Beiträge getaggt ‘2010’

So weit, so gut

// 14. 02. 2010 // Keine Kommentare » // Musik

Wie bereits angekündigt, soll es von nun an auch häufiger mal um musikalische Belange und Erzeugnisse gehen. Und obwohl wir das Jahr 2010 gerade einmal angebrochen haben, kann man bereits auf einige gelungene Tonträger zurückblicken. Welche das im Einzelnen sind? Lest selbst.

Eels - End TimesRelativ zeitnah zum neuen Jahr folgte das inzwischen 10te Studioalbum des Amerikaners Mark Oliver Everett, vielen wahrscheinlich eher unter seinem Pseudonym “Eels” bekannt. Dabei musste man doch leicht stutzen, mit “End Times” inzwischen wieder ein Werk in die Hände zu bekommen, wurde man doch schließlich gerade erst im Vorjahr mit dem Vorgänger “Hombre Lobo” verwöhnt. Zur Beruhigung: Es handelt sich um ein vollwertiges Album, dass sich im Vergleich mit den Klassikern wie “Beautiful Freak” messen kann. Aber genug des Vorgeplänkels. Trotz des apokalyptischen Titels ist die Stimmung auf dem Album doch widererwartend optimistisch, so zum Beispiel in “Gone Man”. Für die Melancholiker unter euch ist “I Need A Mother” zu empfehlen.

Hiermit wurde endgültig der Beweis angetreten, dass Akkord-Arbeit nicht zwangsläufig auf die Qualität eines Albums drücken muss.

Vampire Weekend - ContraUm nicht ganz chronologisch fortzufahren widmen wir uns jetzt einem Album der Kategorie “Highly Anticipated”. Und warum? Richtig, weil es um den Zweitling einer sehr innovativen Band aus New York geht, die uns 2008 mit in der westlichen Musikszene unterrepräsentierten afrikanischen Klängen, gemischt mit herrlichen Rock/Pop-Melodien begeisterten. Wer erinnert sich nicht an den Dauer-Ohrwurm, den sie uns mit “A-Punk” beschert haben? Und nun sind Vampire Weekend also mit “Contra” wieder ins Spotlight getreten. Und um schnell auf den Punkt zu kommen: Es ist ein spannendes Album, keine Frage. Bei Titeln wie Cousins oder Horchata (übrigens ein Getränk aus Südamerika, für alle die sich das gerade fragen) fühlt man sich wie beim ersten Longplayer mitgerissen, aber mit einigen der anderen Songs bin ich noch nicht gut Freund. Und ein Befürworter des in “California English” verwendeten Auto-Tunes bin ich jetzt auch nicht unbedingt. Das mag jetzt vielleicht das Album in einem schlechten Licht dastehen lassen, aber das ist keinesfalls meine Absicht. Schließlich will gut Ding Weile haben.

Xiu Xiu - Dear God, I Hate MyselfWeiter in der experimentellen Gemeinde. Dort bin ich Anfang diesen Jahres auch über Xiu Xiu gestolpert. Diese beglücken uns momentan mit ihrem Album “Dear God, I Hate Myself”. Es scheint mir übrigens gerade eine ziemliche depressive Haltung in der Musik zu geben, wenn ich mir die Albumnamen hier bisher anschaue. Wie dem auch sei. Ich bin ja generell ein Freund von vielseitigen Alben. Und Jamie Stewart hat in diesem Falle wirklich eins abgeliefert. Auch wenn er sich eigentlich stets emotional voll ergriffen durch jeden Song kämpft, so ist es doch jedes Mal ein anderes Ambiente. Das liegt vermutlich auch an der abwechselnden instrumentellen Besetzung. Während einige Songs wie z.B. “Apple For A Brain” sehr elektrolastig sind, kommen andere z.B. nur mit Gitarrenbegleitung aus (“Falkland Rd.”). Wer also inzwischen von dem ganzen Brit Rock-Einerlei à la Arctic Monkeys ein wenig angeödet ist, soll hier ruhig zugreifen.

Shout Out Louds - WorkWidmen wir uns der nächsten Veröffentlichung, den One-Hit-Club-Wonder-Schweden (kann ich mir das patentieren lassen?) von den Shout Out Louds. “Work” wird ihr drittes Album sein und am 24. Februar bei uns erscheinen. Ich habe für euch mal reingehört und möchte sagen, dass da ein solides Indie-Pop Album auf uns wartet, fast ein bisschen zu sehr dem Cliché folgend, aber solide. Es lebt von Keyboard-Einsätzen an den richtigen Stellen und natürlich Adam und Bebban am Mikro, ein sehr schönes Gesangsduo nebenbei gesagt. Die Single “Fall Hard” gibt Ausblick auf die etwas rockigeren Seiten des Albums, wenn auch mit den Foals entlehnter Gitarre im Background. Wer’s lieber ruhig mag, kommt bei “Candle Burned Out” auf seine Kosten. Mein persönliches Highlight ist aber “Show Me Something New”, ein angenehm frischer Song in dieser finsteren Jahreszeit. Ab dem 24.2. könnt ihr euch ja dann eure eigene Meinung bilden.

Good Shoes - No Hope, No FutureEbenfalls alte Bekannte sind die Herren von den Good Shoes. Viele werden sie nur durch ihren Club-Hit “Never Meant To Hurt You” kennen. Das ist natürlich schade, da es selbstverständlich nicht die einzig gute Nummer auf “Think Before You Speak” war. Sei’s drum. Entsprechend gespannt war ich auf “No Hope, No Future” (endlich mal eine nicht ganz so negative Sichtweise). Und dann als Opener gleich so ein Song wie “The Way My Heart Beats”, dessen Refrain sich prompt in die Gehörgänge einnistet. Von “Under Control” mal ganz abgesehen. Dass die Verwechslungsgefahr mit dem gleichnamigen (guten) Strokes-Song ihnen neue Hörer beschert, ist zu hoffen. ABer was zähle ich hier die einzelnen Songs auf. Die ganze Tracklist ist uneingeschränkt zu empfehlen. Übrigens finden sich auch hier wieder Foals-Anleihen, scheint wohl Trend zu sein.

The Black Box Revelation - Silver ThreatsKommen wir nun zu meinem derzeitigen Höhepunkt des Musikgenusses im Jahre 2010. Manche Bands bestehen aus 10 Mitgliedern oder mehr. Warum eigentlich, wenn man doch nur 2 braucht, um einen satten Sound zu fabrizieren. Dass dieses Konzept einfach funktioniert, wissen wir spätestens seit den Black Keys. Ähnlich überragend und ebenfalls im Blues Rock angesiedelt sind die Belgier von The Black Box Revelation mit Jan Paternoster am Mikro und Dries van Dijck am Schlagzeug. Ihr erinnert euch vielleicht noch an meinen musikalischen Jahresrückblick für das letzte Jahr. Da waren sie bereits mit ihrem Debüt “Set Your Head On Fire” vertreten. Und statt sich für das zweite Album, was ja bekanntermaßen das schwerste für eine Junge Band ist, mehr Zeit zu nehmen, liefern sie mit “Silver Threats” jetzt schon ihre trotzige Antwort auf diese Behauptung ab. Und diese Antwort kann sich sehen lassen. Ein Juwel jagt das nächste. Seien es energiegeladene Tracks wie die Single-Auskopplung “Do I Know You” oder der Opener “High On A Wire”. Oder auch mal wieder Ruhigeres wie z.B. “Our Town Has Changed For Years Now”.

Natürlich gibt es da einige die noch erwähnt werden könnten, aber ich will ja nciht den Rahmen sprengen. Auch einige Enttäuschungen (z.B. Ok Go) spare ich mir an dieser Stelle mal lieber.

Zum Schluss noch eine kleine Moral dieser Geschichte: Hört eure Musik nicht so laut, dann habt ihr länger was davon.

MfG Ern