Konzert: Florence + The Machine
// 27. 02. 2010 // 4 Kommentare » // Konzertbericht
Widme ich mich also mal den weithin bekannten Konzertberichten. Das bietet sich ja an, denn niemand anderes als Florence + The Machine beehrten Berlin gestern abend im Astra mit ihrer Anwesenheit. Da ich nicht das Glück hatte, die Setlist zu ergattern (wenn es überhaupt eine gab), werde ich das hier hauptsächlich aus dem Gedächtnis zusammenschreiben. Nebenbei war es auch noch mein erster Besuch im Astra, also sollte ich vielleicht erstmal etwas über die Location erzählen. Das Astra liegt unweit der Warschauer Straße an der Revaler Straße, quasi dort, wo man auch zum RAW Temple und zum Cassiopeia kommt. Ich hatte mit meiner Begleitung ja schon die Befürchtung, nicht zu wissen, welchen Eingang wir denn nehmen müssen, aber auf eine Konzertmeute ist ja glücklicherweise Verlass, denn die tummelte sich schon recht verdächtig vor einem großen Durchgang. Nachdem wir dann auch endlich alle mit Karten ausgestattet waren, ging’s auch schon rein. Die zusätzlich eingerichtete Garderobe ließ schon vermuten, dass es wohl doch noch ein paar mehr Leute werden würden, aber davon war bis dahin noch nichts zu sehen. Enttäuscht war ich etwas vom Fan-Artikel-Stand, da ich es mir zur Tradition gemacht habe, von jedem Konzert wenigstens ein paar Buttons mitzunehmen, aber die waren gar nicht im Angebot. Nun ja, musste also ohne gehen. Die eigentliche Konzerthalle gestaltete sich widererwartend weitläufig, wobei die Frage ist, was für Erwartungen man haben kann, wenn man noch nie in einer Location war. Aber jeder macht sich ja so seine Vorstellungen.
Punkt 8 ging’s dann auch mit der Vorband der Wahl aka Sian Alice Group los. Diese steuerten ebenso wie Florence reichlich wehmütigen und melodiösen Pop/Rock bei. Bemerkenswert war die instrumentelle Vielfalt der Frontsängerin. Alles in allem habe ich für sie 5 Instrumente gezählt. Gut, eine Rassel zu schwingen oder zwei Glöckchen gegen einander zu hauen bedarf nicht allzu großer Übung, aber es sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Ich war übrigens angenehm überrascht, sowohl was die generelle Akustik im Astra betraf als auch der Sound der Sian Alica Group selber. Ich hatte mich im Vorfeld lediglich auf ihrer last.fm-Seite von Material überzeugen können und das hatte mich eher gleichgültig gelassen. Wieder mal ein Argument mehr, auf Konzerte zu gehen. Nachdem sich besagte Vorband schon relativ zeitig verabschiedete und auch keine euphorischen Zugaben verlangt wurden, begann wie immer das große Warten. Die Bühne musste ja schließlich für den kommenden Rotschopf hergerichtet werden. Das Instrumenten-Ensemble wusste auch in diesem Fall zu erheitern. Wo hat man schließlich das letzte mal Harfe und E-Gitarre zusammen bestaunen können. Das geht halt nur bei Florence. Mit voranschreitender Zeit und steigender Ungeduld des Publikums wurde man sich auch langsm aber sicher der Menschenmassen in seinem Rücken bewusst. Umso dankbarer war ich, nicht wieder einmal eine Mauer aus Zwei-Meter-Hünen vor mir zu haben, wie man es eigentlich laut Murphy immer hat.
Kurz nach 9 wurde die “betörende” und nichtssagende Reggae-Überbrückungsmusik dann endlich ausgeschalten, ebenso das Licht, was die Menge natürlich gleich zum Anlass nahm, prophylaktisch los zu kreischen. Doch die Prophezeiung bewahrheitete sich und nachdem alle Bandmitglieder ihre Plätze eingenommen hatten, zeigte sich auch Florence endlich der musiklüsternen Meute. Ohne Vorgeplänkel ging es auch gleich mit dem ersten Song los, seines Zeichens “My Boy Builds Coffins”. Reichlich düsteres Intro, besonders wenn Florence im Refrain bei “One of these days, he’s gonna build one for you” verschwörerisch in Menge zeigt. Aber spätestens da dachte ich mir “Danke, dass es auch noch Sänger gibt, die ihres Faches mächtig sind”. Die weiteren Titel verschwimmen in meinem Gedächtnis etwas mit einander, aber es waren alle Juwelen dabei. Wie erwartet ging bei “Kiss With A Fist” eine erste Welle der Bewegung durch die Masse. Beim “Drumming Song” steuerte Florence sogar selber den alles übertönenden Beat bei, wobei ihr Morgenmantel-Outfit sie etwas zu hindern schien. Überhaupt schien sie genauso viel Spaß zu haben wie wir Zuschauer/-hörer. Nach dem dritten oder vierten Song stellte sie sich und ihre Bandmitglieder dann auch endlich mal vor, aber so gesehen, wussten wir ja eh alle, wegen wem wir da gekommen waren. Des Weiteren wurde uns noch offenbart, dass wir bis dato das größte Publikum auf ihrer Europa-Tournee seien. Sowas hört man natürlich gerne, entsprechend laut war also das Echo. Ob sie das bei jedem Gig erzählt, sei dahin gestellt. Überhaupt wurde der Abend doch noch sehr interaktiv. So erkundigte sich Florence hier und da mal, wie denn gewisse Sachen im Deutschen heißen würden. Ich sage da nur “Du hast die Liebe” und “1 2 3 Gott”. Letzteres war eine klassische Fehlübersetzung, leitete aber den lustigsten Teil des Abends ein. Trotz der schieren Größen des Publikums wollte Florence nämlich gerne etwas mit uns zusammen machen und so sollten wir nach “1 2 3 Go” (siehe Übersetzung) alle hüpfen. Die Resonanz war überwältigend. Vielleicht konnten manche sich nicht dem Gruppenzwang widersetzen oder hatten sowieso schon den ganze Abend Lust, sich zu bewegen, jedenfalls muss man sich jetzt einfach mal geschätzte 700 Leute hüpfend und singend bei einem Refrain vorstellen. Ich glaube, das war bei “Cosmic Love”, aber so gut ist mein Kurzzeitgedächtnis wiegesagt nicht. Viel zu früh kam dann natürlich der gespielte theatralische Abschied, was von den Fans (mich inbegriffen) mit anhaltendem Applaus quittiert wurde, fehlten doch Titel wie “Howl” und “Rabbit Heart (Raise It Up)” noch. Selbstverständlich ging es nach dieser kurzen Pause noch weiter und so konnte ich mich noch an besagten Liedern erfreuen. Mit “Dog Days Are Over” wurde schließlich der passende Abschiedssong gewählt und dieses Mal war der Abschied auch endgültiger, das merkte auch die Menge. Niedliches Feature: Zu guter letzt verteilte Florence noch Plaste-Blumensträuße in der Menge. Das gab dem ganzen eine familiäre Note. Den Ansturm an den Garderoben brauch ich hier nun nich mehr erwähnen, aber abschließend sei gesagt, dass ich bei ihrem nächsten Konzert sicher wieder dabei bin und mich auch durchaus wieder mit dem Astra als Location anfreunden könnte.
So, jetz wird aber erstmal wieder gelernt, Student zu sein, ist ja schließlich nicht einfach.
MfG Ern
PS: Ich hätte euch ja gerne Fotos gezeigt, aber mein Handy kann man vergessen und die einzigen, die es gibt, die sind mit Copyright versehen.










