Beiträge getaggt ‘ARD’

Germany: 12 Points

// 06. 03. 2010 // Keine Kommentare » // Musik, Unterhaltung

Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Lösungsansätze. Anders war das wohl auch mit dem Eurovision Song Contest nicht. Bis heute ist es zwar schleierhaft, was für Kriterien ein Song/Interpret erfüllen muss, um auf Platz 1 zu landen, aber auch wenn unser letzter erster Platz mit Nicole’s “Ein bißchen Frieden” nunmehr bereits 28 Jahre zurückliegt, so war es Deutschland auf lange Sicht eigentlich immer gelungen, eine Top Ten-Platzierung zu ergattern.

Das war zum größten Teil auf die Eigeninitiative des selbsternannten Grand Prix-Papstes Ralph Siegel zurückzuführen, der Komponist fast aller Beiträge seit Ende der 70er Jahre ist. Der Fairness halber sei erwähnt, dass auch oben angesprochener Gewinnertitel aus seiner Feder stammt. Und trotzdem: Was war nur los in den letzten Jahren? Seit Max Mutzke mit “Can’t Wait Until Tonight” einen gewohnt guten 8ten Platz landen konnte, schienen der Hit-Schmiede Deutschland die Talente ausgegangen zu sein. Trauriger Tiefpunkt war da wohl der grandiose letzte Platz (von 24 Nationen wohl gemerkt) für “Run & Hide” von Gracia im Jahre 2005. Dass auch die sonst so gefeierten Chartstürmer No Angels vor Jahren so auf die Nase fallen würden (Platz 23/25), zeigte einmal mehr, dass der Bekanntheitsgrad aber auch nun gar nichts mit dem Erfolg beim Song Contest zu tun hat. Was also tun, müssen sich die Herren vom ARD da gefragt haben, richten sie doch jedes Jahr den deutschen Vorentscheid aus. Ich vermute, eine simple Überlegung führte zu dem richtigen Schluss: “Wenn bereits beim Vorentscheid nur schlechte Kandidaten antreten, ist es wohl an der Zeit, sich selbst auf die Suche nach Talenten zu machen. Aber da man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen herzlich wenig Erfahrung mit Casting-Shows gesammelt hat (an dieser Stelle sei auf den “Musical Showstar” verwiesen), entschied man sich zu einer symbolträchtigen Zusammenarbeit mit jemandem, der daran wesentlich versierter ist. Und auch die Zahlen sprechen für ihn. Bereits 3 Mal ist er direkt oder indirekt beim Grand Prix angetreten. Als Komponist für Guildo Horn verhalf er diesem 1998 zu einem 7ten Platz. Mit dem herrlich schrägen “Wadde hadde dudde da?” ging er im Jahre 2000 selber an den Start und kämpfte sich hoch bis auf Platz 5. Wie bereits für Guildo Horn komponierte er auch den oben erwähnten Beitrag von Max Mutzke, was bekanntermaßen mit einem 8ten Platz quittiert wurde. Die Rede ist natürlich von Stefan Raab, dem deutschen Entertainer schlechthin (für manche zumindest). Ich sage nicht, dass er der beste ist, aber zweifelsohne der innovativste. Man denke nur an die vielen Formate, mit denen er die deutsche Fernsehlandschaft in den letzten Jahren bereichert hat, allen voran Schlag den Raab. Und so kam es also zur ersten Kooperation zwischen einem öffentlich-rechtlichen und einem privaten Fernsehsender, mit dem Ziel, über eine Casting-Show einen geeigneten Kandidaten für den Eurovision Song Contest zu finden.

“Unser Star für Oslo” (USFO) startete im Februar mit den vorab ausgewählten besten 20 Bewerbern und an diesem Abend konnten wir bereits das Viertelfinale in der ARD bewundern. Und wo eine Traditions-Casting-Show parallel läuft, da können natürlich auch Vergleiche nicht ausbleiben. Ich schließe mich da persönlich einem sehr guten Online-Artikel des Spiegels an, mehr ist dazu nicht zu sagen. Mir fällt übrigens gerade auf, dass der Artikel faszinierend distanziert geschrieben ist, habe ich doch die Kandidaten mit keinem Wort erwähnt. Ich ändere das auf die letzen Meter natürlich noch, indem ich mich schnur-stracks-ehrlich als Lena-Fan oute. Ich würde mich so, so hart freuen, wenn sie gewinnt. Olé olé. Für alle Intressierten vielleicht gleich mal ein Video, was den berechtigten Hype um sie erklärt.

Nächste Termine sind das Halbfinale am Dienstag um 20:15 wie gewohnt auf ProSieben und das Finale nächsten Freitag zur selben Zeit im ARD.

Abschließend attestiere Deutschland für den diesjährigen Grand Prix am 29. Mai gute Chance, vorausgesetzt der Gewinnertitel passt auch zum Sieger (in diesem Falle also Lena)

In diesem Sinne: Stay tuned

MfG Ern