Du ju schpiek inglisch?
// 08. 07. 2010 // 3 Kommentare » // Gesellschaft, Sprache
Nach studienbedingter Abstinenz mal wieder ein Lebenszeichen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich auch von Zeit zu Zeit über sprachliche Fehltritte aufregen kann. Ich erinnere da nur an das generische Maskulinum, was sich trotz meines Flehens immer noch nicht durchgesetzt hat. Dafür nochmal beste Grüße an alle Ignoranten und Kampfemanzen!
Nachdem es also beim letzten Mal um etwas aus dem eigenen Sprachraum ging, widmen wir uns heute einmal der Weltsprache Englisch. Ich gehöre glücklicherweise nicht zu denjenigen Sprachpuristen, die sich der Einführung von Anglizismen völlig verwehren. Das man natürlich nicht auf das englische Wort zurückgreifen sollte, wenn es ein deutsches Äquivalent gibt, versteht sich meiner Meinung nach von selbst. Manchmal gibt es das aber nunmal nicht, ich denke da an Worte wie Scanner etc.
Nun will ich hier niemandem irgendetwas aufzwingen, sondern vielmehr über die gedankenlose Übernahme englischer Begriffe in die deutsche Sprache und deren Grammatik insbesondere schreiben. Dabei gibt es unterschiedliche Steigerungsstufen des Schreckens. Los geht es auf der ersten Stufe mit den Deppen-Mehrzahl-Apostrophen. Wer kennt sich nicht, die CD’s und Handy’s. Während ich das schreibe, läuft es mir schon eiskalt den Rücken hoch und runter. Nun gut, wo wir schon das Handy als Beispiel anführen. Lustig eigentlich, dass es das Wort im Englischen in der Verwendung nicht einmal gibt. Genauso wie einen die Anglophonen mit großen Augen angucken würden, wenn man nach dem beliebten “Public Viewing” fragt, was im Englischen für die öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen benutzt wird. Egal, mit dem Handy sind wir auch schon bei Stufe 2 des Schreckens angekommen, der englischen Mehrzahlbildung von Wörtern, die auf “y” enden. Wer in der Schule gut aufgepasst hat, weiß, dass es eben nicht Partys oder Handys heißt. Richtig wäre in dem Falle Parties und Handies. Wenn man ein Wort schon annektiert, kann man ihm ja wohl wenigstens den Gefallen einer würdevollen Deklination tun. Kommen wir zum grausigen Höhepunkt. Ich sträube mich zwar, die nun folgenden Passagen zu schreiben, aber einer muss das Elend ja mal anprangern. Denn noch schlimmer als eine verkorkste Deklination ist nur noch eine aufgezwungene eingedeutschte Konjugation von englischen Verben. Wem sich bei “up/downgeloadet”, wahlweise auch “geup/downloadet” geschrieben, nicht augenblicklich die Fußnägel hochrollen, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. Das Schlimme an der Sache ist eigentlich, dass es für diesen Fall sogar adäquate deutsche Alternative, ihrerseits “hoch/(he)runtergeladen” genannt, gibt, die unwesentlich länger sind. Aber ohne englische Begriffe ist man ja heute anscheinend niemand mehr. Bei so einer regelrechten Durchwucherung der deutschen Sprache wundert es mich jeden Tag mehr, dass es in den Fremdsprachen trotzdem schlechte Noten am laufenden Band hagelt. Aber wie man an diesem Beispiel sieht, besteht eine Sprache eben nicht nur aus einem Vokabular…
In diesem Sinne: “Ich Tarzan, du Jane, alter, ey.”
MfG Ern









