// 10. 08. 2010 // 1 Kommentar » // Musik, Plattenteller
Tja, da bin ich wieder. Und wie schon erwähnt mit neuen Musiktipps im Gepäck. Und wieder mal nicht wenig. Aber frei nach dem Motto “Nich lang schnacken, inne Tasten hacken” fang ich einfach mal ohne gelungene Überleitung an.
Kele | The Boxer
Einmal Künstler, immer Künstler. Das dachte sich wohl auch Ex-Bloc Party-Frontmann Kele Okereke. Und so kümmerte er sich nach dem Ende von Bloc Party dementsprechend um seine Solokarriere. Das Ergebnis hat er als Kele auf dem diesjährigen Album “The Boxer” veröffentlicht. Anscheinend ein beliebter Titel, denken wir mal an The National oder Simon & Garfunkel, aber das fällt wohl unter die künstlerische Freiheit. Im Vergleich zu Bloc Party ist der Sound doch um einiges elektronischer geworden. Aber es sind doch ein paar nette Beats dabei, wie z.B. bei “Tenderoni” (ein kleiner Tribut an den guten Michael).
22-20s | Shake/Shiver/Moan
Weiter gehts mit einer Band aus Lincolnshire im Mutterland der kontemporären Rock-Musik. Nachdem die Band sich eigentlich 2006 aufgelöst hatte, kam es 2008 zu einer Reunion und Shake/Shiver/Moan ist das Ergebnis dieser erneuten Zusammenkunft. Der Sound erinnert ein wenig an Moke oder auch I Am Kloot (auf Ecstasy). Traurigerweise ragt kein Song wirklich aus dem Album heraus, aber als Gesamtwerk ist das Album wirklich empfehlenswert. Als Anspieltipp sei “Heart On A String” zu nennen.
!!! – Strange Weather, Isn’t It?
Auch wenn wir die dem Fegefeuer ähnliche Temperaturen mit 40°C und mehr mittlerweile hinter uns haben, so haben Chk Chk Chk doch den passenden Albumtitel für ihr neuestes Werk und gleichzeitig diesen Sommer gewählt. Wie heißt es immer so schön: Wer was auf sich hält, macht für seine Musik ein eigenes Genre auf. Das wäre in diesem Falle der Punk Funk. Und mit “Strange Weather, Isn’t It?” machen die Jungs genau da weiter, wo sie bei ihrer 2007 er LP “Myth Takes” aufgehört haben. Wer sich also Tracks wie “All my Heroes are Weirdos” in Endlosschleife anhören konnte, wird wohl nicht enttäuscht werden. Anspieltipps sind “Blue” und “Jamie, My Intentions Are Bass”.
Bugs & Rats | Adidas
Wo wir vorhin bei beliebten Albentiteln waren. Warum nimmt man sich nicht gleich eine bekannte Sportmarke und probiert somit mal was Neues aus? Vielleicht waren das die Hintergedanken von Bugs & Rats, ihren Longplayer aus diesem Jahre gerade “Adidas” zu nennen. Die obligatorischen drei Streifen durften da auf dem Cover natürlich nicht fehlen. Die Jungs sind übrigens dem Noise Rock zuzuordnen. Mit anderen Worten: Die Tonquali ist noch heimeliger als man es schon vom Garage Rock gewohnt ist. Irgendwie gibt das der Musik aber einen ganz eigenen Charme, wie ich finde. So kann man sich zumindest ziemlich sicher sein, dass an den Stimmchen und Instrumenten nicht im Nachhinein noch rummoduliert wurde. Eignet sich übrigens auch hervorragend zum Aggressionsabbau! Anspieltipp ist für mich ganz klar “I Can’t Sleep”.
Bombay Bicycle Club | Flaws
Und gerade weil wir Extreme so sehr mögen, kommen wir jetzt wieder zu gesetzterer Musik vom Bombay Bicycle Club. Hier würde mich in erster Linie mal die Entstehungsgeschichte des Bandnamens interessieren, aber darum geht es jetzt ja nicht. Mit “Flaws” liefert die Kombo eine schöne Folk-Platte ab. Anspieltipp ist der Titelsong “Flaws”, der mit hervoragender weiblicher Begleitung zu beeindrucken weiß.
Rose Elinor Dougall | Without Why
Wer schon einmal etwas von den Pipettes gehört hat, kommt an Rose Elinor Dougall nicht vorbei. Denn die war einmal Mitglied im Damentrio und lieferte uns herrliche Titel wie “Pull Shapes”. Nun wandelt sie auf Solopfaden und hat dieses Jahr ihr Debüt “Without Why” veröffentlicht. Stilistisch entfernt sie sich vom 50er Jahre-Klang der Pipettes und liefert stattdessen Indie Pop vom Feinsten. In diesem Sinne also was fürs Ohr und glücklicherweise auch noch fürs Auge. Anspieltipps sind “Start/Stop/Synchro” und “Find Me Out”.
Two Door Cinema Club | Tourist History
Ich denke, zum Two Door Cinema Club muss ich nicht mehr allzu viel sagen. Jeder wird schon einmal zu Undercover Martyn auf dem Dancefloor abgegangen sein. Überraschend war für mich nur, dass keiner der anderen Songs auf dem Album schlechter ist als der liebe Martyn. So soll es ja auch sein. Ich sage nur, das Konzert im November kann kommen.
Darwin Deez | Darwin Deez
Und auch dieser durchgedrehte Knabe dürften den Meisten inzwischen ein Begriff sein. Denn “Radar Detector” wurde ja nun wahrlich auf jeder gut sortierten Radiostation hoch- und runtergespielt. Ein wirkliches Erlebnis ist aber erst das offizielle Video zu dem Song. Genau solche Leute braucht die Musikszene! Neben diesem “Megahit” möchte ich übrigens auch auf “Bad Day” verweisen, den eigentlichen Hit des Albums.
Dendemann | Vom Vintage verweht
Tja, und gerade, als ihr dachtet, ihr könntet mich in eine musikalische Schublade stecken, komme ich mit so einem Album. “Igitt, das ist ja Hip-Hop, mach das es aufhört!” ist die meist adäquate Reaktion auf ein Lied dieses Genres. Aber inzwischen wurde es ja auch von Möchtegern-Gangstahs und PIMPs missbraucht und ausgebeutet. Da kann man schonmal leicht vergessen, dass die Kernidee gewitzte Reime auf einem eingängigen Beat sind und eben nicht das monotone “Bitch, Hoe, alter, ey”. Und genau deswegen möchte ich Dendemann an dieser Stelle mal hervorheben, da dieser sich nachwievor auf die Kunst des Hip-Hops versteht. Und wer in einem Song ein Tocotronic-Sample einbaut (“Papierkrieg”), kann doch kein so schlechter Mensch sein, meint ihr nicht?
Dax Riggs | Say Goodnight To The World
Nach diesem musiklaischen Exkurs wieder zurück zum Rock. Im Falle von Dax Riggs genauer sagt zum Blues Rock. Wer sich also mit BRMC oder den Black Keys anfreunden kann, wird es auch hier nicht zu schwer haben. Zwischendurch hört man auch mal ein bisschen was von den Vines raus. Mit “Let Me Be Your Cigarette” hat er sich übrigens meinen Platz 1 der besten Rock-Attitüde gesichert. Und die wurde bisher schließlich vom Ginger Elvis aka Josh Homme gehalten. Reinhören lohnt sich also.
Winter Gloves | All Red
Ach wie gut, dass niemand weiß… auf was für Seiten ich so unterwegs bin. Nein, Spaß beiseite. Manchmal bin ich den Musikblogs doch sehr dankbar für die vorgestellten Alben. So stolperte ich beim täglichen Durchforsten meiner ABonnements auch über die Winter Gloves, die wieder einmal meine These untermauern, dass die beste Musik immer noch aus Kanada, pardon Québec kommt. Denn die Jungs aus Montréal laufen mit der diesjährigen Platte “All Red” und dem Vorgänger aus dem Jahre 2007 “All About A Girl” gerade in Heavy Rotation. Am ehesten lässt sich ihre Musik wohl noch mit den Good Shoes vergleichen, wobei die Shoes wesentlich weniger Synthies im Einsatz haben. Anspieltipps sind “Plastic Slides” und “Use Your Lips” (+ “Invisible” vom ersten Album”).
Robyn | Body Talk Pt. 2
Kommen wir zur letzten Empfehlung und der heimlichen Königin des Electronic/Dance-Staates. Von Body Talk, welches in diesem Jahr in 3 Teilen veröffentlicht wird, ist nun auch der zweite Part erschienen. Nachdem Part 1 mit Titeln wie dem Endlos-Loop “Don’t Fucking Tell Me What To Do” und “Dancing On My Own” überzeugen konnte, kann Part 2 ohne Probleme die hohe Qualität halten. Dabei gibt es einige Überraschungen. So zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit Shizzle Fanizzle Snoop Doggy Dogg bei “U Should Know Better”. Und wie auf Part 1 ist auch wieder eine Akustikversion eines Songs enthalten, der in seiner Originalversion wohl mit Part 3 veröffentlicht wird. Wenn es nach mir geht, ist die akustische bzw. orchestrale Version von “Indestructible” aber bei weitem der beste Song auf Body Talk Pt. 2.
Dann wünsche ich euch viel Spaß beim Reinhören.
MfG Ern