Beiträge getaggt ‘Astra Kulturhaus’

Konzert: Darwin Deez + Totally Enormous Extinct Dinosaurs + Ram’s Pocket Radio

// 12. 03. 2011 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Long Live The Double D! Gerade mal ein halbes Jahr ist es her, dass Darwin Deez mit seiner Spaßgesellschaft im Lido aufgetreten ist, da beehren sie Berlin auch schon wieder. Aber nicht etwa in derselben Location, nein. Die Live-Qualitäten der New Yorker Formation um den Namensgeber Darwin Deez scheinen sich seit dem letzten Mal rumgesprochen zu haben, sodass man nun – als wäre es das leichteste der Welt – das Astra randvoll bekommt. Und wie auch schon mit den Cads beim Gig im Lido hat der gute Herr Deez auch diesen Abend was die Vorband(s) betrifft ein glückliches Händchen bewiesen. Und großzügig wie er ist, hat er uns gleich zwei Warmup-Acts spendiert.

Den Anfang machte die 3-Mann-1-Frau-Kombo Ram’s Pocket Radio aus Nordirland. Diese sind laut eigenen Angaben extra für diesen Auftritt angereist, nur um danach dieselbe Strecke zurückzukutschen. Aber dafür wurden sie ja mit einem aufgeweckten Publikum belohnt. Ihre Musik würde ich grob als sehr Keyboard-lastigen Pop-Rock umreißen. Ein paar einprägsame Liedchen waren auch dabei. An “Love Is A Bitter Thing” kann ich mich da zum Beispiel noch erinnern. Schön anzusehen war die ganze Sache dann auch noch, also zumindest die Bassistin.

Der zweite im Programm war Orlando Higginbottom, vielen natürlich eher unter seinem Künstlernamen Totally Enormous Extinct Dinosaurs oder kurz T.E.E.D. bekannt. Zumindest wenn man nach der Reaktion des Publikums geht, scheinen fast die Hälfte der Leute nur wegen ihm gekommen zu sein, so euphorisch war die Begrüßung. Er kam natürlich auch stilecht im Dinosaurier-Overall auf die Bühne und ein paar Tracks später kam auch sein Markenzeichen, der protzige Indianerkopfschmuck dazu. Neben ein paar unbekannteren, aber hundertprozentig tanzbaren Mixes waren selbstverständlich auch die Ohrwurm-Kandidaten “Household Goods” und “Garden” mit am Start. Gerade bei ersterem wurde fast unisono mitgesungen. So unbekannt scheint er also gar nicht mehr zu sein. Darwin hat es während der Performance auch mal auf die Bühne gezerrt, was vom minderjährigen Teil des Publikums (nicht unwesentlich vertreten) kreischend quittiert wurde. Womit wir zur zweiten Umbaupause kommen. Wer mich kennt, weiß, dass ich auch gerne mal auf die Tracks in der Pause achte. Heute gab’s nen richtigen Genre-Salat, wenn auch gekonnt. Nach Kanye West zum Einen und Radiohead zum anderen Extrem (sofern man nicht bei pitchfork arbeitet…) hat sich doch tatsächlich kurz vor Darwins Bühnenantritt “New York Groove” von Hello eingeschlichen. Im Nachhinein vielleicht gar nicht so unpassend bei den noch folgenden Mashups.

Das erste was mir dann, mit Bedauern, aufgefallen ist, als alle es sich auf der Bühne bequem gemacht haben, war die Tatsache, dass Darwins sonstige Bassistin und Inspirationsquelle Michelle aka Mash Deez  hoffentlich nur vorübergehend ersetzt wurde. Dabei war das doch im Lido schon so lustig, weil mich sowohl Michelle bzw. Cole (Gitarre) vom Aussehen an Lesbian Robin (HIMYM) bzw. Jared Leto erinnern. Sieht wahrscheinlich niemand außer mir so, aber denkt mal drüber nach. Apropos Cole: Darwin ist natürlich unangefochtener Querdenker der Truppe, aber Cole zuzugucken macht mindestens genauso viel Spaß. Da wird dem weiblichen Publikum mit lasziven Hüftschwüngen eingeheizt, die Menge zum Mitklatschen animiert, die erste Reihe abgeklatscht… Da wundert es eigentlich niemanden mehr, dass er eine rosa E-Gitarre spielt, oder? Bei jeder anderen Band würde mich das stutzig machen, aber bei Darwin Deez kann es eigentlich nur so sein. Achja, Darwin hat ja angeblich auch nur 4 Saiten auf seiner Gitarre. Im Gegensatz zum Auftritt im Lido wurden dieses Mal bereits relativ viele neue Titel gespielt. Ich meine, mich an etwas mit “Bodyguard” erinnern zu können, außerdem noch was mit “Mama says” und zum Schluss gabs noch eine Kostprobe des relativ langsamen “Nobody Knows Me” zu hören. Von den bereits bekannten Sachen wurde meiner Meinung nach alles bis auf “Lights On” und “The Suicide Song” gespielt (angesichts der Nachrichten auch mit Kondolenzbekudungen an Japan in “Deep Sea Divers”). Die besten Sachen, vertreten durch “Bad Day” und “Radar Detector” kamen natürlich erst gegen Ende vor der ersten Zugabe. Dem fordernden Pöbel Der verzauberten Zuhörerschaft kann man natürlich keinen Wunsch verwehren und so wurde dann noch “Constellations” zum Besten gegeben. Wohlgemerkt mit fehlerfrei gesungenen Passagen des Publikums. Wenn uns das schon so einen Spaß gemacht hat, wie ists dann erst Darwin ergangen? Nachdem die erste Zugabe dann auch vorbei war, wollten sie sich eigentlich offiziell aus dem Staub machen, aber da die Begeisterungsstürme im Publikum nunmal nicht abrissen, kamen Darwin und Cole tatsächlich nochmal für eine zweite Zugabe raus, um besagtes “Nobody Knows Me” zu performen.

Aber machen wir uns nichts vor. Highlight eines jeden Darwin Deez-Konzerts sind die Tanzeinlagen zu den unterschiedlichsten Mashups. Wer sonst käme z.B. auf die Idee, Enyas “Sail Away” mit Rage Against The Machines “Testify” zu mixen und das auch noch zu choreographieren. Herrlich! Und bevor ichs vergesse: Die Rap-Einlage von Darwin ist als Highlight auch noch unbedingt hervorzuheben.

Wer es also immer noch nicht geschafft hat, zu einem Konzert von Darwin Deez zu kommen, bereut das inzwischen hoffentlich. Aber keine Angst: Wenn er in einem halben Jahr wiederkommt, spielt er ja wahrscheinlich in der O2-World, wenn das mit den Venues so weiter geht. Da sollte dann für jeden ne Karte da sein.

MfG Ern

Konzert: Madsen + Erik Penny

// 16. 01. 2011 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Aller guten Dinge sind drei! Das bewahrheitete sich nun endlich auch für Madsen, die uns Berliner bereits zweimal krankheitsbedingt auf Ersatztermine vertrösten mussten. Doch heute hieß es endlich: The curse is broken! Kleiner bis mittelgroßer Wermutstropfen für mich: Aufgrund des neuen Termins musste natürlich auch eine neue Vorband her. Was hab ich innerlich abgefeiert, als ich gesehen habe, dass Madsen sich für den Dezembertermin Nephew ins Haus geholt hatten. Die Rocker aus Dänemark wollte ich seit Ewigkeiten mal live sehen. Nunja, sollte wohl wieder nicht sein. So wurde nun kurzerhand Erik Penny verpflichtet, der bereits einige Termine der 2010er Tour eröffnet hatte.

Er spielte mit seinen Mannen schon, als ich im Astra eintraf. Ich geb ja zu, dass seine Musik durchaus was für sich hatte, aber zum Aufwärmen für Madsen wars jetz meines Erachtens nich wirklich geeignet. Sehr schön hat mir aber seine Anekdote zum Kennenlernen mit Sebastian gefallen, der sich wohl vor einiger Zeit beiläufig als Drummer für sein Album angeboten hat, nachdem er aus Los Angeles nach Berlin übersiedelte. Aber irgendwie wartete ja doch alles auf Madsen.

Das zeigte sich auch daran, dass die Halle sich erst kurz vor Ende der halbstündigen Umbaupause komplett füllte. Da ich nicht gut im Setlist merken bin, werd ich einfach mal versuchen mich an das Wesentliche zu erinnern. Alles in allem wurde natürlich viel vom neuen Album gespielt, aber das legt der Tourtitel “Labyrinth Tour 2010″ ja auch nahe. Aber zwischendrin fanden sich natürlich auch immer wieder ein paar Stücke aus guten alten oder noch älteren Zeiten wie z.B. “Panik”, “Goodbye Logik”, “Ein Sturm”, “Du Schreibst Geschichte”, “Ja Oder Nein”, “Nachtbaden” und natürlich “Die Perfektion”. Letztere übrigens auch wie alle anderen Titel perfekt performt (sowohl von Madsen als auch dem textsichersten und lautesten Non-Festival-Publikum, dass mir bis dato über den Weg gelaufen ist).

Es gab natürlich wie auf jedem Konzert Highlights. Einerseits wurden Songs auch mal um kleine Samples erweitert. Mit dabei Hot Chocolate, ein Metal-Part inklusive Growl (Respekt an Sebastian) gegen Ende oder auch vom King of Rock ein Ausschnitt aus “In The Ghetto”. Aber auch komplette Cover wurden zum Besten gegeben. Mit “Heard It Through The Grapevine” gab’s ne kleine Soul-Nummer zwischen drinne, aber den eigentlichen Hit verdanken wir dem Astra selber. Weil’s nämlich mal wieder warm wie in der Sauna war, versprach Madsen kurzerhand, dass sie “Back For Good” performen, falls es noch unerträglicher wird. Und es wurde wärmer! Am Ende waren wir an dem magischen Punkt der 10 auf Johannes’ Schweißskala angelangt und der Spaß nahm seinen Lauf. Gesungen hat in dem Fall nicht Sebastian, sondern Alexander Eß, seinerseits in der Band “Tent” und zusammen mit Sebastian in der “Band of The Week”. Er hat seine Sache übrigens gut gemeistert. Achja, und nicht zu vergessen die Sitz/Hockeinlage während des Konzerts. Soll wohl nich das erste Mal gewesen sein, aber ich mags so interaktiv, auch wenn meine Knie das sicher anders sehen. Was mir bis zum heutigen Tag auch noch gar nich so bewusst war, ist die Tatsache, dass nicht nur Sebastian in der Band singt, sondern auch Johannes und Lisa, die als Keyboarderin mit am Start ist. Johannes glänzte mit “Kein Mann für eine Nacht”, während das Publikum bei Lisas Part in “Obenunten” frenetisch Beifall klatschte. Und ich möchte sagen verdient, sie hat’s echt drauf (wie man bei ihrem Soloprojekt “Lisa Who” natürlich hören kann). Wie man es nach zweimaligem Versetzen mindestens erwartet, wurde natürlich angemessen lange gespielt. Nach kurzem, recht frühen Abgang der Band zwischendrin, mischte sich unter die Zugabe-Rufe zwar auch vereinzelt Buh-Rufe, aber nichtsdestotrotz haben sie uns insgesamt fast 2,5 Stunden unterhalten. Das ist für ein Konzert ganz ordentlich. Dementsprechend gut gelaunt ging’s dann nach Hause in dem Wissen, zum nächsten Konzert gerade mal 2 schlappe Monate warten zu müssen.

MfG Ern

Konzert: Two Door Cinema Club + Chapel Club

// 25. 11. 2010 // 2 Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Was wäre eine Woche ohne ein Konzert? Richtig. Und deswegen ging es heute wieder einmal ins Astra (wohin denn sonst?) zu den drei Jungs vom Two Door Cinema Club. Diese beehren Berlin nach ihrem Konzert im April wieder einmal mit ihrer Anwesenheit und nach einem in sich so stimmigen Debüt wie Tourist History ist es nur folgerichtig, sich das nicht entgehen zu lassen. Offenbar sahen das auch genügend andere Leute so, denn das Astra war für den Abend wohl komplett ausverkauft. Demenstsprechend voll wurde es dann auch. Glücklicherweise war das Publikum dieses Mal nicht von den obligatorischen 2-Meter-Hünen durchsetzt, sodass man doch eine gute Sicht auf die Bühne hatte. Zu der Vorband kann und möchte ich nichts Lobendes sagen. Ich habe mir im Voraus mal einige Tracks von Chapel Club angehört und gleich enttäuscht festgestellt, dass das wohl kaum die richtige Musik ist, um der Menge vor dem Main Gig ordentlich einzuheizen. Dem war dann natürlich auch so. Die Songs waren alle irgendwie so lala, die Riffs einfallslos, der Gesang (wenn man ihn überhaupt so nennen konnte) monoton. Einzig das Schlagzeug hatte mal einige kreative Momente zu bieten. Im Nachhinein nichts, was im Musikgedächtnis hängen bleibt. Aber zum Glück war das ja nur ne halbe Stunde, dann gings mit dem Umbau los. Sogar die Musik hier war übrigens besser, ich sag nur Daft Punk! Mit einer Runde “Ich packe meinen Koffer und nehme nicht mit…” wurde dann auch die halbe Stunde überbrückt und das Konzert konnte endlich in Gänze starten. Die Klangquali ließ übrigens nich zu wünschen übrig, klang eigentlich wie auf Platte, außer dass vielleicht der Gesang etwas leise war, aber mein Gott… is halt nen Konzert. Gespielt wurden natürlich alle Titel von Tourist History, zu meiner Freunde natürlich auch noch “Kids”, was nur als Bonustrack erhältlich war. Außerdem wurden mit “Handshake” und “Hands Off My Cash, Monty” noch 2 neue Tracks gespielt. Ich hoffe mal, ich erzähl da keinen Mumpitz. Auch wenn’s noch keine offizielle Setlist gibt, scheint mir die vom Melkweg in Amsterdam doch in Berlin auch zur Anwendung gekommen zu sein. Respekt übrigens ans Publikum. Da war ja heute ordentlich was los. Da wurde ja fast noch bis hinten zur Tür mitgetanzt. Gut, bei den Liedern natürlich auch kein Wunder. Dementsprechend entschuldigte sich Alex zwischendrin für die lange Abwesenheit seit dem April und bezeichnete den Gig als den besten, den sie bisher hatten. Nun kann er das natürlich in jeder Stadt erzählen, aber wir sind mal ganz naiv und kaufen ihm das ab. Alles in allem ein gelungenes Konzert und definitiv ein Grund, beim nächsten Termin wieder vor Ort zu sein, wenn der Preis denn stimmt.

In diesem Sinne

MfG Ern

Konzert: As I Lay Dying + Heaven Shall Burn

// 16. 11. 2010 // Keine Kommentare » // Konzertbericht, Musik

As I Lay Dying - liveGestern Abend beehrten nun also zwei Größen der Metalcore-Szene die Hauptstadt. Austragungsort war das Astra, nachdem sich der Columbia-Club schnell als zu klein herausgestellt hatte.

Pünktlich um 8 gings los mit der ersten Vorband. Dew-Scented aus Braunschweig eröffneten den Abend mit einer netten 30-minütigen Mischung aus Speed- und Trash-Metal, nichts Besonderes, aber durchaus ein ordentlicher Opener. Da beide Hauptacts einen Support mitbringen durften, musste ich dann nach 30 Minuten Umbaupause Suicide Silence über mich ergehen lassen. Sei es die Musik, die mich nicht anspricht oder die anmaßend großen Aufsteller mit dem Bandlogo, die umständlich auf die Bühne gehievt wurden – ich hatte keinerlei Zugang zu dieser Band. In jedem Song gab es mindestens zweimal die typischen Standard-Deathcore-Breakdowns. Abwechslung sieht anders aus.

Waren 30 Minuten Pause zwischen zwei Vorbands meiner Meinung nach schon hart an der Grenze, wurde meine Geduld nun auf eine noch größere Probe gestellt. Zwischen dem Abgang von Suicide Silence und dem Aufmarsch von As I Lay Dying vergingen satte 45 Minuten. Dass die lange Warterei wahrscheinlich auch durch technische Probleme, mit denen die beiden Hauptacts auch in der Folge noch leicht zu kämpfen hatten (dazu später mehr), bedingt war, machte das Ganze nicht besser. As I Lay Dying spielten ein Set mit mindestens einem Song von jedem Album, der Schwerpunkt lag allerdings wenig überraschend auf dem aktuellen Werk “The Powerless Rise”. Die Action im Publikum während des (leider viel zu kurzen) Auftritts war durchaus annehmbar, ich hätte mir aber noch ein wenig mehr gewünscht. Somit kam es nur zu einer kleinen Verletzung am Schienbein, aber ist ja auch nicht so schlimm… Verschwitzt und außer Puste verbrachte ich die letzte Umbaupause dann mit einem Bier in der “Vorhalle”.

Den Abschluss des Abends bildeten dann die Mannen von Heaven Shall Burn. Die fünf Saalfelder überzeugten durch eine großartige Live-Energie, die die gesamte Halle nochmal zum Kochen brachte. Interessant war die Leinwand-Installation auf die mit zwei großen Beamern zum thematischen Zyklus des Ikonoklasmus passende Bilder projiziert wurden. Zu Beginn des Auftritts war da zum Beispiel eine Schwarz-Weiß-Aufnahme des Brandenburger Tores mit dem Hakenkreuz zu sehen, das mit den ersten Gitarrenklängen explodierte. Ähnlich wie As I Lay Dying spielten HSB Songs von allen Alben mit dem Fokus auf dem aktuellsten Werk. Und ebenso wie ihre kalifornischen Kollegen hatten sie mit kleineren technischen Problemen zu kämpfen. Waren es bei As I Lay Dying noch die Gitarren, deren Einstellung während des Auftritts für eine kleine Verzögerung sorgten, so hatte HSB Sänger Marcus Bischoff am Anfang mit dem Mikrofon zu kämpfen, das merkwürdige Rückkopplungen fabrizierte.

Abgesehen von den genannten störenden Faktoren war es dennoch ein gelungener Abend, sodass ich gegen 0.20 Uhr erschöpft, aber musikalisch zufriedengestellt den Heimweg antreten konnte.

Konzert: Bonaparte!

// 07. 11. 2010 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Offiziell rangiert der folgende Bericht in der Kategorie “Konzert”, aber seien wir mal ehrlich: Das, was sich da heute abgespielt hab, passt wohl besser in die Sparte “outstanding performance in a supporting act”. Ich habe ja im Voraus bereits Einiges zu den exzentrischen Auftritten gehört, aber dass es ein so amüsanter Abend wird, kann ja keiner ahnen. Die Location war mal wieder das Astra. An sich ja ganz okay, aber diese Säulen in der Halle nerven beizeiten echt tierisch, von den gewohnten Zwei-Meter-Hünen mal abgesehen. Bevor es losging, liefen bereits einige alte Filmausschnitte mit ebenso alter Musikuntermalung auf der Bühne. Auch mal eine willkommene Abwechslung zu dem sonstigen Einerlei (wir erinnern uns an Gisbert zu Knyphausen). Außerdem drückt Bonaparte hier gleich das erste Mal den Stempel auf. Was sich im Vorfeld bereits den Konzertkarten/dem Internet entnehmen ließ, bewahrheitete sich auch mit Beginn des Konzerts: Vorband? Fehlanzeige. Anscheinend ein Tick der Exzentriker, denn das einzige Mal, dass mir das vorher untergekommen ist, war vor 2 Jahren bei den Kills in der Maria. Was solls? Kommt man schneller zum Punkt. Vor dem eigentlich Beginn wurden übrigens in einem kurzen, amüsanten Video alle im späteren Programm auftauchenden Charakter vorgestellt, vorneweg natürlich Monsieur Bonaparte aka Tobias Jundt. Zu den skurrilen Figuren auf der Bühne gesellten sich auch einige Kostümierte und Geschminkte im Publikum. Die Halle war natürlich ausverkauft, aber das ist bei diesem Act ja wohl selbstverständlich. Los ging’s, wie sollte es anders sein, mit “Do You Want To Party?”, was vom Publikum mit einem klaren “Ja!” in Körpersprache beantwortet wurde. Die anderen Songs kamen glücklicherweise gut verteilt von beiden Alben. Auf “Anti Anti” und “Too Much” hat ja eh jeder gewartet, aber mich hat “Fly A Plane Into Me” am glücklichsten gemacht. Ich war im Nachhinein übrigens sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, mich nicht ganz nach vorne in die ersten Reihen begeben zu haben, denn da wurde von den Protagonisten gerne auch mal ein bisschen Obst verteilt (Was zur Hölle macht man mit einer geschenkten Ananas aufm Konzert?) oder mit Sekt o.ä. gespritzt. Andererseits hatten just diese Leute dann auch freien Blick auf die ebenso freien Oberkörper der hinreißenden Actrices auf der Bühne. Ein großes Lob an dieser Stelle an den Requisiteur und Kostümdesigner für die sehr gelungenen Stücke! Ein bisschen Zufall gibt es auf jedem Konzert und so wunderte es mich eigentlich auch nicht groß, dass plötzlich Lorenz Theuer von den mittlerweile aufgelösten “The Rain” an mir vorbei lief. Nach einem kurzen Gespräch mit jemandem, der ihn zu kennen schien, stellte sich auch der Grund seines Besuches raus. Denn der Bassist auf der Bühne war kein anderer als Carlos Bruck, seinerseits ebenfalls ehemaliges Mitglied bei The Rain. Nun hätte mich mal interessiert, ob Carlos schon von Anfang an in dem Musikkollektiv Bonaparte mitgewirkt hat. Während des Konzerts hats Monsieur Bonaparte dann auch mal zeitweise zum Stage Diving hingerissen, was von der Menge mit einem lauten Kreischen, vermutlich größtenteils weiblichen Ursprungs, quittiert wurde. Amüsant war auch die eingebaute Pause in der Performance, als die Bühne plötzlich totenstill und leergefegt wirkte und nur “das Zimmermädchen” mal eben mit dem Staubsager für Ordnung sorgen musste, bevor es genauso energisch wie anfänglich weiterging.Nach zwei Zugaben endete das Konzert schließlich mit “Bienvenido” und die ewige Ansteherei an der Garderobe ging los, das Übliche eben.

Und so endete wieder mal ein gelungenes Konzert in good ol’ Berlin.

MfG Ern

Konzert: Garcia plays Kyuss + Brant Bjork

// 08. 06. 2010 // 2 Kommentare » // Konzertbericht, Musik

Ich weiß gar nicht wie ich den Bericht anfangen soll. Probieren wir es doch einfach mal mit: “Verdammt, wie geil!”. Jepp, scheint passend. Denn heute gabs ein Konzert, was in der Konstellation vermutlich nicht wieder so schnell zusammen kommen wird. Denn immerhin waren heute zu Garcia plays Kyuss 2 der 5 Gründungsmitglieder von Kyuss anwesend, die sich ja bekanntlich zum Leidwesen der Fans um das Jahr 1995 herum aufgelöst hat. Wäre Josh Homme noch vor Ort gewesen (siehe Wiltern Theatre ’05), könnte ich mein Glück wohl kaum mehr in Worte fassen.

Nach ein paar Hintergrundinfos nun aber wieder zum Konzert. Location war mal wieder das Astra, scheint in letzter Zeit immer beliebter zu werden, allein dieses Jahr war ich schon wegen Florence + The Machine und den Shout Out Louds da. Whatsoever. Was die Größe des Publikums angeht, habe ich in etwa mit soviel gerechnet. Tatsächlich waren es weniger als bei Florence oder den Shouts, aber die Halle war immer noch gut voll. Ich habe leider den Fehler gemacht, mich an die Wand kurz vor der Bar zu stellen, sodass ich immer regen Verkehr vor mir dulden musste. Gegen Ende hats mich aber eh weiter in Richtung Bühne gezogen.

Als Vorband belebte Brant Bjork die Menge. Die Songs waren auch schonmal schön basslastig, ohne aber seine Stimme zu übertönen (mal wieder gute Akustik im Astra, thx folks). Viel interessanter fand ich sein Auftreten. Das Stirntuch und die fast einem Drogentrip ähnelnde übertriebene Artikulation beim Singen erinnerte mich stark an Santana zu seinen Woodstock-Zeiten. Ich hätte jedenfalls gerne das Gleiche genommen wie er. Nachdem er sich für einen Song schon mal John Garcia, der dem Frontsänger von Reamonn erschreckend ähnelte (sorry für die Vergleiche), herangeholt hat, fragt mich nicht welchen, da bin ich nicht firm, gings erstma in die Umbaupause.

Dann kam der Moment, der die Nostalgie starten sollte. Ich muss allerdings ehrlich sein. Zu der Schaffenszeit von Kyuss war ich natürlich ein kleiner Steppke, der sich für Musik noch herrlich wenig interessiert hat. Nichtsdestotrotz bin ich ja über die Queens bei Kyuss gelandet und habe mich in der Vergangenheit schon des öfteren geärgert, dass es wohl nie wieder eine Möglichkeit geben wird, sie live zu sehen. Aber es geht doch, wenn auch nicht in Originalbesetzung. An alle Gegener von Mogrlpackungen aber vorher schonma die Info: Mit Bruno Fevery (Gitarre), Jacges de Haard (Bass) und Rob Snijders (Drums) hat sich Garcia fähige Leute ins Boot geholt. Ich habe keine Fehler gehört oder sonstiges, einfach nur saubere Arbeit.

Und nicht nur das. Es wurden echt so viele Songs gespielt. Gegen 10 gings los und kurz vor 12 wars zu Ende. Mit dabei waren z.B. Hurricane, Supa Scoopa And The Mighty Scoop, Thumb, Freedom Run, Allen’s Wrench, El Rodeo, 100 Degrees, One Inch Man und Green Machine (mit Brant Bjork an den Drums). Bei all der Vielfalt fällt dem kennenden Auge eines schmerzlich auf: Demon Cleaner wurde nicht gespielt! Schon blöd, aber genauso wie Kate Nash sich weigern kann, Foundations zu spielen, dürfen die Jungs das bei so nem Konzert auch. Ich war übrigens sehr froh nicht im Schmelztiegel der Poger zu stehen. Was da abging, krass. Zwischendrinne flogen immer mal wieder Bierbecher auf die Bühne oder Leute haben mir ihren verschwitzten T-Shirts rumgewedelt…. yammy.

Alles in allem also eine gute Investition meiner 25€. Ich hoffe ja darauf, dass Herr Garcia jetzt blut geleckt hat und sich von nunan öfter mit diesem Programm hier in Europa zeigt.

So oder so, Kyuss is so much underrated.

MfG Ern

Update: Wie für ein Konzert üblich, findet sich im Nachhinein immer irgendwer, der sich die Setlist geschnappt hat. Hier also die gestrige Songauswahl:

  1. Molten Universe
  2. Thumb
  3. Hurricane
  4. 100°
  5. Freedom Run
  6. Asteroid
  7. Supa Scoopa And Mighty Scoop
  8. Gloria Lewis
  9. Spaceship Landing
  10. El Rodeo
  11. Green Machine [with Brant Bjork on drums]
  12. Gardenia [with Brant Bjork on drums]
  13. One Inch Man
  14. Allen’s Wrench
  15. Fatso Forgotso
  16. Pilot the Dune [Slo Burn Cover]