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Jugend / Tugend

// 20. 02. 2010 // Keine Kommentare » // Gesellschaft

Einen Generationskonflikt eröffnet für gewöhnlich der ältere Diskussionsteilnehmer mit “Damals war alles besser!” oder wahlweise der jüngere mit “Ihr wisst doch gar nichts über uns!”. Für gewöhnlich führt eben ein solcher Konflikt dann auch zu nichts, das liegt in der Natur der Sache, bei Pubertierenden der “Hauptsache anti”-Fraktion sowieso. Damit muss man sich abfinden. Aber wenn man sich einmal so anschaut, wem man inzwischen so auf der Straße begegnet, muss man sich doch Fragen, ob in manchen Familien überhaupt noch viel gesprochen wird. Anders sind doch die Erziehungsdefizite mancher Jugendlicher bzw. Kinder nicht zu erklären.

Wenn auch ein wenig subjektiv gesehen, fühle ich mich noch der letzten ordentlich erzogenen Fraktion von Kindern zugehörig. Ich habe zumindest in der fünften Klasse nicht über alle Maßen Schimpfwörter benutzt oder in der Pause zielgerichtet die Schienbeine älterer Schüler/Lehrer gesucht. Es scheint also einfach am gebührenden Respekt zu fehlen. Sicher, damals gab es den Rohrstock, der sicherlich seine Wirkung erzielt hat, aber ich habe den nötigen Respekt auch ohne Rohrstock anerzogen bekommen. Woran liegt es also? Warum gehen Katja Saalfrank nie die mitleiderregenden, nervenaufreiben Fälle aus? Der erste und wichtigste Grundsatz ist meiner Meinung nach immer, die Ursachen im Elternhaus zu suchen. Es fällt schwer, sich das vor Augen zu führen, wenn man mal wieder von einem 10jährigen beleidigt wird, aber es ist nun einmal wahr. Oftmals wird die schlechte Erziehung mit schwachem sozialen Status gleichgestellt, aber man brauch sich nur die verzogenen Kinder der Neureichen dieser Tage anschauen, um festzustellen, dass diese Sichtweise keinesfalls realistisch ist.

Liegt es also vielleicht an den immer jünger werdenden Eltern, die von ihrem “Glück” schlicht überfordert sind? Möglich, schließlich werden die Kinder ja dann gerne mal länger bei Mama zuhause abgegeben. Auf diese Weise kann man ja kein Verantwortungsgefühl aufbauen. Aber die Jugendkultur ist doch zu einem großen Teil selbst Schuld an ihrem miserablen Zustand. Dass die “Peer Group”, also die Gruppe Gleichgesinnter/-altriger mehr Einfluss auf die Entscheidung eines Jugendlichen hat als seine Eltern, haben Untersuchungen schon recht früh ergeben. Das galt für mich und meine Eltern sicherlich auch bereits. Aber seit das Internet seine Tentakeln um den Globus gespannt hat, nimmt dieses Problem ganz neue Ausmaße an. Jeden Tag häufen sich die Berichte über Mobbing, über die Auflistung von Freunden in “Freundeslisten” und ähnliches. Mit anderen Worten: In den achso “sozialen” Netzwerken ist die Hölle los. Oftmals kennen sich Täter und Opfer doch nicht einmal. Womöglich ist das Opfer vom Vortag sogar der Täter vom nächsten Tag. Es geht ja schließlich um Leben und Tod. Wenn es nach mir gehen würde, dürften meine Kinder solche Profile gar nicht erst anlegen und wenn doch, dann nur unter Bewachung. Und Bewachung ist das richtige Stichwort. Viele Eltern sind einfach überfordert mit dem, was ihre Kinder machen. Sie sind ihnen technisch meist weit unterlegen und erkennen Gefahren erst, wenn der Schulpsychologe an der Tür klingelt. Womöglich ist es ihnen selbst dann egal, aber man will ja niemandem Herzlosigkeit vorwerfen.

Was lernen wir also daraus? Echte Freunde erkennt man im wahren Leben, nicht bei StudiVZ, Facebook, Jappy und wie sie alle heißen mögen. Und an alle Eltern: Schaut euren Sprösslingen öfter mal über die Schulter, ihr werdet erstaunt sein, was da manchmal los ist!

Auf eine rosige Zukunft!

MfG Ern