// 19. 06. 2010 // 2 Kommentare » // Musik, Plattenteller
Ich sehe gerade, dass ich ein wenig im Rückstand bin, was meine Berichte über neue Platten betrifft. Dabei sind doch so viele gute Platten heraus gekommen! Ich weiß gar nich wo ich anfangen soll. Probier ich’s halt mal querbeet.
TeddyBears | Devil’s Music
Den Anfang machen die elektronisch/ dancefloor-orientierten TeddyBears. “Wat, wen, kenn ick nich”, dürfte die erste Reaktion des geneigten Lesers sein. Aber ich möchte beinah wetten, dass es niemanden gibt, der nicht schon zu “Cobrastyle” abgegangen ist… ihr wisst schon, “My style is di bom digi bom di deng di deng digigi uu uuu…” und so. Falls nicht, bitte umgehend nachholen. Nunja, eben diese lustigen Schweden legen nach “Soft Machine” aus dem Jahre 2006 nun mit “Devil’s Music” nach. Es gibt viele Lichtblicke auf dem Album, nennenswert vor allem “Get Mama A House”, was im Refrain ein wenig nach elektronisch hinterlegten Dandy Warhols klingt.
Earl Greyhound | Suspicious Package
Weiter geht’s mit einem ganz anderen Genre, dem Classic Rock Revival, seines Zeichens repräsentiert durch das Trio Earl Greyhound. Denen wollte ich eigentlich einen eigenen Beitrag widmen, aber nun müssen sie wohl hier unterkommen. Wer einfach mal Lust auf saftige Bässe, klare Drumlines und Gitarrensoli wie in den guten alten Zeiten (als würde ich das beurteilen können) hat, der sollte bei ihrem Album “Suspicious Package” zugreifen. Als herausragender Song des Albums ist “Shotgun” zu nennen, gewissermaßen ein melancholisch-kraftvolles Klagelied.
Foxy Shazam | Foxy Shazam
On we go. Und wir landen bei Foxy Shazam. Allein so ein Bandname erregt beim Stöbern im Internet schon meine Aufmerksamkeit. Dass dann natürlich die Musik auch noch stimmt, ist sicherlich ein Glücksfall. Für ihr selbstbetiteltes Album aus diesem Jahre trifft das aber voll und ganz zu. Die Einordnung in ein Genre fällt mir hier allerdings schwer. Das Album beginnt mit Hundegebell, was soll man da sagen? Egal, es ist jedenfalls eine Menge Powerpop dabei. Ich hätte außerdem auch mal Lust, auf ein Konzert der Jungs aus Ohio zu gehn. Denn wenn Frontsau Eric Sean Nally live nur halb so energiegeladen ist, wie auf dem Album, muss es einen förmlich aus den Socken hauen. Zu empfehlen ist “Connect Me“, findet heraus wieso…
Gyroscope | Cohesion
Und schon sind wir in Down Under angekommen. Hier erwarten uns die Jungs von Gyroscope mit ihrer Platte “Cohesion“. Die ist ein schönes Stück kontemporärer Punk Rock. Gerade wenn man wie ich von Haus aus ein bisschen weniger mit einem bestimmten Genre zu tun hat, ist es schön beim ersten Hören angenehm überrascht zu werden. Noch besser ist es natürlich, wenn sich dieses Gefühl von Song zu Song fortsetzt. Hinhörer sind “What Do I Know About Pain?” und “I Still Taste Blood”… Ich sach nur “Chainsaw chaichaichainsaaaaw”.
Foals | Total Life Forever
Und nun zu einer Platte, die eigentlich einen eigenen Beitrag verdient hätte. Dabei vermute ich mal, die Mannen um Yannis Philippakis von den Foals hatten es nicht gerade leicht, den Erwartungen an ihr Zweitwerk nach dem furios-grandiosen “Antidotes” gerecht zu werden. Und doch haben sie es mit “Total Life Forever” geschafft. Irgendwie haben sie sich so ganz nebenbei weiterentwickelt ohne ihre Urprünge zu verneinen. Neu im Konzept sind die vielen melodischen Parts, die die sonst so durchgeplante Struktur des Math Rock, wie das Genre ja gerne benannt wird, durchbrechen. Darüber steuert Yannis auf diesem Album auch Gesangspassagen bei, war es doch auf Antidotes eher der für ihn typische Sprechgesang. So oder so, er weiß mit beidem zu begeistern. Bestes Beispiel dafür ist der epische Fast-7-Minüter “Spanisch Sahara“, der mir jedes Mal eine wohlige Gänsehaut beschert. Besser kann man es nicht machen. “Forget the horror here, leave it all down here…”
The Burning Hotels | Novels
Wer denkt, dass alle Alben ab den Foals ja nur noch schlechter werden können, hat damit natürlich unrecht. Weiter geht’s mit Indie Rock aus Texas. Dort stößt man auf die Burning Hotels, die mit “Novels” gerade ihre erste LP herausgebracht haben. Und hier stelle ich mal wieder fest, dass mir ein paar Musikkenntnisse nicht schaden könnten, denn ich wüsste jetzt gar nicht, was die Musik denn jetz eigentlich besonders macht. In erster Linie sind es natürlich die Stimmen von Chance und Matt, die sowohl einzeln als auch im Zusammenklang eine perfekte Harmonie bilden. Ihre Musik erinnert hier und da ein bisschen an Interpol und Konsorten. Das ist vielleicht auch so gewollt, schließlich hat Mark Needham das Album zusammengemixt, der seines Zeichens schon für die Killers und Bloc Party gearbeitet hat. Glücklicherweise ist das Album aber abwechslungsreich genug, um nicht so einzuschläfern wie die letzten Alben von oben genannten Bands. Anspieltipp ist “Boy Or A Girl”.
The Acorn | No Ghost
Wo wir gerade beim Thema “einschläfernd” waren. Hmm, vielleicht eine schlechte Überleitung für ein Album was gerade in “heavy rotation” bei mir läuft. Naja, worauf ich jedenfalls hinaus wollte. Ich stelle immer wieder fest, dass es schwierig zu sein scheint, langsame Musik zu machen, die den Zuhrer trotzdem bei Laune hält und das dauerhaft. Aber wie könnte es anders sein, aus dem musikalisch wertvollsten Land der Welt Kanada wurde mir mit dem Album “No Ghost” von The Acorn das Gegenteil bewiesen. Eine gute Scheibe Folk halt. Dazu vielleicht noch ein kleines Schmankerl. Wer meinen Konzertbericht zu Garcia plays Kyuss gelesen hat, wird wissen, dass ich mich reichlich geärgert habe, als ich gelesen habe, dass The Acorn natürlich gerade an besagtem Tag auch ein Konzert in Berlin gegeben haben. Fieser kann es ja gar nich mehr kommen. Hoffen wir mal, dass sie Gefallen an Berlin gefunden haben. Aber warum sollten sie auch nicht?
Woven Hand | The Threshingfloor
Bleiben wir im selben Genre. Hier bin ich neulich über das neue Album von Woven Hand mit dem Titel “The Threshingfloor” gestolpert. Hinter Woven Hand verbirgt sich Sänger David Eugene Edwards, der eher als Sänger der Band 16 Horsepower bekannt sein dürfte. Die Musik hat für mich irgendwo ein bisschen etwas von indianischen Gesängen, ohne das jetzt abwertend klingen zu lassen. Im Gegenteil: Das Spirituelle verleiht der ganzen Platte eine ganz eigene Glaubhaftigkeit. Als Vorband von Tool kann ich sie mir aber irgendwie noch nicht vorstellen und dennoch kommt es Ende Juni zu dieser seltsamen Paarung. Sehr hörenswert ist meiner Meinung nach “His Rest“.
The Juliets | The Juliets
Eine tolerante und weltoffene Sicht hilft einem nicht nur, dabei neue Kontakte zu knüpfen, für neue Interpreten und Genre gilt das genauso. Und so habe ich neulich ein neues Genre zu meinen Favoriten hinzugefügt: den Baroque Pop. Dieser wird vertreten durch The Juliets, zu hören auf ihrem selbstbetitelten Debut. Ihre Musik ist an sich schon Indie Pop vom Feinsten, gewinnt aber durch den Einsatz von Violine und Cello eine ganz neue Dimension hinzu. Eine Schande, bei solchen Interpreten gerade einmal 600 Hörer bei LastFM zu sehen. Für alle Interessierten ist “This Just In” als Einsteiger zu empfehlen.
Hot Hot Heat | Future Breeds
Was die Kollegen von Kasabian Anfang des Jahres bereits erfolgreich vorgemacht haben, ist nun auch Hot Hot Heat gelungen. Die Rede ist von der gelungenen Rückkehr. Also zumindest aus meiner Sicht. Denn beide Bands haben es geschafft, nach einem mauen Album, welches sie ins Abseits katapultierte, in den musikalischen Fokus zurückzukommen. Und wie: Mit einem Cover, das einem Werk von of Montreal in nichts nachstehen würde, enthält ihr mittlerweile fünftes Album “Future Breeds” auch einige sehr vielversprechende, experimentelle Titel. AM besten einfach mal in “YVR” und “Implosionatic” reinhören. Ansonsten heißt es von mir: “Welcome back, lads.”
Bonaparte | My Horse Likes You
Was waren das für lange Jahre des Wartens. Und dabei waren es doch nur zwei! Trotzdem. Wer Das Erstwerk “Too Much” von Tobias Jundt aka Monsieur Bonaparte und seiner irren Truppe einmal gehört hat, schreit automatisch nach mehr. Nun wurde der Wunsch mit “My Horse Likes You” erfüllt. Und ja, es ist tatsächlich genauso gut wie sein Vorgänger, welch Erleichterung. Und wie schon Too Much ist es ein wahres Fest, den Texten andächtig zu lauschen. Herrlich schräge Texte und Textpassagen à la “I’m your glory hole to the universe” zaubern dem Hörer ein verschmitztes Grinsen ins Gesicht. Und auch der Sprachhorizont wird mal wieder ein bisschen erweitert. Neben Englisch als Standard finden sich auch mal deutsche, französische und russische Abschnitte. In der heutigen Zeit ist es ja immer schwerer, eine einzigartige Band zu sein, aber Bonaparte ist eine davon.
The Bridgeheads | Foreigners
Zum Abschluss noch etwas Ruhigeres. Dazu vielleicht ein wenig Vorgeplänkel. Bei den gefühlten 30 Milliarden Bands, die es derzeit weltweit geben muss, ist es nicht gerade einfach, aufzufallen und seine Musik an den Mann zu bringen. Deshalb findet in letzter Zeit ein Geschäftsmodell vielfach Anwendung. Wer etwas auf sich hält, bietet seine Musik quasi kostenlos an. “Quasi” insofern, da natürlich an den geneigten Hörer appelliert wird, den Betrag seiner Wahl zu überweisen. So haben es auch die beiden Jungs gemacht, die sich hinter “The Bridgeheads” verbergen. Was sich da auf ihrem Debütalbum “Foreigners” findet, ist großartige, entspannende, eigentlich schon herzergreifende Musik. Und die muss nicht zwangsläufig aus Übersee kommen, denn die Jungs kommen aus der Slovakei, was man ihren SOngs aber mit keiner Note anhört. Sollte also jemand ein bisschen mehr Geld als ich über haben, dann gebt es den beiden, sie können es gebrauchen. Anspieltipps: “Pi“, “Fiction”
Ich hoffe, ich konnte ich wieder ein wenig gute Musik näher bringen. Für mich sind in diesem Beitrag auf jeden Fall einige Vertreter für einen Best of 2010-Artikel dabei. Hört einfach mal rein.
MfG Ern