Konzert: Darwin Deez + Totally Enormous Extinct Dinosaurs + Ram’s Pocket Radio
// 12. 03. 2011 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik
Long Live The Double D! Gerade mal ein halbes Jahr ist es her, dass Darwin Deez mit seiner Spaßgesellschaft im Lido aufgetreten ist, da beehren sie Berlin auch schon wieder. Aber nicht etwa in derselben Location, nein. Die Live-Qualitäten der New Yorker Formation um den Namensgeber Darwin Deez scheinen sich seit dem letzten Mal rumgesprochen zu haben, sodass man nun – als wäre es das leichteste der Welt – das Astra randvoll bekommt. Und wie auch schon mit den Cads beim Gig im Lido hat der gute Herr Deez auch diesen Abend was die Vorband(s) betrifft ein glückliches Händchen bewiesen. Und großzügig wie er ist, hat er uns gleich zwei Warmup-Acts spendiert.
Den Anfang machte die 3-Mann-1-Frau-Kombo Ram’s Pocket Radio aus Nordirland. Diese sind laut eigenen Angaben extra für diesen Auftritt angereist, nur um danach dieselbe Strecke zurückzukutschen. Aber dafür wurden sie ja mit einem aufgeweckten Publikum belohnt. Ihre Musik würde ich grob als sehr Keyboard-lastigen Pop-Rock umreißen. Ein paar einprägsame Liedchen waren auch dabei. An “Love Is A Bitter Thing” kann ich mich da zum Beispiel noch erinnern. Schön anzusehen war die ganze Sache dann auch noch, also zumindest die Bassistin.
Der zweite im Programm war Orlando Higginbottom, vielen natürlich eher unter seinem Künstlernamen Totally Enormous Extinct Dinosaurs oder kurz T.E.E.D. bekannt. Zumindest wenn man nach der Reaktion des Publikums geht, scheinen fast die Hälfte der Leute nur wegen ihm gekommen zu sein, so euphorisch war die Begrüßung. Er kam natürlich auch stilecht im Dinosaurier-Overall auf die Bühne und ein paar Tracks später kam auch sein Markenzeichen, der protzige Indianerkopfschmuck dazu. Neben ein paar unbekannteren, aber hundertprozentig tanzbaren Mixes waren selbstverständlich auch die Ohrwurm-Kandidaten “Household Goods” und “Garden” mit am Start. Gerade bei ersterem wurde fast unisono mitgesungen. So unbekannt scheint er also gar nicht mehr zu sein. Darwin hat es während der Performance auch mal auf die Bühne gezerrt, was vom minderjährigen Teil des Publikums (nicht unwesentlich vertreten) kreischend quittiert wurde. Womit wir zur zweiten Umbaupause kommen. Wer mich kennt, weiß, dass ich auch gerne mal auf die Tracks in der Pause achte. Heute gab’s nen richtigen Genre-Salat, wenn auch gekonnt. Nach Kanye West zum Einen und Radiohead zum anderen Extrem (sofern man nicht bei pitchfork arbeitet…) hat sich doch tatsächlich kurz vor Darwins Bühnenantritt “New York Groove” von Hello eingeschlichen. Im Nachhinein vielleicht gar nicht so unpassend bei den noch folgenden Mashups.
Das erste was mir dann, mit Bedauern, aufgefallen ist, als alle es sich auf der Bühne bequem gemacht haben, war die Tatsache, dass Darwins sonstige Bassistin und Inspirationsquelle Michelle aka Mash Deez hoffentlich nur vorübergehend ersetzt wurde. Dabei war das doch im Lido schon so lustig, weil mich sowohl Michelle bzw. Cole (Gitarre) vom Aussehen an Lesbian Robin (HIMYM) bzw. Jared Leto erinnern. Sieht wahrscheinlich niemand außer mir so, aber denkt mal drüber nach. Apropos Cole: Darwin ist natürlich unangefochtener Querdenker der Truppe, aber Cole zuzugucken macht mindestens genauso viel Spaß. Da wird dem weiblichen Publikum mit lasziven Hüftschwüngen eingeheizt, die Menge zum Mitklatschen animiert, die erste Reihe abgeklatscht… Da wundert es eigentlich niemanden mehr, dass er eine rosa E-Gitarre spielt, oder? Bei jeder anderen Band würde mich das stutzig machen, aber bei Darwin Deez kann es eigentlich nur so sein. Achja, Darwin hat ja angeblich auch nur 4 Saiten auf seiner Gitarre. Im Gegensatz zum Auftritt im Lido wurden dieses Mal bereits relativ viele neue Titel gespielt. Ich meine, mich an etwas mit “Bodyguard” erinnern zu können, außerdem noch was mit “Mama says” und zum Schluss gabs noch eine Kostprobe des relativ langsamen “Nobody Knows Me” zu hören. Von den bereits bekannten Sachen wurde meiner Meinung nach alles bis auf “Lights On” und “The Suicide Song” gespielt (angesichts der Nachrichten auch mit Kondolenzbekudungen an Japan in “Deep Sea Divers”). Die besten Sachen, vertreten durch “Bad Day” und “Radar Detector” kamen natürlich erst gegen Ende vor der ersten Zugabe. Dem fordernden Pöbel Der verzauberten Zuhörerschaft kann man natürlich keinen Wunsch verwehren und so wurde dann noch “Constellations” zum Besten gegeben. Wohlgemerkt mit fehlerfrei gesungenen Passagen des Publikums. Wenn uns das schon so einen Spaß gemacht hat, wie ists dann erst Darwin ergangen? Nachdem die erste Zugabe dann auch vorbei war, wollten sie sich eigentlich offiziell aus dem Staub machen, aber da die Begeisterungsstürme im Publikum nunmal nicht abrissen, kamen Darwin und Cole tatsächlich nochmal für eine zweite Zugabe raus, um besagtes “Nobody Knows Me” zu performen.
Aber machen wir uns nichts vor. Highlight eines jeden Darwin Deez-Konzerts sind die Tanzeinlagen zu den unterschiedlichsten Mashups. Wer sonst käme z.B. auf die Idee, Enyas “Sail Away” mit Rage Against The Machines “Testify” zu mixen und das auch noch zu choreographieren. Herrlich! Und bevor ichs vergesse: Die Rap-Einlage von Darwin ist als Highlight auch noch unbedingt hervorzuheben.
Wer es also immer noch nicht geschafft hat, zu einem Konzert von Darwin Deez zu kommen, bereut das inzwischen hoffentlich. Aber keine Angst: Wenn er in einem halben Jahr wiederkommt, spielt er ja wahrscheinlich in der O2-World, wenn das mit den Venues so weiter geht. Da sollte dann für jeden ne Karte da sein.
MfG Ern












