gleich vorweg zu nehmen: “No Secret Revealed” ist sensationell gut. Ich erlebe ein äußerst seltenes Phänomen mit diesem Album. Wenn man eine Platte jeden Tag hört, dann ist es normalerweise schnell soweit, dass man sich das Ganze überhört, d.h. die Musik packt einen einfach nicht mehr so wie am Anfang und man legt die Scheibe irgendwann komplett zur Seite. Doch Affiance hat etwas geschaffen, das diesem Trend entgegenwirkt. Seit etlichen Tagen höre ich die Platte rauf und runter und es bleibt so hörenswert wie am ersten Tag. Was macht das Album nun so gut? Die Songs sind einfach großartig geschrieben, der Sound fantastisch… und der Gesang ist atemberaubend. Man muss sich zwar erstmal an die Stimme von Sänger Dennis Tvrdik gewöhnen, aber dann wird man einfach umgehauen vom seinem unglaublichen Stimmvolumen. Auch textlich weiß Affiance zu überzeugen, indem politisch und geschichtlich motivierte Themen verhandelt werden. Wenn mal wieder jemand in seiner Ignoranz sagt, dass alle Metalbands nur rumschreien, dann sollte man ihm einfach “No Secret Revealed” ins Gesicht klatschen und ihm zeigen, dass harte Musik auch mit klarem Gesang funktioniert!
Ein weiteres Debütalbum in meiner Liste (siehe u.a. The Browning und Affiance) kommt von God Falls aus Montreal. Der Sound dieser Formation hat etwas Fesselndes und lässt sich keinem spezifischen Subgenre zuordnen. Die Bandbreite der enthaltenen Elemente ist beeindruckend groß: Metalcore, Hardcore, Deathcore, aber auch Melodic Death Metal im skandinavischen Stil lassen sich heraushören. Ein weiteres Merkmal der Gruppe sind die Vocals. Die Screams und Growls von Sänger Gabriel Dezb klingen wie eine rauere Version so mancher schwedischer MeloDeath Bands (Soilwork, In Flames). Die “Besonderheit” sind aber die zwar sparsam, aber immer auf den Punkt passend eingesetzten Clean Vocals von Gitaristin Gabrielle La Rue. Man hört nicht allzu oft weibliche Stimmen im Metal (und wenn, dann klingen diese meist unpassend oder nach Operngejaule). Hier jedoch verleiht ihre sanfte Stimme den Songs merklich mehr Tiefe und deutet gleichzeitig eine ganz eigene Richtung an, in die sich die Musik entwickelt. Also: Ein wirklich außerordentlich gut gelungenes Erstlingswerk, dass viel Positives für die nächsten Veröffentlichungen andeutet.
Wenn ich ein Album benennen müsste, dass mir dieses Jahr am besten gefallen hat, dann würde ich wahrscheinlich die erste Platte von Eye Of The Enemy wählen. Die Australier legen mit “Weight of Redemption” ein Brett hin, das seinesgleichen sucht. Der Sound ist bombastisch: wuchtige Riffs, großartige Melodielinien und variantenreiche Vocals lassen den Hörer auf Metalwolke 666 schweben. Wie bereits angedeutet beweisen Eye Of The Enemy, dass sie nicht nur den Vorschlaghammer schwingen können, sondern auch in den melodiöseren Passagen eine gute Figur machen. Man fühlt sich als würde man einer besonders guten Mischung aus Lamb Of God, Bleed The Sky und Fear Factory lauschen. Einfach nur grandios!
Das sechste Studioalbum von Deutschlands bekanntester Metalcoreband glänzt durch Altbewährtes. Wuchtige Riffs und donnernde Schlagzeugblasts stampfen über den Hörer hinweg, Marcus Bischoffs markante Screams tun ihr Übriges. Auch textlich ist das Album wieder hochinteressant. “Invictus” lässt zwar Innovation vermissen, weiß aber immer noch, wie man es richtig krachen lässt.
Die Australier zeigen auf ihrem dritten Album, dass sie sich stetig weiterentwickelt haben. Der Sound auf “Deep Blue” ist ziemlich speziell, die Band schreckt nicht vor Variation zurück. Die Songs zeugen von Kreativität und musikalischem Können, sei es nun durch eingängige Melodien oder groovende Beats. “Deep Blue” lässt auch in Sachen Härte keine Fragen offen, sodass ich nur empfehlen kann, der Scheibe eine Chance zu geben.
Und noch etwas Metalcore! Der Fünfer aus Turin hat ein zwar kurzes, aber nichtsdestotrotz stimmiges Album abgeliefert. Ein Intro und 11 Songs zeigen, dass die Italiener ihr Handwerk und vor allem ihr Genre verstehen. Mitreißende Riffs, Breakdowns und melodiöse Refrains (inkl. klarem Gesang) bilden die bekannte Grundlage. Sie erfinden das Rad nicht neu, wie man so schön sagt, beweisen aber, dass sie genau wissen, wie man heutzutage noch ein gutes Metalcore-Album zustande bringt.
More Than A Thousand kommen aus Portugal und spielen einen sehr fesselnden Mix aus Hardrock, Metal und angrenzenden Stilrichtungen. Die teilweise sehr eingängigen Songs erinnern an eine bunte Mischung aus Rise Against, Slipknot und Unearth. Wer hin und wieder gern mal eine Platte hört, die an einigen Stellen durchaus radiotauglich genannt werden kann, sollte in “Make Friends and Enemies” unbedingt mal reinhören! Alle anderen sollten das übrigens auch.
Beim Hören von “These Are My Sins” fühlt man sich unweigerlich an August Burns Red erinnert. Es gibt keine Clean Vocals und die Intensität mit der ein Song nach dem anderen über den Hörer hinwegdonnert ist atemberaubend. I The Breather liefern mit ihrem Debüt eines der energiegeladensten Alben des Jahres ab. Man höre und lasse den Nacken krachen.























