2011: The Year in Albums
// 28. 12. 2011 // Keine Kommentare » // Musik, Plattenteller
Silvester rückt in greifbare Nähe und somit heißt es auch wieder im Hauptquartier von iophobia, das musikalische Jahr 2011 Revue passieren zu lassen und die Juwelen der letzten 12 Monate ins rechte Licht zu rücken. Während Franz sich in den härteren Musikgenres auf 10 Alben begrenzt, fällt mir das wesentlich schwerer. Aufgrund meiner vernachlässigten Vorstellung hörenswerter Neuerscheinungen über das Jahr, werden neben den eigentlichen Top-Alben noch einige Platten in der Kategorie “Erwähnenswert” landen. Aber lest selbst:
Active Child | You Are All I See
Definitiv eine der Entdeckungen des Jahres für mich. Und wie so häufig mal wieder über den besten Youtube-/Radio-Channel im Indie-Bereich. Thanks KEXP for making the world a better place vid by vid. Aber wer steckt denn nun eigentlich hinter Active Child? Das ist der beseelte Rotschopf Pat Grossi, der schon beinahe spirituell anmutende Hymnen mit Harfe und Synthesizer herbeizaubert. Das ganze befindet sich dann irgendwo zwischen Hurts und den Fleet Foxes. Sein kopfstimmenlastiger Gesang mag nichts für jedermann sein, aber ich kann meine Haare gar nicht so schnell wieder runterkämmen wie sie die Gänsehaut beim Hören des Albums immer wieder aufstellt.
Anspieltipps: “Hanging On”, “Johnny Belinda”
Other Lives | Tamer Animals
Wo ich gerade bei KEXP war: Auch dieser Kombo hätte ich ohne ihre Live-Performance wohl nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Wie es immer so ist, hatte ich ihr Album zwar schon irgendwo auf der Platte zu liegen, war aber bis dato noch nicht dazu gekommen, mir sie einmal zu Gemüte zu führen. Das änderte sich dann nach der grandiosen Live-Version von “For 12″. Viele ziehen bei dem Quintett aus Oklahoma den unmittelen Vergleich zu den Fleet Foxes, aber für mich ist die Platte wesentlich mehrschichtiger. Und wie sphärisch es bei den Titeln zur Sache geht, konnte ich ja unlängst beim ersten Berlin-Gig der Truppe feststellen.
Anspieltipps: “For 12″, “Dust Bowl III”
Fleet Foxes | Helplessness Blues
Zweimal dienten sie mir jetzt schon als Referenz für die genannten Interpreten. Und die Fleet Foxes muss man inzwischen auch nicht mehr vorstellen, schließlich haben sie sich mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum 2008 in der Kritikerszene einen Namen gemacht und es in die Spitze vieler Jahresendlisten geschafft. Man kann den Erwartungsdruck dementsprechend nur erahnen, der Robin Pecknold und seine Mannen mit ihrer Nachfolge-LP auf den Schultern lastete. Und dennoch lieferten sie mit “Helplessness Blues” eine ebenso atembraubende und verzaubernde Folk-Platte ab, wie es schon das Debüt war. Das ganze dann noch live erleben zu können, sei an dieser Stelle jedem empfohlen. Und den visuellen Ästheten sei zusätzlich das magische Video zu “The Shrine / An Argument” ans Herz gelegt.
Anspieltipps: “The Shrine / An Argument”, “Montezuma”
Florence + The Machine | Ceremonials
Wie schwer man es nach einem erfolgreichen Debütalbum haben kann, weiß mittlerweile wohl auch Florence Welch von Florence + The Machine. Denn nach Veröffentlichung ihres Debüts “Lungs” und dem damit verbundenen und verdienten, kometenhaften Aufstieg zur Grand Dame der Indie Pop-Sparte, kam dieses Jahr der Nachfolger “Ceremonials” heraus. Und auf diesem beweist die charmante Britin erneut, dass sie eigentlich nicht viel mehr braucht als ihre Stimme, um dem geneigten ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, was für ein zartes Stimmchen sie im Alltag hat. Mein persönliches Highlight ist ja “What The Water Gave Me”, besonders in der unplugged-Version “auf den dächern”.
Anspieltipps: “What The Water Gave Me”, “No Light, No Light”
The Black Keys | El Camino
Einst als Insider-Tipp unter Kennern gehandelt, sind die Black Keys spätestens mit ihrem Album “Brothers” im Mainstream angekommen. Aber auch nach mittlerweile 6 Platten sind die Jungs aus Akron, Ohio nicht müde geworden und brachten Anfang Dezember “El Camino” heraus, welches im Vorfeld schon reichlich amüsant beworben wurde. Und auch auf dem Album selber geht es auf Tracks wie “Gold On The Ceiling” (der Kracher in der Umbaupause bei den Beatsteaks) oder der Vorabsingle “Lonely Boy” ordentlich zur Sache, auch wenn Dan Auerbach und Patrick Carney schon lange nur noch mit einem Bein im Blues Rock stehen, was u.U. auf den Einfluss von Danger Mouse als Produzent zurückzuführen ist.
Anspieltipps: “Lonely Boy”, “Gold On The Ceiling”, “Little Black Submarines”
Zola Jesus | Conatus
Mit “Conatus” taucht jetzt das mittlerweile fünfte Album in dieser Top10 auf, dass eher ruhiger angesiedelt ist. Aber es scheinen eben diese Platten zu sein, die den größten Eindruck bei mir hinterlassen. Und auch die 22-jährige amerikanische Singer-Songwriterin Zola Jesus weiß mit den Songs auf ihrer zweiten Langspielplatte zu beeindrucken. Dabei schafft sie es jederzeit, die Titel mit den Emotionen ihrer Stimme voranzutreiben, während die wabernden, bedrückenden Synthie-Kompositionen versuchen, sie zu überlagern. Definitiv ein Fall für die “Muss ich mal live sehen”-Liste.
Anspieltipps: “Avalanche”, “Shivers”
Metronomy | The English Riviera
Alles neu macht der Mai. Soviel muss man wissen, bevor man sich das dritte Studioalbum “The English Riviera” von den britischen Electro-Poppern Metronomy anhört. Denn was ursprünglich als reines Männer-Trio startete und für spaßig-experimentelle Hits wie “Radio Ladio” sorgte, ist nach Ausstieg von Gabriel Stebbing und Neurekrutierung nun ein Quartett. Und das hört man auch am veränderten Sound. Wo besonders auf dem Erstling “Pip Paine” noch reichlich rumexperimentiert wurde, gibt es mittlerweile nur noch glattgebügelte Electro-Pop-Hymnen. Das mag negativ konnotiert klingen, aber ich tue mich halt noch etwas schwer, diesen Wandel zu akzeptieren. Betrachten wir doch auch einmal die positiven Seiten: Selten waren ihre Songs so tanzbar wie auf der aktuellen Platte. Schließlich durften “The Look” und “The Bay” in keinem gut sortierten Indietronic-DJ-Set fehlen und sind wahrscheinlich jetzt schon Klassiker. Nichtsdestotrotz zählt das Cover für mich zu den schlechtesten des Jahres.
Anspieltipps: “The Look”, “The Bay”
tUnE-yArDs | W H O K I L L
Kommen wir nun zum vermutlich exotischsten Vertreter in dieser Liste. Viele denken wahrscheinlich schon beim Blick auf den Bandnamen, dass es reichlich infantil zur Sache gehen muss. Tatsächlich ist tUnE-yArDs das One-Woman-Project Merrill Garbus. Für gewöhnlich bedient sie sich sich zur Aufnahme ihrer Songs der allseits beliebten Looping-Stationen, wovon man sich auch bei ihren Live-Auftritten überzeugen kann. Die Musikrichtung lässt sich schwer zuordnen, experimentell trifft es da wohl noch am ehesten. Hier und da ein bisschen Afrobeat, im nächsten ein paar Hip-Hop-Einflüsse. Genaueres ist auch in meiner kurzen Zusammenfassung von vor einer Weile nachzulesen. Alles in allem aber ein sehr spaßiges Album und deswegen verdient in dieser illüstren Runde.
Anspieltipps: “Gangsta”, “Killa”
M83 | Hurry Up, We’re Dreaming
Don’t believe the hype! Und irgendwie macht man es ja doch und springt mit auf den Zug auf. Und so konnte auch ich nicht anders, nachdem ich im Sommer die Single “Midnight City” zu M83s aka Anthony Gonzalez’ kommenden Album “Hurry Up, We’re Dreaming” gehört habe. Für mich ist der Song zurecht vielerorts als bester Track des Jahres ausgezeichnet worden. Überhaupt war das 80er Revival noch nie so allgegenwärtig wie mit M83. Wer “I Love You Klaus” noch nie gehört hat, ist sicher leicht versucht, es in die falsche Epoche einzuordnen. Dann noch dieses Intro zusammen mit der bereits gelobten Zola Jesus. Balsam für die Seele. Im Übrigen auch live.
Anspieltipps: “Midnight City”, “Reunion”
Starfucker | Reptilians
Und damit kommen wir zum letzten offiziellen Top10-Album der Liste. Dieser Platz geht an “Reptilians” von Starfucker. Auch wenn manche sich daran stören, dass das Quartett aus Portland live gerne mal in Damenbekleidung auftritt (ähm, of Montreal etwa nich) und ihren Bandnamen nur so gewählt hat, um mal zu gucken, wie weit sie damit kommen, so zählt für mich lediglich die Musik. Und mit “Reptilians” ist ihnen eine wirklich runde und tanzbare Electro-Pop-Platte entstanden. Komisch eigentlich, dass das bei den DJs meiner Wahl noch nicht angekommen ist. Für eine spaßige Auflockerung sorgen auch die gesprochenen Passagen in den In- und Outros einiger Songs, die Samples aus Lesungen von Alan Watts darstellen. Erinnert mich ein bisschen an Ratatats LP4.
Anspieltipps: “Millions”, “Julius”
Erwähnenswert:
- Digitalism – I Love You Dude
- We Invented Paris – We Invented Paris
- Rafter – Quiet Storm
- Darkness Falls – Alive In Us
- Coeur De Pirate – Blonde
- The Antlers – Burst Apart
- Austra – Feel It Break
- Wye Oak – Civilian
- The Envy Corps – It Culls You
- Boy – Mutual Friends
- Bibio – Mind Bokeh
- Black Box Revelation – My Perception
- MuteMath – Odd Soul
- Slow Club – Paradise
- Penguin Prison – Penguin Prison
- The Pack A.D. – Unpersons
- Veronica Falls – Veronica Falls
- Wild Flag – Wild Flag
- Yuck – Yuck























