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2010: A Retrospective

// 29. 12. 2010 // 2 Kommentare » // Musik, Plattenteller

Ob ihr es glaubt oder nicht, aber Silvester naht. Da heißt es wie jedes Jahr zu diesem Anlass, die Medienbibliothek noch einmal nach den Juwelen der kontemporären Musik zu durchforsten und sie im richtigen Licht zu präsentieren. Herausgekommen sind 10 Must-Listen-Platten und 5 empfehlenswerte Scheiben o’ ten. Ich verzichte übrigens bewusst auf ein Ranking. Bei der Vielzahl der nachfolgend vertretenen Genres kann man einfach keine gemeinsame Messlatte ansetzen.

The Acorn | No Ghost

Auch wenn ich in so ziemlich jedes Genre einmal reingehört habe und mich auch für viele zumindest ansatzweise begeistern kann, gibt es doch trotzdem einige Vertreter, die ich bisher aus Erfahrung gemieden habe. Dazu zählt auch Folk im weiteren Sinne. Klar gibt es hier auch Überschneidungen zum Singer-Songwritertum, aber oft fehlte es mir an dem gewissen Etwas. Umso angenehmer überrascht war von den Kanadiern von The Acorn, die mit “No Ghost” eine Folk-Platte abgeliefert haben, bei der ich rundum mal nichts zu meckern hatte. Erstklassige Instrumentalwahl, eingängige Melodien und allem voran die Stimme von Frontmann Rolf Klausener, die jede noch so kleine Emotion transportieren kann.

The Bridgeheads | Foreigners

Weiter mit den Bridgeheads. Diese fallen in vielerlei Hinsicht positiv auf. Zum Einen dadurch, dass sie ihr diesjähriges Album “Foreigners” kostenlos zum Download angeboten haben. Zum anderen durch ihre Herkunft. Sicherlich gibt es in jedem Land großartige Interpreten, aber der Großteil kommt im Indie-Bereich eben doch von der Insel oder aus Übersee. Die Bridgeheads räumen mit diesem Vorurteil auf und zeigen, dass gute Musik auch aus der Slowakei kommen kann. Bei all dem Lob bleibt allerdings ein sehr bitterer Wermutstropfen. Denn im September diesen Jahres verstarb Mastermind und Sänger des Projekts Tomas dAsK mit gerade einmal 25 Jahren bei einem Unfall. Wie es um die Zukunft der Band bestellt ist, habe ich nicht in Erfahrung bringen können, aber so ein Album wie “Foreigners” wird es somit wohl leider kein zweites Mal geben.

Darwin Deez | Darwin Deez

Eines fällt mir jedes Jahr aufs Neue auf, wenn ich die Jahresbestlisten der einschlägigen Musikmagazine wie laut.de oder pitchfork durchblättere. Der Trend geht jedes Jahr auf neue zu experimentellen Platten, wohingegen tanzbares Material (ob seiner Popularität?) fast immer außen vor gelassen wird. Und so will wenigstens ich mich gegen den Strom stellen und das gar vorzügliche selbstbetitelte Debüt der New Yorker Formation um Darwin Deez vorstellen. Getreu dem Motto “Indie has never been nerdier” heizen uns die 4 mit tanzbaren Dauerohrwürmern wie “Radar Detector” und “Bad Day” auf der einen Seite und melancholischen Herzschmerz-Songs wie “Bed Space” auf der anderen Seite ein. Unvergessen bleiben mir vor allem die Live-Choreografien während ihrer Konzerte. Die Karte für den März hab ich natürlich schon so gut wie gekauft.

Foals | Total Life Forever

Wer erinnert sich nicht an die grandiose Debüt-LP “Antidotes” der Foals? Weil ihre akkurate Spielweise bis dato einzigartig war, hat man ihnen natürlich gleich den neuen Stempel des “Math Rock” aufgedrückt. Und nun, 2 Jahre danach, beehren sie uns mit dem Nachfolger “Total Life Forever. Die große Frage war natürlich: Erwartet uns ein “Antidotes 2″ oder gehen die Jungs aus Oxford neue Wege? Glücklicherweise schlagen sie neue, ruhigere Töne an und sichern sich trotzdem einen festen Platz in der diesjährigen Toplist. Nicht unwesentlich hat dazu die Tatsache beigetragen, dass sie mit “Spanish Sahara” gleich noch meinen persönlichen Song des Jahres beisteuern. In Kombination mit dem Video ein Genuss für Auge und Ohr.

The Hundred In The Hands | The Hundred In The Hands

Durch ein äußerst positives Review auf  laut.de bin ich auf The Hundred In The Hands aufmerksam geworden. Nach ein wenig Recherche hatte es mir vor allem die Live-Version ihres Songs “Lovesick (Once Again)” bei Le Hiboo angetan. Und auch der Rest des Albums ist feinster Electropop, immer an der Grenze zum Tanzbaren. Dabei finden sich auch einige musikalische Referenzen. Gerade der Refrain von “Last City” hat mich doch sehr an die Blood Red Shoes erinnert. Was keinesfalls negativ gemeint ist. Ansonsten ist den beiden für die Zukunft nur zu wünschen, dass sie sich treu bleiben, dann klappt es vielleicht mit dem großen Durchbruch.

Man Eats Bear | Let’s All Lie Together

Von zarten Stimmchen zur ganzen Pracht des Lo-Fi. Man Eats Bear haben gerade einmal 139 Hörer auf lastfm und dennoch hat es mir diese Kapelle aus Sioux City, Iowa angetan. Ihre Platte “Let’s All Lie Together” haben sie komplett in Eigenregie aufgenommen. Wer braucht heute schon noch einen Labelvertrag? Das Problem sind an dieser Stelle die weiteren Informationen. Auf ihrer myspace-Seite erfährt man lediglich noch, dass die vier Matt, Steve, Will und Drew heißen. Das Beste wird also sein, ihr macht euch einfach selber mal ein Bild davon, ob euch der rustikale Sound zusagt oder nicht.

The Soft Moon | The Soft Moon

Neben meiner neu erlangten Toleranz gegenüber Folk-Platten habe ich mich dieses Jahr auch mit dem lieben Post-Punk auseinander gesetzt. Und zwar in Form von The Soft Moon. Dazu einfach mal eine Trackbeschreibung des Pig Feeder Magazine,, damit ihr wisst was euch musiklaisch erwartet: “Listening to “Phantoms” is like swimming in an abyss accompanied by perverted robotic whales from outer-space, peer pressuring you to take hallucenogenics.“. Klar soweit? Find ich persönlich sehr passend! Und das gute ist, dass man das ALbum wirklich als Gesamtwerk durchhören kann, ohne auch nur einmal gelangweilt zu sein.

Weekend | Sports

Wie bleiben beim Post-Punk, heben die Grundstimmung aber ein wenig von dem düsteren Ambiente von The Soft Moon an, womit wir bei Weekend rauskommen. Unter Vertrag sind die Jungs aus San Francisco bei Slumberland, seinerseits auch Label von “The Pains Of Being Pure At Heart”. Und dieser Vergleich passt vom Sound auch ganz gut. Unser aller Freunde bei Pitchfork beschreiben das bei ihrem Review zum Track End Times sehr passend: ““End Times” (from their forthcoming record Sports) takes an addictive bassline and melancholy vocals and buries them under a din of squall and thrashing drums. The harmonies encased in reverb and the oscillating, distorted no-wave guitars take a jump off the cliff and begin to soar during the chorus, bringing the two extremes the band works under to angelic heights.” Dem ist nichts hinzuzufügen, hört mal rein.

Woven Hand | The Threshingfloor

Entsprechend meiner angehenden Versöhnung mit dem Folk, hat es auch eine weitere Platte in die Top Ten geschafft. Die Rede ist von Woven Hand mit seinem diesjährigen Album “The Threshingfloor”. Hinter Woven Hand verbirgt sich Sänger David Eugene Edwards, der einigen evtl. als Sänger der Band 16 Horsepower bekannt sein dürfte. Die Musik hat für mich etwas Mystisches, was irgendwo in der Nähe von indianischen Gesängen angesiedelt ist. Und dieses Spirituelle verleiht der ganzen Platte eine ganz eigene Glaubhaftigkeit. Sehr hörenswert ist meiner Meinung nach “His Rest“.

Das waren wie versprochen die Must-Haves der Saison. Alles in allem kann man da doch von einer bunten Mischung für jeden Anlass sprechen. Nun noch ein paar Scheiben, die entweder keiner Promotion mehr bedürfen oder bei denen einfach das gewisse Quäntchen zum akustischen Dauerbrenner gefehlt hat. Nichtsdestotrotz ist die aurale Einnahme ohne Einschränkungen zu empfehlen.

Broken Bells | Broken Bells

Was er anpackt, gelingt. So zeigt es zumindest die Vergangenheit von Brian Burton, eher als DJ Danger Mouse bekannt. Als Produzent hat er für Größen wie die Gorillaz oder die Black Keys am Mischpult gesessen aber auch als Interpret hat er sich als Hälfte von Gnarls Barkley neben Cee-Lo Green in die Charts eingebracht. Die diesjährige Kollaboration mit Dem Shins-Frontmann James Mercer brachte uns nun eine solide Pop-Platte mit eingängigen Refrains. Umso sehnlicher wünscht man sich an dieser Stelle natürlich mal wieder eine Platte der Shins, aber das kann wohl nur Herr Mercer selbst in die Wege leiten.

Earl Greyhound | Suspicious Package

Weiter geht’s mit einem ganz anderen Genre, dem Classic Rock Revival, seines Zeichens vertreten durch das Trio Earl Greyhound. Dabei stehen sie in schönem Kontrast zum Rest der Liste. Während man als junge Band heutzutage ohne einen Funken Innovation niemanden mehr begeistern kann, finde ich es auch schön, sich wie Earl Greyhound auf Altbewährtes zurückzugreifen. Wer also einfach mal Lust auf saftige Bässe, klare Drumlines und Gitarrensoli wie in den guten alten Zeiten (als würde ich Jungspund das beurteilen können) hat, der sollte bei ihrem Album “Suspicious Package” zugreifen.

Fang Island | Fang Island

Wovon sprachen wir eben? Von der nötigen Innovation, die eine Band mitbringen muss, um zu überzeugen. Die haben Fang Island mit ihrem gleichnamigen Debüt unter Beweis gestellt. Allein das Cover ist für mich schon unter den besten dieses Jahres zu nennen. Aber hier geht es ja um die Musik. Wo 4 Gitarren zusammenkommen (Bass, Keyboard und Schlagzeug natürlich extra), da müssen satte Sounds entstehen. Und um die geht es bei Fang Island auch. Keine Wortlawinen, kein sentimentales Drumherum, pure music also. Ihre Musik beschreiben sie übrigens selber als “Everybody high-fiving everyone”. Stimmt!

Robyn | Body Talk

Abrupter Genrewechsel wie so häufig. Und hier werden wir royal. Denn zumindest meiner Meinung nach ist Robyn die Königin des Dance Pops. Durch sie wird Electro salonfähig gemacht und das ist gut so. In diesem Jahr hat sie mit Body Talk ein Album in drei Einzelteilen auf den Markt gebracht. Und ob es nun eine gebetsmühlenartige Textpassagenwiederholung über 4 Minuten, eine grandiose Akustikversion mit ebenso grandiosen Vocals oder eingängige Singles wie Dancing On My Own sind, Robyn macht einfach nichts falsch. Chapeau, madame.

Winter Gloves | All Red

Achja, Kanada. Ein Land fast so groß wie Europa mit fast unberührter, weitläufiger Natur. Und dann noch dieser Clash of Cultures zwischen Frankophonen und Anglophonen im schönen Québec. Und mittendrin die musikalische Ideenschmiede Montréal, die schon Größen wie Arcade Fire oder We Are Wolves hervorgebracht hat und offenbar auch einige Bandnamen inspiriert hat (ja, Kevin Barnes weiß schon). Und ständig gibt es neue gute Bands, so auch Winter Gloves, die dieses Jahr mit “All Red” ihren Nachfolger zur 2008er Debüt-LP “About A Girl” herausgebracht haben. In jedem Fall tanzbare Electro-Pop-Songs mit Ohrwurmcharakter, was von den Kritikern bisher aber anscheinend noch nicht erkannt wurde. Who cares? Reinhören schadet nicht.

So, damit schließe ich die Inventur für das Jahr 2010. Wie immer schaue ich mit einem weinenden und lachenden Auge zurück. Weinend, ob der großartigen (teilweise letzten) Platten von super Bands. Lachend in freudiger Erwartung der kommenden Alben, z.B. der Strokes, Fujiya & Miyagi, Fleet Foxes, The Duke Spirit, Lykke Li uvm. Aber seid euch sicher, dass ich auch dann wieder das Beste vorstellen werde. In diesem Sinne einen guten Rutsch euch allen und bis nächstes Jahr!

MfG Ern

Neues fürs Ohr

// 19. 06. 2010 // 2 Kommentare » // Musik, Plattenteller

Ich sehe gerade, dass ich ein wenig im Rückstand bin, was meine Berichte über neue Platten betrifft. Dabei sind doch so viele gute Platten heraus gekommen! Ich weiß gar nich wo ich anfangen soll. Probier ich’s halt mal querbeet.

TeddyBears | Devil’s Music

Den Anfang machen die elektronisch/ dancefloor-orientierten TeddyBears. “Wat, wen, kenn ick nich”, dürfte die erste Reaktion des geneigten Lesers sein. Aber ich möchte beinah wetten, dass es niemanden gibt, der nicht schon zu “Cobrastyle” abgegangen ist… ihr wisst schon, “My style is di bom digi bom di deng di deng digigi uu uuu…” und so. Falls nicht, bitte umgehend nachholen. Nunja, eben diese lustigen Schweden legen nach “Soft Machine” aus dem Jahre 2006 nun mit “Devil’s Music” nach. Es gibt viele Lichtblicke auf dem Album, nennenswert vor allem “Get Mama A House”, was im Refrain ein wenig nach elektronisch hinterlegten Dandy Warhols klingt.

Earl Greyhound | Suspicious Package

Weiter geht’s mit einem ganz anderen Genre, dem Classic Rock Revival, seines Zeichens repräsentiert durch das Trio Earl Greyhound. Denen wollte ich eigentlich einen eigenen Beitrag widmen, aber nun müssen sie wohl hier unterkommen. Wer einfach mal Lust auf saftige Bässe, klare Drumlines und Gitarrensoli wie in den guten alten Zeiten (als würde ich das beurteilen können) hat, der sollte bei ihrem Album “Suspicious Package” zugreifen. Als herausragender Song des Albums ist “Shotgun” zu nennen, gewissermaßen ein melancholisch-kraftvolles Klagelied.

Foxy Shazam | Foxy Shazam

On we go. Und wir landen bei Foxy Shazam. Allein so ein Bandname erregt beim Stöbern im Internet schon meine Aufmerksamkeit. Dass dann natürlich die Musik auch noch stimmt, ist sicherlich ein Glücksfall. Für ihr selbstbetiteltes Album aus diesem Jahre trifft das aber voll und ganz zu. Die Einordnung in ein Genre fällt mir hier allerdings schwer. Das Album beginnt mit Hundegebell, was soll man da sagen? Egal, es ist jedenfalls eine Menge Powerpop dabei. Ich hätte außerdem auch mal Lust, auf ein Konzert der Jungs aus Ohio zu gehn. Denn wenn Frontsau Eric Sean Nally live nur halb so energiegeladen ist, wie auf dem Album, muss es einen förmlich aus den Socken hauen. Zu empfehlen ist “Connect Me“, findet heraus wieso…

Gyroscope | Cohesion

Und schon sind wir in Down Under angekommen. Hier erwarten uns die Jungs von Gyroscope mit ihrer Platte “Cohesion“. Die ist ein schönes Stück kontemporärer Punk Rock. Gerade wenn man wie ich von Haus aus ein bisschen weniger mit einem bestimmten Genre zu tun hat, ist es schön beim ersten Hören angenehm überrascht zu werden. Noch besser ist es natürlich, wenn sich dieses Gefühl von Song zu Song fortsetzt. Hinhörer sind “What Do I Know About Pain?” und “I Still Taste Blood”… Ich sach nur “Chainsaw chaichaichainsaaaaw”.

Foals | Total Life Forever

Und nun zu einer Platte, die eigentlich einen eigenen Beitrag verdient hätte. Dabei vermute ich mal, die Mannen um Yannis Philippakis von den Foals hatten es nicht gerade leicht, den Erwartungen an ihr Zweitwerk nach dem furios-grandiosen “Antidotes” gerecht zu werden. Und doch haben sie es mit “Total Life Forever” geschafft. Irgendwie haben sie sich so ganz nebenbei weiterentwickelt ohne ihre Urprünge zu verneinen. Neu im Konzept sind die vielen melodischen Parts, die die sonst so durchgeplante Struktur des Math Rock, wie das Genre ja gerne benannt wird, durchbrechen. Darüber steuert Yannis auf diesem Album auch Gesangspassagen bei, war es doch auf Antidotes eher der für ihn typische Sprechgesang. So oder so, er weiß mit beidem zu begeistern. Bestes Beispiel dafür ist der epische Fast-7-Minüter “Spanisch Sahara“, der mir jedes Mal eine wohlige Gänsehaut beschert. Besser kann man es nicht machen. “Forget the horror here, leave it all down here…”

The Burning Hotels | Novels

Wer denkt, dass alle Alben ab den Foals ja nur noch schlechter werden können, hat damit natürlich unrecht. Weiter geht’s mit Indie Rock aus Texas. Dort stößt man auf die Burning Hotels, die mit “Novels” gerade ihre erste LP herausgebracht haben. Und hier stelle ich mal wieder fest, dass mir ein paar Musikkenntnisse nicht schaden könnten, denn ich wüsste jetzt gar nicht, was die Musik denn jetz eigentlich besonders macht. In erster Linie sind es natürlich die Stimmen von Chance und Matt, die sowohl einzeln als auch im Zusammenklang eine perfekte Harmonie bilden. Ihre Musik erinnert hier und da ein bisschen an Interpol und Konsorten. Das ist vielleicht auch so gewollt, schließlich hat Mark Needham das Album zusammengemixt, der seines Zeichens schon für die Killers und Bloc Party gearbeitet hat. Glücklicherweise ist das Album aber abwechslungsreich genug, um nicht so einzuschläfern wie die letzten Alben von oben genannten Bands. Anspieltipp ist “Boy Or A Girl”.

The Acorn | No Ghost

Wo wir gerade beim Thema “einschläfernd” waren. Hmm, vielleicht eine schlechte Überleitung für ein Album was gerade in “heavy rotation” bei mir läuft. Naja, worauf ich jedenfalls hinaus wollte. Ich stelle immer wieder fest, dass es schwierig zu sein scheint, langsame Musik zu machen, die den Zuhrer trotzdem bei Laune hält und das dauerhaft. Aber wie könnte es anders sein, aus dem musikalisch wertvollsten Land der Welt Kanada wurde mir mit dem Album “No Ghost” von The Acorn das Gegenteil bewiesen. Eine gute Scheibe Folk halt. Dazu vielleicht noch ein kleines Schmankerl. Wer meinen Konzertbericht zu Garcia plays Kyuss gelesen hat, wird wissen, dass ich mich reichlich geärgert habe, als ich gelesen habe, dass The Acorn natürlich gerade an besagtem Tag auch ein Konzert in Berlin gegeben haben. Fieser kann es ja gar nich mehr kommen. Hoffen wir mal, dass sie Gefallen an Berlin gefunden haben. Aber warum sollten sie auch nicht?

Woven Hand | The Threshingfloor

Bleiben wir im selben Genre. Hier bin ich neulich über das neue Album von Woven Hand mit dem Titel “The Threshingfloor” gestolpert. Hinter Woven Hand verbirgt sich Sänger David Eugene Edwards, der eher als Sänger der Band 16 Horsepower bekannt sein dürfte. Die Musik hat für mich irgendwo ein bisschen etwas von indianischen Gesängen, ohne das jetzt abwertend klingen zu lassen. Im Gegenteil: Das Spirituelle verleiht der ganzen Platte eine ganz eigene Glaubhaftigkeit. Als Vorband von Tool kann ich sie mir aber irgendwie noch nicht vorstellen und dennoch kommt es Ende Juni zu dieser seltsamen Paarung. Sehr hörenswert ist meiner Meinung nach “His Rest“.

The Juliets | The Juliets

Eine tolerante und weltoffene Sicht hilft einem nicht nur, dabei neue Kontakte zu knüpfen, für neue Interpreten und Genre gilt das genauso. Und so habe ich neulich ein neues Genre zu meinen Favoriten hinzugefügt: den Baroque Pop. Dieser wird vertreten durch The Juliets, zu hören auf ihrem selbstbetitelten Debut. Ihre Musik ist an sich schon Indie Pop vom Feinsten, gewinnt aber durch den Einsatz von Violine und Cello eine ganz neue Dimension hinzu. Eine Schande, bei solchen Interpreten gerade einmal 600 Hörer bei LastFM zu sehen. Für alle Interessierten ist “This Just In” als Einsteiger zu empfehlen.

Hot Hot Heat | Future Breeds

Was die Kollegen von Kasabian Anfang des Jahres bereits erfolgreich vorgemacht haben, ist nun auch Hot Hot Heat gelungen. Die Rede ist von der gelungenen Rückkehr. Also zumindest aus meiner Sicht. Denn beide Bands haben es geschafft, nach einem mauen Album, welches sie ins Abseits katapultierte, in den musikalischen Fokus zurückzukommen. Und wie: Mit einem Cover, das einem Werk von of Montreal in nichts nachstehen würde, enthält ihr mittlerweile fünftes Album “Future Breeds” auch einige sehr vielversprechende, experimentelle Titel. AM besten einfach mal in “YVR” und “Implosionatic” reinhören. Ansonsten heißt es von mir: “Welcome back, lads.”

Bonaparte | My Horse Likes You

Was waren das für lange Jahre des Wartens. Und dabei waren es doch nur zwei! Trotzdem. Wer Das Erstwerk “Too Much” von Tobias Jundt aka Monsieur Bonaparte und seiner irren Truppe einmal gehört hat, schreit automatisch nach mehr. Nun wurde der Wunsch mit “My Horse Likes You” erfüllt. Und ja, es ist tatsächlich genauso gut wie sein Vorgänger, welch Erleichterung. Und wie schon Too Much ist es ein wahres Fest, den Texten andächtig zu lauschen. Herrlich schräge Texte und Textpassagen à la “I’m your glory hole to the universe” zaubern dem Hörer ein verschmitztes Grinsen ins Gesicht. Und auch der Sprachhorizont wird mal wieder ein bisschen erweitert. Neben Englisch als Standard finden sich auch mal deutsche, französische und russische Abschnitte. In der heutigen Zeit ist es ja immer schwerer, eine einzigartige Band zu sein, aber Bonaparte ist eine davon.

The Bridgeheads | Foreigners

Zum Abschluss noch etwas Ruhigeres. Dazu vielleicht ein wenig Vorgeplänkel. Bei den gefühlten 30 Milliarden Bands, die es derzeit weltweit geben muss, ist es nicht gerade einfach, aufzufallen und seine Musik an den Mann zu bringen. Deshalb findet in letzter Zeit ein Geschäftsmodell vielfach Anwendung. Wer etwas auf sich hält, bietet seine Musik quasi kostenlos an. “Quasi” insofern, da natürlich an den geneigten Hörer appelliert wird, den Betrag seiner Wahl zu überweisen. So haben es auch die beiden Jungs gemacht, die sich hinter “The Bridgeheads” verbergen. Was sich da auf ihrem Debütalbum “Foreigners” findet, ist großartige, entspannende, eigentlich schon herzergreifende Musik. Und die muss nicht zwangsläufig aus Übersee kommen, denn die Jungs kommen aus der Slovakei, was man ihren SOngs aber mit keiner Note anhört. Sollte also jemand ein bisschen mehr Geld als ich über haben, dann gebt es den beiden, sie können es gebrauchen. Anspieltipps: “Pi“, “Fiction

Ich hoffe, ich konnte ich wieder ein wenig gute Musik näher bringen. Für mich sind in diesem Beitrag auf jeden Fall einige Vertreter für einen Best of 2010-Artikel dabei. Hört einfach mal rein.

MfG Ern

Konzert: Foals

// 12. 04. 2010 // 4 Kommentare » // Konzertbericht

Ich bin mir ziemlich sicher, dieses Jahr doch mal wieder einen neuen persönlichen Konzert-Rekord aufzustellen, war ich doch in diesem Quartal alleine schon auf mehr Konzerten als in manch anderen Jahren zusammen. Aber wer kann bei so vielen guten Bands, die Berlin mit ihrer Anwesenheit beehren, schon nein sagen? Ich konnte es anscheinend nicht, denn heute hat es mich anlässlich des Foals-Gigs wieder einmal in die Berliner Club-Landschaft verschlagen. Wobei ich ehrlich gesagt das Datum des Auftritts etwas unpassend gewählt finde. Denn schließlich kommt erst am 7. Mai hierzulande der lange erwartete zweite Tonträger der Foals mit dem optimistischen Titel “Total Life Forever” in die Plattenläden. Aber gut, ein bisschen Teasing kann ja nicht schaden, wenn man dafür in Kauf nimmt, dass das Publikum etwas verhaltener aus das neue Klanggut reagiert.

Aber was rede ich über Termine, freuen wir uns doch stattdessen einfach darüber, dass sie da waren. “Da” kennzeichnet hierbei den allseits beliebten und stets gut bespielten Columbia Club nahe dem Platz der Luftbrücke. Nach dem Hype um ihren Erstling Antidotes hätte ich eigentlich fast mit einer größeren Location wie der Columbia-Halle nebenan gerechnet, aber entweder lag es an den Kartenpreisen oder ich habe mich beim Klientel wohl doch etwas vertan. Bei Betreten des Clubs kam erstmal ein wenig Nostalgie auf, denn schließlich lag mein  letzter Besuch mit Danko Jones doch schon ein paar Jährchen zurück. Eben dieses süße Gefühl der Erinnerung wurde dann auch umgehend von einer Ernüchterung verdrängt, als die Mini-Annahme der Garderobe und die davor postierte, eifrig wartende Meute in mein Gesichtsfeld rückte. Sei’s drum, in der Halle war ja eh noch nicht groß was los und so hatte ich jede Menge Zeit.

Endlich ohne Jacke unterwegs, zog es mich wie gewöhnlich zum Fanartikel-Stand, wo ich wie auf jedem Konzert feststellte, dass die Verkäufer Tourmitglieder sind und deshalb nur des Englischen mächtig sind. Ich stellte wieder einmal fest, dass “Vorteilsangebote” à la “2 zum Preis von einem” so gar nich mein Fall sind, da ich zu dem von mir präferierten Button-Set auch unweigerlich ein hübsch hergemachtes Mini-Plakat mit überreicht bekam, dass ich von da an in meiner Hosentasche durch die Gegend tragen konnte. Wie der Homepage des Columbia-Clubs zu vernehmen war, gab es keine richtige Vorband, sondern stattdessen DJ Valis, der mit drumlastigen Remixes von The XX, Hot Chip u.a. auf das Publikum losgelassen wurde. Warum man das allerdings nicht als Einspieler über die Tontechnik machen konnte, wie sich das auf anderen Konzerten gehört, ist mir ein Rätsel.

Pünktlich zum Abtritt des Plattenmixers kurz vor 9 hatte sich die Halle langsam aber sicher komplett befüllt. Glaubte ich zu Beginn noch, die Stufe im Raum würde mir ungeahnte Weitsicht auf die Bühne verschaffen, musste ich doch dann umso enttäuschter feststellen, dass ich beinahe nichts mehr von der Bühne zu sehen vermochte. Ein Rückzug in Richtung Fanartikelstand schien mir daher angebracht. Dort wollte ich es anderen gleich tun und dem Sitzstreik auf den Tischen beitreten, was aber von vorhin angesprochenem Vorkäufer nur mit einem Kopfschütteln quittiert wurde. Glücklichweise hätte die Sicht dann im Endeffekt auch schlechter sein können. Ich verpasste zwar den Einmarsch der Foals, aber das wurde mir ebenso zeitnah durch die kreischende Menge mitgeteilt.

Begonnen wurde auch gleich mit einem neuen Titel, den ich noch nicht einzuordnen vermag. Er war aber wieder gut bespickt mit alle dem, was die Lieder auf dem Vorgänger zu ihrer Glorie verholfen und den Foals die Genre-Einordnung in den Math Rock eingebracht hat. Anschließend schmetterten sie uns “Cassius” um die Ohren, für mich zumindest eines der Highlights des Abends, weil es einfach so zum Mittanzen einlädt. An die Reihenfolge der folgenden Stücke kann ich mich im Einzelnen nicht erinnern, aber es erschien mir doch häufig so, als ob sich ein bekannter und ein neuer Song abgewechselt hätten. Unter den altbekannten Titeln waren unter anderem “The French Open”, “Balloons” und “Two Steps, Twice”. Hier und da schien das Mikro dann auch mal zu schwächeln, da man Yannis Stimme hier und da mal nicht hören konnte. War aber nicht weiter schlimm. Das machte die exzellente Akustik der Instrumente wieder wett.

Neben Cassius seien im Besonderen noch zwei Titel hervorzuheben. Zum Einen ist das der neue Track “Spanish Sahara”, der auch auf ihrer Myspace-Seite gestreamt werden kann oder für die eher optisch Ambiotionierten als Musikvideo bereit steht. So oder so. Es ist ein herrlich langsamer Song, der im ersten Moment ein wenig an einen Slowdown von Phoenix mit ihrem “North” denken lässt. Ich war auch angenehm überrascht, dass Yannis eine sehr schöne Stimme haben kann, wenn er denn möchte. Auf dem Konzert erinnerte mich seine Stimme kurz an die Junior Boys mit “Hazel”. Das genaue Gegenteil war dann die Performance bei “Electric Bloom”. Hier stattete sich Yannis kurzerhand mit einem Drum aus, um im Refrain, ein paar Takte beizusteuern.

Das eigentliche Highlight war aber eigentlich als er mit seinen Sticks mal eben vorne ins Publikum verschwand und erstmal eine Weile verschwunden war. Kurze Zeit später machen die Leute neben mir für jemanden Platz, der durch will und siehe da: Hat sich der Verrückte doch tatsächlich seinen Weg durch die Menge gebahnt. Welcher Interpret macht das heute noch. Ist ja irgendwie sogar noch persönlicher als Stage Diving. Auf dem Weg zurück zur Bühne wurde das Kreischen natürlich immer lauter. Apropos Kreischen, ich hab mich doch ein bisschen über die Lethargie des Publikums gewundert. Trotz Takten, die sowohl zum rhythmischen Mitbewegen als auch -klatschen einladen, blickte ich häufig in konzentrierte, unbewegte Gesichter. Und auch als der Drummer kurz vor Ende sehr eindringlich zum Klatschen animierte, hielt sich diese Bewegung doch kaum länger als ein paar Sekunden. Vielleicht haben das einige ja als zu spießig angesehen, aber ich finde sowas schweißt ein Publikum zusammen und vermittelt ein Gemeinschaftsgefühl.

Tja, über meine Odyssee zurück zur Garderobe brauch ich hier nicht zu berichten, das dürfte allen ähnlich ergangen sein. Abschließend bleibt mir festzustellen: Nachdem ich im Internet auf einschlägigen Seiten bereits Previews zu “Total Life Forever” gelesen habe und heute nun auch hören durfte, was mit den oft sehr guten Rezensionen gemeint war, ist die Vorfreude auf den Mai doch nochmal um ein gutes Stück angestiegen. Also liebe Foals: Weiter so!

Update: Dank girlsnotgrey gibt’s jetz auch die komplette Setlist für alle Interessierten:

  1. total life forever
  2. cassius
  3. olympic airways
  4. miami
  5. balloons
  6. heart beat
  7. blue blood
  8. this orient
  9. spanish sahara
  10. red socks pugie
  11. electric bloom//the french open
  12. black gold
  13. two steps twice

MfG Ern