Beiträge getaggt ‘video’

Konzert: The Black Keys + Portugal. The Man

// 29. 01. 2012 // 1 Kommentar » // Konzertbericht, Musik

Wintereinbruch in Berlin. Aber wen stört das schon, wenn man sich in der Gewissheit auf den Weg zur Treptow-Berlin-Arena aufmacht, sich dort von den Vätern des kontemporären Blues Rock, namentlich den Black Keys einheizen zu lassen. Und für mich war es umso wichtiger, das Duo endlich einmal live zu erleben, da mir in den Vorjahren immer irgendwas den Konzerttermin verhagelt hat, man denke da nur an die Absage der Europa-Tournee letztes Jahr und der Bestätigung von Coachella im selben Atemzug – nich ganz koscher. Aber Butter bei die Fische. Gestern war es dann endlich so weit. Und nachdem man sich im Vorfeld nochmal ein bisschen Werbung fürs neue Album angeschaut hat und sich leicht verspätet seinen Weg in die Halle erschlittert hatte, konnte man auch schon den Tönen von Portugal. The Man lauschen, die meiner Meinung nach etwas unpassend als Vorband verpflichtet wurden. Nicht, dass ich die Jungs aus den Staaten nicht mag, auch wenn ich mich des öfteren frage, wie sie ihren jährlichen Veröffentlichungsturnus einhalten können. Der Sound war für die Größe der Halle eigentlich recht zufriedenstellend, also zumindest nahe der Bühne, auch wenn die Vocals etwas schwach auf der Brust waren. Gespielt wurden Songs wie “So American”, “Got It All” oder “All Your Light”. Mein Wunschtitel “The Sun” war entweder nicht im Repertoire oder wurde gleich zu Beginn gespielt. Nichtsdestotrotz ein gelungener Konzertauftakt, auch wenn der Frontsänger in Daunenjacke mit aufgesetzter Kapuze und auf Brusthöhe geschnürter Gitarre daher kam, was zugegeben recht albern wirkte.

Nach einer verhältnismäßig kurzen Umbaupause mit erstaunlich passender Blues Rock-Beschallung aus dem Off war die Halle dann auch endlich rappelvoll und die Menge geiferte dem Start entgegen. Schlussendlich bequemten sich die Herren Carney und Auerbach dann auch auf die Bühne, um mit “Howlin’ For You” einen würdigen Einstiegssong vom Vorgängeralbum “Brothers” zum Besten zu geben. Ab hier stimmte dann der Sound übrigens. Man wurde von Patricks Drums weggefegt, konnte aber immer noch Dans Gitarrenriffs lauschen, ohne seine Stimme zu vermissen, wohlgemerkt wieder in Bühnennähe – wie es den Leuten auf den “billigen” Plätzen ergangen ist, weiß ich nicht. Dem Jubel zufolge kam aber hinten auch alles an. Ein Blick auf die Setlist offenbart, dass größtenteils Songs von “El Camino” und “Brothers” gespielt wurden. Umso dankbarer war ich für die ollen Kamellen, die die beiden dann auch mal ohne Bassisten und Perkussionisten angestimmt haben, gewissermaßen wie in guten alten Zeiten. Dazu zählten z.B. “Thickfreakness”, “Your Touch” oder der Evergreen “Girl Is On My Mind”. Fast dankbar war ich aber, dass sie “Have Love Will Travel” nicht angestimmt haben. Denn warum man gerade den in diversen Clubs aus dem Sammelsurium an hervorragenden Keys-Tracks spielen muss, wird sich mir nie erschließen. Bei aller Nostalgie: Auch wenn die neuen Lieder mittlerweile schon fast poppig und komplett entgratet daherkommen, machten sie live mindestens genauso großen Spaß wie die Oldies. Besonders gefallen hat mir “Little Black Submarines”, der als einziger (anfänglich) ruhiger Song gespielt wurde. Nachdem man also in der kurzen Verschnaufpause alle Beine und Arme wieder eingeränkt hatte, konnte man sich mit Einsetzen der Hookline wieder ins Getümmel stürzen – so muss dat. Apropos Getümmel: Am meisten ausgerastet ist der Mob meiner Meinung nach bei “Lonely Boy”, dem letzten Song vor der Zugabe – da hat man sich wohl die Tanzperformance aus dem offiziellen Video zum Vorbild genommen. Abschließend vielleicht noch ein lobendes Wort zum Bühnenbild. Zu keiner Zeit unterbelichtet, schön bunt, knackige Spotlights und inklusive Mega-Diskokugel. Ein Traum, wenn man überlegt, dass man da nur zwei Leutchen ausleuchten muss. Mit “I Got Mine” wurden wir dann in die kalte Berliner Nacht verabschiedet. Aber bereits da stand schon fest: Nächstes Mal sind wir wieder vor Ort, allem Weltuntergangsgedöns zum Trotz.

MfG Ern

Pimp your Pavement!

// 31. 05. 2010 // Keine Kommentare » // Aktionen, Gesellschaft

Es ist ja bekanntlich nicht alles schlecht, was im Fernsehen läuft. Zugegeben, groß ist der Anteil der guten Sendungen nun auch wieder nicht, aber es gibt sie, die Lichtblicke. Vor just ein paar Minuten bin ich durch Zappen mal wieder bei meinem geheimen Lieblingssender eins festival gelandet. Nach einer mageren Filmkritik für Sex and the City 2, die mich selbstverständlich nur marginal interessiert hat, folgte ein Beitrag, der mich hellhörig werden ließ.

Thema war das sogenannte Guerilla Gardening. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich recht einfach erklärt. Stellen wir uns einen typischen Stadtbewohner vor, nennen wir ihn Hans. Hans wohnt also in der Stadt, guckt jeden Tag aus seinem Fenster und bemerkt dabei jedes Mal das verwahrloste Brachland neben dem Bürgersteig. “Da müsste man doch was machen können.”, sagt er daraufhin zu sich und beschließt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Er trifft mit seiner Idee schnell auf Gleichgesinnte, die sich gegen die urbane Tristesse verschworen haben. Mit einem Baumarktbesuch und ein paar Euro Investition rücken sie fortan aus, nur mit Schüppe und Gießkanne bewaffnet, um besagte Flecken mit Pflänzchen ihrer Wahl aufzuhübschen.

Gestartet hat diese Bewegung nicht etwa unser imaginärer Freund Hans sondern der Brite Richard Reynolds im Jahre 2004 in der schönen Stadt London. Auf der Homepage des Projekts hat sich mittlerweile eine weltweite Community gebildet, die sich über Facebook, Forum und Konsorten auf dem laufenden hält, wenn es um neue Aktionen an der Gärtnerfront geht. Die Ergebnisse sprechen für sich:

Rechtlich gesehen bewegen sich die Guerrilla-Gärtner natürlich auf dünnem Eis, da es sich natürlich meist um öffentliche “Grünflächen” handelt, aber wie auch am allgemeinen Echo im TV-Beitrag zu erkennen war, gibt es kaum Gegner, warum auch, wenn jeder einen Nutzen davon hat. Wer sich vielleicht erst einmal mit dem Thema auseinander setzen möchte, kann sich auch Richards Buch zum Thema mit dem Titel “Guerilla Gardening: Ein botanisches Manifest” besorgen oder alternativ in oben angesprochenen Foren aktiv werden. Ich werde die Idee auf jeden Fall verfolgen und mal gucken, ob es in Potsdam vielleicht auch was zu bepflanzen gibt. Alternativ soll laut einsfestival-Beitrag die aktivste Community Deutschlands ja in Berlin gärtnern. On verra.

Stay tuned.

MfG Ern

Too short to be true

// 26. 05. 2010 // Keine Kommentare » // Musik

Nach langer Abwesenheit mal wieder ein Post aus aktuellem Anlass. Als ich heute auf der Rückfahrt von der Uni meinen Player angeschmissen und mich ein wenig durch die Interpreten gewühlt habe, bin ich auf den Song “The Clap” von den Unicorns gestoßen. Nun ist der Vorgang an sich nichts Ungewöhnliches, aber dieser Titel gehört zu einer handverlesenen Auswahl von Songs, die alle eines gemein haben: Sie sind einfach genial, aber viel zu kurz! Besagter Song ist z.B. gerade mal süße 1:27 Minuten lang, dagegen kommt einem Blurs “Song 2” mit seinen 2 Minuten ja wie eine halbe Ewigkeit vor.

Ich weiß nicht, ob ihr da auch einige Vertreter kennt. Vielleicht noch der Vollständigkeit halber die Titel, die sich ebenfalls in dieser Kategorie einfinden. Da hätten wir das “Free For All Outro” (40 s) von Brian Ginsberg. Jedes Mal ein fulminantes Ende einer fulminant komischen Show (Bela ftw). In dem Song “Capsized” (56 s) von Kyuss beweist Josh Homme schon damals seine Genialität. Aus den herrlich punkigen Anfangszeiten der Beatsteaks ist mir auch noch “Barfrau” mit gerade mal 14 Sekunden in Erinnerung geblieben. Wo wir gerade beim Punk sind: Wer kennt nicht unsere Freunde von NOFX. Auch die bringen in “Murder The Government” (46 s) klipp, kurz und klar alles auf den Punkt. Überhaupt sollten sie in dieser Kategorie einen Ehrenpreis verliehen bekommen, schließlich schafft es auf dem Album “So Long And Thanks For All The Shoes“, von dem auch eben erwähnter Titel ist, gerade mal ein Song über die 3 Minuten hinweg, der Schnitt ist dann bei etwa 2 Minuten.

Aber wir wissen ja schon längst: Nicht die Länge ist entscheidend, die Technik macht’s! ;)

MfG Ern

Konzert: Russian Circles

// 28. 03. 2010 // 1 Kommentar » // Konzertbericht

Nachdem ich durch den Konzertbericht zu Florence + The Machine im Astra gefallen an der Berichterstattung gefunden habe, werde ich mich nun dem gestrigen Abend widmen, der vom Genre her eher im Zeichen des Instrumental (Post-)Rocks stand. Und da nicht etwa von irgendwelchen Vertretern, sondern von den Besten seiner Art, den Russian Circles.

Vielleicht mal wieder was zur Location. Denn diesmal stieg die ganze Sache im Magnet mit neuem Standort in der Falckensteinstraße 48 (quasi gleich neben dem Watergate). Das war somit auch mein erster Besuch vor Ort und ich hab ich im ersten Moment etwas verloren gefühlt. Der Gang zur Garderobe ähnelte schon fast einem Gang durch Labyrinth, so oft wie ich zwischendurch abbiegen musste. Egal, die Größe des Konzertfloors ist etwa gleich geblieben, lediglich die Bühne schien mir etwas tiefer zu liegen als noch in der Greifswalder. Who cares?

Ohne Support geht bei nem Konzert natürlich gar nix (ein seltsames Konzert der Kills mal ausgenommen) und somit durften gleich zwei Vorbands um die Gunst des Publikums buhlen. Den Anfang machte The Pattern Theory, die im selben Genre wie die Russian Circles angesiedelt sind. War ein lustiger Trupp. Der Schlagzeuger kam kurz vor knapp, als hätte er seine Bahn verpasst. Der Leadgitarrist musste beim Xylophon-Spielen ständig die Gitarre hochschieben, welche dann für etwa 2 Sekunden tatsächlich dort blieb. Egal, es geht ja um die Musik. Und da hatten sie echt was drauf. Der Drummer schien sogar ein richtiges Multitasking-Talent zu sein. Zumindest wirkte er notorisch unterbeschäftigt, obwohl er mit Drumset, Laptop und Keyboard eigentlich ausgelastet sein sollte.

Weiter ging’s mit den 3 Jungs von Rising aus Kopenhagen, Dänemark. Diesmal wurde auch ein bisschen Stimme beigesteuert und sie ließen sich auch eher dem Metal zuordnen. Wer mal auf meiner Last.FM-Seite vorbeigeschaut hat, wird bemerken, dass das eher weniger meine Musik ist, allein die Tatsache, dass ich auf diesem Konzert war, ist schon seltsam genug. Trotzdem konnte mich der satte Sound überzeugen. Es war wieder mal eine gelungene Kombination aus kraftvollem Drumming und melodiöser, energiegeladener Leadgitarre. Besonders letztere lieferte ein geniales Solo nach dem nächsten.

Nachdem auch die 3 Ihr Pensum erfüllt hatten, wurde es Zeit für das eigentliche Event des Abends. Übrigens muss man ich ja mal lobend hervorheben, wie schnell das Umräumen auf der Bühe zwischen den einzelnen Gigs von statten ging. Da braucht man auf anderen Konzerten auch gerne mal ne halbe Stunde für. Unter großem Applaus nahmen die Protagonisten dann ihre Plätze ein. Gespielt wurden eigentlich fast alle Titel des aktuellen Albums “Geneva“. Und hier mal wieder ein Lob voraus, dieses Mal an die Leute von der Tontechnik.  Auch wenn das Gehör durch die vorausgegangenen Acts schon ordentlich gedämpft wurde, klang jeder einzelne Ton glasklar. Aber das sollte man bei einer Instrumental-Band ja eigentlich auch erwarten können. Die Menge lebte mit jedem Track mehr auf und rund um mich herum ging das Headbangen los, wenn auch in erheblichem geringerem Maße als wahrscheinlich auf einschlägigen Heavy Metal-Konzerten. Es war für mich auch mal eine neue Erfahrung, bei einem Konzert in der zweiten Reihe zu stehen. Da sieht man plötzlich so viel, zumindest, wenn man das Glück hat, nicht hinter einem dieser egoistischen Zwei-Meter-Kerle zu stehen, die auch aus der letzten Reihe noch alles sehen könnten. Der Höhepunkt des Konzerts war zumindest für mich, als ich die ersten zarten Töne von “Hexed All” vernehmen konnte, auf das ich mich im Vorfeld am meisten gefreut hatte. Insofern nahm ich es den Dreien auch nicht krumm, dass ein paar Töne da am Anfang nicht ganz so zu passen schienen. Eine Zugabe gab es selbstverständlich auch noch, für eine zweite hat es trotz laut fordernden “Zugabe/ We want more”-Rufen nicht gereicht. Und so endete eines der akustisch wertvollsten Konzerte, die ich bisher besuchen durfte. Für alle, die nicht vor Ort waren oder nicht sein konnte, mal eine Kostprobe von den Russian Circles:

Von Bremsen und Motorrädern

// 10. 03. 2010 // Keine Kommentare » // Plattenteller

Alle technisch Interessierten muss ich muss ich gleich erstmal enttäuschen, denn entgegen aller Erwartungen steht euch auch hiermit wieder ein musikalisch angehauchter Beitrag bevor. Aber die Musikbranche steht ja schließlich nicht still und ich hoffe, mit den folgenden Worten etwas von meiner Begeisterung für jüngst erschienene oder demnächst erscheinende Platten überschwappen zu lassen.

Beginnen wir mit vier Jungs aus Manchester. Na, kommt ihr drauf? Richtig, es geht nicht um Oasis. Denn diese Stadt hat neben den Rüpel-Zwillingen auch weitere musikalische(re) Söhne hervorgebracht, manifestiert in der Rock-Kapelle “The Courteeners“. Diese veröffentlichten bereits im Jahre 2008 ihren Erstling “St. Jude“, der trotz Titeln wie “Cavorting” und “Not Nineteen Forever” nur wenig Anklang in der Musikbranche fand, von einer Top 5-Platzierung des Albums in den britischen Charts einmal abgesehen. Doch nach 2 Jahren zeigt sich: Sie haben nicht aufgegeben und mit “Falcon” steht nun ein mehr als würdiger Nachfolger in den Regalen. Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung ließen Songs wie “Cross My Heart And Hope To Fly” (so kann man ein Sprichwort auch schön abwandeln) vermuten, dass die Band auch zu anderen Tönen imstande ist, wird besagtes Lied doch anfänglich nur durch einen dezenten Chor im Hintergrund und Keyboard-Klänge getrieben, während nach und nach weitere Instrumente, Streicher inbegriffen, einsteigen. Und mit der ebenfalls vorab veröffentlichten Single “You Overdid It Doll” liefern sie eine beinahe tanzbare Pop-Nummer ab. Alles in allem also ein stimmiges Album.

Anspieltipps: “The Opener”, “Cross My Heart And Hope To Fly”, “You Overdid It Doll”

Damit widmen wir uns auch schon wieder den nächsten Delinquenten, den Turin Brakes. Zu ihnen sollte ich vielleicht ein paar lobende Worte vorausschicken. Ich sehe es als höchstes Gütemerkmal für einen Künstler an, wenn er es schafft, dass mir alle Titel eines Albums gleichermaßen gefallen. Das kommt natürlich nicht oft vor, sogesehen können die Brakes auf ihr Album “Dark On Fire” aus dem Jahre 2007 stolz sein, da es eben das bei mir geschafft hat. Schwierige Voraussetzungen also für das nun veröffentlichte mittlerweile fünfte Studioalbum “Outbursts“. Dabei sollte man sich von Titel und Cover der Scheibe keinesfalls verwirren lassen, auf der Platte geht es natürlich wesentlich ruhiger zu. Die Melancholie des Vorgängers haben die beiden Jungs zwar abschütteln können, aber so machen sie halt das, was sie am besten können. Melodiösen Folk in Perfektion. Zu dem herausragenden Song “Sea Change” auf Outbursts wurde auch ein innovatives Video gedreht, aber seht selbst:

Anspieltipps: “Apocolips”, “Sea Change”

Von Bremsen zu Motorrädern bzw. ganzen Clubs. Die Rede ist vom Black Rebel Motorcycle Club, aufgrund des sperrigen vollen Namens gerne auch mal B.R.M.C. abgekürzt. Auch die beehren uns wieder einmal mit akustischer Präsenz in Form ihres neuen Longplayers, der da den Titel “Beat The Devil’s Tattoo” trägt. Es wirkt wieder alles wie frisch aus der Garage  mit quengelnden Gitarren und teilweise schleppender Stimme. Sogesehen sind sie echte Rock-Prototypen. Aber auch ein bisschen Shoegaze hat sich mit dem Song “Evol” auf die Platte verirrt. Das gefällt, beherrschen sie diesen doch mindestens genauso gut, wie sie auf vorangegangenen Alben schon unter Beweis gestellt haben.
Anspieltipps: “Conscience Killer”, “Evol”
Das war’s dann auch erstmal mit dieser Ausgabe von Ern’s Musikumschau.
Bis die Tage
MfG Ern

Konzert: Florence + The Machine

// 27. 02. 2010 // 4 Kommentare » // Konzertbericht

Widme ich mich also mal den weithin bekannten Konzertberichten. Das bietet sich ja an, denn niemand anderes als Florence + The Machine beehrten Berlin gestern abend im Astra mit ihrer Anwesenheit. Da ich nicht das Glück hatte, die Setlist zu ergattern (wenn es überhaupt eine gab), werde ich das hier hauptsächlich aus dem Gedächtnis zusammenschreiben. Nebenbei war es auch noch mein erster Besuch im Astra, also sollte ich vielleicht erstmal etwas über die Location erzählen. Das Astra liegt unweit der Warschauer Straße an der Revaler Straße, quasi dort, wo man auch zum RAW Temple und zum Cassiopeia kommt. Ich hatte mit meiner Begleitung ja schon die Befürchtung, nicht zu wissen, welchen Eingang wir denn nehmen müssen, aber auf eine Konzertmeute ist ja glücklicherweise Verlass, denn die tummelte sich schon recht verdächtig vor einem großen Durchgang. Nachdem wir dann auch endlich alle mit Karten ausgestattet waren, ging’s auch schon rein. Die zusätzlich eingerichtete Garderobe ließ schon vermuten, dass es wohl doch noch ein paar mehr Leute werden würden, aber davon war bis dahin noch nichts zu sehen. Enttäuscht war ich etwas vom Fan-Artikel-Stand, da ich es mir zur Tradition gemacht habe, von jedem Konzert wenigstens ein paar Buttons mitzunehmen, aber die waren gar nicht im Angebot. Nun ja, musste also ohne gehen. Die eigentliche Konzerthalle gestaltete sich widererwartend weitläufig, wobei die Frage ist, was für Erwartungen man haben kann, wenn man noch nie in einer Location war. Aber jeder macht sich ja so seine Vorstellungen.

Punkt 8 ging’s dann auch mit der Vorband der Wahl aka Sian Alice Group los. Diese steuerten ebenso wie Florence reichlich wehmütigen und melodiösen Pop/Rock bei. Bemerkenswert war die instrumentelle Vielfalt der Frontsängerin. Alles in allem habe ich für sie 5 Instrumente gezählt. Gut, eine Rassel zu schwingen oder zwei Glöckchen gegen einander zu hauen bedarf nicht allzu großer Übung, aber es sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Ich war übrigens angenehm überrascht, sowohl was die generelle Akustik im Astra betraf als auch der Sound der Sian Alica Group selber. Ich hatte mich im Vorfeld lediglich auf ihrer last.fm-Seite von Material überzeugen können und das hatte mich eher gleichgültig gelassen. Wieder mal ein Argument mehr, auf Konzerte zu gehen. Nachdem sich besagte Vorband schon relativ zeitig verabschiedete und auch keine euphorischen Zugaben verlangt wurden, begann wie immer das große Warten. Die Bühne musste ja schließlich für den kommenden Rotschopf hergerichtet werden. Das Instrumenten-Ensemble wusste auch in diesem Fall zu erheitern. Wo hat man schließlich das letzte mal Harfe und E-Gitarre zusammen bestaunen können. Das geht halt nur bei Florence. Mit voranschreitender Zeit und steigender Ungeduld des Publikums wurde man sich auch langsm aber sicher der Menschenmassen in seinem Rücken bewusst. Umso dankbarer war ich, nicht wieder einmal eine Mauer aus Zwei-Meter-Hünen vor mir zu haben, wie man es eigentlich laut Murphy immer hat.

Kurz nach 9 wurde die “betörende” und nichtssagende Reggae-Überbrückungsmusik dann endlich ausgeschalten, ebenso das Licht, was die Menge natürlich gleich zum Anlass nahm, prophylaktisch los zu kreischen. Doch die Prophezeiung bewahrheitete sich und nachdem alle Bandmitglieder ihre Plätze eingenommen hatten, zeigte sich auch Florence endlich der musiklüsternen Meute. Ohne Vorgeplänkel ging es auch gleich mit dem ersten Song los, seines Zeichens “My Boy Builds Coffins”. Reichlich düsteres Intro, besonders wenn Florence im Refrain bei “One of these days, he’s gonna build one for you” verschwörerisch in Menge zeigt. Aber spätestens da dachte ich mir “Danke, dass es auch noch Sänger gibt, die ihres Faches mächtig sind”. Die weiteren Titel verschwimmen in meinem Gedächtnis etwas mit einander, aber es waren alle Juwelen dabei. Wie erwartet ging bei “Kiss With A Fist” eine erste Welle der Bewegung durch die Masse. Beim “Drumming Song” steuerte Florence sogar selber den alles übertönenden Beat bei, wobei ihr Morgenmantel-Outfit sie etwas zu hindern schien. Überhaupt schien sie genauso viel Spaß zu haben wie wir Zuschauer/-hörer. Nach dem dritten oder vierten Song stellte sie sich und ihre Bandmitglieder dann auch endlich mal vor, aber so gesehen, wussten wir ja eh alle, wegen wem wir da gekommen waren. Des Weiteren wurde uns noch offenbart, dass wir bis dato das größte Publikum auf ihrer Europa-Tournee seien. Sowas hört man natürlich gerne, entsprechend laut war also das Echo. Ob sie das bei jedem Gig erzählt, sei dahin gestellt. Überhaupt wurde der Abend doch noch sehr interaktiv. So erkundigte sich Florence hier und da mal, wie denn gewisse Sachen im Deutschen heißen würden. Ich sage da nur “Du hast die Liebe” und “1 2 3 Gott”. Letzteres war eine klassische Fehlübersetzung, leitete aber den lustigsten Teil des Abends ein. Trotz der schieren Größen des Publikums wollte Florence nämlich gerne etwas mit uns zusammen machen und so sollten wir nach “1 2 3 Go” (siehe Übersetzung) alle hüpfen. Die Resonanz war überwältigend. Vielleicht konnten manche sich nicht dem Gruppenzwang widersetzen oder hatten sowieso schon den ganze Abend Lust, sich zu bewegen, jedenfalls muss man sich jetzt einfach mal geschätzte 700 Leute hüpfend und singend bei einem Refrain vorstellen. Ich glaube, das war bei “Cosmic Love”, aber so gut ist mein Kurzzeitgedächtnis wiegesagt nicht. Viel zu früh kam dann natürlich der gespielte theatralische Abschied, was von den Fans (mich inbegriffen) mit anhaltendem Applaus quittiert wurde, fehlten doch Titel wie “Howl” und “Rabbit Heart (Raise It Up)” noch. Selbstverständlich ging es nach dieser kurzen Pause noch weiter und so konnte ich mich noch an besagten Liedern erfreuen. Mit “Dog Days Are Over” wurde schließlich der passende Abschiedssong gewählt und dieses Mal war der Abschied auch endgültiger, das merkte auch die Menge. Niedliches Feature: Zu guter letzt verteilte Florence noch Plaste-Blumensträuße in der Menge. Das gab dem ganzen eine familiäre Note. Den Ansturm an den Garderoben brauch ich hier nun nich mehr erwähnen, aber abschließend sei gesagt, dass ich bei ihrem nächsten Konzert sicher wieder dabei bin und mich auch durchaus wieder mit dem Astra als Location anfreunden könnte.

So, jetz wird aber erstmal wieder gelernt, Student zu sein, ist ja schließlich nicht einfach.

MfG Ern

PS: Ich hätte euch ja gerne Fotos gezeigt, aber mein Handy kann man vergessen und die einzigen, die es gibt, die sind mit Copyright versehen.