Beiträge getaggt ‘Florence + The Machine’

2011: The Year in Albums

// 28. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller

Silvester rückt in greifbare Nähe und somit heißt es auch wieder im Hauptquartier von iophobia, das musikalische Jahr 2011 Revue passieren zu lassen und die Juwelen der letzten 12 Monate ins rechte Licht zu rücken. Während Franz sich in den härteren Musikgenres auf 10 Alben begrenzt, fällt mir das wesentlich schwerer. Aufgrund meiner vernachlässigten Vorstellung hörenswerter Neuerscheinungen über das Jahr, werden neben den eigentlichen Top-Alben noch einige Platten in der Kategorie “Erwähnenswert” landen. Aber lest selbst:

Active Child | You Are All I See

Definitiv eine der Entdeckungen des Jahres für mich. Und wie so häufig mal wieder über den besten Youtube-/Radio-Channel im Indie-Bereich. Thanks KEXP for making the world a better place vid by vid. Aber wer steckt denn nun eigentlich hinter Active Child? Das ist der beseelte Rotschopf Pat Grossi, der schon beinahe spirituell anmutende Hymnen mit Harfe und Synthesizer herbeizaubert. Das ganze befindet sich dann irgendwo zwischen Hurts und den Fleet Foxes. Sein kopfstimmenlastiger Gesang mag nichts für jedermann sein, aber ich kann meine Haare gar nicht so schnell wieder runterkämmen wie sie die Gänsehaut beim Hören des Albums immer wieder aufstellt.

Anspieltipps: “Hanging On”, “Johnny Belinda”

Other Lives | Tamer Animals

Wo ich gerade bei KEXP war: Auch dieser Kombo hätte ich ohne ihre Live-Performance wohl nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Wie es immer so ist, hatte ich ihr Album zwar schon irgendwo auf der Platte zu liegen, war aber bis dato noch nicht dazu gekommen, mir sie einmal zu Gemüte zu führen. Das änderte sich dann nach der grandiosen Live-Version von “For 12″. Viele ziehen bei dem Quintett aus Oklahoma den unmittelen Vergleich zu den Fleet Foxes, aber für mich ist die Platte wesentlich mehrschichtiger. Und wie sphärisch es bei den Titeln zur Sache geht, konnte ich ja unlängst beim ersten Berlin-Gig der Truppe feststellen.

Anspieltipps: “For 12″, “Dust Bowl III”

Fleet Foxes | Helplessness Blues

Zweimal dienten sie mir jetzt schon als Referenz für die genannten Interpreten. Und die Fleet Foxes muss man inzwischen auch nicht mehr vorstellen, schließlich haben sie sich mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum 2008 in der Kritikerszene einen Namen gemacht und es in die Spitze vieler Jahresendlisten geschafft. Man kann den Erwartungsdruck dementsprechend nur erahnen, der Robin Pecknold und seine Mannen mit ihrer Nachfolge-LP auf den Schultern lastete. Und dennoch lieferten sie mit “Helplessness Blues” eine ebenso atembraubende und verzaubernde Folk-Platte ab, wie es schon das Debüt war. Das ganze dann noch live erleben zu können, sei an dieser Stelle jedem empfohlen. Und den visuellen Ästheten sei zusätzlich das magische Video zu “The Shrine / An Argument” ans Herz gelegt.

Anspieltipps: “The Shrine / An Argument”, “Montezuma”

Florence + The Machine | Ceremonials

Wie schwer man es nach einem erfolgreichen Debütalbum haben kann, weiß mittlerweile wohl auch Florence Welch von Florence + The Machine. Denn nach Veröffentlichung ihres Debüts “Lungs” und dem damit verbundenen und verdienten, kometenhaften Aufstieg zur Grand Dame der Indie Pop-Sparte, kam dieses Jahr der Nachfolger “Ceremonials” heraus. Und auf diesem beweist die charmante Britin erneut, dass sie eigentlich nicht viel mehr braucht als ihre Stimme, um dem geneigten ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, was für ein zartes Stimmchen sie im Alltag hat. Mein persönliches Highlight ist ja “What The Water Gave Me”, besonders in der unplugged-Version “auf den dächern”.

Anspieltipps: “What The Water Gave Me”, “No Light, No Light”

The Black Keys | El Camino

Einst als Insider-Tipp unter Kennern gehandelt, sind die Black Keys spätestens mit ihrem Album “Brothers” im Mainstream angekommen. Aber auch nach mittlerweile 6 Platten sind die Jungs aus Akron, Ohio nicht müde geworden und brachten Anfang Dezember “El Camino” heraus, welches im Vorfeld schon reichlich amüsant beworben wurde. Und auch auf dem Album selber geht es auf Tracks wie “Gold On The Ceiling” (der Kracher in der Umbaupause bei den Beatsteaks) oder der Vorabsingle “Lonely Boy” ordentlich zur Sache, auch wenn Dan Auerbach und Patrick Carney schon lange nur noch mit einem Bein im Blues Rock stehen, was u.U. auf den Einfluss von Danger Mouse als Produzent zurückzuführen ist.

Anspieltipps: “Lonely Boy”, “Gold On The Ceiling”, “Little Black Submarines”

Zola Jesus | Conatus

Mit “Conatus” taucht jetzt das mittlerweile fünfte Album in dieser Top10 auf, dass eher ruhiger angesiedelt ist. Aber es scheinen eben diese Platten zu sein, die den größten Eindruck bei mir hinterlassen. Und auch die 22-jährige amerikanische Singer-Songwriterin Zola Jesus weiß mit den Songs auf ihrer zweiten Langspielplatte zu beeindrucken. Dabei schafft sie es jederzeit, die Titel mit den Emotionen ihrer Stimme voranzutreiben, während die wabernden, bedrückenden Synthie-Kompositionen versuchen, sie zu überlagern. Definitiv ein Fall für die “Muss ich mal live sehen”-Liste.

Anspieltipps: “Avalanche”, “Shivers”

Metronomy | The English Riviera

Alles neu macht der Mai. Soviel muss man wissen, bevor man sich das dritte Studioalbum “The English Riviera” von den britischen Electro-Poppern Metronomy anhört. Denn was ursprünglich als reines Männer-Trio startete und für spaßig-experimentelle Hits wie “Radio Ladio” sorgte, ist nach Ausstieg von Gabriel Stebbing und Neurekrutierung nun ein Quartett. Und das hört man auch am veränderten Sound. Wo besonders auf dem Erstling “Pip Paine” noch reichlich rumexperimentiert wurde, gibt es mittlerweile nur noch glattgebügelte Electro-Pop-Hymnen. Das mag negativ konnotiert klingen, aber ich tue mich halt noch etwas schwer, diesen Wandel zu akzeptieren. Betrachten wir doch auch einmal die positiven Seiten: Selten waren ihre Songs so tanzbar wie auf der aktuellen Platte. Schließlich durften “The Look” und “The Bay” in keinem gut sortierten Indietronic-DJ-Set fehlen und sind wahrscheinlich jetzt schon Klassiker. Nichtsdestotrotz zählt das Cover für mich zu den schlechtesten des Jahres.

Anspieltipps: “The Look”, “The Bay”

tUnE-yArDs | W H O K I L L

Kommen wir nun zum vermutlich exotischsten Vertreter in dieser Liste. Viele denken wahrscheinlich schon beim Blick auf den Bandnamen, dass es reichlich infantil zur Sache gehen muss. Tatsächlich ist tUnE-yArDs das One-Woman-Project Merrill Garbus. Für gewöhnlich bedient sie sich sich zur Aufnahme ihrer Songs der allseits beliebten Looping-Stationen, wovon man sich auch bei ihren Live-Auftritten überzeugen kann. Die Musikrichtung lässt sich schwer zuordnen, experimentell trifft es da wohl noch am ehesten. Hier und da ein bisschen Afrobeat, im nächsten ein paar Hip-Hop-Einflüsse. Genaueres ist auch in meiner kurzen Zusammenfassung von vor einer  Weile nachzulesen. Alles in allem aber ein sehr spaßiges Album und deswegen verdient in dieser illüstren Runde.

Anspieltipps: “Gangsta”, “Killa”

M83 | Hurry Up, We’re Dreaming

Don’t believe the hype! Und irgendwie macht man es ja doch und springt mit auf den Zug auf. Und so konnte auch ich nicht anders, nachdem ich im Sommer die Single “Midnight City” zu M83s aka Anthony Gonzalez’ kommenden Album “Hurry Up, We’re Dreaming” gehört habe. Für mich ist der Song zurecht vielerorts als bester Track des Jahres ausgezeichnet worden. Überhaupt war das 80er Revival noch nie so allgegenwärtig wie mit M83. Wer “I Love You Klaus” noch nie gehört hat, ist sicher leicht versucht, es in die falsche Epoche einzuordnen. Dann noch dieses Intro zusammen mit der bereits gelobten Zola Jesus. Balsam für die Seele. Im Übrigen auch live.

Anspieltipps: “Midnight City”, “Reunion”

Starfucker | Reptilians

Und damit kommen wir zum letzten offiziellen Top10-Album der Liste. Dieser Platz geht an “Reptilians” von Starfucker. Auch wenn manche sich daran stören, dass das Quartett aus Portland live gerne mal in Damenbekleidung auftritt (ähm, of Montreal etwa nich) und ihren Bandnamen nur so gewählt hat, um mal zu gucken, wie weit sie damit kommen, so zählt für mich lediglich die Musik. Und mit “Reptilians” ist ihnen eine wirklich runde und tanzbare Electro-Pop-Platte entstanden. Komisch eigentlich, dass das bei den DJs meiner Wahl noch nicht angekommen ist. Für eine spaßige Auflockerung sorgen auch die gesprochenen Passagen in den In- und Outros einiger Songs, die Samples aus Lesungen von Alan Watts darstellen. Erinnert mich ein bisschen an Ratatats LP4.

Anspieltipps: “Millions”, “Julius”

Erwähnenswert:

  • Digitalism – I Love You Dude
  • We Invented Paris – We Invented Paris
  • Rafter – Quiet Storm
  • Darkness Falls – Alive In Us
  • Coeur De Pirate – Blonde
  • The Antlers – Burst Apart
  • Austra – Feel It Break
  • Wye Oak – Civilian
  • The Envy Corps – It Culls You
  • Boy – Mutual Friends
  • Bibio – Mind Bokeh
  • Black Box Revelation – My Perception
  • MuteMath – Odd Soul
  • Slow Club – Paradise
  • Penguin Prison – Penguin Prison
  • The Pack A.D. – Unpersons
  • Veronica Falls – Veronica Falls
  • Wild Flag – Wild Flag
  • Yuck – Yuck

 

 

Konzert: Florence + The Machine

// 27. 02. 2010 // 4 Kommentare » // Konzertbericht

Widme ich mich also mal den weithin bekannten Konzertberichten. Das bietet sich ja an, denn niemand anderes als Florence + The Machine beehrten Berlin gestern abend im Astra mit ihrer Anwesenheit. Da ich nicht das Glück hatte, die Setlist zu ergattern (wenn es überhaupt eine gab), werde ich das hier hauptsächlich aus dem Gedächtnis zusammenschreiben. Nebenbei war es auch noch mein erster Besuch im Astra, also sollte ich vielleicht erstmal etwas über die Location erzählen. Das Astra liegt unweit der Warschauer Straße an der Revaler Straße, quasi dort, wo man auch zum RAW Temple und zum Cassiopeia kommt. Ich hatte mit meiner Begleitung ja schon die Befürchtung, nicht zu wissen, welchen Eingang wir denn nehmen müssen, aber auf eine Konzertmeute ist ja glücklicherweise Verlass, denn die tummelte sich schon recht verdächtig vor einem großen Durchgang. Nachdem wir dann auch endlich alle mit Karten ausgestattet waren, ging’s auch schon rein. Die zusätzlich eingerichtete Garderobe ließ schon vermuten, dass es wohl doch noch ein paar mehr Leute werden würden, aber davon war bis dahin noch nichts zu sehen. Enttäuscht war ich etwas vom Fan-Artikel-Stand, da ich es mir zur Tradition gemacht habe, von jedem Konzert wenigstens ein paar Buttons mitzunehmen, aber die waren gar nicht im Angebot. Nun ja, musste also ohne gehen. Die eigentliche Konzerthalle gestaltete sich widererwartend weitläufig, wobei die Frage ist, was für Erwartungen man haben kann, wenn man noch nie in einer Location war. Aber jeder macht sich ja so seine Vorstellungen.

Punkt 8 ging’s dann auch mit der Vorband der Wahl aka Sian Alice Group los. Diese steuerten ebenso wie Florence reichlich wehmütigen und melodiösen Pop/Rock bei. Bemerkenswert war die instrumentelle Vielfalt der Frontsängerin. Alles in allem habe ich für sie 5 Instrumente gezählt. Gut, eine Rassel zu schwingen oder zwei Glöckchen gegen einander zu hauen bedarf nicht allzu großer Übung, aber es sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Ich war übrigens angenehm überrascht, sowohl was die generelle Akustik im Astra betraf als auch der Sound der Sian Alica Group selber. Ich hatte mich im Vorfeld lediglich auf ihrer last.fm-Seite von Material überzeugen können und das hatte mich eher gleichgültig gelassen. Wieder mal ein Argument mehr, auf Konzerte zu gehen. Nachdem sich besagte Vorband schon relativ zeitig verabschiedete und auch keine euphorischen Zugaben verlangt wurden, begann wie immer das große Warten. Die Bühne musste ja schließlich für den kommenden Rotschopf hergerichtet werden. Das Instrumenten-Ensemble wusste auch in diesem Fall zu erheitern. Wo hat man schließlich das letzte mal Harfe und E-Gitarre zusammen bestaunen können. Das geht halt nur bei Florence. Mit voranschreitender Zeit und steigender Ungeduld des Publikums wurde man sich auch langsm aber sicher der Menschenmassen in seinem Rücken bewusst. Umso dankbarer war ich, nicht wieder einmal eine Mauer aus Zwei-Meter-Hünen vor mir zu haben, wie man es eigentlich laut Murphy immer hat.

Kurz nach 9 wurde die “betörende” und nichtssagende Reggae-Überbrückungsmusik dann endlich ausgeschalten, ebenso das Licht, was die Menge natürlich gleich zum Anlass nahm, prophylaktisch los zu kreischen. Doch die Prophezeiung bewahrheitete sich und nachdem alle Bandmitglieder ihre Plätze eingenommen hatten, zeigte sich auch Florence endlich der musiklüsternen Meute. Ohne Vorgeplänkel ging es auch gleich mit dem ersten Song los, seines Zeichens “My Boy Builds Coffins”. Reichlich düsteres Intro, besonders wenn Florence im Refrain bei “One of these days, he’s gonna build one for you” verschwörerisch in Menge zeigt. Aber spätestens da dachte ich mir “Danke, dass es auch noch Sänger gibt, die ihres Faches mächtig sind”. Die weiteren Titel verschwimmen in meinem Gedächtnis etwas mit einander, aber es waren alle Juwelen dabei. Wie erwartet ging bei “Kiss With A Fist” eine erste Welle der Bewegung durch die Masse. Beim “Drumming Song” steuerte Florence sogar selber den alles übertönenden Beat bei, wobei ihr Morgenmantel-Outfit sie etwas zu hindern schien. Überhaupt schien sie genauso viel Spaß zu haben wie wir Zuschauer/-hörer. Nach dem dritten oder vierten Song stellte sie sich und ihre Bandmitglieder dann auch endlich mal vor, aber so gesehen, wussten wir ja eh alle, wegen wem wir da gekommen waren. Des Weiteren wurde uns noch offenbart, dass wir bis dato das größte Publikum auf ihrer Europa-Tournee seien. Sowas hört man natürlich gerne, entsprechend laut war also das Echo. Ob sie das bei jedem Gig erzählt, sei dahin gestellt. Überhaupt wurde der Abend doch noch sehr interaktiv. So erkundigte sich Florence hier und da mal, wie denn gewisse Sachen im Deutschen heißen würden. Ich sage da nur “Du hast die Liebe” und “1 2 3 Gott”. Letzteres war eine klassische Fehlübersetzung, leitete aber den lustigsten Teil des Abends ein. Trotz der schieren Größen des Publikums wollte Florence nämlich gerne etwas mit uns zusammen machen und so sollten wir nach “1 2 3 Go” (siehe Übersetzung) alle hüpfen. Die Resonanz war überwältigend. Vielleicht konnten manche sich nicht dem Gruppenzwang widersetzen oder hatten sowieso schon den ganze Abend Lust, sich zu bewegen, jedenfalls muss man sich jetzt einfach mal geschätzte 700 Leute hüpfend und singend bei einem Refrain vorstellen. Ich glaube, das war bei “Cosmic Love”, aber so gut ist mein Kurzzeitgedächtnis wiegesagt nicht. Viel zu früh kam dann natürlich der gespielte theatralische Abschied, was von den Fans (mich inbegriffen) mit anhaltendem Applaus quittiert wurde, fehlten doch Titel wie “Howl” und “Rabbit Heart (Raise It Up)” noch. Selbstverständlich ging es nach dieser kurzen Pause noch weiter und so konnte ich mich noch an besagten Liedern erfreuen. Mit “Dog Days Are Over” wurde schließlich der passende Abschiedssong gewählt und dieses Mal war der Abschied auch endgültiger, das merkte auch die Menge. Niedliches Feature: Zu guter letzt verteilte Florence noch Plaste-Blumensträuße in der Menge. Das gab dem ganzen eine familiäre Note. Den Ansturm an den Garderoben brauch ich hier nun nich mehr erwähnen, aber abschließend sei gesagt, dass ich bei ihrem nächsten Konzert sicher wieder dabei bin und mich auch durchaus wieder mit dem Astra als Location anfreunden könnte.

So, jetz wird aber erstmal wieder gelernt, Student zu sein, ist ja schließlich nicht einfach.

MfG Ern

PS: Ich hätte euch ja gerne Fotos gezeigt, aber mein Handy kann man vergessen und die einzigen, die es gibt, die sind mit Copyright versehen.

2009: Ein Jahr in Tönen

// 28. 12. 2009 // Keine Kommentare » // Plattenteller

365 Tage sind doch wahrlich eine lange Zeit. Glücklicherweise! Denn sonst würden wir womöglich gar nicht erst in den Genuss vieler Platten kommen, die auch dieses Jahr wieder an die klanghungrige Menge herausgereicht wurden. Im Folgenden seien, nach persönlicher Auffassung ein paar der gelungensten Alben herausgepickt. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und auch die Albenrezension wird wohl etwas lapidarer ausfallen als auf bei NME oder Pitchfork. Here we go:

Athlete - Black SwanBeginnen wir doch einfach mit Athlete. Wenn ich sagen müsste, was sie ausmacht, dann wäre es wohl die entspannte und emotionale Musik, die sie machen. Einige Songs auf “Black Swan” stehen kurz vor einer Betitelung als Acoustic Version, so minimal ist der Instrumentaleinsatz, andere wiederum wie “Superhuman Touch” scheuen auch nicht vor laut tönenden Keyboards im Background, um die in diesem Falle euphorische Auro zu untermalen. Für den Indie Pop-Fan ein Muss im Plattenregal und definitiv ein passabler Nachfolger für “Tourist” und “Beyond The Neighbourhood”.

Anspieltipps: “Superhuman Touch”, “Black Swan Song”, “Rubik’s Cube”

Gossip - Music For MenWeiter geht’s mit Gossip. “Natürlich, wem sonst?” werden sich einige eingefleischte Mainstream-Ächter nun sagen. Fest steht: Ausnahme-Frontfrau Beth Ditto und ihre Mannen haben eben nicht umsonst einen weltweit angesehenen Tonträger herausgebracht. Denn das Album ist voller (tanzbarer) Energie, die man in so manchem Berliner Club bereits seit Release der Single “Heavy Cross” spüren konnte. Aber es geht eben nicht ohne Gegensätze und so finden sich auch auf “Music For Men” (etwas) ruhigere Stücke wie z.B. “Vertical Rhythm”, um das verschwitzte Tee im Keller mal eben zurechtzurücken bevor einen die nächste Nummer durchschüttelt – im Positiven natürlich. Amüsant auch die Hommage an KISS im Song “2012”.

Anspieltipps: “Heavy Cross”, “Love Long Distance”, “2012”

The Black Box Revelation - Set Your Head On FireGute Musik kommt aus Großbritannien oder von Übersee. Dogmen sind ja bekanntlich da, um widerlegt zu werden. Und so wusste auch das Debütalbum “Set Your Head On Fire” der Belgier von Black Box Revelation vom Hocker zu reißen. Man nehme sich ein bisschen Black Rebel Motorcycle Club, würze mit Jet und Johnossi, jage das ganze durch ein Blues-ifizierer und fertig ist die Blackbox. So in etwa würde wohl das passende Rezept zu ihrem Sound lauten. Außerdem auch endlich mal wieder ein bisschen Experimentierfreudigkeit in der Wahl der Instrumente: Tamburin und Kuhglocken haben schon auf Woodstock für guten Sound gesorgt, warum also nicht auch hier? Fazit: Ein schönes Stück Blues-/Garagerock.

Anspieltipps: “I Think I Like You”, “Gravity Blues”

White Rabbits - It's FrighteningUnd nun zu Nummer 4 in der Liste. Eben sprachen wir bereits von ungewöhnlicher Instrumentalbesetzung. Dementsprechend können sich die Jungs von White Rabbits wohl auf die Fahne schreiben, wohl mit die einzige Rockband mit zwei Schlagzeugern zu sein. Und dass die es faustdick hinter den Ohren haben, zeigt bereits der Song “Percussion Gun”, seines Zeichens Opener des diesjährigen Albums “It’s Frightening”. Gewehrmaschinensalven gleich trommelt sich der Beat ins Ohr. Wenn der Beat aussetzt, dann nur um gefühlvolleren Passagen von Sänger Stephen Patterson am Piano Platz zu machen. Dass man sich abgesehen von der Besetzung auch in Bezug auf die Kompositionen unkonventinell verhält, unterstreicht der Titel “Lionesse” auf eine eindrucksvolle Weise, bei dem der Gesang erst kurz vor Beginn der zweiten Hälfte des Songs einsetzt. Es lohnt sich also.

Anspieltipps: “Percussion Gun”, “Midnight and I”

Manchester Orchestra - Mean Everything To NothingDie Halbzeit erreichen wir mit dem zumindest in eingeschworenen Kreisen besten Album 2009. So hoch möchte ich natürlich nicht greifen, aber Manchster Orchestra haben sich mit “Mean Everything To Nothing” einen Platz in dieser Aufzählung verdient. Dabei stammen die Jungs weder aus Manchester, noch würde man ihre Musik in irgendeiner Weise als orchestral bezeichnen. Stattdessen erwartet den Hörer Indie Rock at its best. Sänger Andy Hull wechselt auf den Stücken mühelos zwischen zurückhaltender und fast schreiender Tonlage während im Hintergrund ein Bassriff das nächste jagt. Vielseitigkeit ist eben schon immer ein Zeichen von echter Größe gewesen.

Anspieltipps: “I’ve Got Friends”, “Shake It Out”

Florence + The Machine - LungsDie zweite Hälfte eröffnet deutlich ruhiger die junge Britin Florence Welch, die sich mit diversen Leuten (+ The Machine) zusammengetan hat, um mit “Lungs” ihr Debütalbum an den Mann/ die Frau zu bringen. In Zeiten von Playback und “Land XY sucht den Superstar” ist es einfach mal wieder beruhigend zu sehen, dass es noch echte Gesangstalente gibt. Denn das Stimmorgan von Florence kann sich hören lassen. Eigentlich immer wartet ein imposanter Refrain auf, der auch gerne vom Chor untermalt wird. Wer sich die Mühe macht, sich die Songs einmal genauer anzuhören, wird bei den Songtexten sicherlich des Öfteren zum Schmunzeln angeregt werden.

Anspieltipps: “Rabbit Heart (Raise It Up)”, “Drumming”, “Howl”

Phoenix - Wolfgang Amadeus PhoenixMit großen Namen aufzutragen, hat schon so mancher Band das Genick gebrochen. Ob es bei den Franzosen von Phoenix nun die Verzweiflung war, seit Jahren nicht die ihnen zustehende Anerkennung zu bekommen oder doch das gesunde Selbstvertrauen – wir wissen es nicht. Aber auf “Wolfgang Amadeus Phoenix” warten nicht einfach nur Phrasen darauf, gedroschen zu werden, sondern richtige Liebhaberstücke des Electro-/Indiepop. Dabei sind Phoenix ihrem Sound natürlich treu geblieben. Wer aber bei “1901” still sitzen bleiben kann, ist entweder querschnittsgelähmt oder taub.

Anspieltipps: “1901”, “Lisztomania”

We Are Wolves - Invisible ViolenceWie war das vorhin? Gute Musik kommt aus Großbritannien oder Übersee. Manchmal stimmt das halt doch. Und wenn es dann noch Montréal ist, meine heimliche Lieblingsmetropole, dann freut man sich natürlich umso mehr. Die Rede ist in diesem Fall von We Are Wolves, die mit “Invisible Violence” inzwischen schon ihr drittes Album veröffentlichen. Und als wollten sie ihrer bilingualen Heimat ein Denkmal setzen, wird auch diesmal wieder mehrsprachig gesungen, 3 dürften es sein, wenn ich mich nicht verhört habe. Wer also in Englisch, Französisch oder Portugiesisch/Spanisch noch Nachholbedarf hat und außerdem noch auf gepflegte Post-Punk/Electro-Musik steht, dem seien die Wölfe ans Herz gelegt.

Anspieltipps: “Paloma”, “Walking Commotion”, “Rue Oblique”

Wild Beasts - Two DancersDem Ohr schmeicheln, das ist ja immer so eine Formulierung, aber wenn man bereits zu Beginn eines Songs halbekstatisch in seinen Kopfhörern hängt, dann spricht das doch für sich, oder nicht? So geschehen bei “The Fun Powder Plot”, dem Opener des Albums “Two Dancers” von den Wild Beasts. Mit den letzten in der Liste haben sie gemein, dass sie einfach etwa Neues abliefern. Ausgefallene Melodiebögen, wie das in einer Rezension einmal passend beschrieben wurde. Dazu die überdreht wirkende Stimme des Sängers Hayden auf der einen Seite, der Bariton von Tom auf der anderen. Definitiv ein Album, an das man sich gern zurück erinnert.

Anspieltipps: “The Fun Powder Plot”, “We Still Got The Taste Dancin’ On Our Tongues”, “All The King’s Men”

The XX - The XXBleibt noch ein Platz in der Liste. Wer könnte das wohl sein. Wie das Albumcover zur linken schon suggeriert, sind die besagten Musiker Minimalisten, in jeder Hinsicht. Wer sich The XX nennt, ist entweder einfallslos oder hat sich den Sinn für Wesentliche bewahrt. Ich unterstelle den Jungspunten von The XX einfach einmal zweiteres. Denn kaum jemand schafft es, mit gerade einmal 20 ein so stimmiges und sentimentales Klangwerk abzuliefern, geschweige denn Debüt. Bis auf die 3 halt. Die Songs leben von den schmachtenden Stimmen Romy und Olivers und natürlich den Beats des Masterminds Jamie im Hintergund. Um einfach mal eine unabhängige Aussage über die Güte der Songs zu machen, erzähle ich hier die Anekdote, dass “Crystallized” seit gefühlten Jahrhunderten der erste Titel war, der es in eine Endlosschleife geschafft hat. Das möchte bei mir etwas heißen.

Anspieltipps: “Crystallized”, “Intro”, “Heart Skipped A Beat”

Hiermit endet mein kleines Review. Ich hoffe, einigen konnte ich damit auch mal zum Reinhören anregen. Ich sage nur: Es lohnt sich!

Mit diesen Worten verabschiede ich mich womöglich ins neue Jahr. Guten Rutsch euch allen.

MfG Ern