Beiträge getaggt ‘lindenpark’

Konzert: Fotos + Vierkanttretlager

// 30. 04. 2011 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Schön und schade. Das waren die beiden Seiten des heutigen Konzert der Fotos im Lindenpark nahe Potsdam. Nachdem die Band vor einigen Tagen überraschend ihren Berlin-Gig abgesagt hatte, war ich doch sehr froh, mich für den Auftritt in Potsdam entschieden zu haben. Zumal der Lindenpark auch herrlich inmitten einer verschlafenen Wohngegend liegt. Lediglich der vorschriftsmäßig geparkte Tourbus und die Fritz-Aufsteller ließen ein Konzert vermuten. Und auch drin war der Anblick leider erstmal ein wenig ernüchternd. Auf den ersten Blick konnte ich etwa 100 Besucher erkennen, da hätte ich doch wesentlich mehr erwartet. Naja, genauso ungewöhnlich war eine sehr bequem eingerichtete Sitzecke unweit der Bühne, auf der ich es mir spontan gemütlich gemacht hab.

Als Vorband hatten sich die Hamburger die nordischen Kumpanen von Vierkranttretlager engagiert. Und auch wenn die vier Husumer Jungs einen reichlich klobigen Namen für sich gewählt haben, ändert das doch nichts an ihrem Unterhaltungswert. Schwungvoller und melodischer, deutschsprachiger Rock irgendwo zwischen Tomte, Herrenmagazin, Bosse und Konsorten. Wobei das eigentliche Higlight ihre mit deutschem Text unterlegte Coverversion des Klassikers “Where Do You Go To My Lovely” von Peter Sarstedt war. Die Akkordeon-begleitete Version heißt dann “Wohin Gehst Du Heut Nacht” und kann sich ohne Probleme mit dem Original messen. Auch im Laufe der Aufwärmphase kamen nich wirklich mehr Leute dazu, sodass man sich langsam mit der familiären Atmosphäre und ungewohnter Bewegungsfreiheit arrangieren konnte.

Und das ist meiner Meinung nach die traurige Seite des Konzerts. Ich verfolge die Fotos nun schon seit ihrer Debütplatte und würde ihnen jeden Erfolg gönnen. Doch auch mit dem mittlerweile dritten Album “Porzellan” kam anscheinend noch nicht der Durchbruch, was der Band weiterhin eine Randpopularität beschert. Bei den heute gezeigten Live-Qualitäten fragt man sich, warum das nach wie vor so ist. Auf der Setlist fanden sich, wie der Name der Tour schon vermuten lässt, hauptsächlich Titel vom neuen Album. Die Akustik im Saal war erstaunlich gut, ebenso wie die Stimme von Sänger Thomas, was besonders bei den ruhigeren Songs wie “Nacht” oder meinem persönlichen Highlight “Ritt” zur Geltung kam. Und auch wenn das Publikum so klein war, so stellte es doch seine Textsicherheit unter Beweis, als es darum ging, einige Abschnitte von “Explodieren” mitzusingen. Die (De-)Crescendi hatten schon was Schönes. Und auf welchem anderen Konzert erlebt man schon noch, dass die Band einem Geburtstagskind einen Song widmet? Doch so wie es aussieht, wird erst wieder das vierte Album darüber entscheiden, ob dem sympathischen Quartett die Aufmerksamkeit zukommt, die sie verdienen. Falls es so kommt, kann ich nur sagen: “Ich hab’s euch ja gesagt!”.

MfG Ern

Konzert: Gisbert zu Knyphausen + Nils Koppruch

// 02. 11. 2010 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Hurra! Hurra! Bitte weiter so. So ließe sich das just absolvierte/besuchte Konzert von Gisbert zu Knyphausen wohl kurz und prägnant zusammenfassen. Und ich durfte tatsächlich noch den Tag erleben, da mir meine exponierte Wohnlage in Potsdam einen Standortvorteil verschafft. Denn immerhin hat es Gisbert in den Potsdamer Lindenpark verschlagen, in dem ja sonst gefühlt nur die Parties der SpoWis zelebriert werden. Für die 200-300 Leute, die diesen Abend anwesend waren, war der Lindenpark aber fast schon etwas zu groß, da hätte ich mir ein Lido oder Cassiopeia in Berlin auch gut vorstellen können. Naja, zurück zum roten Faden und gleich zu einem Mini-Kritikpunkt, der eingespielten Musik. Bevor es mit Nils Koppruch losging bzw. später dann mit Gisbert und Band lief die ganze Zeit “I Am Kloot” in Endlosschleife. Nun ist es ja nicht so, dass ich dagegen etwas hätte. Ganz im Gegenteil, die Tatsache, dass ich die Musik zuordnen kann, legt ja die Vermutung nahe, dass ich mich beizeiten damit auseinander gesetzt habe. Aber ein bisschen mehr Abwechslung hätte man dem Publikum doch schon zumuten können. Gerade, wo es doch ein rein deutschsprachiger Abend war, hätte man noch Stücke von Moritz Krämer, Phillip Poisel, Alin Coen oder all den anderen talentierten Singer-Songwriter einstreuen können. Aber das ist ja nun zugegebenermaßen ein höchst subjektiver Standpunkt. Widmen wir uns lieber der Live-Musik. Den Anfang als Einmann-Vorband machte Nils Koppruch, einigen vielleicht noch als Sänger der Gruppe Fink ein Begriff. Nur mit Gitarre und Stimme (sowie Mundharmonika) bewaffnet, spielte er ebenso vielschichtige Texte, wie man es von Gisbert kennt. Ich hatte nur das Gefühl, dass das Publikum das leider noch nicht zu würdigen wusste, da das gewisse Grundgemurmel nie ganz verstummte und dem perfekten Hörerlebnis im Wege stand. An der Akustik ist übrigens nicht zu meckern, die war in der Tat makellos. Wie auch schon bei meiner kleinen Internet-Recherche im Voraus hat mir der Song  “Den Teufel tun” vom Nils gefallen. Hörts euch wenn ihr Lust habt einfach mal an. Irgendwann kam was kommen musste und Nils räumte die Bühne für den hoch antizipierten Gisbert zu Knyphausen. Eins vorneweg: Angefangen hat er so gegen 10 glaube ich. Raus war ich dann aber erst viertel 1. Man sollte sich also nicht fragen, was er gespielt hat, sondern eher, was er eigentlich nicht gespielt hat. Auch die Tatsache, dass die offizielle Zugabe genauso viele Titel umfasste wie die Setlist spricht für sich. Meine persönlichen Favoriten (namentlich “Sommertag” vom alten Album und “Kräne” sowie “Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten” vom neuen Album”) wurden glücklicherweise alle gespielt. Erstaunlicherweise gab es für die Bridge in dem ein oder anderen Song eine willkommen geheißene Rock-Einlage, die man Gisbert im ersten Moment vielleicht gar nicht so zugetraut hätte. Da lässt sich auch verschmerzen, dass er wenig mit dem Publium kommuniziert hat. Aber irgendwo ist ein Konzert halt eine Einbahnstraße. Umso amüsanter sind dann Statements wie “Ich hab mal wieder nix zu erzählen zwischen den Songs, deswegen machen wir einfach mal weiter.”. So habe ich es ehrlich gesagt lieber, denn in seinen Titeln sagt er ja mehr als genug. Überhaupt hat er sich heute mit in die Rige der sympathischsten Künstler eingereiht. Dazu trägt bei, dass er halt kurz vor Schluss mal den Text vergisst und peinlich berührt gesteht, dass das ab und zu mal vorkommt. Aber auch die gemeinsam mit Nils Koppruch vorgetragenen Songs (soweit ich das verstanden habe sogar für einen guten Zweck) zeigen, dass er nicht abgehoben ist. Da nimmt man ihm auch die Bemerkung “Ihr seid ein wahnsinnig nettes Publikum…. oder einfach nur mundfaul. Egal, bleibt wie ihr seid.” nicht übel. Insgesamt schaue ich also auf einen sehr gelungenes Konzert zurück. Dass mich der Pärchenanteil an Konzertbesuchern aber wieder reichlich genervt hat, kann ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen. Vielen Dank Nils, vielen Dank Gisbert. See/hear you soon.

MfG Ern